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Rundreise durch die Welt der Optionen


Traders - epaper ⋅ Ausgabe 8/2021 vom 29.07.2021

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Bildquelle: Traders, Ausgabe 8/2021

Standardisierte Optionen und Optionsscheine

Zunächst einmal müssen wir sicherstellen, dass wir über dasselbe sprechen. Optionen sind keine Optionsscheine, Zertifikate oder ähnliche Produkte wie zum Beispiel binäre Optionen, die ein Emittent (meist eine Bank) herausgibt. Es handelt sich um börsengehandelte standardisierte Produkte, bei denen Angebot und Nachfrage den Preis bestimmen. Außerdem unterliegen sie nicht dem Insolvenzrisiko des Emittenten.

Wer sich das erste Mal mit dem Thema Optionen beschäftigt, erliegt schnell der Versuchung, sie zu kaufen. Das Chance/Risiko-Verhältnis klingt verlockend: Der Käufer einer Option hat ein Risiko, das auf seine anfängliche Prämienausgabe begrenzt ist, und eine Chance, die theoretisch unbegrenzt ist (zumindest bei Call-Optionen).

Der Verkäufer einer Option hat das entgegengesetzte Chance/Risiko-Profil: Er kann viel ...

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... Geld verlieren und sein Gewinn ist auf die Prämieneinnahme begrenzt. Könnte es trotzdem sein, dass diese sogenannte Stillhalterposition die bessere Wahl ist?

Denken Sie beispielsweise an eine Versicherungsgesellschaft. Macht die nicht genau das Gleiche? Der Gewinn einer Versicherung ist ebenfalls auf die eingenommenen Prämien begrenzt und ihr Risiko (im Schadensfall) theoretisch unbegrenzt. Oder ein Spielcasino: Die (kleinen) Einsätze der Spieler stehen auf der Einnahmenseite, ein nicht quantifizierbares Risiko auf der Ausgabenseite. Warum verdienen Versicherungen und Spielcasinos dennoch Geld? Die Antwort ist simpel: weil die Prämien (bei Versicherungen) beziehungsweise Einsätze (bei Casinos) im Verhältnis zu den wahrscheinlichen Auszahlungen eigentlich zu hoch sind.

Dipl.-Ing. Olaf C. Lieser

Olaf Lieser studierte Luft-und Raumfahrttechnik in Stuttgart und Arizona. Bei Optionsuniversum arbeitet er als Software Engineer, Trader und Coach. Er blickt auf eine 30-jährige Trading-Erfahrung zurück, wovon zehn Jahre schwerpunktmäßig auf Optionen lagen. Des Weiteren gibt er Coachings und Webinare zu optionsspezifischen Themen. olaf.lieser@optionsuniversum.de

Christian Schwarzkopf

Christian Schwarzkopf arbeitete nach dem Studium der Volkswirtschaftslehre insgesamt 17 Jahre für die Weberbank in Berlin, zuletzt als Leiter Treasury. Seit 2011 ist er selbstständiger Trader mit dem Schwerpunkt Optionshandel. Seine Trading-Strategien vermittelt er als Coach für www.optionsuniversum.de christian@optionsuniversum.de

Implizite und historische Volatilität

Erfreulicherweise kann man messen, ob das bei Optionen auch so ist. Wir können beispielsweise die implizite Volatilität von Optionen mit der historischen Volatilität des jeweiligen Basiswertes (auch Underlying genannt) vergleichen. Die implizite Volatilität lässt sich aus den Optionspreisen ermitteln und gibt an, welche (künftige) Schwankungsbreite des Underlyings in den Optionsprämien eingepreist ist. Wenn wir diese nun mit der tatsächlichen Schwankung des Basiswertes (also der historischen Volatilität) vergleichen, können wir ablesen, ob die in den Optionspreisen enthaltene Schätzung der künftigen Volatilität meistens zutrifft oder ob die Volatilität eher unter-oder überschätzt wird.

