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„SAUER 303” Heiratsfähig


Wild und Hund - epaper ⋅ Ausgabe 16/2019 vom 15.08.2019

Pünktlich zum 16. Geburtstag erscheint die Sauer „303” runderneuert – außen behutsam, innen gravierend verändert. Wie gut die Neue ist, testete eine internationale Journalistengruppe. Mit über 1 000 Schüssen am Stück ging es richtig zur Sache.


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Bildquelle: Wild und Hund, Ausgabe 16/2019

Montagen im Vergleich: „ISI-Mount” (l.) bei der alten „S 303” und „SUM” bei der neuen. Endlich eine Lösung für zwei Modellreihen aus dem Hause Sauer.


2003 schlug am Zeichenbrett in Eckernförde die Geburtsstunde einer Prinzessin aus deutschem Waffen-Uradel namens Sauer „303”. Sie war schöner als alles bisher Gesehene, schlank, führig und elegant. Bei ihrer ...

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2003 schlug am Zeichenbrett in Eckernförde die Geburtsstunde einer Prinzessin aus deutschem Waffen-Uradel namens Sauer „303”. Sie war schöner als alles bisher Gesehene, schlank, führig und elegant. Bei ihrer Präsentation 2006 begeisterte sie das Fachpublikum nicht nur durch Aussehen, sondern auch mit einer feinen Handspannung, der integrierten „ISI-Mount”- Montage und beachtlicher Schussleistung. Viele wollten sie, daher kam Sauer kaum mit dem Liefern nach. Doch manche „S 303” kränkelte, schwächelte, verweigerte Nahrung bzw.spuckte die Reste nicht so aus, wie es sein sollte, bockte mitunter, versagte den Dienst und verärgerte so ihren Besitzer. Sauer machte also mit der „S 303” nicht alle lustig. Der Hersteller besserte sukzessive nach, überarbeitete die Magazine, änderte den Öffnungswinkel von 90° auf 60° und brachte schließlich mit dem optionalen „Black-Magic-Trigger” einen weiteren Joker. Fast zeitgleich mit dem Umzug nach Isny im Jahr 2009 waren die Optimierungen abgeschlossen, und die von Sauer intern als „S 303 RE” bezeichnete Baureihe wurde bis heute verkauft.

Als 2015 schließlich die Arbeiten an der Repetierbüchse „S 404” erledigt waren, machte sich das neue Entwicklungsteam daran, die über die Jahre gemachten Erkenntnisse in eine weit grundlegendere Veränderung des Selbstladers einfließen zu lassen. Nicht das Abstellen negativer Symptome, sondern die Beseitigung ihrer Ursachen lautete die Aufgabenstellung. Mehr als drei Jahre nahmen sich die Isnyer Waffenbauer Zeit, um der neuen Büchse schließlich Serienreife zu attestieren und sie nun der Öffentlichkeit vorzustellen.

Das äußere Gewand der Nachfolgerin änderten die Designer behutsam und glichen es im Wesentlichen der „S 404” an, während die alte „S 303” optisch der Sauer „202” angepasst war. Daher finden wir bei ihr einen geraden Schaft70 rücken und einen schlanker gehaltenen Vorderschaft sowie die „S 404”-Backe vor. Der Pistolengriff ist geringfügig flacher, und das Nussbaumholz punktet bereits in der Basisversion „Select” mit einer gelaserten Maserung. Kürzerer Hinterschaft, veränderte Schränkung und schlankerer Pistolengriff tragen bei der Variante „Artemis” der weiblichen Anatomie Rechnung. Somit verkörpert dieses Modell weltweit die erste Selbstladebüchse für Damen. Als „Classic XT” gibt es die neue „S 303” mit bruchfestem und witterungsresistentem Polymerschaft, und als „Synchro XT” wartet sie mit Daumenloch und verstellbarem Schaftrücken auf.

