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SAMMLER SEMINA R Nº70


Weltkunst - epaper ⋅ Ausgabe 188/2021 vom 27.07.2021

WELTKUNST

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Bildquelle: Weltkunst, Ausgabe 188/2021

Links: Der außergewöhnliche englische Globus des 18. Jh. erzielte mit einem Himmelspendant bei Aguttes 103 000 Euro brutto

Der Schriftsteller Ingo Schulze hat es unlängst auf den Punkt gebracht: »Es gibt keinen Globus für Deutschland, und es gibt auch keinen für Europa.« Denn ein Globus nimmt immer das Ganze in den Blick. Die auf ein handliches Maß reduzierten Erdkugeln, ob als Zierstück, Lehrstück oder Kuriosum, spiegeln die Welt, so wie sie ist – zu einer bestimmten Zeit. Das gilt nicht nur für die Epoche der Entdeckungen, als bislang unbekannte Inseln und neue Kontinente die weißen Flecken verdrängten. Globen, nicht nur historische, erzählen von der Vermessung der Welt, einst und jetzt.

Heißt die Insel südlich von Australien, die der Niederländer Abel Tasman 1642 entdeckte, noch Van-Diemens-Land, entstand der Globus vor 1856, als die britische Kolonie offiziell in Tasmania umbenannt ...

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... wurde. Erscheint Belgien als Staat, entstand der Globus nach 1830, dem Jahr der Selbstständigkeit. Und den politischen Umbruch in Europa 1990 dokumentieren nicht zuletzt die Grenzverläufe auf den Globen vor und nach diesem Datum. Allerdings gibt es, ungeachtet neuer geografischer Erkenntnisse, auch eine Beharrlichkeit des Irrtums. Das heutige Baja California wurde noch bis 1730 als Insel eingezeichnet, obwohl es bereits 1587 auf einer Mercator-Karte korrekt als Halbinsel zu erkennen ist. Dass die Erde eine Kugel ist, wussten bereits die Pythagoreer, auch Aristo- teles lehrte es. Aber das Europa des Mittelalters nahm das nicht zur Kenntnis. Man kannte zwar die antiken Mythen von Urania und Atlas, der das Himmelsgewölbe trägt. Auch kamen Himmelsgloben aus der arabischen Welt nach Europa. Der Mathematisch-Physikalische Salon im Dresdner Zwinger besitzt eines der sechs erhaltenen Exemplare aus dem späten 13. Jahrhundert, in den ein Astronom im persischen Maragha 48 Sternbilder nach Ptolemäus und fast tausend einzelne Sterne gravierte.

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Der früheste erhaltene Erdglobus, der »Behaimsche Erdapfel«, im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg verwahrt, stammt erst aus dem Jahr 1492 – als Kolumbus zu seiner ersten Reise nach Amerika aufbrach. Er entstand im Auftrag des Nürnberger Patriziers Martin Behaim, der im Dienst der Portugiesen die westafrikanische Küste erkundet hatte. Wie der Hunt-Lenox-Globus von 1504 (in der New York Public Library) ist der Nürnberger Erdball handgemalt, ein Unikat, ein sogenannter Manuskriptglobus.

Erst die gedruckte Weltkarte Martin Waldseemüllers von 1507, ein Holzstich mit zwölf elliptischen Segmenten, die sich gut auf eine Kugel kaschieren ließen, leitete die hohe Zeit der Globen ein. Mit Johannes Schöner, einem Schüler Waldseemüllers, zuerst in Bamberg, dann in Nürnberg, begann 1515 die kommerzielle Herstellung: in der Regel als Paar von Erd- und Himmelsglobus. Allerdings sind von Schöners frühen Erdgloben nur zwei (einer in Weimar, der andere in Frankfurt) erhalten geblieben. Zwei, drei Jahrzehnte später sorgten Gemma Frisius, Gerhard Mercator oder Jodocus Hondius – versierte Astronomen und Mathematiker, die sich im Handwerk der Globenmacher und den Möglichkeiten des Kartenstichs auskannten – für eine weitere Professionalisierung der Kartografie.

