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Saints Row


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PC Games Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 10/2022 vom 21.09.2022
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Bildquelle: PC Games Magazin, Ausgabe 10/2022

Genre: Action

Entwickler: Volition

Hersteller: Plaion

Termin: 23. August 2022

Preis: ca. 70 Euro

USK: ab 18 Jahren

Ganze neun Jahre ist es bereits her, dass die Saints mit einem neuen Spiel versorgt wurden. Nun folgt aber nicht nur ein neuer Ableger, sondern sogar ein Serien-Reboot. Das ist schon verständlich, schließlich war man in Saints Row 4 als US-Präsident unterwegs und legte sich mit Aliens an. Das ist natürlich nicht so einfach zu toppen. Zudem waren die Geschichten von Shaundi, Pierce und Fan-Liebling Johnny Gat auserzählt. Die Entwickler von Volition entschieden sich wohl auch deshalb für einen Reset der Reihe mit frischem Setting und neuem Personal. Diesmal verschlägt es uns nämlich nicht nach Stilwater oder Steelport, sondern ins sonnige Santo Ileso. Das fiktive Gebiet liegt an der mexikanischen Grenze und bietet unter anderem Canyons, Wüstenstädtchen, einen Casino-Bezirk und eine ...

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... belebte City, in der sich die Wolkenkratzer aneinanderreihen. Außerdem ist man nun als Boss zusammen mit den Jungspunden Eli, Kevin und Neenah unterwegs, die bei den meisten Fans vor dem Release überhaupt nicht gut ankamen. In den Kommentarspalten standen direkt nach der Ankündigung bereits Dinge wie „nervige Hipster-Bande“, „schlimmer als Watch Dogs 2“ oder gar gleich „Das ist nicht mehr Saints Row.“ Nun, wir haben den Reboot gespielt und können euch sagen, dass die neuen Charaktere gar nicht so schlimm sind, und dass das neue Saints Row auf jeden Fall ein echtes Saints Row ist. Das bedeutet allerdings nicht unbedingt etwas Gutes. Doch fangen wir zunächst von vorne an.

Neustart mit alten Tugenden?

Das neue Saints Row beginnt mit einer Party, auf der wir zunächst in einem Editor unseren Charakter erstellen und dann scheinbar abgemurkst werden. Anschließend springen wir in der Zeit zurück.

Unser Protagonist arbeitet bei der hochgerüsteten Söldnerorganisation Marshall, Neenah hängt mit der Panteros-Gang ab, Kevin ist bei den Party-süchtigen Idols und kocht gerne und Eli ist zwar bei keiner der drei Gangs von Santo Ileso, aber er redet viel Unsinn und meint, er habe Ahnung von Wirtschaft und Finanzen. Er ist also quasi eine Art arbeitsloser Hipster-Lindner. Die vier Freunde hausen zusammen in einer Bruchbude, haben keine Kohle, dafür viele Schulden und träumen von Ruhm und Reichtum. Als unser Protagonist, Kevin und Neenah jeweils von ihren Gangs fallengelassen werden und Eli angeschossen wird, hat die Verbrecher-WG schließlich die Schnauze voll. Sie gründen mit den Saints ihre eigene Gang, werben Fußsoldaten an, besetzen die Kirche und legen sich mit den kriminellen Mitbewerbern in Santo Ileso an. Die lassen sich das natürlich nicht gefallen und so kommt es zu allerlei Scharmützeln, Racheaktionen und Verfolgungsjagden.

Die Prämisse von Saints Row ist sicherlich nicht clever, aber vollkommen okay. Schließlich spielt man Saints Row wegen der überdrehten Action und dem herrlich doofen Humor und nicht, weil man eine ausgeklügelte Erzählung erwartet. Hier tappt das Spiel aber bereits in mehrere Fallen. Aufgrund der allgemein altbackenen

