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Satellite Survivor: 1968er Plymouth Satellite


Gasoline - epaper ⋅ Ausgabe 1/2020 vom 23.01.2020

Der Name Satellite war klug gewählt: Die meisten assoziierten die bei Plymouth 1965 eingeführte Modellbezeichnung mit hypermoderner Weltraumtechnik. Und die anderen störten sich wie Karim keineswegs daran, mit dem B-Body einen „Begleiter“ gefunden zu haben.


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Bildquelle: Gasoline, Ausgabe 1/2020

Die späten 60er waren eine gute Zeit für US Cars. Die Motoren stark wie nie zuvor, Fahrwerke, Reifen und Bremsen nur noch halb und nicht mehr komplett überfordert, dazu die ersten Sicherheitsvorschriften – alles spitze! Da konnte man es als Kunde kaum erwarten, endlich die Geldbörse zu zücken. Auch gab es jetzt eine beachtliche Auswahl an ...

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... Ausstattungs- und Fahrzeugklassen. 20 Jahre zuvor, als die US-Hersteller langsam anfingen, statt weitergebauter Vorkriegs- die ersten Nachkriegskonstruktionen einzuführen, gab es ein Modell in verschiedenen Ausführungen und Trims. Ab 1960 ging es dann Schlag auf Schlag: Zuerst legten sich neue heimische Kompaktwagen mit dem Importkracher VW Käfer an, dann schlossen neue Midsize-Modelle die Lücke zwischen den Compacts und den traditionellen Fullsizes. Das Publikum fand das alles ganz reizend, weswegen unter den Big Three und AMC natürlich alsbald mit harten Bandagen um Marktanteile und Absatz gekämpft wurde. Gänzlich neue Autos kamen alle paar Jahre, und 1968 gab es bei den auch Intermediates genannten Midsize-Wagen geradezu einen Overkill: ALLE NEU! Okay, bei AMC nicht, aber um den abgeschlagenen Vierten aus Wisconsin kümmerte sich in den Detroiter Chefetagen ohnehin keiner, was in zunehmendem Maße auch für die Kunden galt. Ford wie auch Schwestermarke Mercury offerierten 1968 neben dem neuen, als Sportsroof bezeichneten Fastback zweitürige Hardtops und Convertibles sowie viertürige Sedans und Kombis. Die GM-Divisionen Chevrolet, Pontiac, Oldsmobile und Buick brachten ihre legendären A-Bodys als zwei- und viertürige Sedans wie Hardtops mit flottem Semi-Fastback; Cabrios und fünftürige Wagons waren selbstverständlich mit von der Partie. Nahezu identisches Karosserieprogramm bei den Chrysler-Töchtern Plymouth und Dodge. Statt eines 4dr Hardtop gab es einen ganz besonderen 2dr Hardtop – den Dodge Charger. Und während sowohl die GM- als auch die Mopar-Erzeugnisse quasi sofort zu Klassikern wurden, schafften es ihre Blue-Oval-Rivalen, bis auf wenige Ausnahmen vergessen zu werden und konnten sich demgemäß als Oldtimer speziell in Europa so gut wie gar keine Fanbase aufbauen. Woran es lag? Da lässt sich nur spekulieren.

Blue Oval oder Pentastar? Beides!

Einer, der so ein vergessenes Ford-Midsize-Modell sein eigen nennt, ist Karim, dessen Onkel sein Interesse an US Cars geweckt hat, als er noch ein kleiner Junge war. „Unter anderem brachten mich Kultserien wie Knight Rider an die Materie. Danach habe ich begonnen, Auto-Karten vom Kiosk zu sammeln und eignete mir so mein Wissen über historische Fahrzeuge schon in jungen Jahren an. Der größte Wunsch war immer, einen eigenen Oldtimer zu besitzen … und nicht nur irgendeinen.“ Doch zu seinem vergleichsweise unbekannten Ford Elite, Mitte der 70er als schnelle Antwort auf den expandierenden Personal-Luxury-Coupe-Markt lanciert, gesellt sich ein weitaus geläufigerer Typ – sein 1968er Plymouth Satellite. Gegenüber den neuen GM- und Ford-Intermediates, die nicht allzu viele Ähnlichkeiten mit ihren Vorgängern zeigten, waren die Chrysler B-Bodys deutlich leichter als solche zu identifizieren – sei es die Beibehaltung der waagerechten Doppelscheinwerfer, sei es die überaus markante, sich nach unten verjüngende C-Säule der geschlossenen Zweitürer. Heute noch bemerkenswert ist die enorme Designleistung, ein derart großes Fahrzeug so schlicht zu gestalten, ohne es dabei plump aussehen zu lassen. Wie die meisten Mitbewerber bot Plymouth, in der Chrysler Corporation für die Brot-und-Butter-Autos zuständig, seine mittelgroßen Wagen in verschiedenen Ausführungen an. Am unteren Ende stand der nie pfostenlose und immer ziemlich ärmliche Belvedere, darüber rangierten der gediegene Satellite und der flotte Sport Satellite. Der im Vorjahr als vergleichsweise kommoder Edelrenner eingeführte GTX war wieder mit von der Partie, nun aber nicht mehr allein: Neu war für den 1968er Jahrgang der als Low-Budget-Racer konzipierte Road Runner, der sich sofort in die Herzen und ins Gedächtnis aller Petrolheads fuhr. Beep beep! Der verkaufte sich prächtig, doch der wahre Gewinn war sein unschätzbarer Wert als Imageträger und Halo Car, dessen Glanz auf andere abstrahlte. Davon profitierten auch die weniger exaltierten Modelle wie eben der Satellite: 44.598 Road Runner und 18.272 GTX standen 148.136 Satellite und Satellite Sport sowie 41.898 Belvedere gegenüber. Damit verbuchten letztere drei Versionen einen gehörigen Absatzsprung – im Vorjahr hatten sie nur 115.712 Kunden zu überzeugen vermocht.

