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RUMÄNIEN: HART ABER HERZLICH


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Motorrad ABENTEUER - epaper ⋅ Ausgabe 5/2019 vom 14.08.2019

Eigentliches Ziel sind die Pyrenäen – aber der Ruf nach Abenteuer in Osteuropa ist zu groß. So lernen Dennis Ciminski-Tees (Text und Fotos) und Markus Möller (Fotos) ein Land kennen, dessen Wildnis in Europa auch heute noch seinesgleichen sucht.


Artikelbild für den Artikel "RUMÄNIEN: HART ABER HERZLICH" aus der Ausgabe 5/2019 von Motorrad ABENTEUER. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Motorrad ABENTEUER, Ausgabe 5/2019

Kurs Nord: Das Fagaras-Gebirge trennt Nord und Süd und ist bis zu 2544 m hoch.


1Siebenbürgen lockt mit Landschaft und Geschichte.


2Offroad durch die Karpaten – manchmal eine nasse Angelegenheit.


3Begegnungen mit Einheimischen sind immer ein Quell für gute Laune.


4Ruhestörung? Da kannste pusten, wie du willst!


5Endstation Sehnsucht am Strand von Vama-Veche.

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6Sighisoara, die wohl schönste Altstadt Rumäniens und Weltkulturerbe.


7Für Endurofahrer ist Rumänien ein Paradies.


1Die Einfahrt in die Bicaz-Klamm, wie ein nach oben offener »Tunnel«.


Flexibilität ist heute oft in einer sich immer schneller drehenden Welt gefordert. Kurz bevor wir uns auf den Weg in Richtung Spanien machen, will ich mal testen, wie es um die Flexibilität meines Freundes Markus bestellt ist. Alles ist vorbereitet für eine Tour durch die Pyrenäen, die Sachen gepackt, das GPS mit den Tracks ausgerüstet und eine Liste aller für uns relevanten Sehenswürdigkeiten schon lange vor der Abfahrt ins Grenzgebirge zwischen Frankreich und Spanien herausgesucht. Und dann fällt mir eine Stunde vor der eigentlichen Abfahrt ein, dass Markus noch nie in Rumänien war und meine Lust auf die Karpaten eigentlich doch größer ist als die Lust auf die Pyrenäen. »Was hältst Du von Rumänien?«, frage ich meinen überraschten Begleiter. »Wie? Jetzt?« schaut Markus mich fragend an. 30 Minuten später sind die Karten und Reiseführer getauscht und wir machen uns mit dem Transporter auf den Weg in Richtung Siebenbürgen! Um die Flexibilität scheint es also gut bestellt zu sein…


Mitten auf der Straße kommt uns eine Bärenmutter mit ihren beiden Jungen entgegen


Gut eineinhalb Tage später erreichen wir das Moto-Camp in Cisnaedoara, das Doru gerade für Motorradreisende aufbaut. Hier lassen wir den Sprinter für die nächsten 14 Tage stehen und stürzen uns ins Abenteuer. Von hier aus liegen die beiden schönsten Pässe nur einen Steinwurf entfernt. Dass die Transfagarsan noch gesperrt ist, ist wirklich sehr schade, aber dennoch machen wir uns auf den Weg zum Fuße dieses spektakulären Passes. Noch kurz vor dem Losfahren gibt uns Doru mit auf den Weg, dass wildes Zelten keine gute Idee ist. »Die Bärenmütter haben momentan Junge und sind daher mit etwas Vorsicht zu genießen!« Mit diesen Worten im Kopf erreichen wir gut drei Stunden später die Straßensperre zur Transfagarasan. Wir wollen aber weiter hoch zum Balea-Wasserfall. Also kurz die Koffer abnehmen, am Betonklotz vorbei und schon können wir die unglaubliche Aussicht auf den Moldeveanu genießen.

Mit 2.278 Metern liegt der Gipfel noch immer im Schnee und die Straße zum Pass ist noch nicht von den Folgen des Winters befreit. Doch es ist nicht der dichter werdende Schnee, der unserer Fahrt ein Ende setzt. Plötzlich brüllt Markus in das Headset und ich sehe, wie er in unglaublicher Geschwindigkeit wendet. Mitten auf der Straße kommt uns eine Bärenmutter mit ihren beiden Jungen entgegen und Markus Worte über die Bärenjagd sind plötzlich präsenter denn zuvor. Wenn einem gut 50 Meter vor dem Motorradrad »Meister Petz« begegnet, dann sollte man das Beschleunigungsvermögen eines Braunbären nicht unterschätzen. Immerhin wird so ein aufgeregter Bär fast 60 km/h schnell. Zum Glück verfolgt uns das wahrscheinlich ebenso erschreckte Tier nicht weiter. Für uns ist aber klar, dass wildes Zelten hier wirklich keine so tolle Idee zu sein scheint.

