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Sauber oder Sauerei?


Wild und Hund - epaper ⋅ Ausgabe 2/2019 vom 17.01.2019

Vor dem Hintergrund der Afrikanischen Schweinepest (ASP) haben Wissenschaftler den Einsatz von Saufängen untersucht. Welche Methoden und Modelle gibt es? Wie ist ein sach- und vor allem tierschutzgerechter Einsatz der Fallen möglich?


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Matthias Neumann, Dr. Egbert Gleich, Dr. Frank Tottewitz, Grit Greiser


Foto: shutterstock

Die Sauenbestände in Deutschland sind auf Rekordhöhe und wachsen – trotz hoher Jagdstrecken – seit Jahren weiter an. Diese Entwicklung wird von regional zunehmenden Wildschäden, Verkehrsunfällen und dem Vordringen von Schwarzwild in Siedlungsbereiche begleitet. Hinzu kommen ...

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Die Sauenbestände in Deutschland sind auf Rekordhöhe und wachsen – trotz hoher Jagdstrecken – seit Jahren weiter an. Diese Entwicklung wird von regional zunehmenden Wildschäden, Verkehrsunfällen und dem Vordringen von Schwarzwild in Siedlungsbereiche begleitet. Hinzu kommen brandaktuelle Fragen der Tierseuchenprävention (Schwarzwild als ASP-Überträger und Seuchenreservoir) sowie der Gefahr für die kommerzielle Schweinehaltung.

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) hält daher eine deutliche Verringerung der Schwarzwildbestände, insbesondere auch vor dem Hintergrund der drohenden Einschleppung der ASP, für dringend geboten. Im Seuchenfall kann es zudem notwendig werden, betroffene Bestände zu eliminieren oder gefährdete Populationen lokal drastisch zu reduzieren, um Übertragungsketten zu unterbrechen und einem weiteren Ausbreiten der ASP entgegenzuwirken.

Es stellt sich dabei die Frage, welche ergänzenden jagdlichen Möglichkeiten bestehen, um die Jagdstrecke weiter zu steigern?

Bei der Lotin-Falle aus Schweden sind sowohl kontrollierte als auch Selbstauslösung möglich.


Foto: Matthias Neumann

Gibt es im Lebensraum viel Fraß, wird der Fang der Sauen deutlich schwieriger.


Foto: Michael Migos

Der Bejagungsdruck auf Schwarzwild lässt sich mit herkömmlichen Jagdmethoden nicht beliebig erhöhen. Zum einen wegen des damit verbundenen Zeitaufwands für die Jäger, zum anderen wegen der damit einhergehenden weiteren Beunruhigung der Sauen sowie auch anderer Wildarten. Das BMEL beauftragte daher das Thünen-Institut für Waldökosysteme (Eberswalde) im vergangenen Jahr, ein wissenschaftlich- praktisches Fachgespräch zu Erfahrungen mit Schwarzwildfängen zu veranstalten.

Die deutsche Schwarzwildstrecke im Jagdjahr 2017/18 in Höhe von 836 873 erlegten Stücken ist Ergebnis einer intensiven Bejagung. Bisher beruht diese überwiegend auf dem Abschuss im Rahmen von Einzel- und Gesellschaftsjagden (geschätzt etwa 95 Prozent [%]). Unfallwild und sonstiges Fallwild tragen weitere vier bis fünf % zur Gesamtstrecke bei. Zum Anteil der in Saufängen erlegten Stücke liegen keine Daten vor.

Schwarzwildfänge können allerdings nur andere Jagdarten ergänzen. Aufgrund ihrer spezifischen Eigenschaften leisten sie insbesondere dort, wo her-kömmliche Jagdmethoden an ihre Grenzen stoßen oder wo die Jagd wegen eines Schutzziels ruht, einen relevanten Beitrag zur Reduktion und zur Seuchenprävention, beispielsweise in Großschutzgebieten mit ausgedehnten Jagdruhezonen, befriedeten Bezirken, jagdberuhigten Waldgebieten mit Intervalljagdkonzepten.

Aus aktueller Sicht muss hinsichtlich des Einsatzes von Saufängen zwischen der Zeit vor einem ASP-Ausbruch (Prävention) und dem Seuchenfall (Tilgungsphase) unterschieden werden. In letzterer Phase sind die speziellen Rechtsnormen und hohen Anforderungen an die Biosicherheit (Gefahr der Einschleppung des ASP-Virus in Nutztierbestände) in dieser Situation zu berücksichtigen.

