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SAUEN IM STAATSREVIER STAATLICHE ÜBERHEGER


SAUEN - epaper ⋅ Ausgabe 20/2019 vom 27.09.2019

Die Afrikanische Schweinepest steht vor Tür. Die Politik fordert: Alle Jäger müssen helfen, das Schwarzwild zu reduzieren. Aber folgt der Staat in seinen Forsten den eigenen Forderungen? Ein VERGLEICH DER STRECKEN im Saarland belastet den Staatsforst schwer.


Artikelbild für den Artikel "SAUEN IM STAATSREVIER STAATLICHE ÜBERHEGER" aus der Ausgabe 20/2019 von SAUEN. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: SAUEN, Ausgabe 20/2019

Sicher: fühlen sich Keiler im saarländischen Staatsforst. Dort werden zu wenig Sauen erlegt.


Wegen der drohenden Afrikanischen Schweinepest (ASP) hat der Bauernverband vor etwas mehr als einem Jahr gefordert, 70 Prozent des Wildschweinbestands abzuschießen. Bereits 2010 hatte der Bauern- und Winzerverband Rheinland- Pfalz Süd um militärische Hilfe ...

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... gebeten, weil gefräßige Wildschweine Äcker und Felder verwüsten. Dass gravierende Probleme mit Wildschäden in der Landwirtschaft und im Siedlungsbereich bestehen, ist allenthalben bekannt. Die hohen, ersatzpflichtigen Schwarzwildschäden sind nicht nur für die Pächter selbst, sondern auch für die Jagdgenossenschaften problematisch, da sie die Verpachtung der Reviere erschweren oder gar unmöglich machen (werden). Ein Indiz für zu hohe Bestände ist auch das Ausmaß des Befalls mit Innenparasiten, gut zu erkennen am Zustand von Leber (Milchflecken) und Lunge (helle, erhabene Bereiche).

ABSCHUSS ZU NIEDRIG!

Insgesamt gesehen dürfte es unbestritten sein, dass die Schwarzwilddichte im Saarland wie anderswo auch in vielen Bereichen hoch ist. Ein Blick auf die Entwicklung der Schwarzwildstrecke im Saarland seit 1955 (siehe Abb. 1) zeigt einen Anstieg von etwa 550 Stück im Durchschnitt der ersten zehn Jahre auf mehr als das Neunfache. Ähnlich ist dies im übrigen Deutschland. Übrigens, die starken prozentualen Schwankungen von einem aufs andere Jahr – 1982 auf 1983 beispielsweise plus 208 Prozent – sind typisch für die vorliegenden Streckenergebnisse, nur fallen sie bei geringerer absoluter Höhe optisch nicht so auf. Die Ursachen für den stetigen Anstieg des Bestands und damit der Strecke liegen in den für das Schwarzwild verbesserten Lebensbedingungen. Entscheidend aber ist: Für eine Reduzierung des Bestands ist und war der Abschuss zu gering! Würde der Bestand um die vom Bauernverband geforderten 70 Prozent reduziert, wäre er vergleichbar mit dem der zweiten Hälfte der 80er Jahre, dann allerdings mit dauerhaft höherer Strecke, um den Bestand auf diesem Niveau zu halten.

