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SAG MIR WO DIE BLUMEN SIND …


TASPO GARTEN-DESIGN - epaper ⋅ Ausgabe 5/2019 vom 05.07.2019

Die Chelsea Flower Show, die vom 19.-25. Mai 2019 in London stattfand, zeigte in diesem Jahr 28 herausragende Gärten. Dabei standen die Themen „Natürlichkeit“ und „Erholung“ im Fokus, ebenso wie „Klimawandel“ und „Nachhaltigkeit“. Statt bunten „mixed borders“ beherrschten Blattschmuckpflanzen in sämtlichen Grüntönen die Beete, die Blüten selbst muteten zart und eher unscheinbar an. Die Pflanzenverwender feierten den „Wald- und Wiesenstil“ und ernannten Wiesenkerbel, Nelken- und Engelwurz zu neuen Trendpflanzen in der modernen Gartengestaltung.


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Bildquelle: TASPO GARTEN-DESIGN, Ausgabe 5/2019

Andy Sturgeon‘s „M&G Garden“ feierte die Schönheit und Kraft ...

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... der Natur – und wurde als bester Showgarten ausgezeichnet.


„Es ist eine natürliche Umgebung, ein wirklich aufregender Ort, den Kinder und Eltern gemeinsam entdecken können“, sagte Herzogin Kate über den von ihr mitgestalteten Garten. Der „RHS Back to Nature Garden“ entstand in Kooperation mit den Gartendesignern Andree Davies und Adam White – dank der royalen Gartenplanung war das Interesse an dem Garten riesig. Herzogin Kate und die beiden Architekten ließen sich bei der Planung von ihren Erinnerungen und Spielen in der Natur leiten. Der Garten fokussiert sich auf die Bedürfnisse von Familien, um dort gemeinsam zu entdecken, zu spielen und zu lernen - oder einfach nur um zu entspannen und dem Alltag zu entfliehen. Wilde Bäume und Sträucher wachsen dort, zu ihren Füßen tummeln sich heimische Waldpflanzen jeglicher grüner und blau-grüner Couleur. Dazu zählen zum Beispiel Hänge-Buche (Fagus sylvatica ‘Pendula’), Gewöhnlicher Schneeball (Viburnum opulus ), Wald-Frauenfarn (Athyrium filix-femina ) oder Wald-Erdbeere (Fragaria vesca ). Aus vielen Pflanzen lässt sich zum Beispiel etwas bauen oder schnitzen, andere Pflanzen bieten Wildtieren Nahrung oder sind für Insekten attraktiv.

Das Publikums- und Medieninteresse an der Chelsea Flower Show ist auch ohne von Mitgliedern der royalen Familie gestalteten Gärten riesig. Dennoch rückte der „RHS Back to Nature Garden“ die wichtige Rolle der Natur für physische und emotionale Gesundheit in den Mittelpunkt der Show. Und diese Themen waren auch in anderen Gärten allgegenwärtig. Bunte Blumen auf der Chelsea Flower Show? In diesem Jahr (fast) Fehlanzeige! Zumindest die 28 Showgärten im Park hielten sich mit farbintensiven Prachtstauden sehr zurück. Stattdessen spielten die Gartendesigner mit der Farbe Grün und zeigten vor allem in Großbritannien heimische (Wild-)Pflanzen.