Die Fallenjagd auf Schwarzwild ist eine im Bundesjagdgesetz grundsätzlich vorgesehene und geregelte Jagdmethode. Sie muss genehmigt werden, aber sie ist nicht verboten. Nach einem Urteil des Verwaltungsgerichts Darmstadt (VG Darmstadt, Urteil vom 4. April 2016 - Az.: 4K 1750/14.DA -, juris) sind Kastenfallen, also mobile Kleinfänge zum Lebendfang von Frischlingen, sogar genehmigungsfrei.

Vorbehalte und ablehnende Haltungen gegenüber Saufängen sind nicht neu. Besonders ihr Einsatz in den 1980er- Jahren, als die Bekämpfung der Klassischen Schweinepest nach derartigen Maßnahmen verlangte, haftet bei vielen Jägern noch negativ an. Dabei muss aber berücksichtigt werden, dass heute ganz andere technische Möglichkeiten zur Verfügung stehen und ein tierschutzgerechter Einsatz gewährleistet werden kann. Wie bei allen anderen Jagdarten auch, stehen beim Saufang drei Dinge ganz oben: Tierschutz, Unfallschutz und Sicherheit gegenüber Dritten. Dies wird über das Überwachen mit Fotofallen, Kameras oder Fangmeldern gewährleistet. Auf jeden Fall sind die jeweiligen gesetzlichen Regelungen einzuhalten oder Ausnahmen zu beantragen. Sachgerecht angewandt, üben sie den vergleichsweise geringsten Jagd- und Störungsdruck für Sauen sowie auf andere Wildtiere aus, auch nachts. Zudem ist ein eindeutiges Ansprechen möglich (Elterntierschutz), und Fehlfänge können freigelassen werden, Nachsuchen fallen erst gar nicht an.

Mit einem kontrollierten Auslösemechanismus können Fehlfänge vermieden und selektiv Frischlinge gefangen werden.


Foto: Egbert Gleich

Für den unversehrten Lebendfang von Sauen stehen unterschiedliche Konzepte und Bauweisen zur Verfügung. Diese reichen von transportablen Kleinfängen bis hin zu großen, ortsfest verbauten Fanganlagen (Fangkorrälen). Die Übergänge zwischen mobilen und stationären Fanganlagen sind aufgrund moderner Modulbauweisen, der Verfügbarkeit handelsüblicher Baumaterialien, beispielsweise großformatige Holzverbund- und Drahtgitterelemente, heute fließend.

Mobile Kleinfänge sind meist kastenfallenähnliche, relativ einfach transportier-, montier- und erweiterbare Fallen, die oft mit einem Falltor ausgestattet sind. Hinsichtlich des Kugelfangs ist gewachsener Boden einem festen Fußboden vorzuziehen. Wichtig ist auch, auf eine Bodensicherung gegen Aushebeln durch gefangene Stücke zu achten. Mobile Kleinfänge gibt es in unterschiedlichen Bauweisen: Drahtgitterfallen (Grundfläche 2 x 2 Meter [m]), Metallkastenfallen (etwa 3 x 1 m) sowie in Holzbauweise (2 x 6 m). Sie sind kostengünstig und flexibel einsetzbar. Die maximale Zugangshöhe des Fangtors ermöglicht den selektiven Fang von Frischlingen. Zudem sind sie weniger auffällig als stationäre Anlagen.

Vorbehalte gegenüber Saufängen werden häufig mit Berichten über panisches Verhalten der gefangenen Stücke in Verbindung gebracht. Diese Panik wird verhindert, indem blickdurchlässige Drahtgitterfallen/Kastenfallen nur bei Dunkelheit und mit kontrollierter Auslösung eingesetzt werden.

