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SAFE SPACE


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Tattoo Kulture Magazine - epaper ⋅ Ausgabe 3/2022 vom 01.05.2022

"WIR VERSTEHEN UNTER DIESEM BEGRIFF, DASS UNSERE KUND*INNEN UND AUCH WIR ODER KOLLEG*INNEN BEI UNS EINE BELÄSTIGUNGSFREIE ERFAHRUNG GEBOTEN BEKOMMEN, UNABHÄNGIG VON BIOLOGISCHEN UND SOZIALEM GESCHLECHT, GESCHLECHTSIDENTITÄT, SEXUELLER ORIENTIERUNG, KÖRPERLICHER ODER MENTALER BEEINTRÄCHTIGUNG, AUSSEHEN, ETHNIE, ALTER, RELIGION ODER ANDEREN VORLIEBEN. DAS KLINGT SICHER ANSTRENGEND, DENN EIN KLEINER SPRUCH HIER ODER AUCH EIN BISSCHEN LÄSTERN DA, IST DOCH NICHT SO SCHLIMM, ODER?"

NELE JONELEIT

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Bildquelle: Tattoo Kulture Magazine, Ausgabe 3/2022

Berlin Kreuzberg, in einer Seitenstraße des Kottbusser Damm, findest du uns. "Uns" ist Guen Douglas und ich, Nele Joneleit. Seit 2020 arbeite ich mit Guen zusammen und genieße es sehr, denn dieser Ort ist etwas besonderes. Ich würde vermuten, dass das viele über ihre Shops, Ateliers und Galerien sagen, aber hier herrscht ein ganz besonderer Vibe, den ich in meinen 11 Jahren des Tätowieres ...

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Jahren des Tätowieres so noch nicht erlebt habe.

Denn hier darfst du so sein wie du eben bist, als Besucher*In und auch als Tätowierer*in. Was heißt das genau und warum schreibe ich dazu? Ich empfinde es seit einigen Jahren spannend zu beobachten, wie viel sich in unserem Business verändert, denn nebst Ver- und Geboten von Seiten der Regierung, gibt es auch eine enorme Entwicklung der Künstler*innen. Und damit meine ich nicht nur technisch und in dem wie das Tätowieren in die Welt getragen wird, sondern auch in ihrer Haltung und Wahrnehmung dieser Welt gegenüber.

Um was geht uns heute? Ich möchte erzählen, dass ich in diesem Tattoo Atelier noch mehr über Gleichberechtigung, Gleichbehandlung und Wertschätzung gelernt habe. Auch untereinander, also, das ein Safe Space eben mehr sein sollte, als ein moderner Begriff, mit dem man sich bewirbt.

Wir verstehen unter diesem Begriff, dass unsere Kund*innen und auch wir oder Kolleg*innen bei uns eine belästigungsfreie Erfahrung geboten bekommen, unabhängig von biologischen und sozialem Geschlecht, Geschlechtsidentität, sexueller Orientierung, körperlicher oder mentaler Beeinträchtigung, Aussehen, Ethnie, Alter, Religion oder anderen Vorlieben. Das klingt sicher anstrengend, denn ein kleiner Spruch hier oder auch ein bisschen Lästern da, ist doch nicht so schlimm, oder?

Niemand ist perfekt, aber wäre es nicht wünschenswert, dass wir, als Tätowierer*innen, besonders versuchen, unseren Kund*innen und auch uns untereinander ein Umfeld zu schaffen, in dem sich jede*r wohl und sicher fühlen kann? Ohne Angst oder Scham alles anziehen kann und sich so geben darf, wie es sein oder ihr Naturell verlangt? Man selbst zu sein, ohne Angst zu haben, nicht cool genug zu sein? Nicht reinzupassen oder zu sehr aufzufallen? Zu weiblich und weich, verletzlich zu sein? Zu ruhig oder zu aufgedreht? Natürlich ist es wichtig, an einem Ort, wo verschiedenste Menschen zusammen kommen, aufeinander einzugehen und Acht zu geben, den anderen mit dem eigenen Selbst nicht ständig auf die Füße zu treten, aber genau darum geht es. Achtsam zu sein, mit sich selbst und auch mit seiner Umwelt.

Ein Safe Space ist also mehr als ein Ort, es ist am Anfang eine Einstellung, die von Innen heraus entsteht. Nicht von sich auf andere zu schliessen, die eigene Realität nicht zu der der anderen zu machen und nur weil du etwas nicht schön findest oder verstehst, es zu verurteilen, sondern offen zu bleiben und dazu zu lernen.

