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SARDINIEN


Spa Inside - epaper ⋅ Ausgabe 5/2019 vom 02.09.2019

Wenn Sie Sardinien bisher als Urlaubsziel nicht im Visier hatten, sollten Sie das überdenken. Die italienische Mittelmeerinsel punktet mit karibikgleichem Meer, Traumstränden und einer Küche, die nachweislich für ein langes, gesundes Leben sorgt.


Die Geheimnisse der Happy-Aging-Insel

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Bildquelle: Spa Inside, Ausgabe 5/2019

Die zweitgrößte Insel im Mittelmeer ist eine wilde, ursprüngliche Schönheit mit vielen Facetten, lieblich und schroff, üppig grün und karg. An den Küsten trifft smaragdgrünes Meerwasser auf feine Sandstrände und massive Felsblöcke aus Granit. Im Landesinneren ragen Berge wie der Punta La Marmora fast 2000 Meter in den blauen ...

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... Himmel, anspruchsvolle Panoramawege führen in tiefste Schluchten. Bizarre, von Wind und Wetter geformte Felsformationen und unwirkliche Mondlandschaften faszinieren genauso wie riesige vom Meer ausgespülte Höhlen. Das Meerwasser ist von erstklassiger Qualität, kristallklar und glitzert in allen Blau-und Türkisschattierungen. Das liegt am hellen Meeresboden aus Granitsand – ihm sei Dank für das Spiel der blauen Farbtöne. Vergessen Sie also die Karibik oder die Südsee – da freut sich auch Ihr ökologisches Gewissen. Auf fast 2000 Kilometern Küstenlinie finden Sie spektakuläre Steilküsten, romantische kleine Buchten, oft nur mit dem Boot oder über abenteuerliche steile Pfade erreichbar, und hunderte endlose weiße Sandstrände. Und in den vorgelagerten Archipelen wie dem Maddalena- Archipel mit seinen 62 Inselchen sind gelegentlich Delfine zu sehen, die aus dem kristallklaren Wasser springen.

Alles Übel kam übers Meer

Das Meer, Sehnsuchtsziel für uns, war für die Sarden über Jahrhunderte mit Schrecken verbunden. Denn über das Wasser kamen die Eroberer, etwa die Spanier und Mauren, und in den Sümpfen im Küstenbereich herrschte die Malaria-Mücke. „Alles Übel kommt über das Meer“, heißt darum ein sardisches Sprichwort. Folglich lebten sie zurückgezogen als Bauern und Hirten im Landesinneren und ernährten sich einfach und bodenständig. Seefisch oder Meeresgetier gehörten bis vor gut einem halben Jahrhundert nicht zum Speiseplan. Frischen Fisch von der Küste zu holen, wäre eine Tagesreise gewesen. So hielten sie an ihrer gewohnten Lebensweise fest. Woran sie gut taten. Denn inzwischen wurde herausgefunden, dass die Sarden nicht nur ein langes, sondern auch ein gutes Leben leben. Überdurchschnittlich viele Männer wie Frauen werden mehr als 100 Jahre alt. Vielleicht haben Sie schon von den „Blue Zones“ gehört? So hat Wissenschaftler Dan Buettler Regionen bezeichnet, in denen die Umgebungsbedingungen in Kombination mit dem Lebensstil für ein außergewöhnlich langes und zufriedenes Leben sorgen. Weltweit hat er fünf solche Regionen ausgemacht – darunter Sardinien, genauer die Region Ogliastra an der Ostküste. Dort leben im winzigen Bergdorf Seulo noch viel mehr Hundertjährige als sonst auf Sardinien. Warum das so ist? Fünf Faktoren scheinen ausschlaggebend für dieses lange und glückliche Leben zu sein.

KÜCHE Leckeres von Käse bis Wein

Gesunder Genuss Der Pecorino Sardo, dieser aus Schafsmilch hergestellte Käse, ist eine Spezialität der Insel. Es gibt ihn cremig weich oder gereift und noch aromatischer. Schafs- und auch Ziegenkäse haben einen hohen Nährwert und sind leichter verdaulich als Kuhmilchkäse. Stets auf dem Speisezettel: Tomaten, sind sie doch reich an Vitamin C, Kalium und Antioxidantien. Letztere stecken auch reichlich im Cannonau, dem bekannten roten Inselwein. Grundlage der sardischen Küche ist das papierdünne und fast glutenfreie Brot Pane Carasau.

KORKEICHEN Sardiniens teures Naturprodukt

Wer im Norden der Insel unterwegs ist, dem fallen immer wieder rötlich schimmernde, glatte Baumstämme auf: die Korkeichen. Ihre Rinde wird unter der immergrünen Krone abrasiert. Im Volksmund heißt es: „sie bluten“. Der kostbare, besonders weiche Kork der weiblichen Bäume wird zu Flaschenverschlüssen, nützlichen Alltagsutensilien oder Taschen verarbeitet. Die Bäume dürfen frühestens ab ihrem zehnten Lebensjahr erstmals geschält werden – und das auch nur alle zehn Jahre. Ein langer Zeitraum, der heute staatlich überwacht wird. Pro Ernte wirft ein großer Baum etwa 45 Kilo ab. Bis zu zwölf Mal kann eine Eiche „liefern“. Danach ist sie ausgelaugt.