Stationäre Fangkorräle sind ortsfest verbaut und meist gegen Untergraben gesichert. Dadurch sind sie ortsgebunden und oft größer als mobile Kleinfänge. Die Maße der in Deutschland erfolgreich eingesetzten Fanganlagen schwanken zwischen etwa 80 und 200 Quadratmetern (m²) (Länge: 10 bis 20 m, Breite: 5 bis 10 m). Zum Schutz vor Überspringen sollten die Seitenwände mindestens 1,80 m hoch sein. Bei Anlagen, die bei Tageslicht eingesetzt werden, wird eine durchgängige Sicht-Verblendung mit Brettern oder anderen geeigneten Materialien unbedingt empfohlen. Der Grundriss stationärer Fanganlagen ist meist in ovaler Form. Das hat den Zweck, schlecht einsehbare Ecken zu vermeiden (Schussfeld) und dient auch dem Tierschutz: Gefangene Stücke können so an der Wand entlangziehen, ohne dass ihr Lauf in einer Ecke stockt. Im Gegensatz zu mobilen Kleinfängen sind stationäre Anlagen nach oben offen. Dadurch muss der Fangbetreiber die Sauen nicht aus unmittelbarer Nähe erlegen (Stressvermeidung). Es empfiehlt sich der Schuss von einer geschlossenen Kanzel aus, die neben der Anlage errichtet wird.

Welcher Fanganlagentyp eingesetzt wird, entscheidet der Fangbetreiber entsprechend der jeweiligen jagdlichen Zielstellung – beispielsweise zeitlich begrenzte Interventionsmaßnahme für akute Schadenschwerpunkte oder Dauereinrichtung und angestrebte Fangmenge, dem lokalen Bestand sowie den Standortverhältnissen. Hinzu kommen die jeweiligen Rahmenbedingungen, wie Kosten und Genehmigungsauflagen. Mobile und stationäre Fanganlagen unterscheiden sich hinsichtlich der möglichen Fangzahlen kaum. Ein wesentlicher Grund hierfür sind die typischen Rottenstrukturen des Schwarzwilds. Mehrere Betreiber berichteten über maximale Fangzahlen pro Einsatz von bis zu 24 gefangenen Sauen (überwiegend Frischlinge). Als Lockmittel haben sich Mais in Verbindung mit Buchenholzteer bewährt. Beim Beschicken der Fallen sind die landesspezifischen Bestimmungen sowie die gegebenenfalls in der Genehmigung enthaltenen Vorgaben zu beachten.

Die Kanzel neben dem Fangkorral dient dem stressfreien Erlegen der gefangenen Sauen. Das Fangtor wird meist mittels Selbstauslöser geschlossen.


Fotos: Franz Baierl

Die Maße der in Deutschland eingesetzten Fangkorräle schwanken zwischen 80 und 200 m2 und haben eine ovale Form.


Aus tierseuchenrechtlichen und -prophylaktischen Gründen dürfen weder Aufbruch noch Speisereste verwendet werden. Bei fängisch gestellten Fallen darf Futter- oder Lockmittel aus Tierschutzgründen nur auf der dem Falltor abgewandten Seite in der Falle ausgebracht werden, keinesfalls unter dem Falltor. Falls keine zeitnahe Fangkontrolle möglich ist, muss das Tor gegen unbeabsichtigtes

Auslösen gesichert werden. Beim Auslösemechanismus des Fangtors wird zwischen kontrollierter und Selbst-Auslösung unterschieden. Bei ersterer bestimmt der Fänger den Zeitpunkt des Auslösens und kann damit das Fangergebnis steuern (Auslösung erst, wenn beispielsweise alle Rottenmitglieder oder die gewünschte Stückzahl in der Falle sind). Daher ist eine kontrollierte Auslösung effizienter, sicherer und tierschutzgerechter einsetzbar. Die Auslösung des Fangschlosses kann sowohl manuell, beispielsweise durch Handzug an einer Schnur, als auch elektronisch (Fernauslösung) erfolgen. Voraussetzung dafür ist Sichtkontakt zur Fanganlage (etwa mittels elektronischer Live-Bildübertragung oder IR-Videokamera). Hält sich der Fänger bei der Auslösung in Fallennähe auf, sollte auf den Wind geachtet werden. Der Betreuungsaufwand ist insgesamt höher.

Bei Selbstauslösung wird das Fangtor vom Wild ausgelöst, indem es den fängisch gestellten Schließmechanismus aktiviert. Das Risiko von Fehlfängen ist dabei gegeben. Bei kontrollierter Auslösung kann der Fang unerwünschter Arten hingegen weitgehend ausgeschlossen werden. Neben Sauen wurden in mobilen Drahtgitterfallen auch viele weitere Wildarten dokumentiert. Besonders empfindlich reagiert Rehwild, vor allem in Drahtgitterfallen. Beim Versuch freizukommen, können sie sich mitunter auch tödlich verletzen. Aus Tierschutzgründen darf die Fanganlage daher nur fängisch gestellt werden, wenn unmittelbarer Zugriff erfolgen (kontrollierte Auslösung) oder ein zeitnaher Zugriff nach Selbstaus- lösung (SMS-Benachrichtigung) sichergestellt werden kann. Im Übrigen sollte die Selbstauslösung vorzugsweise bei stationären Fanganlagen genutzt werden.

