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Samt und seidig


DECO HOME - epaper ⋅ Ausgabe 3/2020 vom 16.07.2020

Wie so viele fein geplante und heiß ersehnte Events wurde auch der traditions-reiche Münchner Stoff Frühling in diesem März abrupt ausgebremst. Ein Grund mehr, Ihnen hier die wichtigsten Trends und Highlights vorzustellen


Artikelbild für den Artikel "Samt und seidig" aus der Ausgabe 3/2020 von DECO HOME. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: DECO HOME, Ausgabe 3/2020

Élitis richtete einen Pop-up-Showroom in der Galerie-straße am Hofgarten ein (www.elitis.fr)


Impressionis-mus, der beeindruckt: Leinen „By the Lake“ von Chivasso (www.jab.de)


Die Villa Kellermann in Potsdam ist ein Paradebeispiel für den gelungenen Einsatz von Textilien. Völlig zu Recht gehörte Ester Bruzkus damit zu den Finalistinnen beim neuen MSF Interior Award (www.esterbruzkus.com) ...

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In der Orangerie der Praterinsel inszenierte Pascal Walter die aktuellen Trendthemen


BEMERKENSWERT 3.0

Einer, der es wissen muss: Trendschau-Kurator Pascal Walter über die wichtigsten ästhetischen Tendenzen im Stoffdesign

Was prägt die Kollektionen am stärksten?
Am bedeutendsten ist ein Einrichtungs-wie auch Farbtrend: Er bespielt neutrale, leichte Töne. Daneben kommt die Liebe zum Detail mit besonderen Web- und Veredelungstechniken klar zum Ausdruck. Muster wie Camouflage- oder Terrazzodessins sind im Kommen.
Warum ist Farbe derzeit so wichtig?
Der lange Trend der weißen Wand ist vorbei. Mit Tapete oder Wandfarbe lässt sich ein Raum schnell verändern und wirkt einfach gestaltet.
www.pascalwalter.com

GANZ SCHÖN GEOMETRISCH

Klare Linien oder grafische Muster: Die Formensprache der Geometrie ist auf eine beinahe kuriose Art zeitlos und dabei immer modern. Das große Bauhaus-Jubiläum vergangenes Jahr befeuerte noch einmal die Vielfalt in den Kollektio-nen. „Bauhaus und auch das Mem-phis-Design haben einen nachhal-tigen Einfluss auf die Gestalter der Gegenwart“, sagt Pascal Walter überzeugt. „Gerade von der spielerischen Strenge des Memphis werden wir noch mehr sehen.“

Luftbilder unserer Landschaft inspirierten den halbtransparenten Trevira CS „Fields“ (www.kinnasand.de)


Mischgewebe „Maui“ und Baum-wollmix „Alizé“ im Schlingendessin (www.camengo.com)


SCHMUCKSTÜCKE

Mit wenig Aufwand lassen sich Posamenten wie Borte „Olympia“ an Kissen oder Vorhang applizieren und schaffen eine zweite textile Ebene. www.houles.com

Mit natürlichen Tönen spielt Tapetenkollektion „Paperweave“ (www.markalexander.com). „Rosetta Wall Col. 4“ (www.dedar.com). Kollektion „Essentials“ (www.arte-international.com)

FARBIG, ABER NICHT BUNT

Farben sollten die Sinne nicht überfordern an einem Ort, wo wir uns vornehmlich wohlfühlen wollen. Designer wie Axel Vervoordt und Vincent van Duysen haben es vorgemacht, doch inzwischen greift auch eine jüngere Gestalterriege zu den „New Neutrals“. Gebrochene Nuancen, Nudes, aber auch Ton-in-Ton-Settings bekommen eine neue Gewichtung. Ihre sanfte Farbigkeit wirkt warm und entspannend. Gepaart mit weichen, natürlich wirkenden Oberflächen kann der Look schwerlich etwas anderes als Harmonie ausstrahlen.
Mehr Inspirationen zur Farbpalette auf www.decohome.de/stoffe-beige

