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Sascha Huber


Traders - epaper ⋅ Ausgabe 8/2021 vom 29.07.2021

DER PROFI FÜR TECH UND KRYPTO

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Bildquelle: Traders, Ausgabe 8/2021

Mehr über Sascha Huber finden Sie unter www.godmode-trader.de/premium/tech-aktien-krypto

TRADERS´: WIE LANGE SIND SIE SCHON AN DEN MÄRKTEN AKTIV?

Huber: Angefangen habe ich im Jahr 1994 im Alter von 16 Jahren. Damals lief das Ganze noch klassisch über die lokale Sparkasse, der ich meine Order per Fax zuschickte – inklusive der erforderlichen Unterschrift meiner Eltern. Allerdings kostete ein Trade damals um die 50 D-Mark, was angesichts meines Startkapitals von etwa 3200 DM ziemlich happig war. Trotzdem kaufte ich nicht nur eine, sondern mehrere Aktien.

TRADERS´: WELCHE WAREN DAS? Huber: Die ersten vier waren Continental, Microsoft, McDonalds und Nike. Rückblickend kann man sagen: Hätte ich diese Titel bis heute behalten, wäre das ein hervorragendes Geschäft gewesen.

TRADERS´: STATTDESSEN HABEN SIE SICH DEM TRADING GEWIDMET, ODER?

Huber: Alles fing damit an, dass ich die ...

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... Aktie von Intershop am Neuen Markt zeichnen wollte, aber keine Stücke zugeteilt bekam. Doch ich wollte unbedingt darin investieren. Ich verkaufte dann sogar fast alle anderen Aktien und nutzte das Geld, um Intershop am Tag des Börsengangs zu kaufen – natürlich viel teurer, als es bei der Zeichnung der Fall gewesen wäre. Die Aktie lief dann erst mal einige Zeit abwärts. Aber ich hatte Glück: Noch im selben Jahr zündete die Hochphase des Neuen Marktes und alles ging durch die Decke. Ich verkaufte Intershop bei Kursen von mehr als 2000 Euro und kaufte mir einen BMW, den ich zu dieser Zeit privat angeboten bekommen hatte. Das war rückblickend gut getimt, da ich nun weniger verfügbares Kapital hatte, das ich im späteren Crash wieder verlieren konnte.

TRADERS´: DER CRASH HAT SIE DAMALS ALSO NICHT SO SCHLIMM GETROFFEN?

Huber: Ich habe viele weitere Trades am Neuen Markt gemacht. Tatsächlich schaffte ich es aber noch rechtzeitig, damit aufzuhören, nachdem das Hoch durch war. Nachdem die Kurse etwa sechs Monate später deutlich zurückgekommen waren, etwa um die Hälfte, ging ich aber wieder in den Markt. Das stellte sich allerdings als zu früh heraus. Trotzdem hielten sich meine Verluste in Grenzen, da ich mir ein gutes Stück auf dem Weg nach unten erspart hatte.

TRADERS´: SICHERLICH KONNTEN SIE IN DIESER ZEIT ABER AUCH EIN PAAR GUTE SCHNÄPPCHEN MACHEN, ODER?

Huber: Absolut. Mein Lieblingsbeispiel ist die Amazon-Aktie, die ich erstmals für 14 US-Dollar kaufte. Schon frühzeitig gab ich ein langfristiges Kursziel von 1000 Dollar für die Aktie aus, was anfangs sicherlich etwas illusorisch klang. Doch das Kursziel wurde bekanntlich nicht nur erreicht, sondern weit übertroffen, sodass ich im Nachhinein deutlich zu früh verkauft habe. Gerechnet hat es sich aber natürlich trotzdem, es war meine beste Position jemals!

„Die Bitcoin-Technologie ist einfach veraltet und auch die Entwickler sind ziemlich konservativ.“

TRADERS´: SIE SIND ALSO NICHT NUR TRADER, SONDERN AUCH LANGFRISTANLEGER.

Huber: Tatsächlich ist mein Langfristdepot sogar viel größer und macht etwa 85 Prozent meines klassischen Anlagekapitals – also abseits der Kryptomärkte – aus. Ich setze dabei nur auf Einzelaktien, von denen ich absolut überzeugt bin und bei denen ich entsprechend dauerhaft investiert bleiben möchte. Die Besten der Besten sozusagen. Natürlich habe ich hier einen besonderen Fokus auf Technologiewerte, aber es sind auch andere Aktien dabei, momentan insgesamt 17 Titel. Beispiele sind PayPal, McDonalds und die aus meiner Sicht unkaputtbare Aktie von Microsoft. Zuletzt waren für das Investmentdepot zum Beispiel die beiden Cloud-Titel Arista Networks für die Hardware- und Nutanix für die Softwareseite interessant, die sich auch sehr gut gegenseitig ergänzen. Ich nehme in diesem Depot nur selten Anpassungen vor, sondern überlasse die Kurse sich selbst, solange meine grundsätzliche Überzeugung besteht. Aus diesem Grund habe ich aber beispielsweise vor einigen Wochen die Aktie von iRobot verkauft. Denn hier fürchte ich zukünftig die Konkurrenz aus China, zum Beispiel durch Xiaomi.