Mais lockt die Stücke ins Innere. Bis zu 24 Sauen wurden pro Einsatz gefangen. Auch zum Besendern oder Markieren eignen sich Saufänge.


Fotos: Egbert Gleich

Drahtgitterfallen gibt es ab etwa 1 000 Euro im Handel.


Prinzipiell können Saufänge ganzjährig eingesetzt werden. Je weniger Nahrung im Umfeld vorhanden ist, desto höher ist der Anreiz für das Schwarzwild, die Anlagen anzunehmen. Bei viel Fraß ist es schwer, die Sauen zu fangen. Für den effektiven Fang von Frischlingen eignet sich besonders die Zeit von Mai bis Juli.

Die Erfahrungen zum Verhalten der Schwarzkittel in den Fängen belegen, dass sie sich sogar schnell an Anlagen gewöhnen können (Fangvertrautheit). Stress setzt erst ein, wenn sich ein Mensch der Falle nähert. Frischlinge verhalten sich dann meist ruhig. Bei Überläufern und älteren Stücken kann es zu intensiveren Reaktionen (Hochspringen, Angriffsversuche) kommen. Daher sind, entgegen sonst üblicher Praxis, stärkere Sauen vor jungen zu erlegen. Insgesamt kann und sollten diese Stresssituationen durch besonnenes und sachgerechtes Verhalten so schnell wie möglich beendet werden. Bei kaum einer anderen Jagdart sind die Voraussetzungen für ein tierschutzgerechtes Erlegen so günstig – gute Treffer sind die Regel, und Fehlschüsse können sofort korrigiert werden. Die Tötung der gefangenen Sauen sollte in der Anlage erfolgen. Ein Umsetzen in einen Abfangkasten würde Stress für die Stücke und ein erhöhtes Unfallrisiko für den Fänger bedeuten. Für eine sichere Schussabgabe und eine gute Trefferlage sind ausreichende Lichtverhältnisse erforderlich. Das gilt insbesondere dann, wenn bei Dunkelheit geschossen wird. Ein Beleuchten des Ziels ist dann unerlässlich (lokal Ausnahmegenehmigung erforderlich). Sauen reagierten dabei auf rotes oder grünes Licht weniger beunruhigt als auf weißes.

Etwa 95 Prozent der Gesamtstrecke an Schwarzwild werden mit traditionellen Jagdarten erlegt. Bei ASP-Ausbruch könnte sich das ändern.


Foto: Karl-Heinz Volkmar

Für eine sofortige , sichere Tötung empfiehlt sich in Kleinfängen vorzugsweise der Kopfschuss. Er ist beim Verwenden von kleinkalibriger Munition (genehmigungspflichtig) der einzig zulässige Schuss und muss den Hirnschädel (Großhirn und Hirnstamm) treffen. In einigen Ländern werden Saufänge der Fangjagd zugeordnet, und damit gelten die gesetzlichen Regelungen für Fangschüsse. Mit hochwildtauglichen Kalibern kann auch der Schuss auf die Kammer erfolgen. Trotz Schweißresten in den Fallen wurde die Anziehung der Anlagen auf weitere Sauen wenig beeinträchtigt.

Wer eine Fanganlage für den Lebendfang von Schwarzwild betreiben möchte, der muss im jeweiligen Revier zur Jagdausübung berechtigt sein. Zudem sollte er sich bereits im Vorfeld eingehend informiert und in die erforderlichen Kenntnisse eingearbeitet haben. Der Erwerb der Sachkunde ist ein Gebot der Waidgerechtigkeit, selbst wenn dies eventuell im jeweiligen Landesjagdgesetz nicht explizit gefordert wird. Zudem erscheint es sinnvoll, dass Reviernachbarn bei der Schwarzwildbejagung und dem Einsatz von Saufängen revierübergreifend agieren.

