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Säure-Basen-Gleichgewicht


Heil & Kraut - epaper ⋅ Ausgabe 1/2020 vom 21.03.2020

Immer, wenn unsere Oma Kuchen mit Sahne gegessen hatte, bekam sie Sodbrennen. Dann griff sie in den Gewürzschrank, nahm Natronpulver heraus, rührte es in einem Glas Wasser an und trank es auf einen Schlag leer. Das half zuverlässig! Unser Körper reagiert auf viele Dinge „sauer“. Stress, Bewegungsmangel und falsche Ernährung bringen uns leicht aus dem inneren Gleichgewicht. Aber hat das tatsächlich etwas mit der Säure-Basen-Balance zu tun, von der in der Alternativmedizin die Rede ist? Ja und Nein. Säuren und Basen sind innerhalb unseres komplizierten Körpers unverzichtbar und müssen eine ausgewogene ...

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Bildquelle: Heil & Kraut, Ausgabe 1/2020

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... Balance halten - aber können wir das wirklich über unsere Ernährung steuern? Und inwiefern „übersäuert“ unser Körper und wird als Folge davon krank?


Säuren und Basen in der Nahrung

Zunächst ein kleiner biochemischer Überblick. Manche Lebensmittel bilden Säuren im Körper, andere Basen. Das hat mit saurem Geschmack nichts zu tun, sondern damit, in welche Stoffe die Nahrung im Körper zerteilt wird. Zieht der Körper aus dem Essen mehr saure Stoffe, handelt es sich um Säurebildner; entstehen bei der Verdauung basische Produkte, ist die Speise ein Basenbildner.

So wirken Zitrusfrüchte, obwohl sie Fruchtsäuren enthalten, letztlich basisch durch die Mineralstoffe, die sie liefern; der Stoffwechsel baut die Fruchtsäuren ab. Tierische Eiweiße, wie in Fleisch, Wurst oder Hartkäse, bilden hingegen Säure; wenn der Körper sie abbaut, entsteht Schwefelsäure.

Kurz gesagt: Obst und Gemüse sind meist Basenbildner; Fleisch, Fisch, Wurst, Eier, Käse und alle Speisen mit Phosphat bilden Säure. Viel Fleisch und wenig Gemüse führen also zu viel Säure im Körper.

Was der Körper selbst regelt

Unser Körper produziert selbst durchgehend Säuren - z.B. die Magensäure. Ohne sie wäre eine Verdauung nicht möglich. Dabei hat der Organismus eigene Mechanismen, die den pH-Wert konstant halten.

Die Körperflüssigkeiten sind in den meisten Körperregionen neutral oder etwas basisch: im Blut bei 7,4, im Speichel bei 7,1. Im Magen beträgt der pH-Wert hingegen 1,2 bis 3,0, der Säurepegel ist also sehr hoch. Das ist aber kein Zeichen mangelnder Gesundheit - im Gegenteil: Ohne diese Magensäure könnten wir kein Eiweiß verdauen.

Sind kurzfristig zu viele Säuren im Blut, gleicht die Lunge das über tiefes Ein- und Ausatmen aus. So entfernt sie das saure Kohlendioxid aus dem Körper. Kohlendioxid bildet mit Wasser Kohlensäure - ausgeatmetes Kohlendioxid heißt also weniger Kohlensäure, und das heißt weniger Säure.

Die Nieren wiederum pumpen positive Wasserstoffionen, die sauer wirken, in den Urin. Dieser enthält eine tausendfach höhere Konzentration von Säure als das Blut und verlässt unseren Körper über die Harnröhre. Die Säure lagert sich also nirgendwo ab, bleibt in keiner Körperzelle hängen, und es bedarf keiner Basenkuren, um sie zu „entsäuern“.

Solch saurer Urin zeigt aber auch keine Übersäuerung unseres Körpers an, wie manche Teststreifen suggerieren wollen, sondern im Gegenteil, dass unser Regulativ funktioniert.

Wann entsäuern?

