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Sagen-Wanderungen: Sagenhafte Wanderungen in den Voralpen: Bayerns Schätze


Bergsteiger - Das Tourenmagazin - epaper ⋅ Ausgabe 10/2020 vom 12.09.2020

Alpensagen stammen vor allem aus den Dolomiten? Weit gefehlt! Der Fundus in Bayern ist enorm, die Möglichkeiten, sie auf Wanderungen zu entdecken, ebenfalls.


Artikelbild für den Artikel "Sagen-Wanderungen: Sagenhafte Wanderungen in den Voralpen: Bayerns Schätze" aus der Ausgabe 10/2020 von Bergsteiger - Das Tourenmagazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Bergsteiger - Das Tourenmagazin, Ausgabe 10/2020

Um den Walchensee, seine Ausmaße und seine Bewohner ranken sich viele Sagen.


Bei Nebelstimmung wie hier nahe dem Kärlinger Haus drängt sich der Gedanke an Sagen geradezu auf.


Am Vormittag des 1. November 1755 war für die Menschen am Walchensee die Sache endgültig klar: Ihr See war nicht einfach nur ein See. Unterirdisch verband sich sein tiefes Wasser mit den Weiten des Mittelmeers und des Atlantiks. Warum sonst hätte er an diesem Tag, zu ähnlicher ...

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... Stunde, zur der ein verheerendes Erdbeben das 2500 Kilometer entfernte Lissabon in Schutt legte, zu brausen beginnen sollen?

Um den Walchensee ranken sich viele Sagen. Jene, die eine unterirdische Verbindung mit dem Atlantik belegen soll, ist nur eine davon. So wie der Walchensee haben viele Orte in und an den Bergen ihre ganz eigenen Geschichten. Mal ist mehr, mal weniger Wahres darin enthalten, mal bleiben die Geschichten länger, mal weniger lang in den Köpfen. »Je weiter man reinkommt in die Berge, umso mehr Sagen finden sich«, sagt Ursula Weber, Märchenerzählerin und Wanderbuch-Autorin aus Bad Tölz. Während wir am Leonhardstein unterwegs sind, einem ebenfalls an Sagen reichen Ziel oberhalb von Kreuth, erläutert sie: »Die Bergvölker hatten eine stärkere Verbundenheit zu Natur und Sagen, denn sie waren in ganz anderer Art und Weise drauf verwiesen. Die Menschen mussten in engem Kontakt zu Bergen und Naturgegebenheiten leben, sonst überlebten sie nicht.« Da liegt es nahe, dass sich Sagen, ähnlich wie Traditionen, in abgelegeneren Gegenden auch länger halten als anderswo. Der österreichische Erzähler Helmut Wittmann, spezialisiert auf alpenländische Volks- und Zaubermärchen, sieht aber auch im Tourismus eine Ursache: »Kommen da Touristen, die mit regionalen Überlieferungen und Traditionen nichts anfangen können, dann verschwinden Sagen umso schneller oder werden zum Folklore-Theater für die staunenden Fremden. Kommen aber Sommerfrischler, die den Wert der Traditionen vor Ort schätzen, dann bekommen diese einen umso höheren Stellenwert.«

Wie Regionen mit ihrem Sagen-Erbe umgehen, ist in der Tat höchst unterschiedlich. Ganz vorne mit dabei in der Vermarktung sind sicher Tirol und die Dolomiten. Gerade Familien nehmen das Angebot gerne an: Aus nörgelnden Kindern werden auf einmal motiviert hüpfende Bergläufer, sobald ihnen lustig dreinschauende Figuren wie Olperl, Foly oder Gimmy die Laufrichtung weisen. Eltern ist das natürlich nur recht – auch wenn sie dafür erst mit der Gondel für einen saftigen Preis in die Höhe schweben müssen. Was tut man nicht alles für einen zufriedenen und munter vor sich her trabenden Nachwuchs. In Tirol und Südtirol hat man das früh erkannt und entsprechende Angebote geschaffen.