Das Fangen von Schwarzwild betrifft aber nicht nur die Jäger, sondern ist besonders dort, wo die Sauenschäden überhandnehmen, ein gesamtgesellschaftliches Thema. Daher kann es sinnvoll sein, bei Jagdgenossenschaften oder Kommunen nachzufragen, ob diese zur Kostenteilung oder zum Aufbau und Betrieb der Fanganlage beitragen können, etwa durch Bereitstellen von Baumaterialien, Helfern oder Transportkapazitäten für die Wildbergung. Pro Fangereignis können größere Strecken und Wildbretmengen anfallen. Der Fallenbetreiber sollte im Vorfeld entsprechende Vorkehrungen bezüglich Logistik, für zeitnahes Bergen, Aufbrechen, Versorgen sowie Vermarkten oder zur sachgerechten Entsorgung (im Seuchenfall) treffen.

Der Lebendfang von Sauen ist eine sehr störungsarme Jagdart, die sich gut mit anderen jagdlichen Methoden kombinieren lässt und die besonders eine jagdliche Option für Revierverhältnisse bietet, in denen die Sauen nur schwer zu bejagen sind. Gerade für große Wald- und Schilfgebiete, Großschutzgebiete, Siedlungsbereiche oder Großstädte stellt die Fangjagd eine effektive zusätzliche Jagdart dar. Der sach- und tierschutzgerechte Einsatz von Saufängen erfordert allerdings spezifische Sachkenntnisse sowie eine intensive Betreuung der Anlagen. Sie sind daher nur dann zu empfehlen, wenn der Fänger oder seine Beauftragten über die erforderlichen Sachkenntnisse sowie genug Zeit für die Betreuung verfügen.

Da Jagd nicht nur Befürworter hat, sind Fragen der Akzeptanzförderung innerhalb der Jägerschaft sowie in der Gesellschaft sehr wichtig. Sachgerecht angewandt erfüllen Saufänge durchaus die Normen Tierschutz, Unfallschutz und Sicherheit gegenüber Dritten. Besonders in Vorbereitung eines möglichen ASP-Ausbruchs ist es wichtig, das vorhandene Wissen um Schwarzwildfänge zu sammeln und zu kommunizieren, um im Ernstfall vorbereitet zu sein. Innerhalb der Jägerschaft haben der Wille zur Reduktion und die Bereitschaft zum Einsatz von Saufängen die zentralste Bedeutung. Die Fanganlagen werden aktuell vor allem dort eingesetzt, wo bereits positive Erfahrungen gemacht wurden. Diese sollten transparent kommuniziert werden, um dadurch mehr Akzeptanz zu erreichen.

Ein detailierter Methodenüberblick ist unterthuenen.de/schwarzwildfaenge als Download verfügbar.

Sauenfänge sind bei ESB Agrartechnik GmbH & Co. KG (esb-technik.de) erhältlich.

Dr. Frank Tottewitz

Leiter des Arbeitsbereichs Wildtierökologie am Thünen- Institut für Waldökosysteme in Eberswalde und Mitglied im Wildbiologischen Beirat von
WILD UND HUND

Dr. Egbert Gleich

wissenschaftlicher Mitarbeiter am Landeskompetenzzentrum Forst Eberswalde in der Forschungsstelle für Wildökologie und Jagdwirtschaft. Expertise im Bereich Wildtierfang und Immobilisation von Wildtieren durch praktische und wissenschaftliche Bearbeitung in nationalen und internationalen Projekten.

Matthias Neumann

Assessor des Forstdienstes und wissenschaflicher Mitarbeiter im Arbeitsbereich Wildtierökologie am Thünen-Institut für Waldökosysteme Eberswalde seit 2005. Obmann für Schalenwildbewirtschaftung im LJV Thüringen

Grit Greiser

Diplom-Forstwirtin, Assessorin des Forstdienstes und im bundesweiten DJV-Projekt „Wildtier- Informationssystem der Länder Deutschlands“ aktiv. Seit 2014 Mitarbeiterin im Arbeitsbereich Wildtierökologie am Thünen-Institut für Waldökosysteme Eberswalde.


„Saufänge sind kein Teufelszeug, aber auch kein Allheilmittel.“


INTERVIEW

Dr. Frank Tottewitz vom Thünen-Institut für Waldökosysteme, der die im vergangenen Jahr durch das BMEL beauftragte wissenschaftlich-praktische Studie zu Schwarzwildfängen durchführte, stand WILD UND HUND Rede und Antwort.