Inszenierung mit dem hellen Wollstoff „Bristol“ und Leinen „Vintage 2.0“ von Bodo Sperlein für Nya Nordiska (www.nya.com). Griff und Optik des Naturmaterials definieren den gemusterten Polsterstoff „Boom“ aus recycelter Wolle

VIENNA CALLING

Im Anfang schuf Gott die Welt und das Bauhaus. Ein Eindruck, der sich manchmal aufdrängt. Doch es gab auch eine Zeit davor. Der Londoner Designer Bodo Sperlein tauchte mit seinen ersten Textilentwürfen für Nya Nordiska in die Ära des Kubismus, der Wiener Sezession und des britischen Vortizismus ein – präsentiert bei den Neuen Werkstätten in der Ausstellung „Vienna Vibes“: Fünf Stoff-dessins aus Baumwolle und recycelter Wolle waren neben Möbeln, Leuchten oder Tableware zu sehen. Mit ihren impulsiv-geometrischen Dessins treten sie den Beweis an, wie kunstvoll die Auseinandersetzung mit technischen Neuerungen aussehen kann.
www.bodosperlein.com

Tapeten „Alcazar Gardens“ und „Piccadilly“ (www.cole-and-son.com)


MEHR IST MEHR

Ein Blick in die Kollektionen zeigt: Auffällige Tapetendesigns setzen sich trotz des neuen Hangs zu gedämpften Tönen durch. Neben der beliebten Statement-Wand werden aktuell vor allem Gäste-WCs musterreich von oben bis unten tapeziert. Wichtig ist dabei, dass vor der Tapete nicht zu viel passiert und bereits vorhan-dene Farben aufgegriffen werden, damit das Dessin zur Geltung kommen kann.
Weitere Tipps zu Mustern, Raumplanung und trendigen Kombinationen zeigen wir unter dem Stichwort „Tapete“ auf www.decohome.de

STIL, SATZ, SIEG

Lange Zeit unbeachtet, rücken Outdoor-Teppiche diesen Sommer in den Mittelpunkt der Freiluft-Gestaltung. Schließlich bringen sie nicht nur Gemütlichkeit, sondern vertuschen im Handumdrehen auch unschöne Böden. Unsere persönlichen Favoriten stammen aus Kollektion „Disco“ des franzö-sischen Textillabels Élitis. Jedes Design wird von Hand gefertigt, ist dadurch einzigartig und besteht obendrein zu 88 Prozent aus recycelten PET-Flaschen.
www.elitis.fr

Tapete „Langdale Trellis“ in modernem Grün (www.gpjbaker.com).


Farbiges Halbleinen „Faro“ (www.nobilis.fr)


NEU BEZOGEN

Auch wenn viele Möbelhäuser es nicht vermuten lassen: Sofas und Sessel müssen nicht immer grau, beige oder gar greige sein. Vor allem bei Solitärmöbeln lohnt sich Mut zu gemusterten Stoffen. Wer dem entschieden widersprechen würde, kann seinen Unis mit Keder und Posament auf die Naht rücken. Vor allem in einem kontrastierenden Farbton oder mit unerwarteten Stoffqualitäten wie trendigem Velours kombiniert, heben Keder die Form eines Möbelstücks hervor. Auch chic: auf der Sitzfläche und den Rücken- oder Seitenpolstern zwei unterschiedliche Stoffe verwenden. Wir wünschen viel Spaß beim Experimentieren!