TRADERS´: WERDEN SIE VORSICHTIGER, WENN DER MARKT BESONDERS HOCH BEWERTET ERSCHEINT?

Huber: Vorsichtiger schon, aber ich bleibe in der Regel trotzdem investiert, da es ja meine bestmögliche Selektion darstellt. Zuletzt gefiel mir das Marktumfeld aber tatsächlich nicht besonders. Ich mag etwas mehr Bewegung und die Bewertungen sind inzwischen auch ziemlich hoch. Das macht die Kurse anfällig für größere Korrekturen. Tatsächlich sehe ich viele Aktien in der zweiten Reihe, die bereits deutlich korrigieren, nur in den großen Indizes spiegelt sich das (noch) nicht wider. Die Rücksetzer sind also von den meisten Anlegern eher unbemerkt und laufen im Hintergrund ab, bei Aktien, die in den Indizes niedrig gewichtet oder gar nicht darin enthalten sind. Allerdings kann so eine Entwicklung durchaus auch auf die großen Titel übergreifen.

TRADERS´: WIE SIEHT IHR ANSATZ IM KURZFRISTIGEN TRADING AUS?

Huber: Hier berücksichtige ich drei Elemente. Zum einen die Fundamentaldaten, die etwa 20 Prozent Gewicht in der Analyse ausmachen. Ich möchte durchaus wissen, was das jeweilige Unternehmen genau macht. Das kann mitunter sehr zeitaufwendig sein, etwa im Bereich 3-D-Druck, wenn es zum Beispiel um das komplexe Gebiet menschlicher Organe geht. Ich analysiere auch die Geschäftszahlen der letzten Jahre und achte unter anderem darauf, wie viel Cash in der nächsten Zeit voraussichtlich benötigt wird, um abzuschätzen, ob demnächst vielleicht eine Kapitalerhöhung anstehen könnte.

„Zum ersten Mal habe ich Bitcoin im Jahr 2012 gekauft, damals 20 Stück für rund 500 US-Dollar.“

Das zweite und wichtigste Kriterium ist dann der Chart, der mir ein klares Kaufsignal senden muss. Das macht etwa 60 Prozent der Analyse aus. Wobei „Signal“ hier nicht unbedingt als klassischer Ausbruch zu verstehen ist, sondern eher als Gesamtbild. Ich arbeite dabei nach dem KISS-Prinzip, es möglichst einfach zu halten („Keep it simple and stupid“). Das heißt, ich betrachte den reinen Chart mit seinen Trends auf verschiedenen Zeitebenen, aber auch Formationen wie Keile, Flaggen, Fibonacci- Level und exponentielle Gleitende Durchschnitte über neun, 50 und 200 Tage oder auch über 20, 90 und 200 Tage, je nachdem. Ergänzend schaue ich mir gelegentlich Indikatoren wie den RSI oder MACD an. Als dritter und letzter Faktor kommt das Sentiment ins Spiel. Hier betrachte ich nicht pauschal das absolute Niveau der Anlegerstimmung, sondern analysiere vor allem im Hinblick auf mögliche Divergenzen zum Kursverlauf, was besonders wertvolle Signale ergeben kann.

TRADERS´: WIE SETZEN SIE IHRE TRADES DANN GENAU UM?

Huber: Ich handle sowohl Hebelprodukte als auch Aktien direkt, je nachdem, wie volatil der jeweilige Wert ist. Am liebsten sind mir „langweilige“ Werte, die ich mit entsprechendem Hebel handle, damit es sich lohnt. Hochvolatile Titel trade ich dagegen direkt oder nur mit kleinem Hebel. Grundsätzlich handle ich nur Hebelprodukte, die genügend Spielraum bis zum Basispreis haben, sodass ich meinen Stopp selbst festlegen kann.

TRADERS´: WANN UND WIE NEHMEN SIE GEWINNE MIT? 

Huber: Wenn sich mein Einsatz verdoppelt hat, nehme ich meist die Hälfte raus, sodass mein Restrisiko praktisch bei null liegt. Den verbleibenden Teil versuche ich dann trendfolgend zu managen, um einen möglichst hohen Gewinn zu erzielen.

TRADERS´: KOMMEN WIR ZU IHREM SPEZIALTHEMA, DEM KRYPTOBEREICH. WIE SIEHT DA IHR TRADING- BACKGROUND AUS?