Entsäuern ist dann angesagt, wenn Lunge oder Nieren nicht richtig funktionieren, denn dann kann es tatsächlich zu einer Übersäuerung kommen. Aber nicht, weil wir zu viel Saures bzw. Säurebildendes essen, sondern aufgrund von Erkrankungen, wie Nierenschwäche oder Diabetes. Die körpereigenen Regulative fallen aus, der pH-Wert im Blut sinkt. Eine solche Blutübersäuerung ist also die Folge gestörter Funktionen von Nieren und/oder Atemorganen, die normalerweise die überschüssige Säure entfernen.

Foto: Jerzy Górecki auf Pixabay; gegenüber oben: OpenClipart-Vectors auf Pixabay

Grundsätzlich ist es so, dass sich der pH-Level in den Körperregionen beim Menschen kaum ändert, egal, ob die Nahrung mehr Säure oder mehr Basen enthält. Es sind Krankheiten, die uns aus dem Säure-Basen-Gleichgewicht bringen. Kurz gesagt: Gesunde Menschen übersäuern nicht.

Unser Blut reagiert dennoch sehr sensibel. Bereits geringe Abweichungen im pH-Bereich nach unten führen zur sogenannten „Azidose“, die drastische Folgen haben kann. In Hirn und Rückenmark ist die Kommunikation der Nerven gestört, was in schlimmen Fällen zu Orientierungslosigkeit und Koma führen kann.

Übrigens leidet die Gesundheit ebenfalls, wenn das Blut auch nur ein wenig zu basisch wird. Dann sprechen wir von „Alkalose“. Die Folgen einer zu hohen Basenkonzentration sind zunächst Sauerstoffmangel, später Herzrhythmusstörungen.

Übersäuerung dank Lunge und Niere

Leitsymptom einer Übersäuerung ist hastiges und tiefes Atmen mit einem Atemgeruch, der an faulige Früchte erinnert. Hier ist ärztliche Hilfe angesagt, denn die Erkrankungen der Lunge und Niere, die diese Symptome verursachen, sind sehr ernst.

Chronische Übersäuerung zeigt sich in fehlendem Appetit, in Übelkeit und allgemeiner Schwäche. Die Knochen entkalken und werden brüchig, die Herzleistung nimmt ab, weniger Blut kommt in den Kreislauf, der Kaliumgehalt im Blut steigt, Karies befällt die Zähne.

Nierenschwäche und Übersäuerung treten bei Menschen auf, die an Diabetes mellitus erkranken, und da immerhin bei jedem Dritten. Diese diabetische Nephropathie ist nicht entzündlich. Aber auch alte Menschen, die nicht an Diabetes erkrankt sind, können als Folge einer Nierenschwäche „versauern“. Ab 30 sinkt die Nierenleistung nämlich pro Lebensjahrzehnt um ca. 10%, und so steigt das Risiko, langsam zu übersäuern.

Unter den Nierenerkrankungen ist die diabetische Nierenerkrankung sehr häufig, immerhin sind davon 34% aller neu erfassten Dialysepatienten betroffen. Wie fortgeschritten die Krankheit ist, erkennen die Ärzte vor allem am pH-Wert und der Kaliumkonzentration.

Foto: Bullrich

Betroffenen kann ein Ausgleich der Nierenschwäche helfen. Dieser stabilisiert den Eiweißstoffwechsel, die Harnsäure und die gestörten Hormone. Hier ist eine Basentherapie sinnvoll, allerdings nicht primär durch den Verzehr von Obst und Gemüse, sondern durch Natriumbicarbonat in Form von Tabletten, die resistent gegen die Magensäfte sind.

Die Einnahme von Bicarbonaten verlangsamt das Fortschreiten der Nierenschwäche, doch sollten Sie sie bei einer solch schweren Erkrankung niemals ohne ärztlichen Rat einnehmen.

Magenübersäuerung

Im Magen herrscht ein saures Milieu. Dies kann für die Gesundheit kritisch werden, wenn die Körperfunktionen versagen, weil erstens zu viel Magensäure produziert wird oder zweitens die sauren Abbauprodukte nicht mehr mit dem Kot abgestoßen werden. Es kommt zu einer Übersäuerung des Magens.