2S-Kurve: Die Transfagarasan gehört zu den spektakulärsten Straßen Europas.


3Fast wie auf Island: die Schlammvulkane von Bercau.


4Fahren wie auf Schienen: Nicht immer sind die Straßen in Rumänien in einem guten Zustand.


Ob man bei Regen zelten möchte, sollte sowieso jeder für sich entscheiden. Denn rechtzeitig beim Abbiegen auf die andere berühmte Straße der Karpaten schlägt das Wetter um. Ein Umstand, der uns von nun an jeden Tag begleiten sollte. Die Transalpina ist sogar noch höher als die Transfagarsan. Bei meinem ersten Besuch 2008 konnte man die gesamte Transalpina noch geschottert unter die Räder nehmen. Heute schlängelt sich die Strecke geteert durch die Berge. Entgegen der Aussagen der Einheimischen ist aber auch diese Straße noch nicht freigegeben. Schneefälle haben auf einer Höhe von 1.800 Metern die Straße wieder unter sich begraben. Dennoch genießen wir den Ausblick auf die umliegenden Berge und sind uns einig, dass beide Straßen den berühmten Alpenpässen in nichts nachstehen. Vielleicht liegt das auch an der fast unberührten Natur, von der Rumänien so unendlich viel zu bieten hat.

Da wir uns über kleine Straßen bewegen wollen, folgen wir dem Track auf unserem Navi. Das Warnschild bei der Einfahrt auf den unbefestigten Weg lassen wir links liegen. Vielleicht ist die Warnung »Road impassable« ja wie eine Aufforderung für Enduristen zu verstehen. Aber nach ein paar Kilometern müssen wir uns geschlagen geben. Zu schwer sind unsere Africa Twins auf der völlig aufgeweichten »Straße«. Hier hätten selbst Sport-Enduros ihre liebe Not. Manchmal sollte man sich eingestehen, dass die Natur und mit ihr in verhängnisvoller Allianz stehende rumänische Nebenstraßen einfach stärker sind als Offroad-Reifen, Pferdestärken und unser fahrerisches Können.

Vor ein paar hundert Jahren, waren die Straßen sicher auch nicht besser und so hat man mitten in die Berge einige Schlösser und Burgen gebaut, um sich so vor Feinden zu schützen. Aber wenn die Straßen damals nicht viel besser waren, wie zum Teufel hat man das Baumaterial zum ausgewählten Platz gebracht? Aber irgendwie muss es ja funktioniert haben, sonst würde das wohl berühmteste Schloß Rumäniens nicht so so wundervoll über dem Ort thronen: Schloss Bran, das sagenhafte »Dracula-Schloss« lockt jedes Jahr Unmengen von Touristen an. Dieses Jahr hat sich der Ort etwas ganz Besonderes einfallen lassen.

Während wir aussehen, als ob wir gerade aus einem Science-Fiction Film gefallen sind, befinden sich in Bran gerade zahllose austrainierte Menschen. Als wir von einem Deutschen angesprochen werden, der uns mit unseren bepackten Maschinen eine gewisse Verrücktheit attestiert, tun wir es ihm gleich, denn für ihn und seine Mitstreiter geht es morgen auf einen Lauf von 100 Kilometern durch die Wildnis der Karpaten! Wer nun von uns verrückter ist liegt ja bekanntlich immer im Auge des Betrachters.