Geschichtenerzählerin Ursula Weber auf dem Weg zum Leonhardstein


Ins Hier und Jetzt erzählt

Doch auch im Voralpenland gibt es einzelne Sagenwege, wie etwa den Holzgeisterweg in Ruhpolding, den Sagenhaften Bergwald in Grainau oder den Sagenweg am Hocheck bei Oberaudorf. Freilich richten sich diese Angebote primär an Familien mit Kindern. Sagen, gerade jene mit geschichtlichem Hintergrund, sind für Erwachsene aber nicht minder spannend. »Bei meinen Auftritten erlebe ich eigentlich durchgängig, dass die Menschen total berührt sind von diesen Geschichten – wenn man sie von ihrem Buchdeckel befreit und ins Hier und Heute erzählt«, sagt Ursula Weber. »Dann bekommen sie auf einmal ganz viel Farbe und Lebendigkeit und bringen unser Herz zum Singen – auch in unserer modernen Welt.« Dass sich dem kaum jemand entziehen kann, zeigt sich am Gipfel des Leonhardstein, den wir inzwischen erreicht haben. Hier erzählt Weber die Geschichte vom Wilderer Lampl – an eben jener Stelle, an der dieser auf der Flucht vor Jägern in die Tiefe gesprungen sein soll. Dank seines Sprungs schaffte er es, vor den Jägern zurück auf seinem Hof zu sein, sodass ihm diese – mal wieder – keine Wilderei nachweisen konnten. Die rund zehn Wanderer, die an diesem sommerlichen Dienstag mit uns am Gipfel verweilen, kommen allesamt herbei und lauschen gebannt ihren Worten. Man merkt sofort – Weber ist Profi. Regelmäßig erzählt sie Märchen und Sagen bei Veranstaltungen aller Art, Stadtführungen durch Bad Tölz sowie Wanderungen im Tölzer Umland.

In die Wiege gelegt wurden Ursula Weber die Geschichten aus dem Voralpenland allerdings nicht. Sie wuchs in Franken auf, wo Rübezahl die vorherrschende Märchenfigur ist. »Der war mir immer zu moralisierend, deswegen hab ich als Kind Sagen nicht sonderlich gemocht.« Dass es auch anders geht, erfuhr sie erst, nachdem sie mit 17 Jahren ins Tölzer Land zog und dort von der ein oder anderen Alpensage hörte. »Ich habe gemerkt, dass da viele schelmische, mutmachende und witzige Geschichten dabei sind, die sich mit viel Weisheit auf das beziehen, was das Leben ausmacht: das Verhältnis von Mann und Frau, die Liebe zur Natur oder eben das Wildern.« Schnell war ihr klar: »Das möchte ich erzählen. « Ihren Fundus hat sie über viele Jahre hinweg aufgebaut, inzwischen umfasst er rund 100 Geschichten. 30 davon erzählt sie in ihrem Tourenführer »Wandern auf märchenhaften Pfaden« (s. Kasten) – und zwar dort, wo die Sage spielt.


Die Menschen mussten in enger Verbundenheit zu den Bergen leben, sonst überlebten sie nicht.


Wie ein Schatz erhebt sich die Sonne überm Wallberg.


Der Holzgeisterweg in Ruhpolding richtet sich vor allem an Familien.


Auch wenn das Voralpenland einen wahren Sagenschatz beherbergt –niedergeschrieben wurden diese Sagen vergleichsweise spät. Während im restlichen Deutschland bereits im frühen neunzehnten Jahrhundert vor allem durch die Gebrüder Grimm Märchen und Sagen zusammengetragen wurden, waren die Anfänge in Bayern sehr spärlich und mühsam. Und das, obwohl Jacob und Wilhelm Grimm auch in Bayern immer wieder Versuche starteten. Dies dokumentierte die Ausstellung »Ungeheuer Zauberhaft« 2008 im Alpinen Museum. Den Höhepunkt erreichten die Publikationen bayerischer Sagen erst in den 1920er-Jahren –mit 40 Publikationen in zehn Jahren dann aber richtig. Vor allem Lehrer und Geistliche sammelten um diese Zeit. Die Gebrüder Grimm waren auch in Österreich aktiv und beeinflussten die Sagensammlungen dort nachhaltig – insbesondere in Tirol und Vorarlberg. In den anderen Regionen – so beschreibt es die DAV-Ausstellung – wurden kaum Sagen gesammelt.


Auch wenn das Voralpenland einen wahren Sagenschatz beherbergt – aufgeschrieben wurden diese Sagen vergleichsweise spät.


Danke also liebe Grimm-Brüder! Danke für die Märchen unserer Kindheit, danke aber auch für die vielen Sagen, in die es sich besonders gut bei einer Wanderung durch die wunderschöne und manchmal auch sehr mystische Bergwelt eintauchen lässt.