WuH: In der Jägerschaft herrscht eher eine ablehnende Haltung gegenüber Saufängen. Viele haben Videos aus dem Ostblock vor Augen, in denen panische Sauen in riesigen Fallen umherflüchten. Können Sie die Vorbehalte nachvollziehen?
Tottewitz: Derartig beschriebene Szenarien sind alles andere als tierschutzkonform und eindeutig abzulehnen. Jägern, die solche Erfahrungen machen mussten, ist der Einsatz von Saufängen natürlich schwer zu vermitteln. Fakt ist aber, dass – wenn Saufänge sachgerecht eingesetzt werden – diese nicht nur effektiv, sondern auch tierschutzgerecht zur Reduktion von Sauen in bestimmten Gebieten beitragen können. In einigen Bundesländern werden inzwischen dazu Lehrgänge angeboten.

WuH: Welche Verbesserungen machen den sachgerechten Einsatz von heutigen Saufängen tierschutzgerecht?
Tottewitz: Es gibt einerseits zahlreiche technische Möglichkeiten, insbesondere der Videoüberwachung und Fernauslösung inklusive Nachtsicht- und Wärmebildtechnik, die noch vor wenigen Jahren undenkbar gewesen wären. Andererseits liegen nunmehr umfangreiche Erfahrungen zur Anwendung verschiedener Fallentypen vor, die in Abhängigkeit der Bauweise und Auslösetechnik den Fang und die Tötung bei Dunkelheit oder bei Tageslicht bedingen, sodass es im Fang nicht zur Panik kommt und Stress minimiert wird.

WuH: Wird in Deutschland beim Ausbruch der ASP der Einsatz von Saufängen zwingend erforderlich sein?
Tottewitz: Ich gehe davon aus, dass dann in dem betroffenen Gebiet auf Saufänge grundsätzlich nicht verzichtet werden kann. Sie sind auch Bestandteil des Maßnahmenpaketes der „ASP Task Force“ in Deutschland.

WuH: Warum können Saufänge die Reduktion der Schwarzwildbestände so effektiv unterstützen?
Tottewitz: Bedingt dadurch, dass komplette Rotten gefangen werden können und sich derartige Fangerfolge sogar innerhalb kurzer Zeit wiederholen lassen, ist die Effektivität deutlich höher als bei der Einzeljagd. Weiterhin gibt es Einsatzbereiche im urbanen Umfeld, in Schutzgebieten oder Bergbaufolgelandschaften, die eine anderweitige Bejagung nicht zulassen.

WuH: Sind moderne Saufänge eine Jagdmethode für die Zukunft oder lediglich eine unterstützende Maßnahme für Sonderaufgaben, wie etwa der Sauenreduktion in Großstädten oder im Seuchenfall?
Tottewitz: Der Einsatz von Saufängen ist keine neue Erfindung, sondern eine der ältesten Jagdformen. Im Zusammenhang mit dem zunehmenden Tierschutzanliegen, dem Verständnis von Waidgerechtigkeit und der oft geschilderten Hinrichtungsszenarien haben die Fallen völlig berechtigt großflächig Ablehnung erfahren. Heute gibt es aber gänzlich andere technische Voraussetzungen und umfassende Kenntnisse zum Einsatz. Ordnungsgemäß eingesetzt sind Saufänge tierschutzgerecht und effizient, um örtlich Sauenbestände zu reduzieren. Ein flächendeckender Einsatz ist aber nicht umsetzbar und auch nicht zielführend.

WuH: Wann lohnt sich für den privaten Pächter die Anschaffung eines Saufangs, und mit welchen Kosten muss er rechnen?
Tottewitz: Zunächst ist die Rechtslage im jeweiligen Bundesland abzuklären, und es sind die Kriterien zu erfüllen. Es ist ein Abwägungsprozess, der keinem Jäger abgenommen werden kann. Die örtliche Situation ist absolut entscheidend. Die Kosten sind abhängig vom handwerklichen Geschick oder den Fördermöglichkeiten zum Erwerb. Wird beabsichtigt, einen Saufang und das nötige Equipment mit Video- und Auslösetechnik zu kaufen, muss mit Kosten ab 1 500 Euro gerechnet werden.

Die Fragen stellte Tobias Thimm.


Fotos: privat