Wir wünschen dem drahtigen Mittdreißiger viel Erfolg und machen uns am nächsten Tag auf in Richtung Osten. Nach Tagen des Dauerregens sind wir bereit für etwas Sonne und ich erzähle Markus vom berühmten Vama-Veche. Eigentlich passt der Ort gar nicht in das normale Portfolio eines Motorradreisenden, aber wer einmal in Rumänien war, der sollte auch einen Abstecher in dieses besondere Dorf machen. Wir nehmen uns eine kleine Hütte auf einem Campingplatz und genießen die Sonne, die uns nach all dem Regen gute Laune beschert. Hier in Vama-Veche herrscht noch Vorsaison und die Massen an Hippies und Aussteigern scheinen noch im Winterschlaf zu sein. Im Sommer zelten hier hunderte von Leuten einfach am Strand und verwandeln den Ort in ein Ibiza im »Romanian Style«. Nach unserem Besuch am Strand kommen wir zurück und werden, wie es häufig auf unseren Reisen ist, mal wieder zu einem Geburtstag eingeladen. Also noch einmal um Mitternacht zurück zum Strand und ein wenig das Tanzbein geschwungen. Ans Fahren ist am nächsten Tag natürlich vor 16 Uhr nicht zu denken. Also erkunden wir die Gegend um Vama-Veche erst in den Abendstunden und entdecken wundervolle kleine Wege abseits der Straßen. Und auch hier gibt es freie Strecken für Enduristen, die für unser Twins sehr geeignet sind. Zumindest bleiben wir für heute noch trocken und angenehm temperiert.

Auch das gibt‘s hin und wieder: Eine gut zu fahrende Schotterpiste in den rumänischen Karpaten, die meisten sind schlechter.


Also wir uns am nächsten Tag aufmachen, die Schlammvulkane von Bizau zu entdecken, führt uns unser Weg durch die Walachei. Endlos ziehen sich die Straßen, wie ein Kontrastprogramm zu den Kurven der Karpaten, durch die Landschaft. Und immer wieder suchen wir uns kleine Wege, die eine geschotterte Alternative zum Kilometerfressen auf den Hauptstraßen darstellen. Nach rund 400 Kilometern erreichen wir die Schlammvulkane von Bercau und schlagen unser Zelt auf dem örtlichen Campingplatz auf. Endlich zelten und das Gefühl von Freiheit genießen! Wäre da nicht die Gewitterfront, die sich direkt über uns gebildet hat. Wenn Blitz und Donner zeitgleich in Erscheinung treten und fast mehrere Blitze in die Bäume in unmittelbarer Nähe einschlagen, dann sollte man schon etwas vorsichtiger sein. Aber auch das schlimmste Gewitter ist irgendwann vorbei und wir schlafen ausgesprochen gut in den Zelten.

Am nächsten Morgen wollen wir die Schlammvulkane aus der Nähe sehen. Problem dabei ist jedoch die Auffahrt zum Parkplatz, die sich fast komplett aufgelöst hat. Und so ist dem Ranger die Verwunderung anzusehen, als wir plötzlich mit unseren Reise-Riesen auf dem Parkplatz stehen. Dass wir uns auf dem Weg hierher mindestens je drei Mal lang gemacht haben, verschweigen wir dem guten Mann natürlich. Aber die Mühe hat sich gelohnt. Das Gebiet wird durchzogen von Schlammvulkanen, deren Absonderung stark salz-und schwefelhaltig sind. So etwas habe ich zuletzt auf Island gesehen. Beeindruckend ist es hier nicht minder.

Über Straßen, die Ihren Namen teils nicht mehr verdient haben, suchen wir uns einen Weg durch die Berge. Der Regen des Vorabends hat auch hier wieder ganze Arbeit geleistet und lässt die Auffahrt zu den Solfataren wie ein Kinderspiel erscheinen. Mitten im Wald gibt uns eine Auffahrt den Rest. Das Motorrad von Markus hat sich festgefahren. Mit letzter Kraft stemmt sich mein Reisebegleiter gegen den Sturz in den matschigen Graben. »Wenn ich hier reinfalle, dann bekommen wir die Karre niemals ohne maschinelle Hilfe wieder raus«, gibt er mir zu verstehen. Nur unter Einsatz des Motors und unserer letzten Kraft gelingt es uns, den Absturz der Maschine in den Graben zu verhindern. Bis fast zum Knie stehen wir im Schlamm und schaffen es trotzdem irgendwie, Markus‘ Twin aus der misslichen Lage zu befreien.

