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Sächsisches Versailles


G Geschichte Porträt - epaper ⋅ Ausgabe 4/2021 vom 19.11.2021

Baulöwe

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Bildquelle: G Geschichte Porträt, Ausgabe 4/2021

Zwinger Ab 1709 wurde er angelegt als Festplatz und Orangerie: Hier blühten Hunderte Orangenbäume. Im Winter standen sie in den Pavillons und Galerien

Die Zeit drängt. Zwei Jahre noch bis September 1719, bis die österreichische Kaisertochter Maria Josepha als Braut des jungen Kurprinzen in Dresden eintrifft. Es gilt, sie standesgemäß zu empfangen. Doch das Residenzschloss ist eine halbe Ruine, seit Nord- und Ostflügel im März 1701 teilweise abgebrannt sind. Von Warschau aus erteilt August seine Befehle. Vor allem der Zwinger soll fertiggestellt sein, zudem die Paraderäume in der Residenz. Von früh bis spät schuften Zimmerer, Maurer, Bergleute, Steinmetze bei jedem Wetter – weit über 1000 Leute. Als das Datum naht, schmücken kostbare Wandbehänge, teure Spiegel und Luxusmöbel das Schloss. Zufrieden konstatiert der Bauherr, wie der Prunk von Raum zu Raum zunimmt: Jetzt kann sich Dresden mit anderen europäischen Königsresidenzen messen.

Bereits als junger Mann begeistert sich August für Architektur. Auf seiner Kavalierstour durch Europa hat er ...

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... in Versailles gesehen, wie herrschaftlich der Sonnenkönig Ludwig XIV. residiert. Um seinen absolutistischen Machtanspruch als Kurfürst von Sachsen und König von Polen zu untermauern, plant er früh opulente Bauwerke. Am liebsten würde er in Dresden ein ganz neues Schloss errichten. Die Entwürfe gibt es schon. Er hat selbst daran mitgearbeitet. Aber der Große Nordische Krieg vereitelt einige seiner Bauvorhaben oder verzögert sie zumindest.

Viel mehr noch als den Krieg liebt August seine Schlösser, Gärten und Pavillons

Der Krieg verschlingt Ressourcen und kostet August zwischenzeitlich den polnischen Thron. Erst 1709 wendet sich das Kriegsglück zu seinen Gunsten, und der Herrscher kann seine Schatulle für lang ersehnte Bauprojekte öffnen. Alsbald beginnt die Arbeit am Zwinger. Das Gelände war einst Teil einer Festungsanlage. Der Kurfürst will es zunächst zum Vorhof für den geplanten Schloss-Neubau umfunktionieren. Doch seine ausufernde Bautätigkeit kostet viel Geld. Für die gewaltigen Schlosspläne reicht selbst Augusts Vermögen nicht. So bleibt der Zwinger zur Elbe hin zunächst unbebaut. Mit seinen Gärten und reicht verzierten Pavillons dient er als Schauplatz von Illuminationen, Theateraufführungen und Feierlichkeiten – so auch bei der Hochzeit des Sohnes: Nach dem glanzvollen Empfang des Wiener Hofes in den erneuerten Paraderäumen des Schlosses wird hier weitergefeiert.

Verantwortlich für Bau und Unterhalt staatlicher Gebäude im sächsischen Kurfürstentum ist das Oberbauamt. Die Behörde ist aufgeteilt in Departements. Immer freitags setzen sich ihre Leiter zusammen, prüfen Bauvorgänge und Kostenvoranschläge. Im Sommer, wenn es früh hell wird, treffen sie sich um sechs Uhr morgens, im Winter zwei Stunden später. In einigen Fällen behält sich August die Entscheidung über Pläne und Ausgaben vor. Notizen, Skizzen und Entwürfe zeugen von seinem Sachverstand, den er durch das Studium vieler Bücher und in Gesprächen mit Fachleuten vertieft. Der Kurfürst lockt Architekten aus halb Europa nach Dresden. Unter seinem Einfluss entstehen nicht nur der Zwinger und die Umbauten im Schloss.