Inszenierung wirkt die Action nur in seltenen Fällen wirklich spektakulär und auch der Humor lässt ein wenig zu wünschen übrig. Versteht uns nicht falsch, Saints Row ist durchaus witzig. Bei einigen Szenen und Sprüchen mussten wir laut lachen. Besonders die Questreihe, in der wir an einer Art Mad-Max-LARP teilnehmen, wo alle Teilnehmer eben nur so tun, als würden sie sich verletzen, ist wirklich amüsant. Dennoch fühlt es sich oftmals so an, als wäre das Spiel hier mit angezogener Handbremse unterwegs. Die alten Saints Rows waren respektlos, voller Pimmelwitze und scherten sich einen feuchten Kehricht um irgendwelche Tabus. Diesmal ist der Humor zwar durchaus stellenweise etwas abgedreht, aber trotzdem auch meistens bemerkenswert harmlos. Vergleicht man den Reboot direkt mit Teil 3 und 4 könnte man fast schon den Eindruck gewinnen, dass man hier bloß niemandem auf die Füße treten möchte. Ob das nun besser oder schlechter ist, wird jeder für sich selbst entscheiden müssen. Die Fans der bisherigen Spiele dürf- ten aber mehr Anarcho-Humor erwartet haben. Zudem ist die Story dann auch noch ziemlich schwach auf der Brust. Wie gesagt, eigentlich kein Problem bei einem Saints Row, aber beim Reboot wurde der die Erzählung übertünchende Wahnsinn eben etwas heruntergefahren und das Spiel möchte auch unbedingt eine Story erzählen. Es soll um Freundschaft und Selbstverwirklichung und Freiheit gehen. Man versteht auch immer sofort, auf was die Entwickler hinaus wollen, aber es ist trotzdem sehr holprig erzählt. Das Spiel setzt an einigen Zeitpunkten darauf, dass wir über eine emotionale Bindung zu den Charakteren verfügen, aber dafür gibt es uns einfach viel zu wenige Momente, in denen uns die Figuren ans Herz wachsen könnten.

Überhaupt ist die Geschichte ziemlich kurz. Wir schlossen nebenher noch einige Nebenmissionen ab und benötigten trotzdem nur etwa 15 Stunden bis zum Abspann. Für ein Open-World-Spiel ist das dürftig. Immerhin können wir aber an anderer Stelle eine Entwarnung aussprechen: Eli, Kevin und Neenah sind zwar etwas zu sehr bemüht auf hip und cool getrimmt, aber unsere Team-Mitglieder sind nicht solche Nervensägen, wie man nach der Ankündigung befürchten konnte. Sie sind sogar recht sympathisch und bisweilen auch witzig. Kein Vergleich also zu der Nervbande aus Ubisofts Watch Dogs 2.

Action-Allerlei und Einheitsbrei

Die neuen Saints wollen in Santo Ileso ihr eigenes Verbrecherimperium aufbauen und brauchen dafür Kohle. Entweder führen wir also Auftragsmorde aus oder wir nehmen über unser Smartphone Hauptmissionen an. In denen besorgen wir dann wichtige Dinge für unser kriminelles Unternehmen oder wir legen uns mit den rivalisierenden Banden an und killen deren Mitglieder. Diese Missionen überzeugen manchmal auch durch kreative Ideen oder cool inszenierte Action. So rauben wir beispielsweise einen Zug aus, helfen einem Schwerverbrecher aus dem Knast auszubrechen oder nehmen an einer mörderischen Game-Show teil, um neue Mitglieder anzuwerben. In diesen Momenten kommt dann auch immer wieder das alte Saints-Row-Gefühl auf. Um uns herum tobt das Chaos und wir wurschteln uns mit Waffengewalt und ein paar doofen Sprüchen auf den Lippen hindurch. Es sei jedoch dazu gesagt, dass sämtliche Missionen nach dem gleichen Muster ablaufen. Wir fahren zum Zielort, wo uns dann entweder direkt allerlei Gegner erwarten, oder es geht irgendwas schief und dann tauchen die Feinde auf und wollen abgeknallt werden.

Hinzu kommt, dass sich die Ballereien sehr altbacken spielen. Wir können uns zwar ducken, aber ein Deckungssystem gibt es nicht. Wir müssen also in Bewegung bleiben, Ausweichrollen vollführen und gelegentlich eine Nahkampfattacke ausführen, um so unsere Lebensenergie wieder aufzufüllen. Das mag oldschool sein, aber neun Jahre nach dem letzten Teil hätten wir uns schon ein paar Innovationen oder zumindest altbekannte moderne Gameplay-Elemente gewünscht. Das neue Saints Row ist hier auf dem gleichen Stand wie die letzten zwei Teile, die damals schon nicht sonderlich modern waren.