Fotos: 123rf/ Volodymyr Shevchuk Olena Kachmar; shutterstock.com/Gabriele mantini/ Eva Bocek/ Andrew Mayovskyy

Immer in Bewegung bleiben

Wandern Ob leichte Wanderung oder anstrengende Trekkingtour – fast alles ist machbar. Allerdings gibt es wenige detaillierte Wanderkarten und viele Wege durch die unberührte, wilde Natur sind nicht ausreichend markiert. Wegen der Hitze besser Juli und August meiden. www.sardegnaturismo.it/de
Wassersport Sardinien hat eine knapp 2000 Kilometer lange Küste und 240 Strände. Wunderbar für einzigartige Segeltörns ist das Maddalena-Archipel mit 62 Inselchen im Norden. Kristallklares, türkisblaues Wasser, kleine Buchten und bizarre Felsen erwarten Urlauber dort. Surfer und Kitesurfer finden von März bis Juni an der kompletten West- sowie an der Nordwestküste bei La Marinedda die perfekten Wellen. Bei Wassertemperaturen bis zu 26 Grad Celsius geht das sogar ohne Neopren-Outfit. www.sardinien-inside.info
Radeln Ob Mountainbike, Rennrad oder E-Bike: Passende Routen gibt es reichlich. 1000 Kilometer auf und ab führt eine Inselumrundung – mit Aussichten auf idyllische Buchten und das Meer. www.sardinien-bike.de

Malerisch Der kleine Küstenort Castelsardo, im Nordwesten der Insel, klebt hoch über dem Meer. Er hat einen hübschen historischen Dorfkern. Besonders schön am Abend: die Aussicht vom Platz vor der Kathedrale auf den gesamten Golfo dell’Asinara und die Halbinsel von Stintin. Der Ort ist bekannt für seine Korbflechtkunst

FESTE FEIERN Es gibt immer einen Anlass

Ob Karneval, Mandel- oder Kastanienfest Fast das ganze Jahr über gibt es irgendeinen Ort, der zu einem traditionellen, fröhlichen Fest einlädt. Im Februar wird Karneval gefeiert. Dabei ist das Reiterfest „Sa Sartiglia“ in Oristano das bedeutendste. Nach einem uralten sardischen Brauch werden Männer mit Holzmasken, Fellen und Schafsglocken (mamuthones) durch die Straßen getrieben. Im September findet im Ort Baressa das Mandel-Fest „Sagra della Mandorla“ statt, in Samugheo das „Sagra del Pane Su Tzichi di Samugheo“ (Brot-Fest). Und wenn am letzten Oktoberwochenende die Kastanienernte beginnt, feiert Aritzo das „Sagra delle Castagne e delle Nocciole“.

Fotos: 123rf/Casto/ mitchelfoto; shutterstock.com/Francescomoufotografo

„A zent’ami“ – Auf hundert Jahre!

Möglich, dass die Gene eine Rolle spielen. Die natürliche Umgebung mit frischer Luft, gutem Wasser und wenig Stress, viel Bewegung im Alltag bis ins hohe Alter, der starke soziale Zusammenhalt in den Familien und Dörfern sowie die Ernährung tun es auf jeden Fall. Auch wenn Sardinien zu Italien gehört, Pasta spielte in der Ernährung lange Zeit eine völlig untergeordnete Rolle. Anders Kartoffeln, sie sind in der sardischen Küche unverzichtbar. Etwa in den Culurgionis d’Ogliastra, einer Art Ravioli mit leckerer Kartoffel-Käse-Füllung und frischer Minze. Fast noch wichtiger ist Brot, am liebsten das knackdünne Pane Carasau. Es ist reich an Eiweiß, hat wenig Gluten und ist lange haltbar. Unbedingt auf den Tisch gehören Pecorino Sardo, ein aromatischer Schafskäse, Ziegenmilch, Bohnen und Kichererbsen, Olivenöl, Tomaten wegen ihres hohen Vitamin C- und Kaliumgehalts. Eine weitere Spezialität sind Plätzchen, die mit Mandeln und Honig so kunstvoll gemacht werden, dass man sie gar nicht essen mag. Zu einem guten Essen gehört selbstverständlich ein Glas Wein, zuträglich für die Gesundheit und das soziale Moment. „Auf 100 Jahre“, so lautet denn ein Trinkspruch der Sarden. Ausgezeichnete Weine gibt es auf Sardinien reichlich. Der bekannteste ist der Cannonau – ein süffiger, vollmundiger Rotwein, reich an Antioxidantien.
Genießen Sie ihn auf einer Piazza in so hübschen Örtchen wie Santa Teresa Gallura oder Castelsardo, in einer malerischen Bucht oder einem schönen Hotel-Restaurant. Oder in Cagliari, der quicklebendigen Inselmetropole. Was für eine Stadt! Sie setzt sehr aktiv und konsequent auf Nachhaltigkeit und hat sich innerhalb nur weniger Jahre zu einer lebenswerten, modernen, sauberen City gemausert. Auf Sardinien!