IM WALD LEBT SICH’S RUHIGER

Besonders aufschlussreich ist ein Blick auf die Strecken im Saarland ab dem Jagdjahr 2000/2001 (siehe Abb. 2), bei denen die Aufteilung der Abschüsse auf private und gemeinschaftliche Jagdreviere und den Staatswald vorliegt. Da sich das Schwarzwild mindestens drei Viertel des Jahres im Wald aufhält, ist es gerechtfertigt, die Strecke auf die Waldfläche der Reviere zu beziehen. Ergebnis ist: Je hundert Hektar Wald wurden in den gemeinschaftlichen Jagdrevieren und den Privatjagden im Durchschnitt rund sieben Sauen pro Jagdjahr erlegt, während es auf den Staatswaldflächen nur etwa drei sind. Für das Saarland ist klar: Würden im Staatswald dieselben Anstrengungen unternommen und eine genauso hohe Abschussquote erreicht wie in den gemeinschaftlichen Jagdbezirken, hätten wir nicht so hohe Bestände. Eine entsprechende Untersuchung könnte zeigen, ob dieser Sachverhalt auch in anderen Bundesländern vorliegt. Es wundert nicht, dass im Staatswald auf die Fläche bezogen weniger Schwarzwild erlegt wird. Im Staatswald, wie auch in anderen Waldrevieren, sind keine oder kaum Wildschäden zu bezahlen, und das Schwarzwild verursacht im Wald so gut wie keine Schäden. Deshalb ist der auf den Pächtern gemeinschaftlicher Jagdbezirke lastende, finanzielle Druck, Wildschäden zu verhindern, im Staatswald und in reinen Waldrevieren nicht gegeben. Während beim Rehwildabschuss im Staatswald eine hohe, quasi angewölfte Motivation und Zielorientierung besteht, Strecke zu machen, um die natürliche Verjüngung der Bestände zu fördern, liegt eine solche Motivation beim Schwarzwild eher nicht vor. So bestimmt auch das für den saarländischen Staatswald geltende Jagdkonzept 2020: „… die Anlage und Unterhaltung von Kirrungen als Mittel zur Bejagung der Schwarzwildbestände sind der Ausnahmefall.“

Ärgerlich: die Sauen verursachen Schaden und verschwinden im Wald. Dort lebt es sich sicherer!


FOTO: WERNER NAGEL

GRAFIK: DR. MARTIN KLEIN

Gefährlich: ist für Sauen die Feldflur im Saarland. Dort wird jeder Schwarzkittel, dem man habhaft werden kann, erlegt.


F OTO: RAFAL LAPINSKI (FELDJÄGER), PAULINE V. HARDENBERG (KIRRUNGSJÄGER)

GRAFIK: DR. MARTIN KLEIN


„IM PRIVATWALD WERDEN MEHR ALS DOPPELT SO VIELE SAUEN ERLEGT WIE IM STAATSWALD!“


JAGDERFOLG BEEINTRÄCHTIGT

Sollte im staatlichen Wald nicht erheblich mehr erlegt werden, ist spätestens dann aus Sicht der Pächter bzw. der Jagdgenossenschaften auch im Saarland der Gedanke an eine Wildschadenausgleichskasse unter Beteiligung des Staatswaldes unumgänglich. Wenn Politik und Verwaltung von der Jägerschaft höhere Abschüsse fordern, dann muss auch die Bereitschaft bestehen, im eigenen Verantwortungsbereich, nämlich im Staatswald, durch stärkere und erfolgreichere Bejagung Vorbild zu sein. Zudem darf die Jagd nicht – wie verschiedentlich in den vergangenen Jahren geschehen – erschwert werden, sondern es müssen Erleichterungen geschaffen werden. Für Ansitzjagden heißt das: Die erforderliche Anzahl Ansitze je erlegtem Stück muss verringert werden! Das Saarland hat schon frühzeitig durch Aufhebung der Schonzeit und durch Zulassung der Verwendung künstlicher Lichtquellen reagiert. Aber es kamen auch Einschränkungen und Erschwernisse hinzu, die den Aufwand erheblich erhöhen und den Jagderfolg beeinträchtigen. Dazu gehören vor allem die Erschwernisse bei der Kirrung (§ 46a DV-SJG). Dabei werden im Saarland im Nichtstaatswald bis zu 40 Prozent – oder mehr – der Sauen an der Kirrung erlegt.

Dämlich: Im saarländischen Staatsforst kirren Förster nur in Ausnahmefällen. Das erschwert die Bejagung unnötig.


Befremdlich: Wildkameras müssen im Saarland auf Hüfthöhe montiert werden. Gut sichtbar für Diebe!


BETRETEN VERBOTEN!