Fahren mit dem Filmstar

Zum Mopar kam der Berliner auf Umwegen, als er eines schönen Apriltages 2016 einen Händler im nahen Zerpenschleuse aufsuchte, um dort das Oldtimer-Angebot mal genauer unter die Lupe zu nehmen. „Meine Verlobte und ich spielten mit dem Gedanken, als Ergänzung zu unserem 1975er Ford Gran Torino Elite vielleicht mal einen Pick-up zu kaufen. Online hatten wir einen 1965er Ford F250 gefunden, der unser Interesse weckte. Die Probefahrt verlief jedoch nicht gut, da der Motor überhitzte. Zurück auf dem Autohof schauten wir uns weiter um. Am anderen Ende des Hofs stand er dann, das Traumauto schlechthin – der Satellite. Die Plymouth Intermediates, egal ob Road Runner, GTX, Belvedere oder Satellite, waren schon immer meine Traumautos. Wir waren hin und weg. Noch während der Probefahrt stand für meinen Schatz und mich fest, dass der Satellite DAS Auto ist. In jenem Moment war es allerdings undenkbar, ihn nun auch wirklich zu kaufen, wir spielten ja erstmal nur mit dem Gedanken.“ Der Wagen blieb natürlich dauerhaft im Hinterkopf. Etwa sechs Monate später stellte Karim fest, dass der Preis für den Satellite herabgesetzt war, und so ging es abermals zu dem kleinen Händler. Das Paar war sich sofort einig und griff zu. „Besonders gefallen an dem Wagen hatte mir, dass er in einem super Originalzustand war. Der Verkäufer war sehr nett und erzählte uns unter anderem, dass der Wagen für den Film „Route B96“ verliehen worden war. Später schrieb ich dem Regisseur, dass ich das Auto gekauft hätte, und er schickte uns postwendend eine Blu-ray des Films. Ich freute mich mega.“

History Channel presents …

Das Auto trägt auch heute noch die Händlerplakette der Chrysler-Plymouth-Vertretung Lloyd McKee. Die hatte der 1924 geborene Texaner Lloyd Walter McKee 1956 in Albuquerque im benachbarten New Mexico eröffnet. „Ich hatte im Rahmen meiner Recherchen via Facebook Kontakt zu Ralf Hafner aufgenommen, einem texanischen Autohändler. Dieser bestätigte mir, dass der Satellite mit David H. Spaeth aus Gainesville, Texas, nur einen Vorbesitzer in den USA hatte und dass er den Wagen Ende 2013 für seinen Freund an die brandenburgische US-Car-Handlung verkauft hatte. Diese Informationen fand ich nicht nur aus historischer Sicht interessant, sie bestätigten auch die Richtigkeit der vorliegenden Unterlagen.“ Vom Werk angebrachte Originalmerkmale wie Fendertag und Buildsheet sowie Stempel im Kofferraum sind nach 52 Jahren noch vorhanden; zudem hatte das ab 2.688 Dollar erhältliche V8-Coupe das Werk mit allerhand Extras verlassen. Good Ol’ Davey hatte sich einiges gegönnt, sonderlich kostspielige Posten waren aber nicht sein Ding. So ließ er sich das Exterieur durch das Vinyldach in Antique Green für 81,60 und die Zierleiste für 13,20 Dollar verschönern. Statt der Vinyl-Stoff-Sitzbezüge orderte er bei seinem Landsmann das Vollvinyl-Interieur für 24,20 Dollar, das Light Package mit illuminiertem Zündschloss und Blinkerkontrollleuchten für 36,45 Dollar sowie das Solid State AM-Radio für 61,55 Dollar. Ferner wollte David die Servolenkung für 94,85 Dollar genauso wenig missen wie getönte Scheiben für 39,50 Dollar. Unter der mit Unterbodenschutz für 16,10 Dollar versehenen Karosse durften es die Torqueflite-Automatik für 206,30 Dollar und der 318 ci Small Block mit 230 PS und 461 Nm für weitere 30,05 Dollar sein; als Basis-V8 fungierte 1968 letztmalig der aus Barracuda und Valiant bekannte 273er. Die zweizöllige Doppelauspuff-Anlage gab es beim 318er weder für Geld noch für gute Worte, sie fand nachträglich zum Wagen und macht mithilfe von 2,5 Zoll messenden Flowmaster-Super-10-Töpfen anständig auf ihn aufmerksam. Die breiten 15-Zoll-Räder mit Dog-Dish-Radkappen eines GTX dürften irgendwann nachgerüstet worden sein. So legt das uralte Ersatzrad nahe, dass David vielmehr 14-zöllige Goodyear Polyglas-Weißwandreifen bestellt hatte.