Dorit Schambach

Wissenswertes über SARDINIEN

Beste Reisezeit Meiden Sie wenn möglich die Hauptsaison. Drei Monate lang – von Juni bis August – herrscht Ausnahmezustand, weil tausende Urlauber aus aller Welt die Insel fluten. Außerdem ist es heiß und der Scirocco weht glühend aus Afrika.

Anreise Sardinien hat drei internationale Flughäfen. Von deutschen Airlines werden Cagliari im Süden sowie Olbia an der Costa Smeralda direkt angeflogen. Ab Genua fahren Fähren nach Olbia.

Strände An 240 Stränden können Urlauber baden, relaxen, surfen und mehr. Aber bitte keinen Sand mitnehmen! „Vietato rubare la sabbia“ steht auf großen Hinweisschildern an den Stränden. Das ist strengstens verboten, da es dem Ökosystem nachweislich schadet.

Die Sarden und die Kunst des Brotbackens

Das Brotbacken ist auf Sardinien ein religiöser Akt, ein Ritus, der in vielen Familien zu festlichen Anlässen und das ganze Jahr über gepflegt wird. Es gibt Weihnachts- und Osterbrot, Toten- und Hochzeitsbrot. In einem Dorf der Provinz Oristano mit dem Namen Paulilatino werden Skulpturen und kleine Kunstwerke aus Brotteig gefertigt: Herzen, Vögel, Schäfchen, Blätter, Blumen, Fische und Früchte. Eines der bekanntesten sardischen Brote ist das knusperdünne Pane Carasau aus Hartweizengrieß, das bei keiner Mahlzeit fehlen darf. Die Italiener nennen es auch „Musikpapier“. www.sardinien.com

Foto: 123rf/Chris Willemsen

Sind die nicht süß?
Diese hübschen Vierbeiner haben eine ganze Insel für sich. Sie heißt Asinara, ist Nationalpark und liegt im Nordwesten Sardiniens (www. parcoasinara.org). Wie die Esel dorthin kamen, ist nicht genau geklärt. Hat sie der Marchese di Mores Duca dell‘ Asinara im 18. Jahrhundert aus Ägypten mitgebracht? Oder sind die blauäugigenTiere etwa Schiffbruchige, die sich auf die Insel retten konnten? Oder haben sie ihr schönes weißes Fell einer Pigmentvariante der grauen sardischen Esel zu verdanken? Heute leben etwa 100 weiße sowie 200 graue Wildesel auf dem Eiland.

Er brachte Steine zum Singen: Der 2016 verstorbene Bildhauer Pinuccio Sciola aus dem Örtchen San Sperate hat dort mit seinen bearbeiteten, klingenden Steinskulpturen einen riesigen Garten, den Giardino Sonoro, angelegt. www.psmuseum.it

Sie setzte der Insel mit Kunst aus Fäden und Stoff ein Denkmal: Künstlerin Maria Lai hat im Künstlerort Aggius Hauswände mit farbenfrohen „Webstühlen“ verziert. Das Museum Maxxi in Rom widmet ihr gerade eine große Retrospektive. In diesem Jahr wäre sie 100 geworden. www.museodiaggius.it/aperto

Unsere Buchtipps

Dumont Reise-Taschenbuch Prallvoll, aber übersichtlich. Mit Tourenvorschlägen, Insider-Tipps und Adressen. 2019, 300 Seiten, 18,90 Euro.

La Cucina Sarda Eine kulinarische Rundreise in tollen Fotos und mit typischen Gerichten aus der sardischen Küche. Christian Verlag, 319 Seiten, 39,99 Euro.

LEBENSELIXIER WEIN

Wein gehört zum guten, gesunden Leben einfach dazu. Außerdem wird ihm ja ein gewisser Anti-Aging- Effekt nachgesagt. Sardinien hat wunderbare Weine zu bieten, etwa den Cannonau, die wichtigste und verbreitetste Rebsorte der Insel. Im Vergleich zu Rotweinen aus anderen italienischen Anbaugebieten hat er den dreifachen Gehalt an Antioxidantien und die positive Wirkung auf das Herz-Kreislauf-System ist fast zehnmal höher. Bei den Weißweinen liegen der fruchtig kräftige Vermentino und Monica aus der Region Gallura im Norden weit vorne, etwa vom Weingut Li Duni. www.cantinaliduni.it