Von dem Output des Teppichprojekts war selbst Claus Anstoetz überwältigt: „Für uns war das Schwierigste, aus unzähligen interessanten Vorschlägen nur 46 auszuwählen.“ Naheliegend und doch nicht platt – der Bär gehört für die Designer Isabella Hamann und Markus Hilzinger untrennbar zu ihrer Heimat Berlin

BÄRENSTARK

Als Designliebhaber kann man es nicht anders ausdrücken: Es war schon wirklich großartig, was das Team von JAB Anstoetz Flooring im Wurzelkeller der Praterinsel inszeniert hat. Im hell ausgeleuchteten Gewölbe hingen Teppiche nicht zu-fällig wie in einer Galerie. Die Message, so deutlich wie angemessen: Was Sie hier sehen, ist nicht nur dekorativ, das ist Kunst. In einem monatelangen Prozess hatten sieben bekannte deutsche Designer wie Werner Aisslinger, Frank Stüve oder Hanne Willmann an ihren Versionen des „Urban Jungle“ gearbeitet. Das Ergebnis ist eine ungewöhnlich große und überraschende Kollek-tion – weltgewandt, lebensnah und vielfältig. Das Gesicht einer Stadt? Liegt im Auge des Betrachters.
www.jab.de

Tapete „Curiosité I“ (www.nobilis.fr).


Panorama-tapete „Sur les Toits“ in Indigo (www.hermes.com)


BILDENDE KUNST

Nach Malerei oder Fotografie prägen jetzt auch Architekur und Bildhauerei die Tapetendessins. Dabei spielen vor allem satte Farben und Detailverliebtheit eine tragende Rolle. Unser Tipp: Damit die Motive zur Geltung kommen, bedarf es einer großen Fläche. Kleine, verwinkelte Ecken können schnell unruhig wirken. Der Begriff „bildende Kunst“ wird übrigens seit dem frühen 19. Jahrhundert im deutschsprachigen Raum verwendet und umfasst zusätzlich die Bereiche Zeichnung, Grafik und Kunsthandwerk.

DREI-DIMENSIONAL

In einer Welt der sanften Töne sorgen strukturierte Stoffe für Balance und setzen Material-Optik sowie Webtechniken in Szene. www.decohome.de/webstruktur

In ihrem Hamburger Showroom Urban Comfort wird Ulrike Krages’ Gespür für Ästhetik und Persönlichkeit deutlich (www.uk-urbancomfort.com)


INTERIOR AWARD

Zum ersten Mal prämierte der MSF besondere textile Projekte. Einrichterin Ulrike Krages machte das Rennen in der Kategorie Home

Hat Sie der Gewinn überrascht?
Ein wenig, ich habe erst letztes Jahr von der Architektur ins Interiordesign gewechselt. Nicht überrascht hat mich allerdings, dass meine unerschrockene Art, Materialien miteinander zu mixen, Gefallen findet.
Was ist Ihnen bei der Gestaltung wichtig?
Überall relaxen zu können. Alles muss zum Liegen, bequemen Sitzen und Verweilen einladen. Und der Einsatz von Kerzen.
Ihr textiles Must-have in einem Raum?
Kissen, Samt, Leinen und der Mut zur Farbe.

Alpaka-Plaid „Machiavelli“ (www.cec-milano.com) sowie Halb-Uni-Tapeten „Etsu“ (www.romo.com).


Weinrote Bank in Velours „Paxton FR“ (en.kobe.eu)


TEXTIL-MEKKA

Alle Wege führen nach München. Das trifft vielleicht geografisch nicht ganz zu, jedoch allemal, was die Präsenz und Vielfalt interna-tionaler Stoffhersteller betrifft. In mittlerweile 13 permanenten Showrooms können Einrichtungsbegeisterte das ganze Jahr über die neuesten Kollektionen entdecken und befühlen. On top gibt es fachmännische Beratung und meterweise Inspiration für neue Projekte. Exklusiver Hotspot: in und um den Ottoblock, ganz in der Nähe vom Lenbachplatz. Hier finden sich Labels wie Designers Guild, Kobe, Romo oder Colefax and Fowler.
Zu den Showrooms: Ottostraße 3–5 und 11–13


Fotos: Jan Schmiedel (1)

Fotos: Werner Gritzbach (2)