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RYDER CUP: EIN GESAMTKUNSTWERK!


GOLF MAGAZIN - epaper ⋅ Ausgabe 110/2018 vom 23.10.2018

Die Sonne schickt ihre letzten Strahlen und beleuchtet eine Szene, die über drei Tage die Herzen aller europäischen Golffans erwärmt hat. Dank einer grandiosen Mannschaftsleistunggewannen die Europäer den 42. Ryder Cup mit 17,5:10,5 gegen völlig überforderte Amerikaner. Das Team von Captain Thomas Bjørn zeigte sich in allen Belangen überlegen und begeisterte damit mehr als 150.000 Zuschauer, die an den drei Tagen im Le National aus dem Feiern gar nicht mehr herauskamen


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Bildquelle: GOLF MAGAZIN, Ausgabe 110/2018

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FOTO: GETTY IMAGES

Aus diesen Augen spricht das reine Glück, die geballte Faust zeigt: „Ich habe gerade richtig was gerissen.“ Sergio Garcia holte in Paris drei Punkte und krönte sich damit zum erfolgreichsten Ryder Cup-Spieler aller Zeiten. Der Spanier kommt nach nunmehr neun Ryder Cup-Teilnahmen auf 25,5 Punkte; bisheriger Spitzenreiter war Nick Faldo mit 25; es folgt Bernhard Langer mit 24 Punkten.


FOTOS: GETTY IMAGES

Entfesselt! So ausgelassen feierte das Team Europa, das als großer Außenseiter gestartet war. Entsprechend wild ließen es die Engländer Ian Poulter und Tommy Fleetwood krachen (oben). Francesco Molinari (rechts) gewann alle fünf Matches und hatte sich die Champagner-Dusche redlich verdient.


Er war als strahlender Sieger der Tour Championship nach Paris gekommen, hätte fast noch die Jahreswertung der PGA Tour gewonnen (siehe Seite 38). Er, der einstige Dominator, der in diesem Jahr ein grandioses Comeback gefeiert hat und als einer der Anker im amerikanischen Ryder Cup-Team galt.

Dann aber gingen Tiger Woods die Luft und irgendwann auch die Lust aus. Bei weitem nicht nur ihm in der Truppe von Captain Jim Furyk; bei Woods aber potenziert sich alles. Das öffentliche Interesse, die eigenen Erwartungen, der Ehrgeiz der Gegner. Und, auch das war unverkennbar: So neben der Spur wie Tiger war keiner seiner Kumpels. Die Körpersprache so schwach, dass viele fragten, ob er denn überhaupt gesund sei?

Der Blick, der Gegner früher schon aus der Ferne eingeschüchtert hat, manchmal schon fast flehend. Tiger fühlte sich wohl. Nicht auf dem Platz und nicht bei den Pressekonferenzen, bei denen er sich noch nicht einmal über die immer tiefer bohrenden Fragen aufregte, warum er denn so schlecht drauf sei. Und im Team? Das präsentierte sich auch nicht so harmonisch und schützend, wie es ein angeschlagener Tiger gebraucht hätte.

Allez! Auf geht’s! Und über die Brücke schreitet Euro-Captain Thomas Bjørn zum ersten Tee.


Natürlich wäre es viel zu oberflächlich, die brutale Pleite der Amis an den Leiden des alten Woods festzumachen. Und doch entlarvten sich Woods und sein Team selbst. Lassen Sie einmal auf sich wirken, was Tiger kurz nach dem Ende des Kontinental-Turniers von sich gab: „Ich habe viermal gespielt und viermal verloren – das ist einfach enttäuschend! Auch deshalb, weil ich damit dem europäischen Team vier Punkte geschenkt habe. Ich bin mit meinen schlechten Ergebnissen ein entscheidender Faktor für unsere Niederlage. Das ist so bitter, weil ich einfach nicht auf dem Niveau gespielt habe wie in den letzten Wochen. Wir waren hier mit so großen Hoffnungen angereist, weil wir dachten, alle gut in Form zu sein. Und dann geraten wir nach dem ersten Tag in Rückstand – und kommen nie wirklich zurück.“

Massenandrang am Finalsonntag. Justin Thomas eröffnet die Einzelmatches auf Tee 1 im Golf Le Golf National.