Huber: Zum ersten Mal habe ich Bitcoin im Jahr 2012 gekauft, damals 20 Stück für rund 500 Euro. Wobei ich dabei sogar einen ziemlichen Zeitverzug hatte, da mein erster Kaufversuch scheiterte und ich dann erst zum doppelt so hohen Kurs zum Zuge kam. Dafür schaffte ich es aber, die Position lange genug zu halten, denn es ging steil bergauf. Erst nachdem der Kurs über 1000 Dollar gestiegen war und wieder zu fallen begann, verkaufte ich einen Bitcoin und hatte damit schon mehr als meinen ursprünglichen Einsatz gesichert. Im Jahr 2017 verkaufte ich dann etwa ein Drittel meines Bestands bei Kursen von über 10.000 Dollar und schichtete diesen Teil in verschiedene Altcoins um.

TRADERS´: DAS NENNEN WIR MAL GUTES TIMING!

Huber: Ja, das war besser, als ich es jemals erwartet hätte. In der Folge habe ich mich dann 2017 auch auf den Kryptobereich spezialisiert.

TRADERS´: WIE SIEHT HEUTE IHR KYPTOPORTFOLIO AUS BEZIEHUNGSWEISE WAS WÜRDEN SIE ALS GUTE ZUSAMMENSTELLUNG BEZEICHNEN?

Huber: Zunächst ist mein Kryptoportfolio kleiner als mein Aktienportfolio, da Letzteres immer noch das klassische und damit wichtigere bewährte Investment darstellt. Durch die extrem hohe Performance der Kryptos hat sich das bei mir inzwischen geändert, aber meine klare Empfehlung an jeden Anleger ist, nicht mehr als fünf bis maximal 20 Prozent des Geldes in Kryptos zu investieren – wobei 20 Prozent schon sehr viel ist. Nur sehr junge und risikofreudige Menschen, die ohnehin meist noch nicht so viel Geld zur Verfügung haben, sollten so hoch greifen. Mein Schwerpunkt bei Krypto liegt nach wie vor bei Bitcoin, was aber der Tatsache geschuldet ist, dass ich wie viele andere Trader damit begonnen und erst später umgeschichtet habe. Für den Fall, dass ich mein Portfolio heute komplett neu aufsetzen müsste, würde ich Bitcoin niedriger gewichten. Ich würde sagen, die drei bis vier größten Kryptos sollten etwa 80 bis 90 Prozent des Portfolios ausmachen und nur der kleine Rest sollte spekulativ auf andere, kleinere Werte (Altcoins) abzielen. Diese sind zwar aussichtsreicher, aber auch riskanter, da in den neueren Lösungen auch potenziell eher Bugs enthalten sind.

TRADERS´: WAS TUN SIE BEI TEILS HEFTIGEN KORREKTUREN, WIE SIE ZULETZT WIEDER ZU BEOBACHTEN WAREN?

Huber: Wenn es deutliche Rücksetzer gibt, kaufe ich nach, insbesondere die Top drei bis vier meiner langfristigen Positionen. Damit habe ich schließlich sowohl bei Aktien als auch bei Kryptos bereits gute Erfahrungen gemacht, auch wenn es sich kurzfristig etwas schwierig anfühlt. Ich gehe dabei graduell vor, da es immer noch den nächsten Rutsch nach unten geben kann. Besonders aufpassen muss man allerdings bei Altcoins, da sich einige davon vielleicht nie wieder von einem Einbruch erholen können.

TRADERS´: WAS WÄREN KONKRETE BEISPIELE FÜR IHRE TOPPOSITIONEN?

Huber: Als Erstes neben Bitcoin (BTC) natürlich Ethereum (ETH), das meiner Einschätzung nach langfristig wohl an Bitcoin vorbeiziehen wird. Denn die Bitcoin-Technologie ist einfach veraltet und auch die Entwickler sind ziemlich altmodisch. Wenn man es mit der Entwicklung der Computer vergleicht, ist der Bitcoin vielleicht eine Art Apple I, der heute ja ähnlich teuer ist, und das bessere Ethereum als programmierbare Währung sozusagen der neuere Pentium PC (der, wie Ethereum, ja auch einen „Bug“ hatte, Stichwort: Ethereum Classic beziehungsweise Ethereum und Fork). Aber auch die nächste Generation ist schon im Anmarsch: Hier ist beispielsweise Polkadot (DOT) zu nennen, das ich gerne mit dem iPhone vergleiche und sich als Nachfolger von Ether etablieren könnte. Außerdem könnte Cardano (ADA) als Beimischung interessant sein.

TRADERS´: IST ES EIN GENERELLES RISIKO, DASS EINE TECHNOLOGIE VON DER NÄCHSTEN, BESSEREN VERDRÄNGT WIRD?