Der Autor hat diese Untersuchung in einem Zeitraum von rund sieben Jahren für den marktbreiten US-amerikanischen Aktienindex Russell 2000 durchgeführt und den ermittelten Schätzfehler (in Prozent) in einem sogenannten Histogramm dargestellt (Bild 1). Zu erwarten war, dass der Schätzfehler im Mittel etwa null Prozent betragen sollte und wir häufig einen kleinen Schätzfehler (in beide Richtungen) beobachten. Größere Schätzfehler sollten selten auftreten und sich wie die kleineren ebenfalls im Durchschnitt ausgleichen. Das tatsächliche Ergebnis sah jedoch komplett anders aus.

Wir sehen im Bild eine deutliche Rechtsverschiebung der Verteilung. Das Mittel beträgt nicht null, sondern zirka fünf Prozent. Im Durchschnitt ist es demnach so, dass die Optionspreise die zukünftige Volatilität des Russell 2000 um fünf Prozent überschätzen. Der Index schwankt damit weniger als die in den Optionsprämien enthaltene Risikoentschädigung für den Verkäufer der Optionen.

Beachten Sie jedoch die kleinen Balken im Bereich von minus 50 bis minus 15 Prozent. Hier hatten die Optionspreise die tatsächliche Volatilität dramatisch unterschätzt. Das ist zwar verhältnismäßig selten vorgekommen, aber so ein „Black- Swan-Event“ hat schon manchen Stillhalter viel Geld gekostet. Statistiker nennen diese Auswüchse am Rande der Glockenkurve auch „Tail Risk“. Neben den richtigen Strategien ist deshalb für Stillhalter ein adäquates Risikomanagement der Schlüssel zum Erfolg. Dazu später mehr.

Diese Untersuchung lässt sich für beliebige Zeiträume und Märkte wiederholen. Das Ergebnis wird ähnlich aussehen. Die implizite Volatilität der Optionspreise und damit die Optionspreise selbst sind eigentlich zu hoch. Der Verkäufer wird für das übernommene Risiko grundsätzlich zu gut entschädigt. Und das ist der Grund, warum Sie mit den richtigen Stillhalterstrategien – unter Beachtung von Risikomanagementregeln – ebenso wie die Versicherungsgesellschaft oder auch das Casino auf Dauer Gewinn machen werden.

Steuern, Optionen und andere Derivate

Vielleicht haben Sie es schon mitbekommen: Die Besteuerung von Kapitalerträgen ist nicht unkomplizierter geworden und einige Anlageprodukte sind gar kaum noch handelbar ohne eine Steuerlast, die über das Jahr sogar etwaige erzielte Gewinne überschreiten kann. Ohne in diesem Artikel in Details zu gehen, so kann nach derzeitiger Lesart und ohne Gewähr Folgendes gesagt werden: Das Herzstück unserer Strategien, die Stillhalter-Trades, sind nicht von der seit diesem Jahr geltenden Verlustverrechnungsgrenze betroffen. Das ist eine sehr gute Nachricht!

Wichtige Begriffe

Option: Mit einer Option erwirbt der Anleger das Recht, ein vom Vertragspartner festgelegtes Kauf-oder Verkaufsangebot wahrzunehmen oder abzulehnen. Kaufoptionen heißen Calls, Verkaufsoptionen Puts.

Basispreis: Der Basispreis (auch Ausübungs-oder Strike-Preis) ist eine wichtige Komponente von Optionen und anderen derivativen Finanzinstrumenten. Er bezeichnet den Preis, zu dem man den Basiswert am Ausübungsdatum (Verfallstag, Stichtag) (ver-)kaufen kann.

Call: Option auf steigende Kurse.

Put: Option auf fallende Kurse. Delta (Griechen): Sensitivitätskennzahlen bei Optionen. Sie geben die Veränderung des Optionspreises bezüglich der Veränderung der Risikofaktoren an. Beispiele: Delta, Gamma, Vega. Innerhalb unserer Basic-Serie werden die Griechen vorgestellt (ab TRADERS´ 04-2016; im Shop unter www.traders-media.de erhältlich).