Bettina Willmes weiß Bergsagen erst so richtig zu schätzen, seit sie gemerkt hat, wie motivierend sich diese auf die Wanderlust ihrer Kinder (3 und 6) auswirken.

Mystische Stimmung beim Aufstieg zum Jochberg


1 Baumgartenschneid (1448 m)

Tegernseer Berge

Glaubt man der Legende, so ist es einem Bären zu verdanken, dass die Riedersteinkapelle errichtet wurde. Dort, wo heute die Kapelle steht, begegnete ein Jäger einst einem Bären. Während dieser zum Angriff ansetzte, konnte der Jäger im letzten Augenblick noch einen Schuss abfeuern. Tatsächlich traf er den Bären, sodass dieser über die Felsklippen ins Tal stürzte. Der Jäger – zunächst starr vor Schreck und dann mit über die Maßen zittrigen Beinen – wollte schleunigst ins Tal, tat einen falschen Schritt und stürzte ebenfalls in die Tiefe. »Heilige Mutter Gottes, hilf«, war das einzige, was er noch denken und rufen konnte. Und tatsächlich: Die Heilige Mutter Gottes stand ihm bei und der Jäger landete weich auf dem Fell des Bären. Zum Dank baute er ebendort, wo er dem Bären begegnet war, eine Kapelle.

Ausgangspunkt: Parkplatz Schwaighof Rottach-Egern (780 m); bei öffentlicher Anreise Bushaltestelle Schwaighof
Einkehr: Berggasthof Riederstein/Galaun (1060 m)
Route: Parkplatz – Galaun – Riederstein (1207 m) – Rohrkopf (1316 m) – Baumgartenschneid (1448 m) – Sagfleckl (1154 m) – Richtung Alpbachtal, Tegernsee – Galaun – Schwaighof

2 ALTLACHER HOCHKOPF (1328 m)

Walchenseeberge

Freilich könnte man an dieser Stelle auch eine der vielen Sagen rund um den Waller im Walchsensee aufgreifen. Doch bei dieser Tour gibt es Geschichten zu erzählen, die sich wirklich zugetragen haben. In ihrem Mittelpunkt steht König Ludwig II, bekanntermaßen ein Mann, der wusste, wo es schön ist. Glück für ihn, dass bereits sein Vater um 1850 die Hochkopfhütte für seine Jagdausflüge errichten ließ. Ludwig musste die Hütte dann nur noch nach seinen Bedürfnissen vervollständigen lassen. Doch nicht nur er nutzte die Hütte als Zufluchtsort – 1865 überließ er sie dem von ihm verehrten Richard Wagner, damit der in Ruhe an seinen Stücken arbeiten könnte. Ob an Parsifal oder Siegfried ist nicht eindeutig belegt. Jedenfalls wurde zu diesem Zweck sogar ein Klavier auf den Berg transportiert.

Ausgangspunkt: Altlach, Ortsteil von Jachenau
Einkehr:
Route: Altlach – via historischem Reitweg zur Hochkopfhütte (diverse Schilder) – Altlacher Hochkopf – Hochkopfhütte – Ziehweg nach Niedernach – nach ca. 500 Metern auf die parallel verlaufende Waldstraße wechseln – Altlach

3 HOCHALM (1427 m)

Isarwinkel

Am Gerstenrieder Kopf in der Nähe der urigen Höllei-Alm stand früher ein Taxenbaum – eine uralte Eibe mit kleinen, gekrausten Zweigen, die bis zum Boden herabhingen. Der Baum galt als Wunderbaum. Als der Hirte der Höllei-Alm einmal seine Geißen suchte, kam er der Eibe ganz nah. Und fand prompt einen Felsen aus reinem Gold vor. Der Hirte versuchte etwas abzubrechen, aber das Gold war zu hart. Also ging er, um mit seinem Eisenpickel wiederzukommen. Doch als er zurückkam, war von dem goldenen Felsen nichts mehr zu sehen. Ein Tiroler hatte wohl mehr Glück – er konnte sich einen ganzen Sack voll Gold einpacken und mitnehmen.