Der nicht durchgehende Hupring zeichnete das Standardlenkrad aus, die Vollvinyl-Ausstattung war indes aufpreispflichtig


Den zwischen den Scheinwerfern eingezogenen Grill übernahm Plymouth vom Vorgängermodell; die Oldsmobile-Intermediates trugen ein ganz ähnliches Design


Auch unter der Kofferraummatte kein Fleckchen Gammel. Beim Ersatzrad dürfte es sich noch um das erste, ab Werk mitgelieferte handeln


Die Blinkerkontrollleuchten kamen im Light Package und gehören wie die große Zierleiste davor zu den wenigen Extras an Karims Wagen


Erinnerung an den Fahrer, Ampelrennen auszulassen oder aber zu provozieren: Er hat stets die Motorgröße auf der Rückseite des Haubenemblems vor Augen


Kleina Bruda: Barracuda! Die Silhouette des 1967 lancierten Plymouth Barracuda Coupes gleicht der des Satellite fast aufs Haar


Zu seinem Ford Elite wollte Karim eigentlich einen F250 kaufen. Das Rennen machte der Satellite


Die wie immer schlampig eingeklebte Wagenheber-Anleitung sowie Hinweise zu Kühlwasser und Leerlauf: alles original!


Lloyd Walter McKee hatte als Autohändler und später im Immobilienbereich große Erfolge verbucht; er starb am 27. Dezember 2018 im hohen Alter von 94 Jahren


Sehr gut statt gut

„Das Auto ist ein absoluter Survivor, dem trockenen Klima seiner Südstaaten-Heimat sei Dank. Selbst das Vinyldach ist in einwandfreiem Zustand, sicherlich stand der Satellite immer in einer Garage. Umbauten oder Reparaturen waren aufgrund des guten Zustands nicht erforderlich, normale Wartung und Pflege taten es völlig.“ Im Dezember 2016 wurde ein Wertgutachten erstellt. Das Ergebnis war eine 2+, bemängelt wurde lediglich das Lackbild. Damit hatte der Gutachter recht, das Farbkleid war stumpf und wirkte grau statt avocadogrün. Was der Wagen dringend brauchte, war eine Aufbereitung des Lacks. Danach fiel der Unterschied heftig aus. Der Originallack strahlt wieder! Ein neues Gutachten brachte eine 1−. Die will Karim nicht gefährden und passt beim Einkauf daher besonders auf: „Sollten mal Ersatzteile benötigt werden, kaufe ich eigentlich immer beim Moparshop ein, damit es sich um „wie ab Werk verbaute Teile“ handelt. Mein Ziel ist es, den Satellite so original wie möglich zu halten.“ Einen temporären Umbau in puncto Dekor wird es aber 2020 geben: Dann wird der Satellite Karim und seiner Lady als Hochzeitsauto dienen!

Der 318 ci Small Block mit 230 PS steckte von Anfang an im Satellite


Grün-Grün steht auch dem höher positionierten Sport Satellite prima – hier übrigens ohne die an Karims Wagen verbaute Chromleiste auf der Gürtellinie


Filmstar: Der Plymouth spielte die automobile Hauptrolle im Roadmovie „B96“


Eine Verkaufsbroschüre zu den fünf Midsize-Modellen durfte nicht fehlen

1968er Plymouth Satellite 2dr Hardtop

Motor: Chrysler LA-OHV-V8; Hubraum: 5.211 cm³ (318 ci); Bohrung: 99,3 mm, Hub: 84,1 mm; Verdichtung: 9,2:1; Leistung: 230 PS bei 4.400 U/min; Drehmoment: 461 Nm bei 2.800 U/min. Gemischaufbereitung: Carter-Doppelvergaser. Auspuffanlage: doppelflutig. Antrieb: Hinterachse, Dreistufen-Automatik. Aufhängung: Vorderachse: Querlenker, Torsionsstäbe; Hinterachse: Längsblattfedern, Monroe-Hijackers, Starrachse. Bremsen: rundum Trommelbremsen mit Bremskraftverstärker. Räder: Coker-Stahlräder 7×15 und 8×15; Reifen: BF Goodrich Radial GT 215/70 R15 und 255/70 R15. Karosseriemaße (mm): L: 5.149, B: 1.941, H: 1.334. Gewicht (kg): 1.530. Radstand (mm): 2.946. Tankinhalt (l): 72. Höchstgeschwindigkeit: 193 km/h. Preis (1968): ab 1.832 Dollar.


Fotos: Sebastian Querengässer