Das wäre allerdings gar nicht mal so schlimm, wenn andere Dinge verbessert worden wären. Die KI ist so doof wie noch zu alten Saints-Zeiten. Entweder stehen die Gegner schießend herum oder sie stürmen direkt auf uns zu. Manchen Fieslingen muss man zuerst noch die Panzerung wegschießen, aber auch für diese zäheren Brocken gilt: Entweder sie stehen schießend herum oder sie stürmen eben direkt auf uns zu. Angeblich sollen sich die Gegnergruppen voneinander unterscheiden. So kündigte Volition an, dass die Panteros besonders stark sind, während Marshall auf überlegene Waffen setzt und die Idols Zivilisten oder gar unsere Verbündeten davon überzeugen können, sich gegen uns zu stellen. Gemerkt haben wir davon aber rein gar nichts. Klar, ein paar Waffen sind anders, aber eigentlich haben alle Gruppierungen nur verschiedene Steh-Schießer und Auf-uns-zu-Stürmer, für die wir allesamt dieselbe ganz besonders ausgebuffte Taktik verwendeten: Drauf schießen, bis sie tot umfallen. Und dabei benutzen wir leider auch nur langweilige Normalo-Schießprügel wie Pistolen, MGs, Schrotflinten oder Raketenwerfer. Zumindest beim Waffenarsenal hätten die Entwickler mal etwas kreativer sein können. Lediglich die mit Stufenaufstiegen freischaltbaren Special-Moves sorgen schon mal für ein wenig Aufheiterung. Hier schlagen wir beispielsweise mit einer brennenden Faust zu oder stopfen einem Gegner eine Granate in die Hose und schmeißen ihn weg.

Die verschiedenen Kills sind wirklich hart und witzig und es ist auch nicht so, als ob die Ballereien keinen Spaß machen würden. Aber im Grunde genommen führt man in so ziemlich jeder Mission genau den gleichen Kampf wie in der Mission zuvor. Hat man das einmal durchschaut, können auch Inszenierung und allerhand Explosionen nicht mehr darüber hinwegtäuschen, dass sich Saints Row 2022 ziemlich veraltet anfühlt.

Geld ist nebensächlich

Doch wir bauen unseren Einfluss in der Spielwelt natürlich nicht nur in den Hauptmissionen aus. Auf der Karte im Hauptquartier der Saints dürfen wir nämlich auch verdientes Geld ausgeben, um kriminelle Geschäfte aufzubauen. So legen wir etwa eine Giftmülldeponie an, verkaufen in Food Trucks Drogen oder errichten eine Klinik, in der wir durch Versicherungsbetrug abkassieren. Haben wir eines dieser Geschäfte aufgebaut, werden dazu passende Nebenmissionen freigeschaltet. Wir heizen dann mit dem Food Truck durch die Straßen, klauen Giftmülllaster, die wir vorsichtig zu unserer Deponie manövrieren oder schmeißen uns mit Elan vor heranrasende Fahrzeuge, um Unfälle zu provozieren. Das ist alles okay, im Falle des Versicherungsbetrugs und einer Aktivität, die wir nicht verraten möchten, sogar ganz spaßig, aber auch nicht sonderlich innovativ oder gar motivierend. Ganze 14 LKWs zur Giftmülldeponie bringen, um das Geschäft vollständig abzuschließen? Das klingt nicht nur öde, das ist es auch. Umso nerviger ist es, dass wir mehrere kriminelle Geschäfte vollständig abschließen müssen, um zwei größere optionale Missionen freizuschalten. Langweilige Standard-Nebenaufgaben sind das eine, aber dazu gezwungen zu werden, sie vollständig abzuschließen, wenn man alle großen Missionen spielen möchte, geht zu weit. Das ist einfach unkreatives, ja geradezu faules Gamedesign. Wir vermuten tatsächlich, dass diese Design-Ent- scheidung gefällt wurde, damit nicht so schnell auffällt, dass man die groß angekündigten kriminellen Geschäfte ansonsten überhaupt nicht braucht. Kohle kommt auch so durch Aufträge rein und wenn man die nicht komplett beim Klamotten-Shoppen verprasst, dann hat man immer genug, um sich Waffen und Munition zu leisten. Man darf die Waffen und auch die Fahrzeuge noch gegen Kohle aufrüsten, aber beides braucht man nicht. Wir hatten auch ohne Upgrades keinerlei Probleme, Saints Row auf dem mittleren von fünf Schwierigkeitsgraden durchzuzocken.