Am Geld: Option, deren Basispreis nahe am aktuellen Kurs des Basiswertes liegt.

Im Geld: Option, die einen Inneren Wert größer als null aufweist.

Aus dem Geld: Option, deren Innerer Wert null ist und deren Basispreis nicht am aktuellen Kurs des Basiswertes liegt.

Innerer Wert: Wert einer Option im Fall der sofortigen Ausübung. Call: aktueller Kurs -Basispreis; Put: Basispreis -aktueller Kurs.

Rollen: Bestehende Positionen in Optionsksontrakten werden vor dem Auslaufen der Option in einen der anschließenden Optionskontrakte übertragen. Verfallstermin: Termin, zu dem ein Derivat (zum Beispiel eine Option oder ein Zertifikat) ausläuft und verfällt.

Zeitwert: Differenz zwischen Optionspreis und dem Inneren Wert der Option.

Covered Call Writing: gedeckter Call. Optionsstrategie, die Optionen und Aktien verbindet. Man erwirbt 100 Aktien und verkauft eine Option darauf.

Risk Reversal: Der Risk Reversal ist eine kombinierte Strategie bestehend aus Kauf-und Verkaufsoptionen. Er setzt sich aus einer erworbenen Kaufoption aus dem Geld und einer veräußerten Verkaufsoption ebenfalls aus dem Geld zusammen. Beim bärischen Risk Reversal ist es genau anders herum. Die beiden Geschäfte finden parallel statt und bilden gemeinsam den Risk Reversal.

Beispiele für Stillhalter-Trades

Neben diesem systematischen Vorteil gegenüber dem Markt hat der Stillhalter noch einen entscheidenden Vorteil. Er kann eine Marktmeinung haben – er braucht aber keine, um erfolgreich zu sein. Schauen wir uns beispielsweise die Position eines Stillhalters an, der über einen Zeitraum von einem Jahr Monat für Monat Calls auf Google, die etwa zehn Prozent aus dem Geld waren (also Basispreis zehn Prozent über dem jeweils aktuellen Kurs), verkauft hat. In Bild 2 ist dargestellt, wie erfolgreich diese Strategie gewesen wäre. Optionskontrakte, die wertlos verfallen wären, sind mit einem grünen Haken gekennzeichnet. Wie man sieht, wäre der Stillhalter also in zehn von zwölf Fällen erfolgreich gewesen, hätte die vereinnahmte Prämie behalten dürfen und nur in zwei Fällen etwas auszahlen müssen.

Interessant ist, dass es immer wieder Fälle gibt, bei denen der Stillhalter gewinnt, aber – was die Marktentwicklung betrifft – eigentlich falsch liegt. Ein Beispiel ist der Oktober 2015 (gekennzeichnet durch den Pfeil). Hier ist die Aktie per Saldo gestiegen, also sollte man annehmen, dass der Käufer eines Calls Geld verdient. Das Gegenteil war der Fall: Der Stillhalter hat verdient und der Käufer seine gesamte Prämie verloren, obwohl er mit seiner Marktmeinung (steigender Aktienkurs) richtiglag. So etwas kommt immer wieder vor und stellt einen entscheidenden Vorteil des Stillhalters gegenüber dem Aktionär dar. Der Stillhalter verdient Geld, wenn der Markt sich in die „richtige“ Richtung bewegt. Er verdient ebenfalls Geld, wenn der Markt seitwärts tendiert. Und er kann sogar Geld verdienen, wenn der Markt moderat in die „falsche“ Richtung geht!