Krisensitzung guter Freunde: Captain Furyk (links) ließ Mickelson öfter draußen als es „Lefty“ recht war.


Die Tiger-Mania war auch in Paris unübersehbar. Woods selbst lieferte aber mit vier Niederlagen so gar keinen Grund für lauteres Gebrüll.


Die letzte von vier Wildcards hatte Tony Finau bekommen, und er machte daraus das Beste. Drei Einsätze, zwei Punkte. Für die Amerikaner diesmal eine sehr gute Quote.


Ein Einstieg zum Genießen für Tommy Fleetwood & Co.! Mit fünf Rookies (Ryder Cup-Neulinge) gingen die Euro-Fighter an den Start und… siegten deutlich.


So lässig feiert „Iceman“ Henrik Stenson schon auf der 13. Bahn seinen überragenden Sieg im Einzel gegen Bubba Watson.


Ruhe, bitte. Mit dieser provozierenden Pose wollte Patrick Reed die europäischen Fans zähmen. Hat nicht geklappt!


So spricht einer, der gerade die vielleicht größte Pleiten seiner Karriere erlebt hat… und der an den fehlenden Reaktionen seiner Mitspieler erkannte, dass sie genauso dachten. Tigers Worte kamen schleppend und leise… und gingen fast unter in dem Lärm von draußen. Dazu muss man wissen: Das geschlagene Team gibt im Mediencenter direkt nach der Siegerehrung noch eine Pressekonferenz. Die ist meist ziemlich kurz, weil die Jungs keine Lust zum Reden oder gar Analysieren haben. Währenddessen feierten die Europäer vor der Zelt-Tür sehr ausgelassen und feuchtfröhlich. Da wurde es für Furyk, Woods, Thomas, Reed & Co tatsächlich Zeit, die Bühne freizumachen.

Die hatten sie im Laufe der drei Turniertage nur am Anfang wirklich besetzt. 3:1 für die USA stand es nach der ersten Session, für die Thomas Bjørn, Europas Captain, den Vierball gewählt hatte (die Heimmannschaft kann die Reihenfolge der beiden Formate bestimmen).

Punkte gesichert: Am Samstag gewinnen Jordan Spieth und Justin Thomas ihre beiden Vierer-Matches. Trotzdem liegt ihr Team am Abend mit 6:10 zurück.


Kritischer Blick: Als hätte Dustin Johnson Freitagnachmittag schon geahnt, dass es ein hartes Wochenende werde würde. Hier im Vierer mit Teampartner Rickie Fowler gegen das Duo Henrik Stenson und Justin Rose.


Justin Rose hämmert den Ball aufs 11. Grün. Auf Bahn 16 hat er dann mit seinem Vierer-Partner Henrik Stenson gewonnen.


Ein Bild des Jammers. Auch der Putter ließ Tiger Woods immer wieder im Stich. Ein Grund, warum er sein Einzel gegen Jon Rahm verlor.


Tolle Stimmung rund um den ersten Abschlag (rechts).


Da brüllt er, der Ryder Cup-Rookie Jon Rahm. Nach dem Sieg im Einzel auf Bahn 17 gegen sein Idol Tiger Woods mussten die Emotionen raus.


Ian Poulter feiert wie kein Zweiter. Der 42-Jährige drehte wieder einmal zur Höchstform auf und holte im Einzel den Punkt gegen Dustin Johnson.


Gänsehaut-Stimmung beim Ryder Cup in Paris. Pro Tag kamen bis zu 60.000 Menschen auf die Anlage.


Danach… spielten und feierten nur noch die Europäer. Fünf Engländer (Tyrrell Hatton, Tommy Fleetwood, Paul Casey, Ian Poulter, Justin Rose), ein Nordire (Rory McIlroy), ein Italiener (Francesco Molinari), zwei Schweden (Henrik Stenson, Alex Noren), ein Däne (Thorbjørn Olesen) und zwei Spanier (Sergio Garcia, Jon Rahm) machten das, was dem gesamten Kontinent auf allen Ebenen helfen würde: Sie bildeten ein grandioses Team, das sich auf dem Weg zum 17,5:10,5- Supersieg mehr Hände reichte, als biologisch möglich war.

