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RUMUNZA GOLF CLUB: Auf Sand gebaut


Golfpunk - epaper ⋅ Ausgabe 1/2020 vom 29.05.2020

Mitten in Pakistan hat sich ein sechsfacher Major-Sieger einer ganz besonderen Herausforderung gestellt. Gemeinsam mit einer riesigen Mannschaft ist Nick Faldo dabei, den ersten modernen Championship-Platz des Landes zu bauen. Ein Blick hinter die Kulissen.


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Bildquelle: Golfpunk, Ausgabe 1/2020

Pakistan und Golf – das dürfte für die meisten Golfer hierzulande in etwa so gut zusammengehen wie Sauerkraut und Nutella. Doch dazu sei gesagt, dass mit der Gründung des Karachi Golf Club 1888 Pakistan eine längere Golftradition vorweisen kann als Deutschland. Zugegeben, der Golfplatz im Kurpark von Bad Homburg nahm nur wenige Monate später den ...

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... Spielbetrieb auf, aber das sind nun mal die Fakten.

130 Jahre später steht Andrew Haggar in -mitten einer ehemaligen Obstplantage im Speckgürtel von Multan, einer 1,9-Millionen-Einwohner-Stadt im Herzen Pakistans und pflückt eine reife Mango von einem der schattenspendenden Bäume. Sein Blick schweift über flaches, karg bewachsenes Land, doch vor dem geistigen Auge des Golfplatzarchitekten tauchen bereits Grüns auf, wo im Moment noch Buschwerk wächst, und Doglegs, die quer über staubtrockene Trampelpfade verlaufen. Nur für ein Platzelement braucht es keine Fantasie: riesige Bunkerlandschaften. Denn Sand gibt es bereits jetzt in Hülle und Fülle.

Wir schreiben das Jahr 2018 und Haggar, Chefarchitekt von Nick Faldos Golfplatzdesign-Company hat seine erste von bisher fünf Reisen hierher angetreten. In wenigen Jahren soll an dieser Stelle nicht nur die beste Golfanlage Pakistans, sondern des gesamten Subkontinents fertiggestellt werden. Andrew hat bereits Golfplätze in der Dominikanischen Republik und in Kambo-dscha entworfen und zeichnete verantwortlich für das Redesign des Faldo-Platzes in Bad Saarow für die deutsche Ryder-Cup-Bewerbung 2022. Doch ein Projekt in Pakis tan ist auch für den Platzdesign-Veteranen ein echtes Abenteuer.

Zwei Jahre später in der Gegenwart ange kommen, beobachtet der Architekt von seiner Heimat England aus die Fortschrit te im über 6.000 Kilometer entfernten Multan, denn an internationale Reisen ist im Moment nicht zu denken. In Pakistan rollen schon seit Mai 2019 die Bagger und ein Golfplatz, der später einmal den Namen Rumunza tragen soll, wächst bereits deutlich sichtbar aus dem oder besser gesagt in den Sandboden. „Das über 3.500 Hektar große Stück Land, auf dem der Platz entsteht, ist vollkommen flach – ohne jede Höhenunter schiede. Also haben wir die Spielbahnen förmlich in die Tiefe gebaut, was einigen Löchern die Anmutung verleiht, als würden sie durch einen Steinbruch verlaufen.“


„Dazu sei gesagt, dass mit der Gründung des Karachi Golf Club 1888 Pakistan eine längere Golftradition vorweisen kann als Deutschland.“


Bis dahin war es jedoch ein weiter Weg, denn der Vorsatz des Designteams, auf der Baustelle ausschließlich vor Ort vor han dene Materialen zu verwenden, erwies sich als schwieriger als gedacht. Zwar erlebt Golf in Pakistan seit mehreren Jahren ein sichtbares Wachstum und Rumunza ist nicht der einzige momentan im Land entstehende Golfplatz, bestimmtes Baumaterial war jedoch erwartungsgemäß schwierig zu bekommen. „Einige golfspezifische Ma schinen mussten wir mitbringen, da sie in Pakistan nicht vorhanden waren, und per forierte Drainagerohre zu finden war ebenfalls eine echte Herausforderung“, erin nert sich Haggar. Doch gemeinsam mit den Improvisationskünstlern des Bautrupps wurde diese gemeistert.

Mehr als 300 Menschen arbeiten auf der riesigen Baustelle, von denen nur sechs Expats aus England ihr Wissen und Erfah rungen im Golfplatzbau einbringen. Da run ter Bauleiter Dave Mathews und einer seiner Shaper, der als Mann auf dem Bulldozer eine wichtige Rolle dabei spielt, wie der Platz am Ende tatsächlich aussehen wird. Der gesamte Rest der Truppe besteht aus Einheimischen, von denen der größte Teil noch nie einen Golfplatz betreten ge schweige denn gebaut hat. Darauf ist Haggar sichtlich stolz: „Bei Faldo Design sind wir sehr darauf bedacht, die Menschen der Region mit in ein entstehendes Projekt einzubinden. Kommt auf einer Baustelle eine hauptsächlich einheimische Crew zum Einsatz, erzeugt dies eine großartige Verbindung zu den Anwohnern.“ Auch sein Bauleiter Dave vor Ort ist von dieser Form der Personalpolitik überzeugt und kann sich auf seine Leute absolut verlassen: „Es ist eine große Freude, mit den Arbeitern aus Pakistan gemeinsam an diesem Golfplatz zu arbeiten. Ihre Professionalität, ihr Fleiß, ihre Freundlichkeit und die Lust, jeden Tag Neues zu lernen, sind einfach fantastisch.“