Dresden wächst in diesen und den nächsten Jahren von einer bescheidenen Residenzstadt zu einer europäischen Metropole heran. Bauordnungen regeln den Ausbau zur Barockstadt. Die Stadt bekommt neue Straßenzüge. Die schmalen Giebelhäuser der Gotik und Renaissance verschwinden. Die Bauordnung von 1720 schreibt die Anzahl und Höhe neuer Stockwerke vor. Als Baumaterial wird Stein gefordert. Städtebaulich legt August den Grundstein für die Entwicklung Dresdens zu einer der bedeutendsten Großstädte des 19. Jahrhunderts.

Demut, Sparsamkeit, Bescheidenheit: Das alles gehört nicht in seine Welt Zu den ersten Bauprojekten des Kurfürsten zählt das Taschenbergpalais am Elbufer. Es entsteht direkt neben dem Residenzschloss als Wohnsitz für die Mätresse Gräfin Cosel. Ihr baut August auch das Wasserpalais Pillnitz. Das 1717 von ihm erworbene »Alt Dresdner Haus«, das an den holländischen Gesandten am sächsischen Hof vermietet war, wandelt er zum Japanischen Palais für seine Porzellansammlung um. Für Jagden dient die geliebte Moritzburg, die er ab 1722 von einem Renaissance- zu einem mächtigen Barockschloss umbauen lässt. 1723 gelangt für 100 000 Taler Schloss Großsedlitz bei Pirna in Sachsen in seinen Besitz. Hier erblüht ein Barockgarten nach Versailler Vorbild.

»In den Zwingerpavillons tanzte bei Kerzenschein der sächsische und ausländische Adel«

Der Architekturhistoriker Walter May

Mit dem Warschauer Schloss und der Burg Wawel in Krakau verfügt auch Polen über ehrwürdige Bauten. Doch die Magnaten der Adelsrepublik residieren prächtiger als der König. Dem Anspruch des sächsischen Kurfürsten, der als König August II. den Regenten seiner Zeit auf Augenhöhe begegnen will, reicht das nicht.

Als König von Polen will er in Warschau wahrhaft Spektakuläres aufbauen

Der Monarch plant daher den Umbau seiner polnischen Residenz. Für das Warschauer Schloss, das sich an einem Steilhang des Weichselufers erhebt, hegt er spektakuläre Pläne. Die Entwürfe für einen Neubau stammen wie in Dresden mit aus seiner Feder. Und wie in der sächsischen Residenz bleiben sie auch in Warschau größtenteils unverwirklicht. Es kommt lediglich zu Umbauten im Innenbereich des Schlosses.

Dennoch erhält Warschau nach der Rückkehr von August auf den polnischen Thron 1709 ein neues Gesicht. Mit Kontrakt vom 2. Oktober 1713 kauft er einen Palast und baut ihn zum sogenannten Sächsischen Palais aus. Bald folgen weitere Ankäufe von Häusern und Gärten. Der König aus Sachsen lässt sie nach seinen Vorstellungen umgestalten. Zunächst wird von Dresden aus geplant. Um 1715 gibt es auch in Warschau ein Oberbauamt, und August beordert Baumeister und Handwerker aus seiner kurfürstlichen Heimat in seine polnische Residenzstadt. Als seine größte Schöpfung in Polen gilt der Sächsische Garten mit seinen Lust- und Spielorten. Zitronen-, Orangen- und Lorbeerbäume wetteifern um die Blicke. »Besonders rühmenswert«, notiert ein Besucher, seien die aus Linden bestehenden Promenadengänge.

Garten und Palais in Warschau sind Teil der Sächsischen Achse. Sie reicht von der Krakauer Vorstadt, einer Flaniermeile in Warschau, bis zu den Kasernen der königlichen Reitergarde. In seinen letzten Jahren lobt August sogar Architekturwettbewerbe aus, um die besten Entwürfe auszuwählen. Nach seinem Tod setzt sein Sohn die Epoche des »Augusteischen Barocks« fort, die insgesamt rund 70 Jahre andauert.

AUSFLUGS-TIPP

»Zwinger Xperience« im Dresdner Zwinger bietet Geschichte in Virtual-Reality-Technik und Panorama-Projektionen: www.zwinger-xperience.de