Die Globen aus diesem Umfeld sind allerdings rar wie die Blaue Mauritius. Wenn die berühmten Namen in Auktionskatalogen erscheinen, werden sie meist von einem einschränkenden, preismindernden »nach« oder »after« begleitet. Denn die Druckplatten wurden weiterverkauft und anderweitig genutzt, weil der Kupferstich größere Auflagen erlaubte als Globen nachgefragt waren. Dass zu den rund 250 Stücken im Besitz des 2013 verstorbenen Wieners Rudolf Schmidt auch der einzige erhaltene Erdglobus von Gemma Frisius gehörte (datiert 1536), war ein außergewöhnliches Sammlerglück.

Sehr begehrt sind auch die Schöpfungen von Vincenzo Coronelli, dem Namensgeber der Internationalen Coronelli-Gesellschaft für Globenkunde. Beachtliche 120 000 Euro, das Zweieinhalbfache der Taxe, kostete 2008 bei Venator & Hanstein das Paar eines Himmels- und Erdglobus von 1696. Ein Coronelli-Duo aus dem gleichen Jahr erzielte 2017 bei Bonhams in London samt Aufgeld 149 000 Pfund. Sein Meisterstück fertigte Coronelli bereits 1681–83 mit dem riesigen Globenpaar (Durchmesser knapp vier Meter) für Ludwig XIV. Die Prachtstücke stehen heute in der Pariser Bibliothèque nationale.

Einen Globus zu besitzen zeugte von Wohlstand und Dignität, verbunden mit dem Wissensdrang, über die eigene Heimat hinauszuschauen. In den fürstlichen Residenzen wie den Häusern reicher Patrizier waren Globen repräsentative Schaustücke. Sie dienten als diplomatische Geschenke und wurden auch als Kriegsbeute nicht verachtet.

Und je größer eine solche Erd- oder Himmelskugel war, desto bedeutender meinte der Auftraggeber zu sein. Die beiden großen Exemplare, die der Columbus-Verlag eigens für Hitlers Reichskanzlei ausführte, durften deshalb nicht in das normale Programm des Verlages aufgenommen werden. Charlie Chaplin hat das im »Großen Diktator« beim Tanz mit einem Riesenglobus unvergesslich parodiert. Am Ende platzt die Weltkugel, was den Tyrannen Anton Hynkel weinend zusammenbrechen lässt.

Begehrter Willem Blaeu

Das 18. Jahrhundert hatte nicht solche Probleme, die Globen versprachen eine offene Welt. Und ein solides Geschäft. In Deutschland beherrschte seit 1728 der Astronom und Direktor der Nürnberger Sternwarte, Johann Gabriel Doppelmayr, den Markt. Je nach Größe, Genauigkeit und Erhaltung schwanken die Preise gegenwärtig bei Auktionen zwischen 5000 und 90 000 Euro.

Das Repertoire der teuren Sammlerstücke beginnt mit den Globen von Willem Blaeu, der 1602 in Amsterdam eines der erfolgreichsten Familienunternehmen für Karten sowie Erd- und Himmelsgloben gründete. Im selben Jahr entstand die Vereinigte Ostindien-Kompanie, der es gelang, den Seehandel mit China und Japan für die Niederlande zu monopolisieren. Damit war eine große Nachfrage nach nautischem Material verbunden. Diese Handels- und Erkundungsreisen erweiterten die geografischen Kenntnisse, sodass die Karten und Globen immer genauer wurden, aber auch immer wieder ergänzt und aktualisiert werden mussten. Das schloss anekdotisches Beiwerk nicht aus. So verzeichnete Johannes Schöner auf seinen Globen den Weg, den die Heiligen Drei Könige gewählt hatten, oder Schiffe wie bedrohliche Seeungeheuer kaschieren die noch unerforschten Gegenden. Auf dem Petworth Globe von 1592, einem der sechs erhaltenen frühen englischen Globen von Emery Molyneux, sind die Weltumseglungen von Francis Drake und Thomas Cavendish eingezeichnet. Und auf einem Doppelmayr-Globus von 1728 findet man die Routen von Ferdinand Magellan, Abel Tasman und William Dampier sowie, fantasievoll vorweggenommen, die arktische Nordwestpassage, die damals nicht mehr als eine Idee war.