Ausgangspunkt: Wanderparkplatz südöstlich von Lenggries an der B307 – auf halber Höhe zwischen dem Kreuzungspunkt mit der B13 am Sylvenstein und jenem mit der Achenseestraße B181
Einkehr: Mitterhütte (1276 m), nur zur Almzeit im Sommer und auch dann nicht immer)
Route: Parkplatz – Gumpen – Höllei-Alm – Mitterhütte – Hochalm - retour

4 LEONHARDSTEIN (1452 m)

Tegernseer Berge

Zu dieser Tour gibt es gleich zwei Sagen: eine zum Heiligen Leonhard und eine zum Wilderer Lampl, der am felsigen Gipfel des Leonhardstein seine Kühnheit eindrucksvoll zur Schau stellte, als er auf der Flucht vor einheimischen Jägern vom Gipfel gesprungen sein soll. Wir beschränken uns auf die erste Geschichte – jene, die wohl auch mehr Wahres in sich trägt. Als Nachkomme einer Adelsfamilie im frühen 6. Jahrhundert sollte Leonhard von Limoges Mönch werden und wurde entsprechend ausgebildet. Bald aber zog er sich zurück in den Wald, um Kranken und Hilfsbedürftigen zu helfen. Später gründete er das Kloster Noblat, in dem er ehemalige Gefangene zu Handwerkern ausbildete. So wurde Leonhard zum Patron der »In Ketten Liegenden«. Später wurde dies umgedeutet als Symbol für Haus- und Nutztiere. An seinem Gedenktag finden alljährlich Leonhardifahrten statt – die größten in Bad Tölz und Kreuth. Nicht nur der Name des Berges erinnert an den Heiligen Leonhard; auf dem Weg kommt man zudem an einer kleinen Kapelle zu seinen Ehren vorbei.

Ausgangspunkt: Kreuth, Wanderparkplatz am Kirchberg. Öffentlich: BOB nach Tegernsee, Bus 9556 bis Riedler Brücke, Kreuth
Einkehr:
Route: Kreuth – Leonhardkapelle – bei Wegverzweigung (1100 m) links – Leonhardstein – retour (ggf. Abstecher via Wasserfallrundweg Kreuth)

5 BURGRUINE WERDENFELS (795 m)

Ammergauer Alpen

Um die Burg Werdenfels und die weiße Frau ranken sich viele Legenden. Die vermutlich meisterzählte ist jene von der unglücklichen Gräfin Sieglinde. Als der Graf zu einem Kreuzzug nach Jerusalem aufbrechen und Sieglinde auf der Burg zurückbleiben musste, versuchte der treueste Diener des Grafen sein Glück bei der schönen Gräfin. Die wies ihn zurück – was den Diener zutiefst kränkte, sodass aus seiner Zuneigung Hass wurde. Als der Graf gesund zurückkehrte, redete der Diener ihm anhand von gefälschten Beweisen ein, dass die Gräfin sich in seiner Abwesenheit mit Barden eingelassen habe. Sieglinde beteuerte ihre Unschuld, doch der Graf ließ sie trotzdem ins Verlies werfen. Kurze Zeit später konnte das Kammerfräulein den Grafen von Sieglindes Unschuld überzeugen, doch die Rettung kam zu spät. Als der Graf ins Verlies hinabstieg, fand er nur noch die Leiche seiner Frau vor. Das Misstrauen hatte ihr Herz gebrochen. Seither, so sagt man, hört man aus der Burg und später aus der Ruine, immer wieder ein Wimmern, Schluchzen und Stöhnen.

Ausgangspunkt: Bahnhof Untergrainau oder Kanutourenparkplatz Loisach
Einkehr: Werdenfelser Hütte (770 m); Almhütte (787 m), auch bekannt als »Windbeutel-Alm«,
Route: Bahnhof – Almhütte – Werdenfelser Hütte – Ruine – retour
Tipp: Rund um die Burgruine informieren 15 Tafeln über die Geschichte der Burg. Eine Sonderausstellung im Werdenfels Museum zeigt darüber hinaus archäologische Fundstücke aus der Burg (noch bis 8.11.).

