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SANDKORN-LEICHTBAU 4-SEASONS M AUF NISSAN NAVARA KING CAB: TRAVEL LIGHT


Off Road - epaper ⋅ Ausgabe 2/2019 vom 08.01.2019

Es ist eine Binsenweisheit, dass man sich für eine längere Outdoor-Tour nicht allzu schweres Gepäck aufbürden sollte. Bedeutet weniger Gewicht doch: kräfteschonender und beweglicher reisen. Das gilt auch für Pick-ups mit Absetz-Wohnkabine. In diesem Sinne ist ein Nissan Navara King Cab mit der 4-Seasons M von Sandkorn-Leichtbau gut gerüstet.


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Bildquelle: Off Road, Ausgabe 2/2019

Firmenname als Motto: klein, leicht, auf der Welt daheim.


Konsequenter Leichtbau: das Material-Sandwich.


Konsequent stabil: die Kabine in der Verwendung.


Travel light ohne Komfortverzicht: Die 4-Seasons M bietet ausreichend Stauraum, auch Campingmöbel und der Hund haben ...

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Schwer ist leicht was . Sagte einmal das kabarettistische Schwergewicht Ottfried Fischer. Zugegeben kein ausgewiesener Experte für Offroad-Reisen. Aber der Kern seiner Aussage stimmt. Im übertragenen Sinne: Etwas auf Anhieb leicht zu bauen, ist viel schwerer, als man denkt. Vor allem wenn es dann so durabel geraten soll, wie eine Absetz-Wohnkabine nun mal eben sein muss. Denn als global expeditionierender Offroader weiß man ja um die potenziellen Belastungen, der eine solche Huckepack-Behausung samt ihrem fahrbaren 4x4-Untersatz auf den „long and winding roads“ dieser Welt ausgesetzt ist: über felsiges Geläuf klettern, durch Furten waten, über wellblechartig zerfurchte Pisten holpern, sich durch feinen Wüstensand wühlen. Der Fahrer muss sich da gelegentlich über-, das Pick-up-Chassis und die Kabine müssen sich spannungsfrei verwinden. Für Letztere heißt das: Sie darf Ersterem nicht zu viel Gewicht aufbürden, muss also leicht, aber dennoch stabil sein. Beispielsweise die 4-Seasons M der Allgäuer Wohnkabinen-Manu faktur Sandkorn-Leichtbau. Sie bringt in ihrer reinen Leere lediglich 200 Kilogramm auf die Waage.

DIE LEICHTIGKEIT DES SEINS

200 Kilogramm? Das ist doch eine echte Ansage. Ohne Wohnausbau natürlich. Reines Leergewicht. In Worten: zweihundert. Nein, das ist nun wirklich nicht schwer. Aber wie durabel, wie stabil kann eine derart leichte Kabine sein? „Extrem stabil“, versichert Ingenieur Frank Michels aus Lindenberg im Allgäu. Er hat die 4-Seasons-Kabine konstruiert und gebaut: Der Basisrahmen ist ein geschweißtes Fachwerk aus Aluminiumprofilen. Er trägt Außen- und Innenwände, die ebenfalls aus Leichtmetall gefertigt sind. Den Festigkeits-Test dieser Konstruktion haben Frank und seine Frau Pia als begeisterte Outdoorler natürlich selbst durchgeführt: Die erste Version, über den Winter 2014/15 per Computer Aided Design (CAD) konzipiert, packte das Ehepaar Michels auf den hier gezeigten Nissan Navara King Cab und ging damit auf Touren. Die führten nicht in die Ferne, sondern zunächst einmal in die weitere Allgäuer Nachbarschaft. Ganz pragmatisch, die heimische Werkstatt war somit für anfallende Modifikationen immer schnell wieder erreichbar. Und: Die Michels waren sukzessive zu jeder Jahreszeit bei jeder Witterung unterwegs. Schließlich sollte die Kabine, so das Credo der beiden erfahrenen Globetrotter, ganzjahrestauglich sein.