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Als Sir Nick Faldo Signature Design bekommt Rumunza ganz besondere Aufmerksamkeit des ehemaligen Weltranglistenersten, der bereits mehrfach nach Multan reiste und, sobald es die globale Lage erlaubt, auch schnellstmöglich zu seinem Baby zurückkehren wird. Die Herangehensweise an ein neues Projekt beginnt dabei immer mit einem weißen Blatt Papier. „Es gibt keinen typischen Faldo-Look eines Golfplatzes. Wir gehen jedes einzelne Projekt ohne eine vorgefasste Idee an und lassen uns von dem inspirieren, was uns die Natur vor Ort vorgibt“, erklärt Sir Nick seine Designphilosophie. „Also sind wir nach Multan geflogen, um das Land zu begutachten, und wir waren uns schnell einig, dass sich dieser Platz hart und schnell spielen muss. Schließlich ist in dieser Gegend nur mit vier Regentagen während eines gesamten Jahres zu rechnen.“

Bewässerung eines Golfplatzes in Wüstenklima stellt eine große Herausforderung dar und kann nur durch intelligentes Design gelöst werden, das den Wasserverbrauch auf ein Minimum reduziert. Nicht nur die Bauweise der einzelnen Spielbahnen trägt dazu bei, sondern auch Erkenntnisse aus der Landwirtschaft, weshalb auf dem gesamten Platz einheimische Pflan -zen und Grassorten zum Einsatz kommen, die mit dem extremen Klima gut klarkommen und alles andere als durstig sind. Seit den ersten Skizzen zu Beginn des Projekts arbeiten Andrew Haggar und sein Team mit der Golf Environment Organization zusammen, um die Anlage so ressourcenschonend wie möglich zu entwickeln:

„Nach haltigkeit und Umweltbewusstsein sind für Faldo Design die Grundlage jedes Arbeitsabschnitts und besonders in einem Umfeld wie in diesem müssen diese Aspekte von Anfang an mit ins Design einfließen.“

Doch nicht nur beim Wasserverbrauch und der Vegetation soll der Golfplatz einen möglichst geringen Fußabdruck in der Umwelt hinterlassen, auch optisch hat es sich Haggar zur Aufgabe gemacht, Rumunza möglichst behutsam in die Landschaft einzubetten. „Während der ersten Besichtigung fielen mit die, Deras‘ auf, die in dieser Gegend häufig vorkommenden, von einer Mauer umgebenen Lehmziegelbehausungen. Diese Höfe dienten einst als sozialer Treffpunkt der Obstplantagenarbeiter und ich dachte sofort, wir müssten diese Strukturen ins Design des Platzes integrie ren.“ Die Erhaltung der Deras war nicht die einzige Maßnahme, um den Charakter einer ehemaligen Plantage unangetastet zu lassen. Auch einige der Mangobäume wur -den mittlerweile ein fester Bestandteil des Golfplatzes, denn die Shaper formten für sie eine eigens angelegte Halbinsel im großen See, um den herum gerade die letzten drei Löcher der Runde entstehen.

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Noch ist kein einziger Grashalm gepflanzt und Rumunza gleicht mehr einem gigantischen Sandkasten als einem Championship-Golfplatz. Doch Nick Faldo drehte bereits mit Wedges und Bällen bewaffnet erste Runden, um die provisorisch markierten Fahnenpositionen der gerade entste henden Grüns und strategische Platzie run gen enormer Bunkerwände auf ihre Spieltauglichkeithin zu prüfen, und off en sicht lich gefiel ihm, was er sah: „Einzig arti ges Design sorgt für den Wiedererken nungs wert und Golfer, die bald hier spielen, wer den einen Golfplatz vorfinden, den es so kein zweites Mal in der Welt gibt.“

Obwohl das Coronavirus auch in Ru munza die Uhren mittlerweile langsamer ticken lässt, ist Andrew doch optimis tisch, dass die geplante Eröffnung des Golf platzes im zwei ten Halbjahr 2021 stattfinden kann. In der Zwischenzeit kommuniziert er täglich mit seinen Leuten in Multan: „Bleibt nur zu hoffen, dass Reisen von Eng land nach Pakis tan bald wieder möglich sein werden. Ich kann es kaum erwarten, die Fort schritte vor Ort mit eigenen Augen und nicht nur per Videochat zu sehen. Und natürlich die Mangos von der 18. Spielbahn, auf die freue ich mich ganz besonders.“


„Wir waren uns schnell einig, dass sich dieser Platz hart und schnell spielen muss. Schließlich ist in dieser Gegend nur mit vier Regentagen während eines gesamten Jahres zu rechnen.“


FOTOS: PERFORMANCE 54

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