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Sanfte Hilfe bei Erkältung, Grippe und Corona


Bio - natürlich gesund leben - epaper ⋅ Ausgabe 6/2021 vom 03.11.2021

Anthroposophische Medizin

Artikelbild für den Artikel "Sanfte Hilfe bei Erkältung, Grippe und Corona" aus der Ausgabe 6/2021 von Bio - natürlich gesund leben. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Das Virus SARS- CoV-2 hat in den vergangenen zwei Jahren die Diskussionen rund um unsere Gesundheit dominiert. Doch gerade in der kalten Jahreszeit sind jede Menge Viren und Bakterien unterwegs, die weitere Infektionen auslösen können – von einer leichten Erkältung bis hin zu einer lang andauernden Grippe. „Es gibt fast 200 verschiedene Viren, die Lunge und Atemwege besiedeln, ohne zwangsläufig eine Krankheit auszulösen“, sagt Dr. med. Frank Meyer, Facharzt für Allgemeinmedizin, Naturheilverfahren und Anthroposophische Medizin (vgl. Kasten auf Seite 13). „Unter Umständen können aber einige von ihnen auch zu schweren Erkrankungen führen. Zur Behandlung einer Krankheit hält die Anthroposophische Medizin verschiedene Arzneimittel bereit. Einige gibt es zur Selbstmedikation in der Apotheke, andere werden entweder als Einzeltherapie oder häufig begleitend zur Schulmedizin ...

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... verordnet.

So wie Frank Meyer arbeiten hierzulande rund 1.500 anthroposophisch orientierte Ärztinnen und Ärzte nach Angaben des Dachverbands sophische Medizin in Deutschland, kurz DAMiD. Sie verfügen über die Fachausbildung wie ihre Kolleg*innen aus der Schulmedizin, ergänzt um eine Ausbildung in Anthroposophischer Medizin. Im Unterschied zu ihnen beziehen anthroposophische Ärztinnen und Ärzte neben den körperlichen Symptomen die geistige und seelische Ebene mit ein. Neben anthroposophischen Arzneimitteln verschreiben sie deshalb langfristige Therapiemethoden, um den Menschen ganzheitlich zu heilen. Dazu gehören etwa Heileurythmie, Musiktherapie, Sprachge- staltung und die Rhythmische Massage nach Ita Wegmann.

Die Selbstregulationskräfte anregen

Bei einer Erkrankung setzt die anthroposophisch-medizinische Therapie direkt bei den Symptomen an, unterstützt darüber hinaus die körpereigenen Selbstheilungskräfte, um den Organismus zu stärken. In anthroposophischen Praxen und Kliniken werden dazu schulmedizinische und anthroposophische Arzneimittel und Methoden kombiniert. „Von Beginn an war die Anthroposophische Medizin als integrative Medizin gedacht. Sie wurde nicht als Alternative zur Schulmedizin entwickelt, sondern baut auf der wissenschaftlichen Medizin und ihren Methoden auf, erklärt Frank Meyer. Im deutschen Gesundheitswesen hat die Anthroposophische Medizin einen festen Platz. Seit 1976 ist sie im Arzneimittelgesetz und seit 1989 als besondere Therapierichtung im Sozialgesetzbuch anerkannt.

TIPPS FÜR DIE HAUSAPOTHEKE

Was die Apothekerin Birgit Emde in der Erkältungszeit empfiehlt:

Als Basismittel sind Infludo Tropfen von Weleda und Meteoreisen Globuli velati von Wala geeignet. Beide können bei den ersten Anzeichen einer Erkältung genommen werden – Meteoreisen sogar vorbeugend.

Für eine äußere Anwendung ist ein Bronchialbalsam mit ätherischen Ölen wie Thymian und Eukalyptus sehr hilfreich.

Für Schnupfen halte ich die Schnupfencreme von Weleda gerne vorrätig. Sie macht die Schleimhäute frei und stärkt die Nasenschleimhaut mit Auszügen aus Schlehenfrüchten.

Eine Teemischung aus Linden- und Holunderblüten ist ideal gegen Erkältung.

Und natürlich sollte immer eine Zitrone in der Küche für einen Halswickel zur Hand sein.

Zwiebeln für Ohrenwickel sind in einem Haushalt mit Kindern eine Hilfe bei Ohrenschmerzen.