Ein Team, das die lautstarke Unterstützung der rund 60.000 Fans, die jeden Tag zum Golf Le National gekommen waren, in sich aufsog. Tyrrell Hatton, einer der fünf Ryder Cup-Neulinge im Team, konnte sich auf dem ersten Tee ein Grinsen nie verkneifen, wenn die Fans seinen Namen riefen oder die Probeschwünge mit einem anhaltenden „Hey“ begleiteten.

Selbst, als der Engländer seinen allerersten Drive dann nur mäßig traf, leuchteten seine Augen. „Das ist doch vollkommen irre, was hier abgeht“, sprudelte es später aus ihm heraus, „aber ich habe es vom ersten Moment an geliebt.“

Restlos enttäuscht: US-Captain Jim Furyk hat bei der Ehrung der Europäer Tränen in den Augen.


Bubba Watson ist oft nah am Wasser gebaut. So auch nach seiner 5&4-Niederlage gegen Henrik Stenson und dem Wissen, dass der Ryder Cup in Europa bleibt.


Vorbei! Die Amerikaner und allen voran Woods haben ihre Chance nicht genutzt. Vor allem die Bilanz vom Tiger ist bitter: Vier Einsätze, vier Niederlagen.


Der Mann aus Dänemark. Thorbjørn Olesen hat Grund zur Freude: Bei seinem Ryder Cup-Debüt siegt er im Einzel gegen Spieth mit 5&4 deutlich und holt einen wichtigen Punkt.


Bunter, wilder, durchgeknallter. Auch die europäischen Fans wissen, wie man sich kleidet, um ordentlich aufzufallen.


Voller Ehrfurcht wird der Ryder Cup durch das Team gereicht. Für Francesco Molinari war es die dritte Ryder Cup-Teilnahme, Tommy Fleetwood feierte seine Premiere.


Das galt auch für Tommy Fleetwood, den nächsten Neuling. Seine langen Haare, die ihm normalerwiese unter der Kappe hervorquellen, machten das beim Ryder Cup nahezu im 90-Grad-Winkel. Tommy stand erkennbar unter Strom, und wer immer sich mit ihm anlegte, bekam eine gewischt. Und wenn eben mal nicht von ihm, dann von seinem kongenialen Partner: Francesco Molinari, der gar nicht so temperamentvolle Italiener, der Tiger Woods im Juli in der letzten Runde der Open zerlegt und damit sein erstes Major-Turnier gewonnen hatte.

Wo Fleetwood streute, riss ihn Molinari raus. Wo der Italiener mal zu kurz blieb, revanchierte sich der Engländer mit herzzerreißend guten Schlägen. Wenn es noch eines stichhaltigen Arguments gegen den Brexit gebraucht hätte, diese beiden so unterschiedlichen Typen zeigten, wozu dieser Kontinent in der Lage ist.

Sie meinen, die Begeisterung geht mit mir durch? Da ist was dran. Aber auch nüchtern betrachtet legten „Moliwood“, wie das Duo infernale schnell hieß, den besten Start eines Team in der fast hundertjährigen Geschichte des Ryder Cup hin. Vier Einsätze, vier Punkte. Klare Punkte. Oder, um es mit den Team-Kameraden zu sagen, die am Ende frotzelten: „Francesco weiß doch gar nicht, dass dieser Golfplatz auch eine 18. Bahn hat.“

Wohl wahr, denn der kleine Italiener gewann auch sein Einzel vorzeitig gegen Phil Mickelson mit 4&2. Es war nur bezeichnend und absolut verdient, dass Molinari mit seinem Sieg im 9. Einzel des Tages den Sieg der Europäer vorzeitig klarmachte.