Zurück zu den Blaeu-Globen, bei denen sich grob drei Perioden unterscheiden lassen. Auf den frühesten Versionen um 1617 kennt man Tasmanien und Neuseeland noch nicht, während Feuerland als eine große Insel südlich der Magellanstraße erscheint. 1622 taucht Kap Hoorn bereits auf; und die späten Globen von 1645/48 zeigen nun auch die westliche Hälfte Australiens als Nova Hollandia sowie die Küstenlinien von Van- Diemens-Land und Neuseeland. Globen hatten gegenüber den Karten, die, wenn neue Erkenntnisse zu berücksichtigen waren, neu gestochen werden mussten, den Vorteil, dass Veränderungen schnell als Ausschnitt neuer Kupferstiche gedruckt und aufgeklebt werden konnten. Blaeus Globen gab es in Größen von zehn bis 68 Zentimeter Durchmesser. In der mittleren Größe kostete damals ein Erdglobus sechzehn, ein Himmelsglobus neun Gulden, und für ein Paar der größten Ausführung zahlte der Bischof von Winchester fünfzig Pfund.

Ob als Zierstück, Lehrstück oder Kuriosum: Globen erzählen von der Vermessung der Welt. Sie spiegeln das, was man zu einer bestimmten Zeit von der Erde weiß.

Das waren beachtliche Preise, aber das ist heute nicht anders: Bei Bruun Rasmussen stieg 2005 ein einzelner Erdglobus von Blaeu auf 305 000 Euro. Das bisher teuerste Paar wurde im April 2008 bei Christie’s in Amsterdam für 794 000 Euro zugeschlagen. Und gegenwärtig hofft Daniel Crouch, für ein Paar Blaeu-Globen von 1645, Durchmesser 68 Zentimeter, 1,5 Millionen Pfund erlösen zu können. Damit möchte der Londoner Händler offenbar mit dem bislang teuersten Globenpaar gleichziehen, einer silbernen vergoldeten Tafelzier des Augsburger Goldschmieds Abraham II. Drentwett von 1698: ein Erdglobus, getragen von Herkules, sowie ein Himmelsglobus auf den Schultern von Atlas. Die Pariser Galerie Kugel bot im April 2010 bei Christie’s 1,5 Millionen Euro für diese Rarität. An zweiter Stelle rangiert ein Paar aus vergoldetem Kupfer, das 1579 wahrscheinlich in der Duisburger Werkstatt von Mercator gefertigt und – wie eine Inschrift verrät – Sultan Murad III. gewidmet war, der in Istanbul ein Observatorium eingerichtet hatte. Im Oktober 1991 schlug das Stück bei Christie’s London mit 1,02 Millionen Pfund zu Buche. Außerdem gehört zu der Spitzengruppe der älteste bekannte japanische Himmelsglobus: Die durchbrochene Kupferkugel, von einem seitlich angebrachten Uhrwerk gedreht und wohl aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts stammend, birgt außerdem eine Box mit einer Erdkarte. Das wurde im Dezember 2017 bei Piguet in Genf mit stattlichen 912 000 Franken honoriert.

