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RWS „SPEED TIP PROFESSIONAL“:Volldampf im Dickbusch


Wild und Hund - epaper ⋅ Ausgabe 17/2019 vom 05.09.2019

Mit der 308 Win schwere afrikanische Antilopen, wie Eland, Oryx oder Hartebeest jagen? Laut RWS ist das mit dem neuen Projektil kein Problem, denn es ist nicht nur auf weite Schussdistanzen, sondern auch auf hohe Wildwirkung ausgelegt. Claudia Elbing und Michael Schmid testeten zwei Werkslaborierungen mit Freunden in Namibia.


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Foto: Claudia Elbing

„Speed Tip Pro“: Windschnittige Formgebung, kontrollierte Zerlegung (Restkörper li: 100 m, re: 200 m) und gute Präzision (22 mm/100 m).


Ein bisschen mulmig war uns bei der Sache schon. Bisher pirschten wir in Namibia immer mit örtlichen Leihwaffen, und die waren ...

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Ein bisschen mulmig war uns bei der Sache schon. Bisher pirschten wir in Namibia immer mit örtlichen Leihwaffen, und die waren mit energiereichen flotten Flitzern wie 7 mm Rem. Mag., 270 Win oder 300 Win. Mag ausgestattet. Wer aber jahrelang in WILD UND HUND eine Patrone über den grünen Klee als Generalisten lobt, darf bei der Probe aufs Exempel dann auch nicht kneifen. Hannes Dickhoff, Produkt-Manager bei RUAG, machte uns die Sache etwas leichter: „Das neue ‚Speed Tip Pro‘ hat die höchste Stoppwirkung im RWS-Portfolio. Damit seid ihr gut gerüstet.“

Vielversprechend ist der technische Aufbau des bleihaltigen Teilzerlegers. Eingepackt in einen zur Reibungs- und Korrosionsreduktion vernickelten Flussstahlmantel befinden sich zwei Bleikerne. Der vordere weiche soll, auch bei geringer Auftreffgeschwindigkeit, zuverlässig splittern. Der deutlich härtere hintere Teil steht für einen stabilen Restkörper und hohe Ausschusswahrscheinlichkeit. Zur zusätzlichen Kernfixierung setzt RWS die altbekannte H-Mantel-Technik ein. Als Starter dient ein, die Expansionskaverne versiegelnder, Kunststoffeinsatz mit mikrofeiner Hohlspitze. Besonders auffällig am „Speed Tip Pro“ ist die konsequent windschnittige Form und das präzisionsfördernde „V-Tail“-Heck. Verladen wird das RWS-Projektil aktuell in zwei Werkslaborierungen. Zum einen in der auf Standardlauflängen ausgelegten „Speed Tip Professional“ und in der für kurze Rohre (42 bis 55 cm) optimierten „Speed Tip Professional Performance Line Short Rifle“. Beide sind im Kaliber 308 Win. mit einem 10,7 g schweren Projektil bestückt. Neben unterschiedlichen Packungsfarben kennzeichnet die „Short Rifle“-Version eine vernickelte Hülse. Die Werksangaben warten mit vergleichsweise zahmen Mündungsgeschwindigkeiten von etwas über 800 m/s und Energiewerten um die 3 600 Joule auf. In der Standardversion basieren die Daten auf einer Lauflänge von 60 cm, bei der „Short Rifle“ auf 50 cm. Beachtlich ist bei beiden 308-Laborierungen der hohe Energietransfer von über 2 000 Joule auf 300 m

Die zu Hause berechneten ballistischen Kurven wurden auf der farmeigenen 300-Meter-Schießbahn kontrolliert: Alles passt!


Beide Laborierungen lieferten mit Ausnahme einer starken Elandkuh einen sicheren Ausschuss (oben: Oryx, unten: Springbock).


