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SAISON 2019/20: DIE SPANNENDSTE NBA ALLER ZEITEN


Basket - epaper ⋅ Ausgabe 11/2019 vom 09.10.2019

Clippers, Lakers, Bucks, 76ers, Warriors oder doch die Jazz? Dank der absurden Free Agency ist das Titelrennen offen wie nie, und so steht uns eine der spannendsten Saisons aller Zeiten bevor!


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Bildquelle: Basket, Ausgabe 11/2019

Es dauerte nicht lange, und LeBron-Hater verschandelten das Wandgemälde.


Es ist der 4. Juli 2019, und jeder NBA-Fan muss erst einmal verarbeiten, was in den letzten Tagen so alles passiert ist. „AD“ zu den Lakers, „KD“ und Kyrie nach Brooklyn, Kemba Walker zu den Celtics, Jimmy Butler nach Miami, Zion Williamson zu den Pelicans und so weiter, und so weiter. Wir befinden uns in der vielleicht verrücktesten Zeit, die ...

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... die NBA je erlebt hat. Die Warriors wurden mit der bitteren Verletzung und dem anschließenden Abgang Kevin Durants vom Thron gestoßen und das Machtgefüge der NBA durch die bizarre Free Agency vollkommen auf den Kopf gestellt. Doch es ist noch immer nicht vorbei!

Denn ein großer Fisch schwimmt an diesem 4. Juli noch frei herum im Haifischbecken der Free Agency: Kawhi Leonard. An Land ziehen will ihn fraglos jeder, denn seine Qualitäten hat er in den zurückliegenden Playoffs wieder eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Zum zweiten Mal in seiner Karriere hat er den Finals-MVP-Award gewonnen und ebenfalls zum zweiten Mal eine Dynastie quasi im Alleingang beendet: 2014 die „Big Three“ der Miami Heat, in diesem Jahr gar die „Big Four“ (wenn auch durch Verletzungen dezimiert) der Golden State Warriors. Im Zeitalter der Superteams ist Kawhi Leonard der krasse Gegenentwurf. Seine beiden Titel gewann er ohne echten Superstar an seiner Seite. Der einzige, Tim Duncan, war beim Titelgewinn 2014 bereits 37 Jahre alt und gehörte somit nicht mehr dieser Kategorie an. Kurios, dass Kawhi damit genauso viele Championship-Ringe am Finger trägt wie Kevin Durant und nur einen weniger als LeBron, und das obwohl er nie mit anderen großen Namen zusammengespielt hat.

Lässt man sich all das durch den Kopf gehen, kann es für den stillen und zurückhaltenden Kalifornier eigentlich nur zwei Entscheidungsmöglichkeiten geben: Entweder er bleibt in Toronto, oder er geht zurück in seine Heimat nach L.A., zu den Clippers. Ein Wechsel zu den Lakers erscheint unsinnig, denn dort würde er gemeinsam mit LeBron James und Anthony Davis eine neue „Big Three“ und damit ein neues Superteam bilden. Nach all dem, was wir über Kawhi wissen – zugegebenermaßen nicht viel – spräche das zweifelsohne gegen seine Mentalität. „The Claw“ gründet keine Dynastien, er zerstört sie. Und trotzdem hält die NBA-Gemeinde den Atem an. Nach dem lang ersehnten Ende der Warriors-Dominanz scheint es erstmals seit Jahren Ausgeglichenheit im Kampf um die Meisterschaft zu geben. Solange sich Leonard nicht den Lakers anschließt, steht uns ein offenes Rennen um den Titel bevor. Erstmals seit Jahren gäbe es kein klares Superteam, keine scheinbar unschlagbare „Big Three“. Wann war das zum letzten Mal der Fall? Wahrscheinlich vor über zehn Jahren, bevor die Celtics die erste Allianz einer „Big Three“ gründeten. Entscheidet sich Kawhi allerdings für „Purple & Gold“ steht die NBA wohl auch in den kommenden Jahren vor gähnender Langweile.