Damit es aber erst gar nicht zu einer Erkrankung kommt, ist es wichtig, gut auf sich zu achten. „Vorbeugen meint in diesem Fall, dass man versucht, das eigene Immunsystem zu stärken“, erläutert Meyer, seit fast 30 Jahren als Hausarzt in Nürnberg tätig. Wir können gegen Influenza- und neuerdings gegen Corona-Viren impfen, aber gegen die Mehrzahl der Viren, die uns im Winter Probleme machen können, gibt es keine Impfungen.“ Was können wir also tun, um gesund zu bleiben?

„Wir müssen uns auf unser erworbenes und auf das angeborene Immunsystem gut verlassen können“, gibt der Arzt zu bedenken. Das angeborene Immunsystem kann uns auch dann schützen, wenn der Organismus auf ein völlig neuartiges Virus noch keine spezifischen Antikörper entwickelt hat. Es hindert einen Großteil von Krankheitserregern daran, sich im Körper zu verbreiten. Durch gesunde Ernährung, ausreichend Bewegung und Stressbewältigung lässt sich das Immunsystem trainieren und auf diese Weise sowohl akuten als auch chronischen Krankheiten vorbeugen, drei hochwirksame Faktoren, die sich gegenseitig bedingen und verstärken“.

WAS IST ANTHROPOSOPHISCHE MEDIZIN?

Vor 100 Jahren stellte Rudolf Steiner (1861– 1925), der Begründer der Anthroposophie, das erste Mal Ärzten seine Ideen für eine integrative und erweiterte Medizin vor. Später arbeitete Steiner zusammen mit der Ärztin Ita Wegman (1876–1943) das Konzept der Anthroposophischen Medizin aus. Es ist als Erweiterung der naturwissenschaftlichen Medizin gedacht und setzt sich mit dem ganzen Menschen auseinander: nicht nur mit seinem Körper, sondern auch mit seiner Seele und der individuellen Persönlichkeit, denn sie bilden eine Einheit und beeinflussen sich wechselseitig. Weil jeder Mensch in dieser Ganzheit einzigartig ist, gibt es in der Anthroposophischen Medizin keine Standardbehandlung. Ziel ist vielmehr, das alters-und konstitutionsgemäße Gleichgewicht herzustellen und die Abwehrkräfte zu stärken.

Heute wird die Anthroposophische Medizin in über 80 Ländern praktiziert. In Deutschland ist sie in der Praxis, in Akutkrankenhäusern und Reha-Kliniken sowie in Pflegeeinrichtungen vertreten. Wo die nächste anthroposophische Ärztin zu finden ist, erfährt man bei der Hotline des anthroposophischen Bürger-und Patientenverbands „Gesundheit aktiv“ ( gesundheit-aktiv.de). Die Gesellschaft der anthroposophischen Ärzte in Deutschland GAÄD ( gaed.de) hilft ebenfalls bei der Suche weiter.

Es hat Sie doch erwischt? Eine stabile Lebensweise ist nur wünschenswert. Und doch kennen wir das Phänomen: Es ist kalt und nass, vielleicht sind wir nicht passend gekleidet und der Tag war viel zu anstrengend. Wenn der ganze Mensch geschwächt ist, versagt die Immunabwehr. Gerne betroffen sind die Schleimhäute in Nasen- und Rachenraum. Erste Anzeichen einer Erkältung sind oft ein Kratzen im Hals, eine laufende Nase, Abgeschlagenheit und ein Kältegefühl. Grundsätzlich ist es so, dass Kälte den Organismus herausfordert“, sagt Birgit Emde, Apothekerin und Referentin für Anthroposophische Pharmazie. Ist zu wenig Wärme für den Körper vorhanden, verlangsamen sich die Selbstregulationskräfte und das gesunde Gleichgewicht kann nicht gehalten werden.“ Die Funktionen des Immunsystems sind an Wärmeprozesse gekoppelt,

Kälte bringt sie durcheinander. „Nehmen wir das Beispiel Erkältung: Die Füße, die normalerweise warm sind, werden kalt und der sonst kühle Kopf wird heiß“, schildert Emde den Verlauf. Was passiert darauin im Körper? Er beginnt die Körpertemperatur durch Fieber anzuheben, um dem Immunsystem unter die Arme zu greifen.“ Die Anthroposophische Medizin beschreibt Krankheit als gesunde Reaktion am falschen Ort. Bei einer Erkältung versucht der Organismus die fehlende Wärme über Fieber auszugleichen – ein Zeichen für den Heilungsprozess.