Die beste Therapie gegen Reisefieber ist der Ausrüstungscheck. Jede Menge Vorfreude herrschte deshalb beim Einund Testschießen unserer beiden „ Afrikagewehre“. Aufgrund fast identischer Lauflängen (50 und 51 cm) sollte die Präzision über die Munitionsverteilung entscheiden. Nach mehreren Run- den machte bei der Blaser „R 93“ die Standardlaborierung, bei der Heym „SR 21“ die „Short Rifle“, jeweils mit Streukreisen von 22 mm auf 100 m (fünf Schuss) das Rennen. Damit stand dem Jagderfolg zumindest präzisionsmäßig nichts mehr im Weg. Zuverlässige Wildwirkung ließen die Beschussversuche auf tropfnasse Telefonbücher erwarten. Das „Speed Tip Pro“ zerlegte sich bei beiden Laborierungen auf 100 und 200 m zuverlässig bis zur „H“-Einschnürung. Hohe Eindringtiefen von mehr als 40 cm/200 m lieferten die stabilen, zylindrischen Restkörper.

„Speed Tip Pro Short Rifle“: Auch aus kurzen Läufen zeigt sie eine zuverlässige Funktion (Restkörper auf 100 m [l.] und auf 200 m [r.]) mit hoher Eindringtiefe und guter Präzision.


Bei der Hartebeestjagd passte alles: „Speed Tip Pro“, Blaser „R 93“ und eine gute Schützin.


Fotos: Claudia Elbing

Und die Leistung? Die Werksangaben erreichte keine der beiden Testlaborierungen voll. Mit einer gemessenen Mündungsgeschwindigkeit von 807,4 m/s übertraf die „Short Rifle“ jedoch die ermittelten 774,4 m/s der Standardlaborierung. Das war aufgrund der ähnlich kurzen Läufe beider Büchsen auch nicht anders zu erwarten.

Die mit dem Ballistik-Kalkulationsprogramm „Easy-BulletTM“ berechneten Schusstafeln erbrachten Günstigste Einschießentfernungen (GEE) von 167 m für die „SR 21“ („Short Rifle“) und 161 m für die „R 93“ auf Seehöhe. Spannend war die anschließende Anpassung an die atmosphärischen Bedingungen im Jagdgebiet. Der im Khomas-District (1 600 m ü. NN) aufgrund der Höhe reduzierte Luftdruck steigerte die GEE auf 170 („SR 21“) und 163 m („R 93“). Auf große afrikanische Antilopen kann man damit also bis 200 m „Fleck“ anhalten. Das sollte genügen.

Nur zwei Wochen später überprüften wir unsere außenballistischen Daten unter der Sonne Namibias. Zusammen mit Jürgen Baas, dem Besitzer der Jagdfarm Okahua (okahua-jagdfarm.com ), kontrollierten wir die Büchsen auf der hauseigenen 300-m-Schießbahn – ein gesegnetes Land, denn so etwas hätten wir auch gern hinter dem Haus. „Passt perfekt“, lautete nach minimalen Korrekturen der mit Spannung erwartete Kommentar des Jagdherrn. Sogar die auf 300 m geschossenen Dreierserien bestätigten die zu Hause berechneten Ablagen von 33 cm („Speed Tip Pro Short Rifle“) und 38 cm („Speed Tip Pro“). „Das ist wichtig“, meinte Jürgen. „Vermutlich müsst ihr weit schießen, denn das Gelände bietet aufgrund der lang anhaltenden Trockenheit oft nur wenig Deckung.“ Zum Glück hatten wir die Korrekturwerte für Distanzen über 200 m als Spickzettel auf die Schäfte geklebt. Nach ein paar Trainingsrunden über die Pirschstöcke gings mit dem Pick-up wieder zurück zur Farm – das Abendessen mit leckeren Eland-Steaks lockte.

Wen das Afrika-Virus einmal gepackt hat, den lässt es so schnell nicht wieder los. Unsere Freunde Christian und Eva sind mit uns seit Jahren immer wieder zu Gast auf Okahua. Entsprechend schnell und unkompliziert verliefen am nächsten Morgen die Jagdvorbereitungen. Als Pirschführer begleiteten uns die beiden „Master Hunting Guides“ Farmerin Andrea Baas und Moses Hamaseb. Ganz oben auf der Prioritätsliste standen unsere Trophäenwünsche. Aber auch Reduktionabschüsse auf Oryx, Hartebeest, Streifengnu und Eland lockten, nicht zuletzt um Kochtopf und Grill zu beliefern.