Raum zu lassen für Neues und selber auch neugierig zu bleiben. Nicht an Dingen und Werten festhalten, weil das ja schon immer so war. Den Rhythmus der anderen zu sehen und nicht mit dem eigenen vergleichen, BE-SONDERS! nicht ständig zu vergleichen. Ich weiß, das ist schwer und manchmal hilft es uns vielleicht sogar, Dinge und Sachverhalte zu verstehen, aber am Ende macht es deine und unsere Welt bunter, lebendiger, verständnisvoller und liebevoller, wenn wir nicht versuchen, immer alles sofort in eine Schublade zu stecken, sondern versuchen unser Gegenüber als Ganzes wahrzunehmen und damit auch uns mehr Freiheit schenken uns in dieser Welt zu bewegen.

Text: Nele Joneleit

Hallo ihr Lieben, vielen lieben Dank für das ausführliche „Intro“ - ich würde jedoch noch super gerne ein paar Sachen von Euch selbst erfahren und habe ein paar weitere Fragen zu eurem Konzept…

Lasst uns doch erst mal wissen, wo und wie eure Wurzeln im Tätowieren entstanden und bis heute gewachsen sind…

Nele: Ich, Nele, habe 2011 mit dem Tätowieren angefangen. Nachdem ich vorher in Berlin schon in einem Studio erste Gehversuche gemacht habe, bin ich 2011 für ein Jahr nach Trier zu Olli Lonien gegangen und habe da alles Grundlegende gelernt. Das Heimweh trieb mich wieder nach Berlin zurück und dort habe ich in verschiedenen Studios (unter anderem auch fast vier Jahre im Blue Moon Tattoo) und mit verschiedenen tollen Kollegen gearbeitet. Bis ich 2020 im Sommer zu Guen gestoßen bin.

Ich habe keine künstlerische Ausbildung, sondern immer gerne gemalt und gezeichnet, schon von Kind an und habe diesen Weg eingeschlagen, nachdem ich das Fachabi für Sozialwesen schon mehrere Jahr in der Tasche hatte, sich in die Richtung aber nichts ergeben sollte. Also um ehrlich zu sein fühlt es sich so an, als hätte sich etwas erfüllt…etwas von dem ich damals nicht wusste, wie sehr ich darin aufgehen werde.

Guen: Ich habe 2005 in Ottawa, Kanada, mit dem Tätowieren begonnen. seitdem habe ich in verschiedenen Städten auf der ganzen Welt gelebt und bin froh, endlich in Berlin ein zuhause gefunden zu haben!

Wie haben sich dann eure Wege letztendlich gekreuzt?

Nele: Eigentlich kannte ich Guens Hund Ludwig schon, bevor ich Guen persönlich kannte (Mein Freund ist ihr Dogwalker). Aber als ich im Sommer 2020 einen neuen Platz zum Arbeiten suchte, habe ich sie via Instagram angeschrieben, also vielmehr ich habe ihr eine Voicemail gesendet und bekam schnell einen sehr liebe Antwort und eine Woche später haben wir uns in der Taiko Gallery getroffen, uns beschnuppert und festgestellt, dass wir uns gut verstehen. Daraufhin gab sie mir die Möglichkeit, einen Raum in der Taiko zu beziehen.

Guen: Nele und ich haben uns auf lustige Weise durch meinen Hund Ludwig "the sausage dog" kennengelernt. Ihr Partner arbeitet mit Hunden und gehört zu unserem Kreis. Ich hatte alleine gearbeitet, nachdem mein früherer Arbeitspartner gegangen war, und wollte lieber warten, bis die richtige Person kommt, als jemanden einzustellen. Ich wollte eine bestimmte Stimmung beibehalten, und Nele passte genau in dieses Schema!

Kommen wir doch gleich mal ans Eingemachte - Das Konzept hat sich in den letzten Jahren rasant verbreitet, mittlerweile gehört es zu einer der häufigst geführten Debatten - müsst ihr noch debattieren, hat sich der Safe Space schon wirklich bei euch etabliert oder führt man hier eher eine stille Revolte?

Nele: Nein, es gab keine Debatten. Guen und ich haben eine sehr ähnliche Vorstellung vom gemeinsamen Arbeiten und dem wie wir auch besonders den Raum für unsere Kund*innen halten wollen. Das haben wir mit jedem Tag, den wir zusammen im Studio sind, festgestellt. Klar haben wir grundlegend ein paar Sachen abgesteckt und in Gesprächen festgemacht, die uns wichtig sind, aber auch da überschnitt sich fast alles. Ob es der Umgang miteinander, mit den Kund*innen, den Umgang mit den Räumen und der eigenen Freiheit besonders wichtig ist, aber reden miteinander und Respekt. Wir stülpen dem anderen nie die eigenen Pläne und Ideen einfach über, sondern schaffen über Kommunikation einen Raum, auch besonders für uns, in dem sich jeder frei entfalten kann. Es gibt keine Regeln und Ideen, die der eine will und der andere nicht. Wir nehmen uns so wie wir sind und natürlich ist es wichtig, das man ähnlich schwingt.