Keiner hatte das so verdient wie er, denn noch nie hat ein Spieler fünf von fünf möglichen Punkten geholt. Für Molinari kein Grund, zu euphorisch zu werden: „Ja, das macht mich stolz. Ich hatte aber mit Tommy auch einen grandiosen Partner. Es zählen in diesem Team ohnehin alle gleich.“ Sprach’s, grinste sich eins… und bekam von Ian Poulter einen leichten Schlag auf den Hinterkopf. Eben so, wie es Freunde machen, die gerade einen großen Sieg gegen einen vermeintlich starken Gegner eingefahren haben.

„Ich liebe diese Jungs“, hauchte Thomas Bjørn nach dem letzten Putt in die Runde. Wenn harte Männer sentimental werden, ist Ryder Cup. Und meistens hat dann Europa gewonnen!

Rainer Goldrian (links) war als „Observer“ beim Flight von Tiger Woods und Jon Rahm dabei.


„MEHR ARBEIT ALS ERWARTET“

Rainer Goldrian ist Geschäftsführer der PGA of Germany. Er war am Sonntag im vielleicht attraktivsten Einzel des Tages in offizieller Mission dabei.

GOLF MAGAZIN: Herr Goldrian, Sie waren als offizieller „Observer“ beim Duell von Tiger Woods und Jon Rahm dabei, das der Spanier mit 2&1 gewann. Wie kamen Sie zu der Ehre?
Rainer Goldrian: Durch meine Funktion als „Board Member“ in der PGAs of Europe, die Gesellschafter der Ryder Cup Europe ist.

Welche Hauptaufgaben waren Ihnen zugeteilt?
Ich sollte, zusammen mit meinem amerikanischen Kollegen auf der anderen Fairwayseite, den Referee unterstützen. Wir sind vor der Spielergruppe gelaufen und haben uns an die Punkte begeben, wo die voraussichtlichen Landezonen sind. Falls ein Ball ins Wasserhindernis fliegt oder über die Absperrungen in die Zuschauer war es einerseits unsere Aufgabe, dem Referee den genauen Kreuzungspunkt zu zeigen, die Zuschauer zu warnen und bei Bedarf die Lage des Balles zu sichern.

Wie aufregend war es, diesen Spielern auf Schritt und Tritt folgen zu können?
Es war mehr „Arbeit“ als erwartet. Man konnte natürlich wunderbar alles aus der Nähe sehen, aber ein entspanntes Mitschlendern war nicht möglich, denn wir mussten jeweils in Position sein, bevor die Spieler ihren nächsten Schlag ausführten. Ich habe gleich an der ersten Bahn einen kleinen Laufwegfehler begangen und habe prompt über Kopfhörer vom „Chief Referee/Supervisor“ einen Rüffel kassiert. Dann war ich die nächsten Bahnen etwas angespannt, habe dann aber offensichtlich nichts mehr falsch gemacht…

Wie intensiv war der Zweikampf der beiden, wie ihr Umgang miteinander?
Viel Austausch hatten sie nicht… Tiger war durch den schnellen Lochverlust an Bahn eins von Anfang an „schlecht gelaunt“, und seine Körpersprache blieb die nächsten 16 Löcher negativ. Seine Kommunikationsfreudigkeit, auch mit den Zuschauern, war schon sehr reduziert. Matchplay ist im wahrsten Sinn ein Wettkampf Mann gegen Mann; im Zählspiel ist ein kurzer Chat mit dem Mitspieler schon deutlich neutraler. Jon Rahm war aber auch nicht an Small Talk interessiert.

Wie sehr hat Sie die Kulisse beeindruckt oder vielleicht sogar unter Druck gesetzt?
Die Zuschauermassen waren in der Tat beeindruckend, aber hinsichtlich möglicher Fehler habe ich das nicht als Belastung empfunden. Vielmehr war ich dankbar für das Privileg, „inside the ropes“ sein zu dürfen.

Haben Sie mit den Spielern sprechen können? Gab es ein Handshake nach der Runde?
Nein, ein Gespräch mit den Spielern hat es nicht gegeben, der Handshake nach der Runde bleibt dem Referee vorbehalten. Wir waren ja grundsätzlich auch gehalten, so unauffällig wie möglich zu agieren.


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