Die „Short Rifle“ überzeugte auf Eland mit einer top Stoppwirkung.


Dreimal Oryx stand auf unserer Streckenliste, alle lagen im Feuer beziehungsweise nach kurzen Fluchten.


Foto: Claudia Elbing

Bereits am ersten Jagdtag hatte Christian Erfolg. Nach anstrengender Pirsch erlegte er auf 175 m einen kapitalen Springbock mit gutem Blattschuss. Näher heranzukommen, war aufgrund des Windes nicht möglich. Im Schuss brach das Stück vorn ein und verendete nach wenigen Metern. Ausschuss war vorhanden, Schweiß und Wildbretfetzen kennzeichneten die kurze Totflucht. Christian war überglücklich. Das war noch keine große Antilope, aber ein guter Einstand für die Kombination „R 93“ und “Speed Tip Pro“.

Am nächsten Morgen legte Eva mit einer starken Oryx-Kuh nach. Auf 220 m knapp hinters Blatt getroffen, verendete das lebend 200 kg schwere Stück nach kurzer Flucht. Aufgrund guter Schweißkontrolle ließ sich die 40 m lange Fährte problemlos ausgehen. Damit hatte die „Speed Tip Pro“ ihre Visitenkarte endgültig erfolgreich in Afrika abgegeben. Gespannt warteten wir jetzt auf eine Chance für die Heym „SR 21“ und die „Speed Tip Pro Short Rifle“. Die ließ nicht lange auf sich warten.

Nur einen Jagdtag später kamen wir auf Eland zum Schuss, die größte Antilopenart im südlichen Afrika. Vorausgegangen war eine schweißtreibende Pirsch über Geröll und durch dornigen Dickbusch. Moses brachte uns an ein großes Rudel. Circa 100 m entfernt ästen die Stücke am Blattwerk. Zu sehen war, abgesehen von Rückenlinien und einem sich gelegentlich hebenden Haupt, so gut wie nichts. Rechts gab es eine Lücke, und auf die richteten wir uns ein. Ab jetzt hieß es warten – nervenzerfetzend. Eine halbe Stunde später wurde es ernst, am Rand wackelten Zweige, und ein mächtiger, grauer Wildkörper schob sich ins Freie. Ein kapitaler Bulle, brettelbreit, aber viel zu stark für einen Reduktionsabschuss und zu teuer für unser Budget. Wir genossen den Anblick und warteten weiter.

Fünf Minuten später ging es Schlag auf Schlag. Der Kapitale zog weiter, dicht gefolgt von einer älteren Kuh. Moses ließ sich viel Zeit beim Ansprechen. Auf einmal flüsterte er: „Nicht führend!“ Fast im selben Augenblick fiel der schallgedämpfte Schuss. Die Kuh steilte hoch und verschwand hinter Sträuchern. Nach wenigen Metern markierte eine aufsteigende Staubwolke das Ende der Flucht. Der Schuss hatte die Blattschaufel gestreift und beide Lungenflügel durchschlagen. Als wir an den mächtigen, etwa 300 kg schweren Wildkörper traten, war das Stück bereits verendet. Überall lag blasiger Schweiß. Der Geschoss-Restkörper fand sich später beim Zerwirken direkt unter der ausschussseitigen Decke. Für eine 308 Win.-Laborierung eine wirklich gute Leistung.

Und so ging es weiter. Egal ob „Speed Tip Professional“ oder „Speed Tip Professional Performance Line Short Rifle“, die Munition wirkte absolut zuverlässig. Insgesamt brachten wir auf „Okahua“ zehn Stück Schalenwild waidgerecht zur Strecke. Aus Wildkammer und Küche kamen keine Klagen. Die Wildbretentwertung hielt sich ebenfalls bei den schwächeren Stücken in akzeptablen Grenzen. Hannes Dickhoff von RUAG hatte recht, mit beiden Patronen waren wir in Afrika gut gerüstet.


Fotos: Claudia Elbing