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Sanfte Riesen


HÖRZU - epaper ⋅ Ausgabe 30/2021 vom 23.07.2021

NATUR

Artikelbild für den Artikel "Sanfte Riesen" aus der Ausgabe 30/2021 von HÖRZU. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: HÖRZU, Ausgabe 30/2021

DICKHÄUTER Bis zu 4,5 Meter können Seekühe lang werden

500 Kilogramm können Rund- schwanz- Seekühe schwer werden

Gemächlich gleitet die Seekuh durch das trübe Nass des Amazonas. Mit der Nase tastet sie sich an den Wasserpflanzen entlang, verschlingt genüsslich eine grüne Leckerei nach der anderen. Erst als die Luft langsam knapp wird, paddelt der Dickhäuter in aller Ruhe zurück an die Oberfläche. Bloß keinen Stress!

Sanft, sanfter, Seekuh: Die bis zu 4,5 Meter langen Giganten gelten als ausgesprochen gelassene Tiere. „Seekühe sind sehr friedfertige Wesen“, bestätigt Roberto Maldonado, Südamerika-Referent bei der Umweltschutzorganisation WWF, im Gespräch mit HÖRZU. „Sie würden niemandem etwas tun, sind aber neugierig.“ Drei Arten von Rundschwanz-Seekühen paddeln durch die Meere und Flüsse weltweit (siehe Grafik und Infokasten auf Seite 24). Das Amazonas-Manati ist die ...

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... einzige Seekuh, die sich ausschließlich im Süßwasser heimisch fühlt. „Sie sind zwar die größten Säugetiere des Amazonas- Biotops, gelten jedoch als recht behäbig“, sagt Maldonado. „Mit den kleinen Seitenflossen lässt sich der riesige Körper der Manatis nur schwer manövrieren.“

Die Seekuh ist ein echter Vielfraß

Auf bis zu 500 Kilogramm bringen es Seekühe. Um so viel Masse zu erreichen, bedarf es einer Menge Nahrung: „Die Tiere fressen ausgesprochen viel“, so Maldonado. „Um satt zu werden, nehmen sie täglich bis zu 15 Prozent ihres Eigengewichts zu sich.“ Bei der Futtersuche konzentrieren sich die Dickhäuter auf die Regenzeit. Während sie in dieser Phase des Jahres raue Mengen verputzen, können Ama-zonas-Seekühe in der Trockenzeit auch einmal sechs Monate ohne Nahrung auskommen. „Um Futter zu finden, müssen sie sich dem Wasserstand anpassen“, sagt Maldonado. „Manche Lagunen im Amazonasgebiet verlieren außerhalb der Regenzeit den Anschluss an den Hauptstrom. Es besteht die Gefahr, in ihnen stecken zu bleiben.“ Für Seekühe eine tödliche Falle!

Bereits als Jungtier ein Schwergewicht

Auf dem Speiseplan der gemütlichen Giganten stehen Seegras, Algen und Wasserpflanzen wie Hornblatt und Pfeilkraut. Bei der Futtersuche zieht es Seekühe oft in die Lagunen, hier locken die meisten Leckerbissen. Während des Schlemmens leisten die Tiere ganz nebenbei noch einen Beitrag für die Umwelt: „Sie spielen eine wichtige Rolle für die Lagunen, weil sie Wasserpflanzen zurückhalten“, so der Experte. „Auf diese Weise verhindern Seekühe, dass der Bereich verlandet – auch für die anderen Lebewesen dort von großem Vorteil.“

Seekühe gelten als Einzelgänger und sind selten in Gruppen zu finden. Gewöhnlich treffen die Tiere nur zur Fortpflanzung aufeinander. Die Paarungsbereitschaft des Weibchens hängt dabei von der vorhandenen Menge an Nahrung ab. Ist reichlich verfügbar, steigt die Lust: Die Damen paaren sich mit mehreren Männchen und bringen ungefähr ein Jahr später ihr Jungtier zur Welt. Bereits die Babys sind bei Seekühen echte Schwergewichte: Stolze 10 bis 15 Kilogramm wiegt der Nachwuchs bei der Geburt. Vom ersten Tag an sind die Kleinen weit entwickelt, können schwimmen und tauchen hinauf an die Wasseroberfläche, um Luft zu holen. Dennoch bleiben sie ungefähr zwei Jahre bei Mama Seekuh, um für das Überleben in der Wildnis gerüstet zu sein. Denn da kommt einiges auf sie zu: Bis zu 60 Jahre werden die Tiere in freier Wildbahn alt.

Dickhäuter im Zahnwechsel

Die engsten noch lebenden Verwandten der Seekühe sind Elefanten. Die Ahnengeschichte ist lang: Vor mehr als 60 Millionen Jahren passten sich manche der Vierbeiner in Sumpfgebieten an das Leben im Wasser an. Ein Beweis für die ungewöhnliche Familienzugehörigkeit findet sich im Maul der Seekühe. Wie bei Elefanten wachsen auch bei ihnen im hinteren Teil des Kiefers immer wieder neue Zähne nach und schieben sich nach vorn. Die alte Zahnreihe nutzt sich währenddessen ab und fällt anschließend aus. Friedlich, zäh, kaum natürliche Feinde: Seekühe sind bestmöglich an das Leben im Amazonas und in den Weltmeeren angepasst. Dennoch gelten alle Arten weltweit als gefährdet. „Im Amazonas sind Manatis die mit am stärksten bedrohte Tierart“, sagt Maldonado. „Aufzeichnungen zeigen, dass vor 100 Jahren im Vergleich zu heute viel mehr Tiere gelebt haben. In vielen Seitenarmen des Amazonas sind sie komplett ausgestorben.“ Groben Schätzungen der Weltnaturschutzorganisation IUCN zufolge paddeln heute nur noch 8000 bis 30.000 Seekühe durch das Amazonasbecken – und es werden immer weniger.

Die Gründe für den Rückgang an Manatis sind vielfältig. „Seekühe sind sehr behäbig und können sich nur schwer wehren“, berichtet Roberto Maldonado. „Lange wurden die Tiere gejagt. Zum einen, um sie zu essen, zum anderen, um Öl aus ihren Fettkörpern herauszuholen.“ Auch die Zunahme der Schifffahrt und die Verschmutzung der Gewässer stellen ein Risiko für die Tiere dar. Immer wieder sterben Seekühe durch die Kollision mit Motorbooten oder verenden qualvoll in Fischernetzen.

Um die Manatis zu erhalten, setzen sich Tierschützer weltweit für die Dickhäuter ein. So kümmert sich das Amazonas- Forschungsinstitut INPA in Manaus um verwaiste Jungtiere (siehe TV-Tipp). Damit auch in Zukunft noch Seekühe durch die Gewässer gleiten.

MELANIE KOCH

DI 3.8. TV-TIPP

18.30

ARTE

SEEKÜHE AUF REISEN DOKU Wie ein Biologe die Amazonas- Manatis zu schützen versucht