DARUM TUN WICKEL BEI EINER ERKÄLTUNG GUT

Wickel sind eine bewährte Methode aus der anthroposophischen Medizin, denn sie vermitteln Heilungsprozesse über die Haut. Sie stabilisieren die Wärmehülle und verhindern eine Schwächung des Organismus. Und sie regen die Selbstregulation des Körpers an. Eine Besonderheit der Wickel liegt in der Wirkung auf den gesamten Körper, obwohl sie oft nur an einer kleinen Stelle angewendet werden.

Zitronen-Halswickel bei Halsschmerzen

Dieser Wickel wirkt bei geschwollenen Lymphknoten und starken Schluckbeschwerden wunderbar entlastend und schmerzlindernd. Dafür eine halbe Zitrone auspressen und die Zitronenschale in heißem Wasser leicht ausquetschen. Ein halsbreit vorbereitetes Tuch wird zuerst in der Mischung getränkt, dann ausgewrungen und um den Hals gelegt. Die Wirbelsäule bleibt frei. Darüber kommt ein wärmender Schal. Jeweils 30 Minuten Anwendung und Nachtruhe.

Hierauf sollten Sie achten: Eine äußere Anwendung wie den Wickel sollten Sie in einer ruhigen und stressfreien Atmosphäre durchführen, der Raum sollte gut gelüftet und angenehm warm sein. Ist ein Wickel angelegt, ruht der/die Patient*in in der vorgeschriebenen Zeit wohlig-warm zugedeckt. Nach dem Entfernen des Wickels ist es wichtig, für 30 Minuten nachzuruhen. In dieser Zeit breitet sich die lokale Wärmeanregung auf den gesamten Organismus aus, um die Heilung anzuregen.

BIRGIT EMDE

Die Apothekerin aus dem Landkreis München ist auch als Referentin für Anthroposophische Pharmazie in der Gesellschaft für Anthroposophische Pharmazie in Deutschland e. V. (GAPiD) tätig und hält seit fast zwei Jahrzehnten Seminare und Vorträge zur Anthroposophischen Medizin.

Wärme für ein gesundes Gleichgewicht

Gerade in der kalten Jahreszeit ist ein gutes Gefühl für die körpereigene Wärme wichtig. Dazu gehören warme Füße und – besonders im Freien – Kopf und Ohren schön warm zu halten.

„Eine Tasse Tee morgens und abends durchwärmt von innen und ist schnell zubereitet“, sagt Birgit Emde. Die Selbstregulationskräfte in der Erkältungszeit unterstützt auch eine ölige Einreibung nach dem Duschen oder Baden. Dazu empfiehlt die Apothekerin ein Pflanzenöl, kombiniert mit einem ätherischen Öl, wie Lavendel: „Pflanzenöl hat im Gegensatz zur Lotion eine wärmehaltende Wirkung und reguliert das ganze Hautorgan.“ Verwendet wird wenig Öl, das über die ganze Haut verteilt wird. Der Effekt: Die Selbstmassage fördert die Durchblutung und Erwärmung.

Wie die Öleinreibung gehören zu den äußeren Anwendungen in der anthroposophischen Therapie Auflagen, Massagen, Teilbäder, Bäder oder Wickel (vgl. Seite 14). Sie wirken stabilisierend und verhindern, dass der Organismus geschwächt wird. Um in Balance zu bleiben, ist aber noch mehr nötig. Zentral ist ausreichender Schlaf und ein rhythmisch gestalteter Tagesablauf.“ Birgit Emde empfiehlt regelmäßig zu essen und Stress und Ausruhen in ein gesundes Gleichgewicht zu bringen. Aus anthroposophischer Sicht beeinflusst Rhythmus entscheidend unsere Gesundheit. Zu den rhythmischen Vorgängen gehören das Ein-und Ausatmen, An-und Entspannung genauso wie Wachen und Ruhen. Sind wir nun doch mit einer Erkältung gesundheitlich angeschlagen, helfen anthroposophische Arzneimittel die sogenannte Wärme-Organisation zu unterstützen, die Selbstregulation anzuregen und damit die Krankheit aus eigener Kraft zu überwinden.