Auslöser dafür können Vergiftungen ebenso sein wie Infektionen, Stress, Nikotin, Alkohol oder ein Übermaß an Kaffee bei einem gleichzeitigen dauerhaften Mangel an Ballaststoffen.

Eine Übersäuerung des Magens ist keine eigene Erkrankung, sondern kann Symptom für verschiedene Krankheiten sein. Zum Beispiel infiziert Heliobacterium pylori die Magenschleimhaut und verursacht Geschwüre im Magen. Symptome sind Sodbrennen, Magenschmerzen und ein drückender Schmerz im Bauch. Die Übersäuerung lässt sich bremsen durch Protonenpumpenhemmer. Bei bekannten Auslösern wie Rauchen, Alkohol oder sehr fetten Speisen sollten Sie diese Auslöser vermeiden.

Gegen die Symptome eines übersäuerten Magens helfen Tees mit Pfefferminze, Kümmel, Süßholz, Melisse und Kamillenblüten. Um die Magensäure zu neutralisieren nehmen Sie einen Teelöffel Natron auf ein Glas Wasser.

Im Unterschied zu einer chronischen Übersäuerung des Magens durch eine Infektion, ein Geschwür oder dauerhafte Mangelernährung, vergeht eine zeitweise Übersäuerung des Magens von selbst, ist aber ausgesprochen unangenehm. Dieser sogenannte „Reizmagen“ gehört zu den häufigsten Erkrankungen der Industriegesellschaft und fast jeder ist mindestens einmal im Leben davon betroffen.

Ursache ist zum Beispiel wiederholtes Erbrechen, wenn Sie sich den „Magen verdorben“ haben. Hält der Brechreiz jetzt an, und im Magen ist keine Nahrung mehr vorhanden, produziert der Magen weiter Säure, der Säurepegel steigt, sie bekommen Sodbrennen und besagten drückenden Schmerz im Bauch. Jeder Atemzug tut sehr weh - selbst, wenn Sie nur die Hand auf den Bauch legen, schmerzt es, Sie wissen nicht, ob Sie liegen, sitzen oder stehen sollen.

Leider gibt es hier keine Sofortlösung. Sie können ein Glas Wasser mit einem Teelöffel Natron trinken, um den Säurestand auszugleichen, und neutrale Nahrung zu sich nehmen, die den Magen beruhigt und die Säure aufnimmt. Dazu gehören Haferflocken mit Milch ebenso wie langsam gekautes Weiß-, Knäcke- und Vollkornbrot.

Basenkuren

Die Alternativmedizin empfiehlt, den Körper regelmäßig zu entsäuern, zum Beispiel durch eine Basenkur oder durch Heilfasten. Eine Basenkur soll dazu dienen, eine Übersäuerung im Körper auszugleichen, sowohl bei einer gestörten Balance als auch zur vorsorglichen Vermeidung einer Übersäuerung. Dazu soll eine „basische Ernährung“ ebenso dienen wie ein „Basenbad“. Der Organismus würde entschlackt und entsäuert. Diese Vorstellung geht davon aus, dass der Körper eine solche Kur bräuchte, weil wir sonst auf Dauer zu viel Säure zu uns nähmen, aber nicht wieder los würden.

Um es deutlich zu sagen: Einem gesunden Menschen schaden solche Basenkuren zwar nicht, da sie aus gesunden Lebensmitteln bestehen; sie sind aber unnötig. Ein normal funktionierender Körper zeichnet sich dadurch aus, dass er überschüssige Säure entfernt - mit dem Urin, dem Kot, dem Atem und dem Schweiß. Kann der Körper das nicht mehr, dann kann eine säurearme Ernährung helfen, die Symptome zu lindern. Behandelt werden muss aber stets die Ursache.

Sind Säuren schlecht für die Knochen?

Verfechter von Basenkuren vermuten, dass zahlreiche Krankheiten durch eine Übersäuerung in Folge einer „säurereichen“ Ernährung entstehen. So soll sie die Knochen schwächen und chronische Krankheiten verursachen, wie Osteoporose, Rücken- oder Gelenkschmerzen. Für geschwächte Knochen durch eine „säurereiche“ Ernährung gibt es jedoch keine wissenschaftlichen Belege, ebenso wenig dafür, dass sie chronische Krankheiten verursacht.