Die Regel sind solche Zuschläge allerdings nicht. Bei Globen aus dem 17. Jahrhundert bleiben sie meist fünfstellig. Zudem ist das Feld der frühen Sammlerstücke von musealer Qualität stark ausgedünnt, sehr viel kommt davon nicht mehr auf den Markt. Je mehr man sich der Gegenwart nähert, desto moderater sind die Preise. Vor allem für die oft sehr reizvollen, auch abwechslungsreichen »Gebrauchsgloben« des 19. und frühen 20. Jahrhunderts, die in großer Zahl gefertigt wurden. Selten mehr als 500 Euro kosten etwa die Globen der 1854 in Prag gegründeten Manufaktur Felkl & Sohn. In ihren besten Zeiten soll sie jährlich 15 000 Erd- und Himmelskugeln produziert haben, denn seit 1870 musste jede Schule in der österreichischungarischen Monarchie einen Globus besitzen. Und Felkl beackerte geschickt dieses Feld, indem er alle Sprachen des Habsburger Reiches berücksichtigte.

Ähnlich produktiv waren die Berliner Hersteller, von denen das Berliner Auktionshaus Nosbüsch & Stucke regelmäßig eine gute Auswahl zum Aufruf bringt. Ein Spezialist für Berliner Globen ist in der Hauptstadt der Händler René Lehmann, in Deutschland überhaupt einer der wenigen kompetenten Ansprechpartner zum gesamten Thema.

Globen und Gegenwartskunst

Wem es nicht nur um ein interessantes Einrichtungsstück geht, als das der Globus bei jungen Leuten zunehmend geschätzt wird, sondern wer auch bereit ist, einiges in ein kunsthistorisch interessantes Objekt zu investieren, sollte sich bei höheren Investitionen von seriösen Experten beraten lassen. Denn nicht selten begegnet man Stücken, die im Erhaltungszustand oder durch wertmindernde Veränderungen heikel sind.

Sich auf Globen einzulassen, gleicht dem Zählen von Fischen im Meer. Man kann möglichst alte Beispiele sammeln, nur Erdoder nur Himmelsgloben wählen, eine bestimmte Werkstatt, exotische Stücke oder seltsame Exemplare bevorzugen. Stets öffnet sich ein weites Feld. Selbst wenn man sich auf die Malerei, die grafischen Künste oder Porzellane mit Weltkugeln als Emblem, Allegorie oder Gleichnis beschränkt.

Spannend ist es auch, das Motiv in der modernen und zeitgenössischen Kunst zu verfolgen: etwa Yves Kleins »Globe Terrestre Bleu« im typischen Blau des Künstlers, Yinka Shonibares »Girl on Globe«, dessen andere Figuren, die auf einem Globus balancieren, oder Mona Hatoums »Hot Spot«, eine in roten Neonkonturen glühende Erdkugel, die auf die brennenden Krisenherde und die bedrohliche Klimaerwärmung verweist. Sei es Christos Multiple-Collage »Wrapped Globe«, Ceal Floyers »Mirror Globe« oder viele andere Künstlerinnen und Künstler: Der Erdball inspiriert und fasziniert sie genauso wie Wissenschaftler, Pädagogen oder die Populärkultur in all ihren Facetten.

Erdball für die Tasche

Wer als Sammler bescheiden beginnen will, dem bieten sich – auch weil sie nicht viel Platz erfordern – die Taschengloben mit ihrem Durchmesser von fünf bis zehn Zentimetern an. Außerdem waren sie, damals wenigstens, weitaus billiger als ihre großen Verwandten. Im späten 18. und im 19. Jahrhundert wurden sie zu einer beliebten Beiläufigkeit, meist hübsch in einer nach Maß gedrechselten Holzdose, einer mit Marmorpapier beklebten Schachtel oder einer aufklappbaren Kugel aus Blech, die innen die Sternbilder wiedergibt, verpackt. Theodor Storm erzählt das in seiner Novelle »Unter dem Tannenbaum«. Denn da liegt zwischen den Geschenken für den Sohn »ein kleiner Globus in schwarzer Kapsel, augenscheinlich schon ein altes Stück. ›Es war Onkel Erichs letzte Weihnachtsgabe an mich‹, sagte der Amtsrichter; ›nimm du es nun von mir!‹«