REISEN BRINGT ERFAHRUNG

Der Michels-Anspruch der Ganzjahrestauglichkeit an ihre selbst konstruierte Kabine liegt in einer jahrzehntelangen, erlebnisintensiven Reisehistorie begründet: Die beiden Allgäuer waren zunächst ganz klassisch als Backpacker und Automobilisten mit Zelt auf Achse, stiegen dann auf einen VW-Bus um. Es folgte die Zeit der Familienurlaube mit Wohnwagen, nach der aktiven Elternzeit dann wieder der Umstieg auf Zwei-Personen-Gefährte wie einen Range Rover mit Dachzelt sowie einen Pinzgauer mit Camper-Selbstausbau. In dieser Phase reiften die ersten Ideen für eine Absetz-Wohnkabine: „Wir wünschten uns eine kompakte, funktionale und flexible Lösung, die sowohl für eine Fernreise als auch für einen Kurzurlaub taugt“, erinnert sich Pia Michels. „Eine ohne großen Ballast. Das Fahrzeug sollte idealerweise doppelt nutzbar sein, also für Alltag und Reisen.“ Alle geforderten Punkte im Lastenheft abgehakt führten zum Konzept „Pick-up mit Kabine“. Die Suche nach Ersterem führte zum Nissan Navara King Cab, jene nach Letzterem führte zu – nichts. „Alle Kabinen, die wir uns angeschaut haben, waren nach unseren Kriterien entweder zu groß, zu gut isoliert und damit zu schwer oder zu klein und zu leicht – im Sinne von: wenig stabil – sowie nur mit dünner Zeltbahn“, erläutert Frank Michels. Und so machte sich der Dr.-Ing. getreu dem allseits bekannten Motto „dem Ingenieur ist nichts zu schwer“ an besagte Eigenkonstruktion in Alu-Sandwich-Rahmenbauweise.

OUTDOOR-HOTEL VIER JAHRESZEITEN

Dieses Sandwich ist mit einer Füllung aus Styrodur und X-trem-Isolator versehen. Ihr „verdankt“ die Kabine letztlich auch die Bezeichnung „4-Seasons“, also „vier Jahreszeiten“. Sprich: Sie ist für den Einsatz in Frühling, Sommer, Herbst und Winter konzipiert. Eben ganzjahrestauglich, wie es sich die Michels in ihr Lastenheft diktiert hatten. Und natürlich testeten sie ihren Kabinen-Prototyp im Laufe seines ersten Outdoor-Jahres auch auf diese geforderte Eigenschaft hin intensiv.

Komfortables Doppelbett: Die Liegefläche im Alkoven ist 2,15 Meter lang und 160 cm breit.


Schlankes Gesamtpaket: Mit der 1,87 Meter breiten 4-Seasons lassen sich selbst enge Passagen bewältigen.


Kompakte Größe: die Webasto Airtop-Dieselheizung.


Kaffeepause: Spiritus-Kocher auf dem Ausklapptisch.


Selbstredend nicht mit und in einem leeren Aufbau. Ihrer bereits erwähnten, über Dekaden gesammelten Reise- und Offroad-Erfahrung entsprechend konzipierten Pia und Frank Michels eine auf ihre Bedürfnisse zugeschnittene, praxisgerechte Einrichtung inklusive technischer Ausrüstung.
Dieser erste Grundriss hat sich seither prinzipiell nicht verändert, das Layout der hier vorgestellten 4-Seasons M (es gibt noch eine kürzere S-Variante) ist somit ein vor allem in Details evolutioniertes Modell: Im Alkoven gibt’s ein ausziehbares Doppelbett mit Froli-Tellerfedern, darunter Stauraum für diverses Equipment und für die Dieselheizung, die aus einem portablen 20-Liter-Kanister am Heck versorgt wird. „Den Kraftstoff bekommt man fast überall rund um den Globus“, erläutert Frank Michels. „Der Austausch bzw. das Befüllen von Gasflaschen dagegen wird im hintersten Winkel des Outbacks ein eher schwieriges Unterfangen.“ Entsprechend bietet Michels wahlweise eine Edelstahleinheit mit Spüle und Zweiflammherd oder outdoorpraxisorientiertere Lösungen wie einen herausnehmbaren Kocher mit anderen Brennstoffquellen an – so z. B. ein druckloses Spiritus-System. Zu den Alternativfeatures des Küchenblocks zählt außerdem die in unserem Fotomodell eingelassene Rundspüle. Ob in dieser oder jener Form: Alle dienen aus Raumspar- und Gewichtsgründen gleichzeitig als Waschgelegenheit. Das Frischwasser kommt entweder aus einem fest installierten 60-Liter-Tank (optional bis 100 Liter) oder/und aus bis zu vier herausnehmbaren 10-Liter-Kanistern. Aufgeheizt wird es von einem Boiler mit sechs Litern Fassungsvermögen. Um Trinkwasserqualität in jedem Winkel der Welt zu bekommen, lässt sich als Option ein Keramikfilter mit integrierter Pumpe installieren. In einem weiteren Möbelmodul ist wahlweise ein Kühlschrank oder eine -box installiert – in der hier vorgestellten Kabine ein 40-Liter-Kompressor-Modell von Engel.