Am 5. Juli erhalten wir dann endlich Gewissheit: Kawhi Leonard bleibt sich treu und entscheidet sich gegen die Lakers. Doch – wie sollte es in dieser Free Agency anders sein – es folgt gleich der nächste Hammer: Gemeinsam mit dem amtierenden NBAChampion wechselt nämlich Paul George, der für eine gigantische Menge an Draft-Picks von den Thunder losgeeist wird, zu den Clippers.

Duos statt Superteams

Es könnte kein passenderes Ende zu dieser – zumindest vorzeitigen – Ablösung der Superteams geben. Kawhi Leonard, der zwei Superteam-Dynastien selbst bezwungen hat, entscheidet sich erneut gegen die einfache Art, Meisterschaften zu gewinnen, zeigt den Lakers die kalte Schulter und zieht mit dem Wechsel zum Stadtrivalen gleichzeitig auch noch in den direkten Kampf gegen LeBron und Co. Fast schon zu schön, um wahr zu sein. Doch das ist kein Traum, sondern die spektakuläre Realität, die uns in der kommenden Spielzeit erwartet! An dieser Stelle muss es einfach einmal gesagt werden: Danke, Kawhi!

Um die irre Offseason gebührend zu beenden, wurde wenige Tage später auch noch Russell Westbrook im Tausch für Chris Paul nach Houston geschickt. Daraus resultierend haben wir nun bei den Rockets, Nets, Clippers und Lakers vier „Super-Duos“. Der Trend scheint also von der „Big Three“ zum Star-Tandem zu gehen. Ob diese Momentaufnahme ein reines Zufallsprodukt der wilden Free Agency dieser Sommerpause oder aber ein handfestes Modell für die Zukunft ist, wird man erst in Zukunft beurteilen können. Fakt ist jedoch: Die großen Gewinner dieser Offseason sind alle NBA-Fans, denn die kommende Spielzeit wird verdammt viel Spaß machen!

Allem voran natürlich der „Battle of Los Angeles“. LeBron gegen Kawhi, Paul George gegen „AD“, zwei Teams auf Augenhöhe und ein Duell mit immenser Wichtigkeit für LeBrons Legacy. Es ist die Chance für den dreifachen Champion, seine Kritiker ein für alle Mal ruhigzustellen. Denn mit den „Clips“ hat er seinen vielleicht größten Widersacher nicht nur in der eigenen Conference, sondern quasi vor der Haustür! Die Kritik „LeBron schafft es nur in die Finals, weil der Osten so schwach ist“ kann er in den kommenden Jahren endgültig widerlegen. Doch die einmalige Chance ist ebenso seine größte Gefahr. Man stelle sich einmal vor, die Clippers würden über die nächsten Jahre zwei Meisterschaften holen und der „King“ ginge leer aus. Was würde das für die „GOAT“-Debatte bedeuten? Wäre James dann überhaupt noch der beste Spieler seiner Generation, oder hätte ihn Kawhi abgelöst? Vermutlich Letzteres. Im Spätherbst seiner Karriere muss es der 34-Jährige seinen Zweiflern also aufs Neue beweisen. Eine echte Herkulesaufgabe gegen ein Duo, das sich zweifellos im besten Basketballalter und auf dem Höhepunkt seines Schaffens befindet.

Doch die Stadtrivalen sind bei Weitem nicht seine einzigen Widersacher. Das dritte Star-Tandem aus Houston beispielsweise würde den beiden Franchises aus der „Stadt der Engel“ nur allzu gern die Suppe versalzen und selbst seine erste Championship einfahren. Immerhin bilden Harden und Westbrook das einzige Pärchen zweier ehemaliger MVPs in der gesamten Liga. Die entscheidende Frage wird jedoch sein, wie gut die balldominanten Aufbauspieler zusammen harmonieren. Ein Vorteil ist sicher, dass sich beide bereits aus alten OKC-Tagen kennen und dazu dicke Kumpels sind. Doch können beide ihr Ego kontrollieren und das Team in den Vordergrund stellen? Wenn sie das schaffen, sind sie ohne Frage ein heißer Titelkandidat, doch das Experiment kann im brutal starken Westen auch in Runde eins der Playoffs ein jähes Ende finden.