Jenseits des Kanals schätzte man seit 1840 die »Terrestrial Pocket Globes« der Londoner Firma Newton & Son. Gerade bietet Senger in Bamberg ein sehr schönes Exemplar für 11 800 Euro an. Bereits vor Newton hatten die Nürnberger Johann Bernhard Bauer und sein Sohn Carl diesen Markt bedient. Einer ihrer Taschengloben von 1840 erlöste im September 2019 im Dorotheum 2600 Euro, während ein vergleichbares Exemplar, taxiert auf 1200 Euro, liegen blieb.

Zuvor konnte Bonhams 2014 in New York für eine Bauersche Spezialität, einen Taschenglobus im Originalkarton mit dem aus 28 handkolorierten Stichen bestehenden Leporello »Die Erde und ihre Bewohner«, 3500 Dollar verbuchen. Christie’s in London erlöste im vergangenen Jahr dafür 2100 Pfund, während das Wiener Antiquariat Inlibris für ein Exemplar 8500 Euro veranschlagt. Gegenüber den 27 500 Pfund – bei einer Taxe von 3000 bis 5000 Pfund –, auf die Sotheby’s London im Juli 2020 einen Miniaturglobus von 1762 des in Schweden besonders geschätzten Anders Akerman hob, wirkt das bescheiden. Und erst recht angesichts der 287 000 Pfund, die Christie’s im Dezember 2019 für einen Taschenglobus in einem kugelrunden Lederetui erzielte, der Willem Blaeu zugeschrieben wird.

Globen demonstrierten als repräsentative Schaustücke den Wissensdrang ihrer Besitzer. Auch als Kriegsbeute waren sie beliebt.

Solche Preisdifferenzen sind bei Globen eher die Regel als die Ausnahme. Selbst wenn es sich um Beispiele handelt, die eher den verspielten Luxusobjekten zuzuordnen sind. Da sich die Fürsten der Renaissance gern als Herkules preisen ließen, der wacker seine Herrschaft zu schultern versteht, finden sich unter den teuren Schaustücken für die Tafel wiederholt Statuetten des antiken Heros, der das Himmelsgewölbe trägt. Und festlicher Nützlichkeit sind die Globuspokale verpflichtet, bei denen Herkules, Atlas oder Christophorus eine Weltkugel tragen, die in zwei Trinkschalen oder für Gewürze geteilt werden können.

Jakob Stampfer, Goldschmied in Zürich, soll 1554 als Erster einen solchen Pokal gefertigt haben, der Erasmus von Rotterdam 124 Gulden wert war. Noch teurer waren die von Stampfers Nachfolger Abraham Gessner, die in einem Korb über der oberen Schale einen Himmelsglobus bergen. Vierzehn davon sind erhalten, etwa in Wien und in Zürich, wo der Konvent der Chorherren 1673 dafür 180 Gulden gezahlt hatte.

Und dass dem Globusbecher von Lorenz Biller aus Augsburg, einst zum Staatsschatz der Hohenzollern gehörig, 1701 nachträglich als Krönung noch ein Preußenadler hinzugefügt wurde, verrät, welches Gewicht man solcher Tafelzier beimaß. Bei Auktionen machen sie sich deshalb rar. 1997 kam ein Globuspokal von Abraham Gessner bei Sotheby’s in Genf auf 480 000 Franken, und 2005 wurde ein nicht gemarktes Exemplar, wahrscheinlich niederländisch oder norddeutsch, bei Christie’s in London für 400 000 Pfund zugeschlagen.

Diesen Globen als Würdezeichen stehen eine Fülle origineller Versuche gegenüber, die pädagogischen Pflichtstücke der obligaten Schulgloben durch raumsparende Ausführungen zu ersetzen. Dazu gehören Faltgloben wie der »Townsend’s Patent Folding Globe« aus Papier mit einer Drahtschlaufe als Aufhängung, den 1869 ein Lehrer in Vermont entwarf. Oder der Faltglobus aus sechs mit Fäden zusammengehaltenen elliptischen Elementen, den um 1830 eine lithografische Anstalt in Stuttgart herausbrachte – und den das Dorotheum im letzten Sommer für 1000 Euro vermittelte.