Klappt hoch: Die Stehhöhe unter dem Aufstelldach liegt bei 195 cm vorne sowie 222 cm im Heck.


Eine Volldinette mit zwei Längsbänken und ausziehbarem Tisch sowie ein Staufach für das Porta Potti komplettieren die funktionale Einrichtung, die das Gewicht dieser 4-Seasons M auf 500 Kilogramm (Vollausstattung) bringt. Wer die Ausstattung um optionale Features wie eine Markise, Airline-Schienen für Sandblech-Halterungen oder eine Solaranlage mit MPPT-Regler ergänzen möchte, muss noch das ein oder andere Zusatzkilogramm mit einrechnen.

Kompakt-Paket 1: das Möbelmodul für Elektrikzentrale und Kühlschrank.


Kompakt-Paket 2: das Küchenmodul mit Rundspüle und geräumigen Stauschubladen.


Solide: Rahmenfenster unten, Doppelverglasung oben


KLAPPT GANZ EINFACH

Eine Besonderheit aller 4-Seasons-Kabinen ist das Aufstelldach mit solidem Seiten- und Heckwand-Material: Statt Zeltstoff kommt hier wiederum ein Alu-Sandwich mit Isolierung zum Einsatz. Dazu bieten die Wände noch den erheblich zeitsparenden Vorteil, sich zügiger einklappen zu lassen als Zeltbälge, die man wieder ordentlich in die Kabine ziehen muss, damit sich der Stoff nicht unter der Dachschale verklemmt. Da im Alkoven-Bett über dem Fahrerhaus geschlafen wird, sorgt besagtes Aufstelldach also vor allem für Stehhöhe im hinteren Wohn-/ Küchenbereich – in dem sich auch der Zugang via Aufbau-Hecktüre inklusive dreistufiger Klapptreppe befindet.
Dem Anspruch der Ganzjahrestauglichkeit entsprechend sind übrigens auch alle Fenster in den Wänden des Aufstelldachs doppelt mit Polycarbonat verglast, die klassischen Rahmen-Ausstellfenster in den starren Kabinenwänden bestehen aus einer Doppel acrylscheibe.

AUF SOLIDEN BEINEN

Der Funktions-Bezeichnung „Absetzkabine“ wird die 4-Seasons durch vier Rieco-Titan-Kurbelstützen gerecht, auf denen sich das leichte Konstrukt bei Bedarf – im Urlaub oder daheim – kurz- oder langfristig abstellen lässt. Verzurrt wird die auf einer Anti-Rutsch-Matte abgestellte Kabine mit Hilfe von Spannketten und fahrzeugspezifischen Konsolen, die an serien mäßig vorhandenen Befestigungspunkten auf der Ladefläche montiert werden.

DURABLE BASIS

Im Falle des Michels-eigenen Mobils gehört die Ladefläche zu einem der seinerzeit ersten in Deutschland verkauften Nissan Navara King Cab, den Frank und Pia für ihre Einsatz-Zwecke optimiert haben. So tauschten sie die 205-R16-Standardbereifung des weißen Anderthalbkabiners gegen 265/70 große BFGoodrich All-Terrain auf Adventure-Alufelgen von delta4x4 und spendierten ihm zudem eine Fahrwerkshöherlegung mit Offroad-Komponenten aus dem Hause Old Man Emu (OME). Dadurch stieg die Bodenfreiheit von 196 auf 246 Millimeter, die Böschungswinkel vergrößerten sich von 29° vorne sowie 25° hinten auf 33° bzw. 26°, und der Rampenwinkel verbesserte sich um ein auf 23 Grad. Zum Schutz des Unterbodens montierte Frank noch eine sechs Millimeter starke Aluminium-Platte von Rival, für die bessere Ausleuchtung des befahrenen Geländes LED-Fernscheinwerfer von Hella. Weitestgehend unberührt blieb dagegen die Antriebstechnik des Nissan Navara King Cab: Unter der Fronthaube arbeitet der bekannte 2,3-Liter-Vierzylinder-Turbodiesel mit Direkteinspritzung, der seine 163 PS und 403 Newtonmeter via 6-Gang-Getriebe inklusive elektrisch aktivierbarer Geländeuntersetzung sowie über einen zuschaltbaren Allradantrieb auf die Achsen verteilt. Frank Michels hat zudem in die optionale Differen zialsperre an der Hinterachse investiert. Dass dieses Technikpackage seine Huckepacklast gut verkraftet, konnten Pia und Frank Michels erst unlängst wieder austesten: Vor wenigen Wochen tourten sie durch das bergige Hinterland von Albanien. Mit Leichtigkeit.