Sonstige Nebenaktivitäten sind leider auch nur Open-World-Standard-Zeug wie Sammelkram oder das Ausheben von Gegner-Nestern. Das ist selbst im optionalen Online-Koop für zwei Spieler lahm. Auch die Spielwelt selbst wirkt nicht sonderlich durchdacht. Santo Ileso ist wirklich ein großes und zumindest optisch abwechslungsreiches Gebiet. Es ist auf jeden Fall die beste Spielwelt der gesamten Saints-Row-Reihe. Da wäre allerdings ein Problem: Die Entwickler machen nichts draus. Es gibt kaum auf die verschiedenen Regionen zugeschnittene Aktivitäten und auch nur ganz wenige Geschäfte. Santo Ileso ist hübsch, aber auch sehr leblos. Wir hatten nie den Eindruck, etwas zu verpassen, wenn wir die Spielwelt nicht erkunden. Stadt und Umland dienen lediglich als Kulisse, nehmen aber zu keinem Zeitpunkt eine besondere Rolle ein. Auch die NPCs tragen dazu bei, dass wir uns nie so richtig in die virtuelle Welt fallen lassen konnten, wie es beispielsweise bei einem GTA der Fall ist. In GTA 5 werden NPCs nervös, panisch oder aggressiv, wenn wir sie anstarren, in Saints Row reagieren sie teilweise nicht mal, wenn man in ihre Richtung schießt. Auch hier ist Volition also nicht mit der Zeit gegangen.

Technik von gestern

Wir haben jetzt viel gemeckert und würden damit auch gerne so langsam mal aufhören, aber auch hinsichtlich der Technik können wir nicht allzu viel Positives berichten.

Es läuft flüssig und Santo Ileso ist recht schön designt, ansonsten ist das Spiel aber auch hier ziemlich veraltet. Saints Row ist nie katastrophal hässlich, wie ein Spiel aus dem Jahr 2022 sieht es aber eben auch nicht aus. Vor allem die grobschlächtigen Figurenmodelle sind mitunter arg aus der Zeit gefallen. Das gilt auch für die etwas steife Steuerung und die oftmals hakeligen Animationen. Das wäre aber alles verschmerzbar, wenn der Titel nicht noch einige Bugs an Bord hätte. Ein paar davon sind sogar ganz lustig. So spielt die Physik manchmal etwas verrückt oder das Spiel vergisst eine Animation, sodass wir einmal sogar seitlich am Motorrad klebten. Viele Bugs sind jedoch unerklärlich und richtig ärgerlich. Direkt zu Spielbeginn stellten wir fest, dass offenbar die Features des Dualsense-Controllers deaktiviert sind. Also gingen wir ins Menü und aktivierten sie. Nun war allerdings die Y-Achse invertiert. Also zurück ins Menü und umstellen. Jedoch waren so wieder die Dualsense-Features deaktiviert. Als wir die- se aktivierten, war dann erneut die Y-Achse invertiert. Was zur Hölle?! Wir entschieden uns dann dafür, das Spiel ohne Dualsense-Feature zu zocken. Nicht mal der bereits vor Release veröffentlichte Patch konnte dieses Problem fixen.

Noch nerviger waren allerdings andere Punkte im Spiel. So kam es häufiger vor, dass bestimmte Dinge nicht getriggert wurden. Wodurch wir feststeckten und neu laden mussten. Genauso kam es manchmal vor, dass Gegner sich außerhalb des Missionsgebietes befanden, wir diese aber ausschalten mussten, um die Mission abzuschließen. Ein KI-Gegner hatte sich mit seinem Fahrzeug in Felsen verhakt und wir konnten ihn nicht killen, ohne das Missionsgebiet zu verlassen. Also: Checkpoint neu laden. Auch hier befand sich ein Gegner dann außerhalb des zulässigen Radius, sodass wir nach ein paar Schüssen auf ihn wieder zurücksprinten mussten, damit die Mission nicht abbrach. Hinzu kamen dann auch noch mehrere Abstürze während unseres Tests. Das ist natürlich alles eher suboptimal und wird unserer Meinung nach auch nicht so schnell gefixt werden können. Interessierte sollten mit dem Kauf von Saints Row also noch etwas warten.