Erforscht wurde lediglich eine mögliche Beziehung zwischen „säurereicher“ Ernährung und Osteoporose im Alter, da die These der basischen Ernährung vermutete, dass Kalzium im Körper gelöst werden müsse, um die überschüssigen Säuren zu neutralisieren, was auf Dauer zu Knochenschwäche führe.

Zwei systematische Übersichtsarbeiten und Meta-Analysen falsifizierten diese These. Das Ergebnis war: Eine säurebildende Nahrung, die z.B. reich an Phosphat, Protein und Getreide ist, wirkt sich nicht negativ auf die Knochen aus. Es gibt keinen Hinweis, dass eine „säurereiche“ Ernährung zum Abnehmen der Knochendichte führt.

Zwar scheidet der Urin mit zunehmendem Säureanteil auch mehr Kalzium aus, dieses stammte jedoch höchstwahrscheinlich aus der Nahrung, nicht aus den Knochen - es überstieg nicht die mit der Nahrung aufgenommene Menge.

Führen basische Lebensmittel zu einem „basischeren“ Körper?

Nein, eine basische Ernährung führt nicht zu einem ausgeglichenen Säuren-Basen-Haushalt, und eine tatsächliche Übersäuerung, die z.B. durch nicht funktionierende Nieren entsteht und zu Nierenverkalkung führt, lässt sich mit einer Basenkur nicht behandeln.

Eine Ernährung, die vor allem aus säurebildenden Speisen besteht, kann auf Dauer zu Problemen führen. Diese bestehen aber gerade nicht in einem zu hohen Säuregehalt im Körper, sondern entstehen, weil der Stoffwechsel „Schwerarbeit“ leisten muss, wenn er ein solch hohes Maß an Säure abbaut. Der Organismus übersäuert jetzt nicht, sondern der Wert des Stresshormons Cortisol steigt.

Foto: Claudia Beckers-Dohlen

Sind „basische Nahrungsergänzungsmittel“ immer unbedenklich?

Die Zeitschrift Öko-Test kam 2015 bei der Untersuchung von 32 basischen Nahrungsergänzungsmitteln zu einem verheerenden Ergebnis. Fünf erhielten die Note „mangelhaft“, alle anderen „ungenügend“. Die Begründung: kein Nutzen für den Verbraucher, überdosierte Inhaltsstoffe und unzureichende Deklaration.

So gäbe es kaum produktspezifische Studien, und Angaben seien irreführend. Die Firma Medicom erklärt z.B.: „Zink trägt zum normalen Säure-Basen-Stoffwechsel bei“. Laut Öko-Test gäbe es bei der Allgemeinbevölkerung der EU jedoch keinen verschlechterten Säure-Basen-Stoffwechsel durch die Aufnahme von zu wenig Zink und bezieht sich dabei auf die europäische Lebensmittelbehörde EFSA.

Zulässige Höchstmengen wurden in den Produkten häufig überschritten, zum Beispiel bei Kalium, Kalzium, Magnesium und Zink. Gänzlich unnötig seien zudem Zusätze wie Kieselerde, Zeolith oder Korallenpulver, in 13 Produkten befand sich viel Nickel.

2015 erhielten im Öko-Test „mangelhaft“: Gall Pharma Basenkapseln GPH, Rebasit Mineral Pulver, Vitatrend Basen-Mineral Kapseln, Naturafit Säure-Basen Kapseln sowie Dr. Peter Hartig Basen Power Kur. „Ungenügend“ waren unter anderem Basen Mens Sana Pulverkapseln, Dr. Jacob’s Basentabletten, Syxy Basosyx Tabletten und Basenpulver pHBalance Pascoe.

Öko-Test rät: Kein Geld für Basenpulver ausgeben und sich stattdessen ausgewogen ernähren.