Das gilt auch für den 1785 in Leipzig entwickelten »Erdkörper«, der die Welt auf einem Zylinder mit zwei Kegelstümpfen für die Polarzonen darstellt, oder für den 1830 in Straßburg patentierten aufblasbaren »Pneumatischen Erdglobus« aus Leder – beide im Mathematisch-Physikalischen Salon in Dresden zu bewundern. Auch »Goldthwaites Handy Patent Folding Globe« von 1898, der wie ein doppelter Regenschirm aufgespannt und sonst in einer schmalen Kiste aufbewahrt werden konnte, gab sich praktisch – und war 2013 bei Old World Auctions in Henrico (Virginia) für 900 Dollar zu haben. Auf spielerische Weise wollte der Globus als Puzzle, den Charles Kapp in Nürnberg um 1860 entworfen hatte, Schülern die Gesamtheit der Welt erklären. Denn die 38 Kreissegmente, die zu der Weltkugel zusammengefügt werden mussten, zeigten außen die Länder und Kontinente und fügten innen auf den Holzteilen weitere Informationen hinzu. 2800 Pfund waren dafür im Juli 2020 bei Sotheby’s in London zu bezahlen.

Das Feld der frühen Sammlerstücke von musealer Qualität ist stark ausgedünnt. Sehr reizvoll und abwechslungsreich sind aber die Modelle des 19. und frühen 20. Jahrhunderts.

Kaufen mit Humor

Von da ist es nur noch ein kleiner Schritt zu den exzentrischen kunsthandwerklichen Stücken wie dem Bergkristallglobus von Fabergés Werkmeister Erik Kollin in der Sammlung der britischen Königin. Oder John Cowleys Glasglobus von 1739. Die Kugel mit feiner Diamantgravierung der Sternbilder ist eines von drei bekannten Exemplaren, 2017 erzielte es bei Christie’s 162 500 Pfund brutto. Als Bassenge im Juni 2020 auf der Sonderauktion »Fernweh – Sehnsucht nach dem Unbekannten« aufrief, gehörte dazu ein englischer Elfenbeinglobus, der aufgeklappt als Sonnenuhr dienen kann, sowie ein etwas älterer Flanierstock mit einem kleinen Globus als Knauf, beide aus dem 19. Jahrhundert und beide für 2800 Euro zugeschlagen.

Selbst schräge Kuriositäten verschmähen die Auktionshäuser nicht. Das kann ein kleiner gravierter silberner Erdglobus sein, nur vier Zentimeter im Durchmesser und für 400 Euro im Dorotheum aufgerufen. Oder ein Tintenfass in einem Miniglobus, entstanden um 1890, 168 Euro trug das Objekt bei Ketterer in Hamburg ein. Dazu gehört aber auch ein eiförmiger Globus, der Ende des 19. Jahrhunderts in Deutschland als Blechdose für den englischen Markt hergestellt wurde und 2012 in einem britischen Auktionshaus immerhin auf 2300 Pfund stieg.

Und dann gab es da noch die ebenso eigenartige wie liebevolle Aneignung der Welt, der sich Mercy Smedley, eine Studentin aus Pennsylvania, verschrieb. In den ersten Jahren des 19. Jahrhunderts stickte sie mit Seide einen dreizehn Zentimeter breiten Globus, der 2015 bei Sotheby’s New York von 800 auf 13 800 Dollar mit Aufgeld kletterte. »Der entfesselte Globus«, wiewohl anders als es der Autor Ilija Trojanow in seinem Reisereportagenband meint, fesselt die Sammelnden also in schier unerschöpflicher Weise. ×