Auch der mit Gold und als „bester Showgarten“ ausgezeichnete „The M&G Garden“ von Gartendesigner Andy Sturgeon zeigte sich in der diesjährigen Chelsea-Trend-Farbe. Der mit vielen Preisen dotierte Architekt präsentierte darin Pflanzenverwendung auf allerhöchstem Niveau: Zwischen geschwärzten Eichen- Skulpturen, die als dramatische Raumteiler fungierten, fließt Wasser hindurch, das sich am Ende in einem kleinen Pool sammelt. Vor dem dunklen Hintergrund kommen die grünen Strukturen der Pflanzen bestens zur Geltung. Verwendet wurden zum Beispiel Pionierpflanzen wie Schachtelhalm, Japan-Orchidee (Calanthe sieboldii) , Gräser oder Moos, dazu Weidenröschen (Epilobium ), Riesen-Fenchel (Melanoselinum ), Jakobsleiter (Polemonium caeruleum ) oderDisporum longistylum , eine elegante Waldpflanze mit glockenförmiger Blüte und violett bis Bronze gefärbtem Laub. Viele der Pflanzen gehören bisher nicht zum Standard-Sortiment der Staudengärtnereien – vielleicht ändert sich das nun mit dem „neuen“ Wunsch nach mehr Natürlichkeit in den Gärten?

Chris Beardshaw, in 2018 als bester Designer auf der Chelsea Flower Show ausgezeichnet, interpretierte den klassischen englischen Stil neu. Er zeigte, wie es möglich ist, einen pflanzenreichen Garten zu gestalten, gleichzeitig aber von linearen Formen Abstand zu nehmen. Im Vergleich war sein Show-Garten einer der buntesten.


Fotos: Iris Jachertz (4); iVerde (6)

Die Trends der Chelsea Flower Show

Für Show-Managerin Rose Gore Browne ist die Chelsea Flower Show eine „unvergleichliche Plattform, um neueste Pflanzen und Trends bei der Gartengestaltung zu entdecken“. In diesem Jahr begeisterte sie vor allem die Natürlichkeit, die über die letzten Jahren langsam in die Gärten zurückgekehrt ist und in Chelsea ihren einstweiligen Höhepunkt erreichte. Der „Wiesen- Stil“ ist trendy, Wildblumen gewinnen mehr und mehr an Popularität. Der formale Garten hat ausgedient, natürliche Gärten sind selbst im urbanen Umfeld en vogue. Gartendesignerin Lilly Gomm sagt: „Natürlich beobachten wir ein Umdenken, wie wir unsere Outdoor-Räume gestalten. Gärten reflektieren unsere Bedürfnisse und unseren Lifestyle.“ Bunte Prachtstauden haben ausgedient. Statt dessen fand man in Chelsea üppige Beete in unterschiedlichsten Grüntönen, die dem natürlichen Stil Ausdruck verleihen. Pflanzplaner setzen auf heimische Arten statt auf Exoten, auf Vielfalt und Wildheit statt monothematischer, akkurater Beete.

Peter Clay, Geschäftsführer der in Großbritannien führenden Gärtnerei Crocus, freut sich über die neue Vielfalt in den Gärten: „Dank einer neuen Generation von Pflanzenjägern finden ungewöhnliche und weniger bekannte Arten den Weg in unsere Gärten, zum BeispielDisporum ,Disporopsis oderBeesia . Chelsea ist der Catwalk für diese Pflanzen!“ Außerdem sieht er großes Potenzial für Pflanzen, die „easy-to-grow“ sind und sich selbst überlassen werden können wieVerbena bonariensi s oderErigeron karvinskianus .

Gartenarchitekt Jody Lidgard freut sich darüber, dass „Gärten immer mehr ins Bewusstsein der Menschen rücken, sie in das tägliche Leben als Outdoor-Raum einbezogen werden“. In- und Outdoor vermischen sich, die Übergänge sind fließend. Dadurch steigt der Wunsch nach Verbesserung und Annehmlichkeiten: USB ports, WiFi oder ausgeklüngelte Lichtsysteme ziehen neben anderem nach draußen.

Auf die Zukunft von Stadtgärten machte Designer Tom Dixon in Kooperation mit IKEA aufmerksam: Sie zeigten ein experimentelles Modell, wie sich Platz für den eigenen Anbau auf klei- nem Raum findet und gestalten lässt. Aufgeteilt in zwei Level zeigte das Erdgeschoss ein „Garten-Labor“ zur Kultur von essbaren Pflanzen, darüber konnte man über bepflanzte Stufen auf das Dach gelangen und von dort Garten, Früchte aus eigener Ernte und den Ausblick genießen. Die Kooperation macht auf die Bedeutung von regional angebautem Obst und Gemüse aufmerksam.