Ein volles Kontrastprogramm zu Brasov. Die Metropole, deren deutscher Name Kronstadt lautet, lockt mit einer Vielzahl an Attraktionen. Ein Highlight ist natürlich die »schwarze Kirche«, die nach einem Brand zu ihrem Namen kam. Der niedrige Kirchturm ist dem Umstand der seismischen Aktivität geschuldet, die Rumänien immer noch in Bewegung hält. Wir genießen das Stadtleben ein wenig und lassen den Abend bei einem guten Essen ausklingen. Morgen soll es zum Lacul Rosu gehen, und dem sich kurz dahinter anschließenden Bicaz-Klamm. Warum der See allerdings Lacul Rosu (roter See) heisst, hat sich beim Blick aus der Drohnenperspektive nicht erschlossen. Eine der vielen Legenden sagt, dass bei einem Erdrutsch einige Dutzend Menschen umgekommen seien und der See das Blut der Opfer enthält, der deswegen »roter See« genannt wird. Wir wissen es nicht und die Geschichte ist auch lange nicht so schön wie die Bicaz-Klamm, die ein paar Kilometer weiter liegt.

Wissenswertes

Allgemeines: Rumänien ist landschaftlich extrem vielseitig. Egal ob die flache Walachei, die Küste des Schwarzen Meeres oder die Karpaten, landschaftlich ist für jeden Geschmack etwas dabei. Gerade die unendlichen Wälder in den Bergen lassen diese als eine der letzten Wildnisse in Europa erscheinen. Die Fauna ist extrem vielseitig. Bären und Wölfe gehören genauso dazu wie Rotwild oder Luchse. Dennoch sollte man nicht vergessen, dass Rumänien zu den ärmsten Ländern der EU zählt und sich das Land immer noch im Wandel befindet. Aber die Mehrheit der Rumänen ist extrem pro-europäisch eingestellt und begreift die EU als Chance für eine bessere Zukunft.

Anreise: Wir haben die Anreise für diese Tour ausnahmsweise einmal per Transporter gewählt. Von Hamburg bis ins Herz der Karpaten sind es ca. 1.600 Kilometer. Für die Einreise nach Rumänien reicht der Personalausweis, den man auch immer dabei haben sollte, da Rumänien noch nicht zum Schengen-Raum gehört und es an der Grenze zu Einreise-Kontrollen kommen kann.

Reisezeit: Unsere Tour haben wir in die Vorsaison gelegt. Mitte bis Ende Mai sind zwar die beiden schönsten Pässe (Transfagarasan und Transalpina) meist noch gesperrt, aber dafür sind wenig Touristen unterwegs. Wie immer in den Bergen sollte die Bekleidung wasserdicht sein, denn oft ändert sich das Wetter schneller als einem lieb ist.Wer es gerne warm hat, der sollte Rumänien im Juli oder August besuchen, dann ist gutes Wetter fast garantiert.

Unterkunft & Kulinarisches: Camping mit Zelt ist wie oft in Osteuropa fast unbekannt. Oft werden auf Camping-Plätzen Hütten angeboten, die häufig sehr einfach sind. Ob man wild zelten will, sollte jeder für sich selbst entscheiden. Immer wieder kommt es in den Wäldern zu schwierigen Begegnungen zwischen Mensch und Tier. Wer es sich nach einem Regentag gemütlich machen will, greift einfach auf eine der vielen Pensionen zurück, die wirklich überall zu finden sind und in gutem Zustand sind. Die Preise liegen zwischen 10 und 20 Euro pro Person. Besonders hervorzuheben sind das Moto-Camp in Cisnaedoara, wo wir unseren Transporter abgestellt haben. Wer in Turda das Salzbergwerk besucht, sollte unbedingt das »Turda Wineyard« als Unterkunft nutzen. Toller Ausblick, gute Zimmer und toller Wein, verbunden mit einem sagenhafen Frühstück machen diese Unterkunft zu etwas ganz Besonderem! Das Essen hat uns überall sehr gut geschmeckt. Egal ob Salat oder Gulasch, ob Fleisch oder Beilagen, wirklich alles ist immer frisch und Tiefkühlkost fast unbekannt. Die Preise liegen zudem deutlich unter denen in Deutschland!

Geld und Währung: Der Euro ist in Rumänien noch nicht angekommen. Die Währung heißt hier LEI und wird RON abgekürzt. Der Wechselkurs zwischen EUR zu RON beläuft sich auf 1:4,65, Geldautomaten gibt es in jeder Stadt. Achtung: Gerade in kleinen Pensionen kann man nicht mit Kreditkarten zahlen.