Quellen: https://www.deutsche-apotheker-zeitung. de/news/artikel/2015/02/09/oeko- test-verreisst-basische-nem https://www.gesundheitsstadtberlin. de/mythos-uebersaeuerung- 10726/
https://www.medizin-transparent.at/basenfasten- die-kur-fur-ihre-geldborse „Meta-analysis of the effect of the acidash hypothesis of osteoporosis on calcium balance“, J Bone Miner Res., 2009 Nov; 24(11): 1835-40
„Causal assessment of dietary acid load and bone disease: a systematic review & meta-analysis applying Hill’s epidemiologic criteria for causality“, Nutr J., 2011 Apr 30; 10-41

Hausmittel gegen Magenübersäuerung

Ein Hausmittel, um den Magen zu entsäuern, ist Kartoffelsaft, frisch gepresst oder aus der Apotheke. Ist die Ursache der Übersäuerung eine verlangsamte Verdauung, helfen Bitterstoffe, die in Artischocken ebenso enthalten sind wie in Tausendgüldenkraut, Schleifenblume, Angelikawurzel oder Wermut. Auch Kamillenblüten fördern die Verdauung. Sie können aber auch pflanzliche Arzneimittel aus der Apotheke nehmen, die genau diese Pflanzenstoffe enthalten. `

Gesundes Essen für die Nieren

Gesundes Essen bei einer bestehenden Nierenschwäche sind reichlich Obst und Gemüse, (möglichst vielfältig, wie Zwiebeln, Porree oder Brokkoli), Lachs, Hering oder Makrele sowie Lein-, Raps- und Walnussöl - außerdem Vollkornprodukte. Zucker sollten Sie reduzieren, ebenso Fast Food und Fertiggerichte. Unbedingt sollten Sie viel trinken und dabei drauf achten, dass die Getränke keinen oder wenig Zucker enthalten. Handelt es sich um eine Nierenentzündung? Dann sollte die Nahrung Kupfer, Selen, Zink, Omega- 3-Fettsäuren sowie die Vitamine A, C und E enthalten. Basenhaltig sind unbehandelte Milch, Blattsalate, Trockenfrüchte wie Feigen und Datteln. Kalt gepresste Öle wirken neutral. `

Die wichtigsten Fakten

• Eine Übersäuerung des Magens, der Nieren oder des Blutes ist ein Symptom, dem verschiedene Krankheiten zugrunde liegen können - von Diabetes mellitus bis zu einem Magengeschwür.
• Als „Entsäuern“ bezeichnen wir Methoden, einen Säureüberschuss im Körper abzubauen.
• Ein gesunder Körper entsäuert selbst - über den Urin, den Kot, das Ausatmen und Schwitzen.
• Ein gesunder Mensch muss weder regelmäßig entsäuern, noch braucht er eine Säure-Basenkur. Solche Methoden sind lediglich als Hilfe bei einer bestehenden und krankheitsbedingten Übersäuerung geeignet.
• Eine Basenkur soll Säuren und Basen im Körper ausgleichen.
• Verfechter von Basenkuren meinen, dass viele Menschen an abgelagerten Säuren im Körper litten, die durch Basenbäder, basische Speisen und basische Nahrungsergänzungsmittel behandelt werden könnten. Es gibt allerdings keinen Hinweis darauf, dass der Körper allein durch eine säurebildende Nahrung übersäuern könnte. Hingegen führt eine erhöhte Leistung des Stoffwechsels bei einem hohen Säurelevel auf Dauer eher zu anderen Problemen.
• Reale Erkrankungen, die zu einer Übersäuerung und dann zum Beispiel zu Nierenverkalkung führen, entstehen durch Störung von Organen wie der Niere und lassen sich durch basische Kost oder Basenkuren nicht behandeln.
• Säuren lagern sich nicht im Körper ab, sondern werden durch Ausatmen, Urin und Kot ausgeschieden sowie durch die Puffer im Blut neutralisiert.
• Basenkuren sind generell wenig hilfreich, da der vermutete Wirkmechanismus nicht existiert. Es spricht indessen nichts gegen einen Verzehr von basenbildender Nahrung wie Obst und Gemüse, da diese generell gesund sind. Bestenfalls überflüssig sind „basenbildende Nahrungsergänzungsmittel“.