Hier entstehen Synergien. Jeder, der sich schon einmal intensiver mit Indikatoren befasst hat, weiß, dass diese eine Aussagekraft haben, bei dezidierten Richtungs- Trades die Erfolgsquote jedoch oft begrenzt ist. Wenden wir nun solch einen Indikator auf einen Stillhalter-Trade an. Reicht als Signalaussagekraft eines bullischen MACD- Signals (Moving Average Convergence/Divergence) beispielsweise schon die Diagnose „nicht bärisch“, um Profit zu machen, so ist das ein Quantensprung gegenüber klassischen Long- und Short Trades.

Der Autor Olaf Lieser wendet das erfolgreich bei seinen Stillhalter-Trades in den E-Mini-S&P-500-Futures-Optionen an: Wenn das MACD-Signal im Wochenchart auf bullisch schaltet, verkauft er Put-Optionen oder weite Put-Spreads auf diesen Future (Laufzeit mindestens acht Wochen, Delta des Short Strikes etwa 20 Prozent). Denn die Tatsache, dass der Markt dann mit großer Wahrscheinlichkeit in den nächsten Wochen nicht unter die jüngsten Tiefs fällt, ist ausreichend als Richtungsbestimmung. Gewinne fallen schon durch das Verstreichen von Zeit an. Die Aufgabe lautet dann nicht mehr: „Schätze ein, wo der Markt hingeht“, sondern nur: „Schätze ein, wo er nicht mehr hingeht.“ Das ist ein entscheidender Unterschied, weil die zweite Frage viel leichter zu beantworten ist.

„Zusatzdividende“ mit Covered Call Writing

Die Strategie mit den verkauften Calls, wie sie am Beispiel Alphabet gezeigt wurde, kann man weiterführen. Hat man die Aktie im Depot (zum Beispiel 100 Stück), kann man das mit der „Short Call“-Strategie kombinieren. Es kommt dabei die wohl bekannteste Art des Optionenschreibens heraus: das Covered Call Writing.

Hier eine einfache Beispielregel für das Aufsetzen solch einer Strategie mit einem Lot Aktien (100 Stück) im Depot, wie sie Olaf Lieser seit Jahren erfolgreich handelt: Der Trendkanal des Aktienkurses sei leicht aufwärtsgerichtet. Wenn die Aktie sich an ihrer oberen Begrenzung befindet, wird ein Call verkauft mit einer Restlaufzeit von rund acht Wochen und dem Basispreis (= Strike) knapp über dem Trendkanal. Voraussetzung: Man kann ein Prozent des Aktienpreises als Optionsprämie einnehmen. Diese Option kauft man zurück, wenn zwei Drittel des Wertverfalls erreicht wurden, was dann als Gewinn vereinnahmt wird. Geht der Call stattdessen ins Geld (deutlich steigende Aktie), rollen wir in einen späteren Verfall und wenn möglich höheren Strike, allerdings ohne Geld nachzuschießen. Das heißt: Der neu verkaufte Call soll mindestens so viel Geld einbringen, wie zum Zurückkaufen des alten nötig war. Alternative: Die Aktien zum Verfall ausbuchen lassen, wenn der Call im Geld ist. Wenn sich die Marktmeinung zur Aktie generell auf bärisch ändert, Aktie und Option glattstellen. Auf diese Art und Weise verdient man sich quasi eine „Zusatzdividende“ für seine Aktienpositionen.

Options-Trades als Ersatz für Aktien-Richtungs-Trades

Langfristige Aufwärtstrends von Aktien lassen sich hervorragend auch mit Optionen handeln – oftmals mit verbesserter Performance bezogen auf das eingesetzte Kapital. Beim sogenannten Poor Man’s Covered Call ersetzt man die 100 Aktien durch einen gekauften, lang laufenden Call. Der wird idealerweise leicht im Geld aufgesetzt. Aufgrund des erheblich kleineren Kapitaleinsatzes hat man de facto einen leichten Hebel in diesem Investment. Regelmäßiges Rollen des verkauften Calls wie beim klassischen Covered Call sowie eine Glattstellung der gesamten Position, wenn das bullische Szenario nicht mehr aufrechtzuerhalten ist, gehören hier ebenfalls dazu. Der Autor dieses Artikels handelt diese Strategie mit eigenem Geld seit vielen Jahren erfolgreich.