6 WENDELSTEIN (1838 m)

Mangfallgebirge

Wer Höhlen mag, ist auch heute noch richtig am Wendelstein. Immerhin kann man dort – zumindest in Corona-freien Zeiten – Deutschlands höchstgelegene Schauhöhle besuchen. Viele der ehemaligen Höhlen sind inzwischen verfallen oder von Gestrüpp bedeckt. In einer davon soll einst ein riesiger Goldschatz gelegen haben. Bewacht wurde dieser von fleißigen Bergmandln. Wann immer sie mitbekamen, dass die Senner der Umgebung Hilfe benötigten, eilten sie herbei und halfen, ohne dass man sie jemals sah. Nur die Goldmünzen, die sie für die Senner zurückließen, ließen darauf schließen, dass sie es waren, die so flink geholfen hatten. Über viele, viele Jahre ging das so – bis ein kleiner Junge das Geheimnis ausplauderte und die Leute aus dem Tal die Höhle aufsuchten, sich hineinschlichen und die Goldstücke an sich nahmen. Da rumpelte es gewaltig und alles Gold verwandelte sich in Eisenbrocken. Kein einziges Mal mehr gingen die Bergmandln von nun an den Sennern zu Hand – und der Berg erhielt seinen heutigen Namen: Wendelstein.

Ausgangspunkt: BOB-Bahnhof Geitau
Einkehr: Kesselalm (1275 m), Wendelsteinhaus (1740 m)
Route: Geitau – Birkenstein – Wallfahrtskirche – Kesselalm – Kotalm – Abstecher zum Schweinsberg – zurück zum Sattel – Elbachalm – Wendelstein – Spitzingalmen – Geitau

7 WILDBARREN (1448 m)

Mangfallgebirge

Um den Grauen Stein am Wildbarren ranken sich diverse Sagen. Eine davon ist jene vom Schneider, der den Riesen überlisten wollte, der einst auf dem Wildbarren lebte. Er war stets nackt und tötete jeden, der in seine Nähe kam, denn er fürchtete um seinen Goldschatz in seiner Höhle. Eines Tages stieg ein Schneider zu ihm auf und bot ihm an, Kleider für ihn zu nähen, damit er nicht mehr nackt sei. Das gefiel dem Riesen und er willigte ein. Dem Schneider aber ging es um den Schatz. Die Öffnungen an Armen und Beinen des Gewands nähte er zu, um den Riesen bewegungsunfähig zu machen und den Schatz an sich nehmen zu können. Doch der Riese konnte sich rechtzeitig befreien und warf dem samt Goldschatz flüchtenden Schneider einen großen Felsblock hinterher, der ihn erschlug. Seither liegt der Stein auf ebenjener Stelle, unter ihm noch immer der Schneider und der Goldschatz. So sehr sich die Menschen auch anstrengten, niemand konnte den Stein mehr von der Stelle bewegen.

Ausgangspunkt: Regau bei Oberaudorf. Parkplatz 300 Meter hinter dem Berggasthof Bichlersee
Einkehr: nach der Tour: Berggasthof Bichlersee
Route: Parkplatz – Richtung Bichleralm (kurz zuvor geht es rechts weg) – Wildbarren – Oberer Holzplatz (1229 m) – Parkplatz
Tipp: An heißen Tagen lohnt sich im Anschluss an die Wanderung ein Sprung in den Bichlersee

8 RUND UM DEN ADERSBERG (820 m)

Chiemgauer Alpen

Lorenz Mayer hieß der Bergbauer, auch bekannt als »Adersberger «, von dem man sich hier oben gerne Geschichten erzählt. Einzigartig an ihm war vor allem sein Hirsch-Gespann, mit dem er sonntags zur Kirche und seine Kinder zur Schule fuhr. Kein Pferd habe mit seinem Hirsch mithalten können, heißt es. In anderer Hinsicht war sein Hirsch aber weniger folgsam. So habe er sich beispielsweise mit seinem Geweih an den Küchenschrankschubladen hochgezogen, um an den Zucker zu kommen. Gerne trank er auch bis zu zehn Liter Milch aus einer Kanne im Kuhstall. Irgendwann wurde dem Bauern das Fahren mit dem Hirsch verboten und er verkaufte ihn (wohl 1912) an einen Grafen in Wien. Bis dahin aber sorgte er immer wieder für neuen Tratsch.