Katastrophen-Comeback

Ist Saints Row also ein schlechtes Spiel? Nein. Es ist veraltet, hat einige nervige Bugs und hechelt den Erwartungen an das Comeback nach neun Jahren Saints-Abstinenz ganz schön hinterher. Wir haben uns während des Tests immer mal wieder gelangweilt oder über das Spiel geärgert, aber die meiste Zeit war das Gebotene schon voll okay. Bei den Missionen, die gut inszeniert sind, gelang es uns immer wieder, die ganzen Probleme von Saints Row auszublenden und Spaß zu haben. Nach einem eher mauen Spielstart lernten wir auch unsere Vorbehalte gegenüber der bemüht coolen Crew abzulegen und fanden Eli, Kevin und Neenah sogar sympathisch. Teilweise haben die Dialoge zwischen den Figuren eine echt schöne Dynamik und auch wenn der Humor um einiges harmloser ist als in den alten Teilen, mussten wir immer wieder mal lachen. Wir könnten uns mit dieser Crew sogar durchaus einen Nachfolger vorstellen. Allerdings sollte Volition da dann auch eine sauberere Technik und modernes Gameplay bieten, denn das sind die großen Kritikpunkte am Spiel. Wenn das neue Saints Row scheitert, dann nicht an den neuen Charakteren, sondern daran, dass die Entwickler jeglichen Fortschritt von Open-World-Games in den letzten zehn Jahren verschlafen haben. Wer damit klarkommt, bekommt mit dem neuen Saints Row ein unterhaltsames Spiel für zwischendurch, über das man sich immer wieder mal ärgert, und das einem nicht lange im Gedächtnis bleibt. Wer einen klaren technischen und spielerischen Fortschritt sowie den gleichen Anarcho-Humor wie früher vom Reboot erwartet, der wird enttäuscht sein.

MEINE MEINUNG

Christian Dörre

Hier wurden die falschen Prioritäten gesetzt.

Ich mag das neue Saints Row. Es ist nicht so aufgeblasen wie andere Open-World-Games, nimmt sich nicht zu ernst, die Spielwelt ist ganz hübsch gestaltet, einige Missionen sind cool inszeniert und die neuen Crew-Mitglieder sind nicht nur weniger schlimm als erwartet, sondern sogar voll okay. Aber meine Güte ist das Spiel sowohl hinsichtlich des Gameplays als auch technisch altbacken. Die KI ist dumm wie Brot, die Schießereien spielen sich immer gleich und das ganze Missionsdesign ist komplett veraltet. Klar, Saints Row sollte schon Saints Row bleiben, aber man hätte sich bei Volition ruhig mal an ein paar Standards der letzten zehn Jahre bedienen können. Gameplay und Technik waren schließlich schon bei den letzten Teilen eher das Problem als die Crew. Die Entwickler haben hier die vollkommen falschen Prioritäten gesetzt. Hinzu kommen dann noch nervige Bugs, die so in einer Release-Fassung nicht sein dürfen.

PRO UND CONTRA

+ Hübsch gestaltete Open-World, die nicht zu groß und nicht zu klein ist

+ Schön überdrehte Action

+ Netter Humor

+ Verschiedene witzige Spezialattacken und Nahkampfangriffe

+ Einige kreative Ideen in späteren Missionen Teilweise cool inszenierte Hauptmissionen Nett gedachtes Imperiums-Feature, …

+ … das in dieser Form nicht durchdacht ist

+ Etwas steife Steuerung

- Altbackene Charaktermodelle

- Hakelige Animationen

- Etwas unbeholfen erzählte Story

- Spielwelt ist nur Kulisse

- Wenig Waffenauswahl

- Immer gleicher Missionsaufbau

- Kein Deckungssystem Langweilige Gegner

- Immer gleich ablaufende Schießereien

- Zu gleichförmige Nebenmissionen

- Viele Pop-Ups

- Abstürze

- Kleinere und größere, teilweise richtig nervige Bugs

WERTUNG 6