Gepflanzte Wildnis und ein Paradies für Wildtiere und Insekten: der „High Maintenance Garden“ von Designerin Sue Hayward.


Die neuen Lieblinge der Gartendesigner

Kaum ein Garten kam ohne ihn aus: Der Wiesen-Kerbel (Anthriscus sylvestris ) ist der neue Liebling der Pflanzenverwender! Die ausladenden, zarten, weißen Doldenblüten stehen über farnähnlichem Laub – eine derzeit begehrte Kombination in den oft wiesenartig angelegten Gärten. Zurückhaltend in ihrer Erscheinung und dennoch omnipräsent hatte diese Wildstaude in Chelsea ihren ganz großen Auftritt. Zum „Wiesen- Look“ gehören aber noch weitere Pflanzen, die bisher in Gärten eher weniger zum Einsatz kamen – und wenn, dann wurden sie oft als „Unkraut“ tituliert und entfernt: Butterblumen zum Beispiel oder Kuckucks-Lichtnelken ebenso wie Klee oder Wolfsmilch (Euphorbia oblongata ) lösen die klassische Staudenrabatte ab. Ein Schattendasein im wahrsten Wortsinn hatte bisher auch der Nelkenwurz (Geum ). Die Gartendesigner in Chelsea verwendeten ihn schon immer ganz gern, weil er zur Zeit der Flower Show blüht. In diesem Jahr hatte allerdings auch er eine neue Omnipräsenz: Zurückzuführen ist dies nicht zuletzt auf zahlreiche neue Arten und Sorten, attraktive Blütenfarben und das Harmonieren mit dem natürlichen Gestaltungsstil. Manche sind dezent, zurückhaltend wie im „The M&G Garden“, andere sind größer, auffallender mit feurigen Blütenfarben und lenken gern Blicke auf sich.

Neben den Stauden spielen natürlich Gehölze eine wichtige Rolle in der Gartengestaltung und bei der Pflanzenverwendung. Auch in diesem Bereich setzten Gartendesigner der Chelsea Flower Show Akzente. Denn neben ihrer Ästhetik und ihrer Verwendung als Stilmittel tragen Bäume viel zu Wohlbefinden und Erholung im Gartenraum bei – den wichtigsten Themen der Show. Außerdem bieten sie vielen Wildtieren einen Lebensraum, Zuflucht und Nahrung. Kein Wunder also, dass in den waldartigen Gärten außergewöhnliche Spezies verwendet wurden. Vorbei sind die Zeiten von silbrigen Olivenbäumen, die noch vor wenigen Jahren gehypt wurden, jetzt ist die Zeit der Scheinbuchen (Nothofagus ) und Birken (Betula ), von Holunder (Sambucus nigra f.porphyrophylla ), Weißdorn (Crataegus ), Roter Rosskastanie (Aesculus pavia ) oder Fächer-Ahorn (Acer palmatum ). Bei den Nadelgehölzen zählte die Pinie zum Favoritenkreis, verwendet wurden mehrstämmigePinus parviflora ‘Glauca’, skulpturalePinus nigra oder die Wald-Kiefer (Pinus sylvestris ).

Sedum ist Chelsea-Pflanze des Jahres

Attraktiv, leicht zu kultivieren, vielseitig und multifunktional: Mit diesen Eigenschaften überzeugteSedum takesimense ‘Atlantis’ die Juroren der Chelsea Flower Show. Im Neuheiten- Wettbewerb sicherte sich die von Plantipp eingereichte Züchtung den begehrten Titel „Chelsea-Pflanze des Jahres 2019“ – und verwies damit auffällige Prachtstauden auf die Plätze.

Designerin Sarah Eberle zeigte eine Komposition von robusten Pflanzen, die gut auf veränderte Bedingungen, verursacht durch den Klimawandel, reagieren.