Grundsätzlich sollten sich Gesetz- bzw. Verordnungsgeber dort nicht einmischen, wo der mit der Örtlichkeit vertraute Jäger am besten weiß, wo und wie viele Kirrungen effektiv sind. Und unnötig kirren mag – allein schon wegen des Zeitaufwands und der hohen Kosten – wohl kaum jemand! Ideologie ist fehl am Platze. Kirrungen sind nicht Ursache für die hohen Schwarzwildbestände. Man muss nur den Umfang der Waldmast und die Produktion an Bodenlebewesen und die von Schwarzwild aufgenommenen Pflanzenteile im Wald und natürlich das Fraßangebot auf der Landwirtschaftsfläche betrachten. Die starken Schwankungen der Strecke beweisen dies, sie sind nicht durch die Kirrungen verursacht. Exzesse, wie eine übermäßige Gabe von Kirrmitteln oder gar Fütterungen, sind allerdings abzulehnen. Der Einsatz von Wildkameras an Kirrungen würde helfen, die Struktur des Bestands besser kennenzulernen und die Zeiten, wann die Kirrung angenommen wird, zu bestimmen. Mancher vergebliche Ansitz könnte so vermieden werden. Die saarländischen Bestimmungen hierzu sind überbürokratisch und wirklichkeitsfern. So bringt die Vorschrift, die Wildkameras in Hüfthöhe anbringen zu müssen, mit sich, dass sie in unserem dicht besiedelten Gebiet gestohlen werden. Man könnte sich auch auf den Standpunkt stellen, dass Wildkameras an diesen Stellen nicht eingeschränkt werden, da es ohnehin unzulässig ist, Kirrungen als jagdliche Einrichtungen zu betreten (§ 23 (3) Saarländisches Jagdgesetz).

ERLEICHTERTE BEJAGUNG

Dass Nachtzieltechnik die Jagdmöglichkeiten zeitlich erheblich erweitern würde, ist klar. Auch hier wären unbürokratische Lösungen zu finden. Auch von Seiten der Bejagungsgrundsätze, die nicht geholfen haben, den Schwarzwildbestand niedriger zu halten, sollte auf Einschränkungen verzichtet werden. Mit gutem Grund wird gefordert, auch Bachen, deren Frischlinge ausreichend selbstständig sind, als Hauptreproduktionsträger zu erlegen, wenn der Schwarzwildbestand wirklich reduziert werden soll. Übrigens, unerfahrene Überläufer und Frischlinge sind dann leichter zu bejagen. Und das Argument gegen den Bachenabschuss, nämlich dass Bachen nach Abschuss eines Frischlings im Getreide daraufhin mit ihrer Rotte dort nicht mehr zu Schaden gehen, ist eher Wunschdenken als Wirklichkeit. Die Struktur der Strecke dürfte ohnehin annähernd der Struktur des Bestands entsprechen, insbesondere wenn man dem Grundsatz folgt: Wenn Schwarzwild in Anblick kommt, sollte immer mindestens ein Stück erlegt werden, dazu gehören auch Frischlinge unter zehn Kilogramm. Wer bei Nacht jagt, weiß, wie schwierig es ist, bei Dunkelheit – auch mit Licht, wenn das nicht schon die Sauen vertrieben hat – Stücke auszuwählen und anschließend schussgerecht vorzubekommen. Dennoch bleibt es dabei, ohne Waidgerechtigkeit ist Jagen nichts. Aber wer noch keinen Fehlabschuss gemacht hat, hat auch nicht viel gejagt.

ABSCHLIESSENDES FAZIT

Um die Bejagung zu verstärken, brauchen wir passionierte Jäger, die sich die Zeit nehmen können und sich die Nächte auf dem Ansitz um die Ohren schlagen. Haben wir diese in ausreichendem Umfang? Sollen die durch den zu hohen Schwarzwildbestand entstandenen Probleme reduziert werden, müssen die rechtlichen und bürokratischen Erschwernisse für die Sauenbejagung abgebaut werden. Aber vor allem muss – das gilt in jedem Fall im Saarland – in staatlichen Wäldern entscheidend mehr Schwarzwild erlegt werden.