Guen: Ich weiß nicht wirklich, was in anderen Studios in Deutschland vor sich geht, da ich die meiste Zeit in meinem verbringe. (lacht) Ich würde jedoch sagen, dass dies eine natürliche Entwicklung ist und Hand in Hand damit geht, dass ich mich darum bemühe, mir einen komfortablen und sicheren Arbeitsplatz zu schaffen. Wenn ich nicht dafür sorge, dass mein Laden ein angenehmer Arbeitsplatz ist, wie können ich und meine Kolleg*innen und Kund*innen dann ein sicheres und angenehmes Umfeld für unsere Kunden schaffen? Wenn der Künstler bereits versucht, sich in einem umstrittenen Arbeitsumfeld zurechtzufinden, ist er nicht in der Lage, sich um andere Menschen zu kümmern, aber wenn man von seinen eigenen Überlebenskämpfen befreit ist, kann man sich auf die Bedürfnisse seiner Kund*innen und der Menschen um einen herum konzentrieren.

Ist ein Safe Space in einem Tattoo Studio eher ein Statement oder habt ihr aktiv etwas in Euren Räumlichkeiten dafür umgebaut?

Nele: Nein, umgebaut wurde nichts, dennoch haben wir das Glück, Räume zu haben, die es uns ermöglichen, das jeder seine Kund*innen separat tätowieren kann und somit so schon schonmal ein privater Raum zwischen Tätowieren und Kund*innen gewährt ist.

Aber ja es ist auch ein Statement, was allerdings eher natürlich von statten geht, als das es die ganze Zeit im Vordergrund steht und ständig thematisiert wird. Wir wollen für uns und auch für unsere Kund*innen eine gemütliche, warme und sichere Atmosphäre halten und dementsprechend wird der Umgang gestaltet und auch respektiert.

Guen: Ich persönlich denke, es ist eine ständige Entwicklung. Je mehr ich über die Bedürfnisse meiner Kund*innen erfahre, desto besser kann ich auf diese eingehen. Es muss ein gewisses Maß an Komfort vorhanden sein, damit die Kund*innen das Gefühl haben, dass sie ihre Beschwerden äußern können. Und die können praktischerweise körperlicher oder emotionaler Natur sein, und wir müssen empfänglich und sensibel dafür sein, dass jeder Kunde andere Bedürfnisse hat!

Was denkt ihr darüber, dass Safe Spaces so kontrovers diskutiert werden?

Nele: Diskussionen sind etwas Gutes, denn sie treiben den Prozess der Veränderung voran und machen auf Momente und Zustände aufmerksam, die es vielleicht neu zu entdecken gibt. Wir machen eine Art von Arbeit, die so viel Vertrauen braucht und Ruhe zwischen den Personen, das es fast unumgänglich ist, diesen Aspekt mehr ins Auge zu fassen. Besonders in der Tattooszene, in der es eh so viele verschiedene Charaktere von Schaffenden und Empfangenden gibt, ist es auch nicht machbar, das jeder Shop/Atelier… die gleichen Wege geht. Dennoch glaube ich, dass wir uns alle gewahr werden dürfen, dass es einen Shift gibt, der uns allen etwas mehr Ruhe und Verbindung bringen kann. Besonders, wenn der Einzelne sich nicht zu wichtig nimmt und oder auch andere ausschließt aufgrund von Geschlecht, Herkunft oder Lebensentwurf.

Guen: Ich denke, dass viele Menschen tun wollen, was sie wollen, und der Gedanke, sich jemand anderem beugen zu müssen, ist eine Unannehmlichkeit, die sie nicht auf sich nehmen wollen. Außerdem kann es schwierig sein, zuzugeben, dass man in der Vergangenheit vielleicht einen Fehler gemacht hat, und manche Menschen sehen Mitgefühl und Freundlichkeit als Schwäche an, und das Tätowieren hat eine Geschichte, die Härte vergöttert.

Warum braucht es mittlerweile im Tätowieren überhaupt einen Safe Space? Gibt es da vielleicht eine Verbindung zu der großen Social Media Welt da draussen?