Huber: Ja, das kann durchaus als Risiko aller Kryptos gelten. Allerdings muss man auch sehen, dass viele heutige Projekte bereits auf Ethereum basieren, sodass hier keine sofortige Verdrängung zu erwarten ist. Wenn, dann sollte es eher eine graduelle Verschiebung in Richtung der neuen, besseren Coins geben. Aber zunächst sehe ich eine weitere Verschiebung in Richtung Ethereum.

„Vieles entwickelt sich in Richtung Decentralized Finance (DeFi).“

TRADERS´: KURZ ZUM VERSTÄNDNIS, KÖNNEN SIE UNS DEN UNTERSCHIED ZWISCHEN COINS UND TOKEN ERKLÄREN?

Huber: Ein Coin ist die Bezeichnung für Kryptoprojekte, die eine eigene Blockchain besitzen, wie der Bitcoin. Ein Token ist dagegen ein Projekt ohne eigene Blockchain. Ein Beispiel dafür ist Fetch.ai, ein Start-up im Bereich künstliche Intelligenz aus Asien. Es hat einen Token begeben, um sich damit zu finanzieren, was vom Prinzip her wie eine Aktie zu sehen ist.

TRADERS´: WAS SAGEN SIE ZUM BEISPIEL BEI ETHEREUM DAZU, DASS DESSEN ABSOLUTE MENGE NICHT WIE BEI BITCOIN GEDECKELT IST – DAS KÖNNTE DAS AUFWÄRTSPOTENZIAL DOCH ENTSCHEIDEND BEGRENZEN, ODER?

Huber: Sicherlich hat die festgelegte Obergrenze dem Bitcoin geholfen, was die vergangene Kursentwicklung angeht. Allerdings hat auch Ethereum eine Obergrenze dafür, was pro Jahr neu dazukommt. Und da diese Grenze absolut definiert ist, wird die relative Zunahme mit höherer Anzahl von im Umlauf befindlichen Coins zunehmend geringer, was dann einer Art Inflationsrate entspricht. Durch die hohe Nachfrage nach ICOs und Staking ist es aber auch so, dass dem Ökosystem ständig Coins entzogen werden, die dann entsprechend gebunden sind. Die fehlende Deckelung bei der Anzahl der Coins muss also nicht unbedingt ein Problem sein, sondern kann umgekehrt auch dazu beitragen, dass die Technologie häufiger eingesetzt wird, da nicht wie bei Bitcoin zunehmende Engpässe zu erwarten sind.

TRADERS´: TRADEN SIE NEBEN DEM LÄNGERFRISTIGEN PORTFOLIO AUCH KURZFRISTIG IN KRYPTOS?

Huber: Ja, mit ähnlichem Ansatz wie bei Aktien. Allerdings ist hier die fundamentale Einschätzung beziehungsweise Bewertung natürlich schwieriger, sodass die Technische Analyse eine noch höhere Bedeutung bekommt. Ein gutes Beispiel ist der EMA(20), der beim Bitcoin regelmäßig gut funktioniert hat. Auch die Sentimentanalyse gestaltet sich schwierig, wobei es hier inzwischen einige Sachen gibt wie etwa einen eigenen Krypto-Fear-&-Greed-Index. Da die meisten Kryptos auch sehr volatil sind, braucht es in der Regel keinen Hebel im Trading. Erstaunlicherweise sind aber trotzdem recht unsinnige Angebote verfügbar, etwa ein Hebel von bis zu 125 (!) auf Binance.

TRADERS´: WELCHE INTERESSANTEN TRENDS SEHEN SIE IM KRYPTOBEREICH GANZ ALLGEMEIN?

Huber: Vieles entwickelt sich in Richtung Decentralized Finance (DeFi). Ein Beispiel ist die chinesische Kryptowährung Neo, mit der man ähnlich wie auf einem Sparbuch Zinsen erzielen kann, die zuletzt im Bereich von knapp drei Prozent im Jahr lagen (Yield Farming). Solche Modelle können künftig durchaus für viele Anleger interessant werden. Die Assets können aber auch verliehen und damit Erträge erzielt werden. Daraus scheint sich ein ganz eigenes neues Finanzsystem im Hintergrund zu entwickeln, das die Regulierung noch nicht so ganz auf dem Schirm hat. Eine Kenngröße ist hier der „Total Value Locked“ (TVL), der das in DeFi investierte Anlagevermögen beschreibt. Und dieses Volumen ist in kurzer Zeit schon deutlich angestiegen. Als Kryptoanleger beziehungsweise -Trader hat man also vielleicht einen der besten frühen Berührungs- und Einstiegspunkte in diese neue Welt.

Das Interview führte Marko Gränitz.