Motorradfahren: Rumänien ist ein Eldorado für Motorradfahrer. Und auch wenn die Straßen nicht immer zu den besten gehören, die Kurven tun es zweifellos. Am berühmtesten ist sicher die Transfagarasan, eine der spektakulärsten Pass-Straßen in Europa (Wintersperre von November bis Anfang Juni). Für Reise-Enduristen gibt es darüber hinaus genug Nebenstrecken, die einer geputzten Reise-Enduro das gewisse Extra geben. Aber Achtung: Wenn die Rumänen schon Schilder setzen, dass die Straße unpassierbar ist, dann sollte man dem Schild ruhig Glauben schenken!

Sehenswürdigkeiten: Siebenbürgen ist kulturell und geschichtlich extrem vielseitig – der deutsche Einfluss auf die Gegend ist bis heute spürbar. Die Altstädte von Brasov, Sibiu und Sighisoara sind Highlights. So ziemlich einmalig auf der Welt ist das Salzbergwerk in Turda. Das muss man einfach gesehen haben, sonst glaubt man es nicht!

Literatur: Tolle Reiseführer extra für Motorradfahrer: »Touring in Rumänien – Der Reiseführer für Zweiräder« (onroad / deutsch), ISBN 978-973-0-28280-1, »Off-Road Romania – The two-wheel Traveler´s guide« (offroad/Englisch) ISBN 978-0973-0-26798-3, www.carpathian2wheelsguide.com

1Nicht ohne Grund dauert die Wintersperre der Transfagarasan bis Juni.


Der Sage nach soll der »rote See« das Blut der Opfer eines Erdrutsches enthalten, daher der Name


Die letzten Haarnadelkurven vor der Klamm sind wirklich alle Ehren wert und Markus ertappt sich dabei, wie er den Reifen griptechnisch alles abverlangt. Die grobstolligen Bridgestones machen ihren Job gut und wir können in dieser einmaligen Felsformation einfach das Fahren genießen. Hunderte Meter hoch erstrecken sich die Wände und lassen die Fahrt wie in einem Tunnel erscheinen.

Wir erreichen Turda am nächsten Tag bei gutem Wetter und beziehen Quartier auf einem Weingut. Die Hausherren, ein junges Ehepaar, verwöhnen uns mit tollem Essen und einem Frühstück, das auch eine ganze Fußballmannschaft sättigen könnte. Dass der Wein im Übernachtungspreis inkludiert ist, kann jeder für sich selbst als Vor-oder Nachteil einordnen. Die Fahrpause am nächsten Tag ist zu verschmerzen, denn Turda hat mit seinem Salzbergwerk direkt unter unserem Domizil eine weltweit einmalige Attraktion zu bieten. Allein der Eingang in das Tunnelsystem ist schon beeindruckend, aber als wir die große Halle erreichen, sind wir sprachlos: Über 12 Stockwerke hoch ist die Kaverne aus der alten Zeit. Neben einer Tischtennisanlage, einem Billiardcafe und einer Kegelbahn ist das Riesenrad eine der Hauptattraktionen. Dass man noch einmal 6 Stockwerke tiefer auf einem Salzsee romantisch mit dem Ruderboot seine Runden ziehen kann, rundet dieses unglaubliche Erlebnis ab. Für Markus und mich ist dieses Bergwerk eines der Highlights unserer bisherigen gemeinsamen Reisen.

Mit diesen Eindrücken im Gepäck geht es weiter in Richtung Apuseni-Gebirge. Die Passstraßen sind allesamt geschottert aber ausnahmsweise im guten Zustand. Ein Genuss für Schotterfahrer, den auch die Rumänen für sich entdeckt haben. Die vielen kleinen Häuser sind liebevoll gestaltet und lassen darauf schließen, dass viele Naturliebhaber sich hier Ferienhäuser und Wochenend-Datschen gebaut haben. An die vielen Hunde, die ihre Territorien bewachen, haben wir uns mittlerweile gewöhnt. Wie kleine Terrier rennen sie immer genau bis an die Grundstücksgrenze. Aber im Gegensatz zu den Hunden sind die Menschen hier oben extrem freundlich. und möchten nach der Sonntagsprozession schon mal auf einer Africa Twin Platz nehmen. Das Wetter vermögen allerdings auch die freundlichsten Rumänen nicht zu ändern. Zum Regen kommt dazu, dass wir wohl die letzte Tankstelle übersehen haben und in den Apuseni-Bergen das Tankstellen-Netz sehr dünn ist. Im strömenden Regen und mit dem Blick auf die blinkende Tankanzeige bekomme ich nicht viel mit vom letzten Pass vor der Tankstelle, die wir auf den letzten Tropfen erreichen.