Nele: Ich denke, weil es allgemein eine Veränderung in der Gesellschaft gibt. Bedingt durch den Wandel der letzten Jahre, durch die wir alle gemeinsam gegangen sind. Generell ist gesellschaftlich vieles in Bewegung und da dürfen wir uns nicht mehr rausnehmen, denn wir arbeiten an und mit Menschen und eben hier passiert viel. Das wahrnehmen und miteinander entwickeln ist essenziell. Und ja, soziale Medien sind definitiv ein Teil der Sichtbarkeit von vielen Bereichen. Denn hier finden viele eine Stimme, die sonst vielleicht nicht gehört wurden und schaffen so Aufmerksamkeit auf Dinge und ggf. Missstände, die vorher im Verborgenen geblieben sind oder eben nur in Nischen zu finden waren. Aber es ist wichtig, sich dessen anzunehmen und zu schauen, was man selber machen kann, damit es für „alle“ leichter werden kann, sich mit sich und der Welt gut zu fühlen.

Guen: Die "me too"-Erfahrungen, die während der Pandemie in den sozialen Medien an die Oberfläche kamen, haben unseren Bedarf an Veränderungen in der Tätowierung im Kern unterstrichen. Mainstream und soziale Medien haben dazu geführt, dass die Tätowierung von den Künstlern und nicht von den Kunden bestimmt wird. Der Träger wurde fast ausgelöscht, und im wahrsten Sinne des Wortes wurden sogar beim Photoshoppen und bei der Bearbeitung Unreinheiten, Poren, Haare und Hautpigmente entfernt. Dadurch sind die Bedürfnisse des Künstlers oft in den Vordergrund gerückt und der Kunde wurde in dieser Gleichung vergessen. Beim Tätowieren geht es um Beziehungen, zumindest war das für mich immer so, und das bedeutet, dass ich die Beziehungen zu meinen Kund*innen pflegen muss, damit sie wiederkommen wollen!

Habt ihr auch mal jemanden aus eurem Safe Space verweisen müssen, oder habt ihr selbst so etwas schon erleben müssen?

Nele: Nein, meine Erfahrungen waren größtenteils positiv und alles, was ich als schwierig empfand, habe ich für mich übersetzt und meine Schlüsse draus gezogen. Aber richtig böse übergriffe Situationen gab es in keine Richtung.

Guen: Nein.

Was änderte sich dadurch bei euch selbst?

Nele: Ich kann für mich nur sagen, dass überbetonte Männlichkeit stattgefunden hat. Das hat nicht unbedingt auf mich geschossen, allerdings ist es dann auch der Vize, der mitspielt. Aber es ist schon noch so, dass bestimmte Tätowierer*innen davon sehr geprägt sind und sich dementsprechend hart und abschätzig verhalten. Von wegen, man muss sich dies und das verdienen, indem man sich duckt. Glaube nicht an dieses Konzept und habe auch endlos tolle und positive Erfahrungen gemacht, mit alten Hasen und auch jungen Kolleg*innen. Ich habe über die Jahre auch eine entspanntere Haltung bekommen und nehme mir nicht mehr so viel an, keine dickere Haut, eher einen Blick mit Abstand. Versuche den Tag und die Erfahrung für mein Umfeld und mich so zu gestalten, dass es uns allen dabei gut geht.

Guen: Meine Erfahrungen in Tätowierläden haben mir gezeigt, dass es nicht nur eine Sache ist, sondern dass es mit der Minute beginnt, in der ein Kunde zur Tür hereinkommt, und dass es eine Anhäufung von kleinen Dingen ist, die alle aufeinander folgen, und dann gibt es natürlich auch große Fehler! Nicht von den Mitarbeiter*innen am Tresen begrüßt zu werden, das Gefühl zu haben, nicht willkommen zu sein, ignoriert zu werden, zur Tätowierstation zu kommen und keinen Platz für seine Sachen zu haben, sich nicht umziehen oder seine Kleidung ablegen zu können, keine diskreten Arbeitsbereiche zu haben, Mitarbeiter*innen zu haben, die entkleidete Kund*innen begaffen, Kund*innen zu haben, die mehr Kleidung als nötig ausziehen, Kolleg*innen oder Künstler*innen zu haben, die den Körper des Kunden oder anderer Kunden kommentieren, frauenfeindliche, rassistische oder homophobe Witze und Scherze. ... die Liste geht weiter... jedes dieser Dinge allein kann einen Kunden oder eine Kundin wirklich verärgern, und alle zusammen schaffen ein Umfeld, in dem sich die Menschen nicht wohlfühlen. Beim Tätowieren geht es auch um vertrauen, und diese dinge untergraben das Vertrauen. Der Schlüssel, um das umzukehren, ist einfach, rücksichtsvoll, mitfühlend und empathisch zu sein. Man wird es nicht jedes Mal richtig machen, und das kann man auch nicht garantieren, aber man sollte in der Lage sein, sein Bestes zu geben, um sich selbst weiterzuentwickeln.

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