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SAMPLE-LIBRARY: KEPLER ORCHESTRA


Keys - epaper ⋅ Ausgabe 10/2019 vom 05.09.2019

@@In rhythmischer Wiederholung und gegenläufigen Polyrhythmen fanden Komponisten wie Terry Riley, Steve Reich oder Philipp Glass eine eigene musikalische Sprache. Als Hommage an die Minimal- und Systems-Music des zwanzigsten Jahrhunderts übersetzt das Kepler Orchestra diese Sprache in die Welt der Samples.

SPITFIRE AUDIO

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Bildquelle: Keys, Ausgabe 10/2019

@@In aktueller Film-, TV- oder Game- Musik findet man oftmals Anlehnungen an Minimal Music in Form rhythmischer Tonwiederholungen. Sie erzeugen Intensität, ohne allzu sehr vom Bild abzulenken. Mit herkömmlichen Multisamples sind solch simple musikalischen Bausteine noch immer kaum ...

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... umzusetzen, denn es will einfach nicht klingen. Insbesondere bei den Bogenwechseln der Streicher stößt der Komponist immer wieder an die Grenzen der Samples. Spitfire Audio löst das Problem durch zusammenhängend auf jeweils einem Ton aufgenommene Rhythmen und Phrasen, die sich per Time-Stretching automatisch dem Host-Tempo anpassen.

@@Übersicht
Das Kepler Orchestra hat eine Download-Größe von 37,4 GB und läuft unter dem kostenlosen Native Instruments Kontakt Player oder der Vollversion. Geboten wird ein vollständiges Orchester aus 40 Streichern, 13 Holzbläsern und 19 Blechbläsern – jedoch ohne Perkussionsinstrumente. Die Library ist unterteilt in die Kategorien hohe Streicher, Celli und Bässe, hohes und tiefes Blech sowie Holzbläser. Die separat aufgenommenen Ensembles haben bis zu zehn verschiedene Spieltechniken in bis zu vierzehn Rhythmen. Betrachtet am Beispiel der hohen Streicher, sieht das etwa so aus: Neben den normal gespielten Streichern findet man eine mit Dämpfer gespielte Version, eine nah an der Brücke gespielte Variante (Sul Pont) sowie mit Dämpfer gespielte Tremolos. Hinzu kommen die Eigenkreationen Shards und Momentum. Shards sind anschwellende Töne, die immer dramatischer werden und abrupt abbrechen. Sie sollen vorbeischwirrende Lichtstrahlen repräsentieren. Die Momentum-Spielweise schwillt ebenfalls an, zieht sich dann aber in einem Decrescendo wieder zurück. Je nach Spielweise werden bis zu 14 rhythmische Unterteilungen angegeben. Duolen und Triolen in Halben-, Viertel-, Achtel- und Sechzehntelnoten – Quintolen und Septolen in Vierteln, Achteln und Sechzehnteln. Dabei stehen die dynamischen Spielweisen nur in größeren musikalischen Einheiten zur Verfügung. Celli, Bässe und tiefes Blech warten zusätzlich mit einem tollen, an den Doppler-Effekt angelehnten Klang auf: Die Töne starten einen halben Ton über der gespielten Note, schwellen an und fallen dann auf den Zielton, als würde etwas an einem vorbeirauschen. Dieser Effekt kann rhythmisch pulsieren oder als fließender Ton eingesetzt werden. Bisher waren derartige Motive mit Samples nicht umzusetzen. Sie sind daher für mich das eigentliche Highlight der Library. In einer Warped-Sektion wird die Orchesterpalette mit 30 per Granularsynthese oder analogen Effektketten erzeugte Texturen, Atmosphären und Bässe ergänzt.

Neben den normal gespielten Streichern findet man eine mit Dämpfer gespielte Version, eine nah an der Brücke gespielte Variante (Sul Pont) sowie mit Dämpfer gespielte Tremolos.

@@Mit dem Kepler Orchestra können eigene Orchesterphrasen erstellt werden.