Trotz aller Freude über die neue „Balance of Power“ darf man den Serienmeister aus Oakland natürlich nicht vergessen. Ja, die Warriors-Dominanz der letzten Jahre ist beendet, und es wird keine Spaziergänge zum Titel mehr geben. Aber: Der Kern aus Curry, Thompson und Green wurde langfristig gebunden und dazu auch noch D’Angelo Russell verpflichtet. Zur Erinnerung: Dieses Trio wurde 2016 Champion, beendete die darauffolgende Saison mit einer 73:9-Bilanz, und Steph wurde in beiden Jahren MVP. Dazu kommt die Erfahrung aus fünf Finalteilnahmen in Folge. Auch in diesem Jahr geht der Titel nur über Golden State, und all die Leute, die dieses Team bereits abgeschrieben haben, werden die „Dubs“ nur noch zusätzlich motivieren. Die Warriors als Underdog, verdammt gefährlich.

Das sind nun alleine vier Topfavoriten im Westen, und wir haben noch nicht mal über die Nuggets, Blazers und Jazz gesprochen, die alle ebenfalls gute Argumente für einen tiefen Playoff-Run in ihren Reihen haben. Der Westen wird jährlich für so stark wie nie zuvor erklärt, doch was sich in diesem Jahr abspielt, hat noch mal ein ganz anderes Niveau. Erreichen die sieben oben genannten Contender alle die Playoffs, bleibt gerade mal ein Platz für zahlreiche starke Teams wie die Spurs, Kings, Mavs und Pelicans übrig. Alles Mannschaften, die im Osten höchstwahrscheinlich problemlos in die Postseason einziehen würden.

Embiids Sixers vs. Giannis’ Bucks könnte es auch in den Conference Finals heißen.


Kein Spiel für die Clippers, aber schon ein Denkmal.


Den Osten nicht unterschätzen

Doch auch wenn die durchschnittliche Qualität der Eastern Conference eher enttäuscht, sind die Teams an der Spitze durchaus fähig, um die Championship mitzuspielen. Während die Bucks im Großen und Ganzen weiter auf die Einheit vertrauen, die im letzten Jahr gegen den späteren Champion aus Toronto bereits eine 2:0-Führung innehatte, haben die 76ers einige interessante Wechsel vorgenommen. Mit dem neuen Big-Man-Duo Horford/Embiid könnte Philly die beste Verteidigung der Liga stellen. Dazu komplettieren die jungen und talentierten Ben Simmons, Tobias Harris und Josh Richardson eine verdammt starke Starting Five. Doch machen wir uns nichts vor: Dieses Team steht und fällt mit der Entwicklung von Ben Simmons. Denn in den letztjährigen Playoffs musste dieser von Jimmy Butler als Aufbauspieler abgelöst werden, da Teams schlichtweg die Zone dicht machten und Simmons so mehr oder weniger aus dem Spiel nahmen. In diesem Jahr wird es niemanden geben, der ihm diese Rolle abnehmen kann, und durch die Verpflichtung Horfords wird es in der Zone eher noch dichter. Simmons muss erst noch beweisen, dass er seinen Vertrag über fünf Jahre und 170 Millionen Dollar wert ist. Geht er den nächsten Schritt, stehen Philadelphia alle Türen offen, um in einem unglaublich spannenden Titelrennen ein gehöriges Wörtchen mitzureden.


DIE SPANNENDSTE NBA ALLER ZEITEN


Zwei MVPs, zwei Buddys, ein Ziel: der erste NBA-Titel ihrer Laufbahn.


Fotocredit: Getty Images