2Ob man an der alten Antonow noch was zum Ausschlachten findet?


3Ein Pferdefuhrwerk ist auch heute noch ein ganz normales Verkehrsmittel in Rumänien und mindestens so zuverlässig wie die Africa Twin.


4Das Salzbergwerk in Turda ist wohl weltweit einzigartig.


Kurz vor Sighisoara, zeigt sich die Sonne wieder. So erreichen wir die wunderschöne Stadt, deren Altstadt zu einer der schönsten in ganz Rumänien gehört, im sanften Licht des Sonnenuntergangs. Per App haben wir eine kleine Pension gebucht. Mitten in der Oberstadt, die seit 1999 bereits zum UNESCO Weltkulturerbe zählt, beziehen wir Quartier. Schon im Vorfeld habe ich Markus erzählt, wie schön diese Altstadt ist und mein Freund muss mir beipflichten, als wir abends durch das Städtchen streifen. Wie kleine Adern durchziehen mittelalterliche Gassen den Burgberg mit Blick auf den berühmten Stundturm, der hoch über der Neustadt liegt und einst der Haupteingang zur Oberstadt war. Uns gefällt das mittelalterliche Ambiente so gut, dass wir beschließen, zwei Nächte zu bleiben und am nächsten Tag nur einen Ausflug durch den Kreis Mures zu machen. Hier liegen viele der alten Wehrkirchen, für die Siebenbürgen berühmt ist.

In Iacobeni, dem ehemaligen Jacobsdorf, treffen wir auf Florin, der seit 35 Jahren in Deutschland lebt. Der Endfünfziger erzählt uns aus seiner Zeit als Kind in Rumänien, dem Leben unter Ceaucescu und dass er froh ist, dass es Europa gibt, sonst würde es in diesem Teil Rumäniens noch immer aussehen wie damals unter dem Diktator, der Rumänien mit seiner kruden Weltanschauung fast in den Ruin getrieben hätte. Aber auch heute hat das Land noch mit Problemen zu kämpfen. Der zweitärmste Staat der EU hadert mit der Abwanderung der jungen Menschen in Ausland, den schlechten Straßen, der maroden Infrastruktur und der grassierenden Korruption in der Politik. Aber trotz aller Probleme haben sich die Rumänen ihre Herzlichkeit und Gastfreundschaft bewahrt. Eine Empfehlung für eine der schönsten Burgen im Umkreis gibt uns Florin noch mit auf den Weg: »Ihr solltet Euch noch einmal Viscri ansehen!«

Über kleine Straßen, die besser sind als wir gedacht haben, geht es in Richtung Osten. Wir sind uns einig, dass sich in Europa nur schwer Gegenden finden lassen, in denen sich Kultur und Geschichte so vereinen lassen wie hier im Herzen der Karpaten. So lockt die kleine Burgkirche und UNESCO Welterbe Viscri im perfekten Zustand. Einen Besuch ist aber fast jede dieser Kirchen wert. Der Rückweg nach Sighisoara fällt dann in den Wäldern doch etwas rustikaler aus. Die Regenfälle der Vortage haben die Straßen mal wieder arg in Mitleidenschaft gezogen. Aber nicht die Straßenverhältnisse zwingen uns diesmal zur Umkehr, sondern eine Herde Schafe, oder besser gesagt die Kaukasen, Herdenschutzhunde, die ihre Schafe im Falle eines Falles vor den Bären beschützen. Schon merkwürdig, da können uns weder Regen, schlechte Straßen noch andere Nicklichkeiten stoppen, aber hier tun es fünf Hunde, die uns nicht aus den Augen lassen, bevor die Herde, die hier in den Bergen ohne Schäfer auszukommen scheint, aus unserem Sichtfeld verschwunden ist. Markus und ich sind uns einig: Den Kampf mit den Elementen kann man gewinnen, aber den Kampf mit den riesigen Wachhunden hätten wir verloren. Verloren haben wir jedoch eines ganz gewiss: Unser Herz an Rumänen, das Land »hart aber herzlich«!