@@Praxis
Auch wenn die Benutzeroberfläche an Spitfire Audios Evo-Grid-Produkte erinnert, funktioniert das sogenannte Systems Grid in diesem Fall als Auswahlwerkzeug für die verschiedenen rhythmischen Einheiten einer Spielweise. Mit Hilfe des Steckbretts lassen sich einem Tastaturbereich verschiedene Rhythmen zuweisen, jeweils bis zu einem Ganzton unter und einer kleinen Terz über einer zentralen Note. Auf diese Weise lassen sich innerhalb eines Akkords verschiedene Rhythmen spielen, etwa Viertel im Bass und Achtel im oberen Akkord. Natürlich gehen auch Vierteltriolen gegen Achtelseptolen. Ein weiterer Weg, Polyrhythmen zu erzeugen, ist das leicht versetzte Spielen verschiedener Noten des gleichen Notenwerts. Dabei entstehen interessante rhythmische Reibungen, die gleichzeitig einen Taktbezug haben, sich aber dennoch frei in der Zeit bewegen. Dazu muss zunächst die ansonsten praktische Quantisierungsfunktion für den MIDI - Eingang deaktiviert werden.
Nicht meiner Erwartungshaltung entsprechen die rhythmischen Angaben der Library. In der Musiktheorie werden Duolen so definiert, dass in einem Dreiertakt zwei Noten die gleiche Dauer haben wie drei Noten, wenn etwa im Dreivierteltakt in der Dauer von drei Vierteln nur zwei Noten mit gleicher Länge erklingen. Also genau im Gegensatz zur Triole, bei der drei Noten die Dauer von zwei Noten aufweisen. Man hört hier bei allen Rhythmen aber nur die halbe Geschwindigkeit der angegeben Aufteilung. Zum Viertelklick in der DAW klingen ganze Noten, wenn man halbe Duolen gewählt hat. Entsprechend hört man Viertelnoten statt Achtelduolen oder Viertel- statt Achteltriolen. Ärgerlich finde ich dabei, dass man keine Sechzehntelnoten spielen kann, denn diese wurden scheinbar nicht aufgenommen.

@@Klangbeurteilung
Mit der Aufnahme im Studio One der Londoner Air Studios haben die Samples nicht die opulente Größe der übrigen Produktreihe, die im großen Saal aufgenommen wurde. Mit dieser Klangästhetik, die weder breit und tief noch direkt und intim ist, kann ich mich schwer anfreunden. Bei der Schichtung mehrerer Töne klingt die Library schnell aufdringlich. Zur eigenen Klangregelung stehen die vier Mikrofonpositionen Close, Ambient, Mid und Wide zur Verfügung sowie ein separater und gut klingender Mix der Toningenieurin Fiona Cruickshank. Ich verwendete hauptsächlich die Close-Mics, schalte den internen Hall und das Delay ab und greife stattdessen auf den Nachhall R2 von Exponential Audio zurück und verwende den Flat-Tilt-Filter des Fabfilter Pro Q-3 Equalizer, um den Ton weniger spitz und etwas fülliger zu gestalten. Sicherlich eine Geschmacksfrage. Auch wenn sich die Library nicht optimal präsentiert, lassen sich klanglich hervorragende Ergebnisse erzielen. Davon abgesehen bin ich von den präzise gespielten Rhythmen absolut begeistert. Ob man mit Quintolen gegen Septolen wirklich eine ausdrucksstarke Filmmusik erzeugen kann, sei dahingestellt – die normalen Tonwiederholungen auf Vierteln oder Achteln sind Gold wert. Lebendige Elemente wie diese können ein MIDI-Arrangement förmlich zusammenkleben und sorgen für Realismus.

FAZIT

@@Spitfires Kepler Orchestra spezialisiert sich auf rhythmische Tonwiederholungen und kann dabei zahlreiche Probleme herkömmlicher Multisamples umgehen, denn nichts klingt besser als von Musikern gespielte Darbietungen. Meiner Meinung nach schießt das Marketing mit der Anlehnung an den Astronomen Kepler und die Größen der Minimal-Music- Komposition jedoch übers Ziel hinaus und will mehr, als das Produkt bietet. Die Library erschafft keinen Steve Reich oder Philipp Glass auf Knopfdruck. In den meisten Fällen bieten die Polyrhythmen kaum emotionalen Mehrwert, sondern klingen, zumindest für mich, teils wie ungewollte rhythmische Fehler. Man muss schon geschmackvoll vorgehen, um den Vorbildern nahezukommen. Trotz aller Kritikpunkte kann mich das Kepler Orchestra überzeugen. Genau wie die rhythmische Evo Grid 3 Library bieten die gespielten Rhythmen einen immensen Zugewinn an Ausdruckskraft, Realismus und Zusammenhalt. Als Ergänzung zu herkömmlichen Multisamples sind Produkte wie das Kepler Orchestra deshalb für mich unverzichtbar und eine willkommene Bereicherung meiner Klangpalette.

Brasses, Woodwines, Celli und viele mehr wurden von Spitfire Audio gesampelt.