Ausgangspunkt: Bernau
Einkehr: Berggasthaus Adersberg (815 m)
Route: Bernau – Kraimoos – Stachl am Brand– Lindlalm (978 m) – Adersberg – Aufing – Bernau

BUCHTIPP

Weitere Wanderungen, bei denen sich Sagen entdecken lassen, finden Sie im Buch »Wandern auf märchenhaften Pfaden« (Volk Verlag) oder »Mystische Pfade Bayerische Hausberge« (Bruckmann Verlag)

9 HEUBERG (1338 m)

Chiemgauer Alpen

Der Name ist bei diesem viergipfligen Berg Programm: Noch heute liefert der grasige Hügel Gras und Heu für die Tiere auf der Alm bzw. später im Stall. So ist es kein Wunder, dass sich um die saftigen Wiesen viele Sagen ranken. Etwa die von Kundl, der schönen, aber stolzen Sennerin, die am Heuberg eine Alm bewirtschaftete. Die Kühe, die den Sommer bei ihr verbrachten, lieferten wegen des saftigen Grases reichlich und sahnige Milch. Entsprechend gut ging es der Sennerin auf ihrer Alm. Eines Tages nahm sie frisch gebackene Brotlaibe aus dem Ofen, als ein altes Männlein vorbeikam. Es klagte vor Hunger und bat um ein Stück Brot. Kundel aber ließ es abblitzen, hob einen Stein auf und sprach: »Nimm diesen, der ist genug Brot für dich.« Das Männlein drehte sich wortlos um und verschwand. Kaum war es weg, zog ein schreckliches Gewitter auf. Es donnerte und blitzte, als ginge die Welt unter. Als es überstanden war, war Kundels Alm verschwunden. Die hartherzige Sennerin kauerte dort, wo einst der Ofen stand – versteinert.

Ausgangspunkt: Nußdorf am Inn (465 m); Wanderparkplatz Hauptstraße
Einkehr: Abstecher zu den Daffnerwald-Almen möglich
Route: Nußdorf – Richtung Winkelwiesweg – Bichleralm – ggf. Abzweig zur Kundl (rechte Seite), alternativ links an der Alm vorbei und später rechts ab zum Heuberggipfel – retour bis Wegkreuzung Kindlalm – Mailachhütte – Wallfahrtskirche Kirchwald – Nußdorf

10 SCHLAFENDE HEXE UND STEINERNE AGNES

Berchtesgadener Alpen

Schlafende Hexe und Steinerne Agnes sind Die Stars der Bayerischen Sagen, darum kann auch dieser Beitrag nicht ohne sie auskommen. Bei der hier vorgestellten tour kommt man an beiden Felsformationen vorbei. ein wenig Fantasie sollte man aber schon mitbringen, um sie zu erkennen. Die Sage von der Schlafenden Hexe erzählt von einer Hexe, die sich in die Berge zurückgezogen hatt e und Christen und Missionare nicht leiden konnte. einigen gab sie gift iges zu trinken, auf andere rollte sie dicke Felsbrocken, so dass sie in den tod stürzten. ein gott esmann namens Martinus aber hielt ihr im richtigen Moment ein großes Kreuz entgegen, das er um den Hals hängen hatt e. Daraufh in wurde die Hexe zu Boden geschleudert und erstarrte zu Stein. Bei der Steinernen Agnes soll es sich um eine gott esfürchtige und keusche Sennerin gehandelt haben, die versteinert wurde, um sie vor den Nachstellungen des teufels zu schützen. Zu beiden Figuren existieren weitere Sagen. insbesondere der 13 Meter hohe pilzförmige Felssturm der Steinern Agnes ist ausgesprochen eindrucksvoll!

Ausgangspunkt: Bayerisch gmain (Parkplatz Wanderzentrum bzw. Bahnhof)
Einkehr: unterwegs keine
Route: Bayerisch gmain – Rotofensattel (1280 m) – großer Rotofenturm (Hexennase; 1369 m) – Steinerne Agnes (1300 m) – retour bis zur Abzweigung – Dreisesselberg – ggf. gipfelabstecher zur Hochplatte – Bayerisch gmain


Foto: Bernhard Römmelt

Fotos: Andreas Strauß, Bettina Willmes

Foto: Der Tegernsee, Dietmar Denger

Fotos: Chiemgau Tourismus e.V./Andreas Plenk, Bernhard Römmelt

Fotos: Der Tegernsee, Stefanie Pfeiler, Bernhard Römmelt, Bernd Ritschel

Fotos: Urs Golling, Markt Garmisch-Partenkirchen/MarcGilsdorf, Andreas Strauß, Alpenregion Tegernsee Schliersee

Fotos: Chiemsee-Alpenland Tourismus (2), Berchtesgadener Land Tourismus