Wahrscheinlichkeit und Erwartungswert

Wie Sie schon bemerkt haben, dreht sich beim Optionshandel alles um Wahrscheinlichkeiten. Dabei versucht der Options-Trader, sich durch die geschickte Auswahl seines Handelssystems und durch geeignete Optionswerkzeuge auf der richtigen Seite der Verteilung zu positionieren. Der Händler baut also schon vor dem ersten Trade einen statistischen Vorteil in seine Handelsmethode ein. Neudeutsch formuliert tradet er „mit Edge“ und hat somit einen positiven Erwartungswert. Dieser Erwartungswert eines Ansatzes lässt sich durch detaillierte Rückrechnungen (Backtesting) bestimmen. Führt der Händler systematisch eine größere Anzahl von Trades mit positivem Erwartungswert durch, wird er im Durchschnitt aller Trades ein positives Ergebnis erzielen.

Das Problem bei gekauften Call- und Put-Optionen ist der Zeitwertverlust, der uns jeden Tag etwas von unserem eingesetzten Kapital wegknabbert, auch wenn sich der Basiswert überhaupt nicht von der Stelle bewegt. Daher haben Strategien mit gekauften Optionen (Long Call und Long Put) im Allgemeinen keinen positiven Erwartungswert.

Risiko- und Money-Management und die großen Crashs

Wichtig ist wie bei jeder Art von Trading, dass man das Risiko der eingegangenen Positionen kennt und ein möglicher Verlust zur eigenen Kontogröße passt. Risiko-und Money-Management ist Pflicht! Generell ist das Risiko bei „nackt“ verkauften Kontrakten am höchsten und entspricht in etwa dem des Basiswertes – was bei starken Bewegungen zum Tragen kommt. Viele Strategien mit Optionen bestehen aus einer Kombination von Kontrakten und haben eine eingebaute Verlustbegrenzung. Ist das jedoch nicht der Fall, so sind auch hier Regeln zur manuellen Begrenzung eines Verlustes vonnöten. Bei der Bestimmung der Positionsgrößen sind die maximal akzeptablen Verluste von vornherein zu berücksichtigen. Eine bewährte Regel für Stillhalterpositionen ist dabei, glattzustellen, wenn die Kontrakte um einen vorher festgelegten Wert zwischen 100 und 200 Prozent der eingenommenen Prämie zugelegt haben. Der pro Trade maximal riskierte Verlust sollte generell einen niedrigen einstelligen Prozentwert der Kontogröße nicht überschreiten. Ein Crash wie Anfang 2020 gibt es statistisch nur etwa alle zehn Jahre. Da kann der Drawdown ein klein wenig größer sein, zum Beispiel im oberen einstelligen Prozentbereich. In jedem Falle gilt aber: Wir können es uns nicht leisten, unser Depot in solch einem Crash nachhaltig zu beschädigen. Beachten Sie bei alldem Klumpenrisiken in Ihren Positionen. Stark positiv korrelierte Basiswerte sind dabei als eine Position anzusehen.

Fazit

Optionen-Trading ist ein Handwerk, das man erlernen muss. Wenn Sie es beherrschen, können Sie sich damit einen Wettbewerbsvorteil verschaffen. Gute Strategien mit Optionen nutzen die Marktstruktur aus und erlauben bei richtiger Anwendung mehr Toleranz bei der Marktmeinung oder eine effizientere Umsetzung Ihrer Trades. Die meisten Strategien mit Optionen leben von der Kombination von Kontrakten oder dem Hinzuziehen von Aktien im Depot. Beachten Sie aber, dass Basiswerte mit liquiden Optionen vorzuziehen sind. Wenn Sie Ihre Hausaufgaben machen und das Handwerk lernen, haben Sie gute Möglichkeiten, Ihren Trading-Erfolg nachhaltig zu steigern.