Die „S 303” ist in verschiedenen Versionen erhältlich – von links nach rechts: „Classic XT”, „Select” oder „Artemis” (Damenvariante) und „Synchro XT”


Mit dem im Hinterschaft integrierten „Mini-Universal-Schlüssel” (MUS), der zudem als abnehmbarer Riemenbügel fungiert, lassen sich Vorder- und Hinterschaft gleichsam im Handumdrehen abschrauben. Flugreisende oder welche, die auch unterwegs gerne mal die Waffe zum Reinigen zerlegen, dürften diesen Komfort schätzen. Lauf und Patronenlager sind jetzt serienmäßig hart verchromt und deshalb resistenter gegen Schmutz und Rost. Der bezüglich seiner Abzugscharakteristik von keinem Konkurrenzprodukt erreichte „Black-Magic-Trigger” gehört zur Serienausstattung wie auch die bei der „S 404” bewährte „ Sauer-Universal-Montage” (SUM), die in das ebenfalls neu gestaltete Aluminium-Gehäuse integriert ist. Endlich also eine Zieloptikverbindung für wenigstens zwei Modelle und Schluss mit dem Firlefanz konkurrierender Varianten aus einem Haus. An die Magazinsperre „MagLock” gewöhnt man sich schnell. Sie sichert auch die fünf Patronen fassende Vorratskammer zuverlässig gegen unbeabsichtigtes Herausfallen. Einmal mit der Bedienung vertraut gemacht, ist das Handling intuitiv.

Ob eine Selbstladebüchse funktioniert, hängt allein von ihren inneren Werten ab. Der Repetiervorgang durch Gasentnahme hört sich einfach an, ist aber in Wirklichkeit ein hochkomplexer Prozess. Angetrieben von aus dem Lauf abgeleiteten Gasen muss die gesamte Mechanik innerhalb von Millisekunden all das perfekt erledigen, was beim herkömmlichen Repetierer in der tausendfachen Zeit von Hand passiert: Entriegeln, Verschluss öffnen, Hülse auswerfen, Zündmechanismus spannen, eine neue Patrone zuführen und verriegeln. Die Kunst besteht nun darin, die dazu benötigten Teile so aufeinander abzustimmen, dass sie einerseits Munitionstoleranzen auffangen und andererseits mit maximaler Regelmäßigkeit arbeiten. Bei der neuen „S 303” besteht das Gasgehäuse nunmehr aus Stahl und nicht aus Aluminium wie bei der Vorgängerin. Desgleichen wurde die Gasentnahmebohrung abgeändert, um einen gleichmäßigeren Gasfluss zu gewährleisten, und als Verschlussfeder kommt nun eine vorgesetzte und somit ermüdungsfrei arbeitende Mehrdraht-Variante zum Einsatz. Schließlich wurde auch die Verschlussgeometrie modifiziert, und der Verschlusskopf bekam einen zweiten Ausstoßer. Das hört sich alles so einfach an, ist aber das Ergebnis akribischer Analyse und langer Versuchsreihen.

Der Verschlusskopf hat in der Neuauflage zwei Ausstoßer für ein sicheres Auswerfen.


Oben: Nach Dauerfeuer folgt der Präzisionstest. Da gibt es wahrlich nichts zu beanstanden.


Unten: Das Gasgehäuse der neuen „S 303” (u.) besteht aus Stahl, die Gasentnahmebohrung wurde abgeändert, und eine ermüdungsfreie Mehrdrahtfeder ersetzt die eindrahtige der alten „S 303”.


Genug der Technik. Wie bei einer Uhr auch, kommt es dem Nutzer weniger darauf an, was drinnen steckt, sondern vielmehr, ob das Gerät funktioniert. Im Schießkino wartet ein Dutzend Selbstladebüchsen in den Kalibern .308 Win., .30-06 Spr.sowie 8 x 57 IS auf die geladene internationale Journalistentruppe. Auf Anfrage erfahren wir, dass .300 Win. Mag.und 9,3 x 62 zurzeit kaum nachgefragt und daher vorerst nicht aufgelegt werden. Aber wir können, ja wir sollen mit dem Vorhandenen bis zum Abwinken schießen. Stapel von Munition liegen bereit, und zwar jeweils sechs Laborierungen verschiedener Provenienzen. Dazu reichlich Magazine für zwei und fünf Patronen. Wer will, kann 15 oder 20 Schuss mit einer Waffe hintereinander abfeuern, denn die gefüllten Vorratskammern werden zugereicht. Wehe, wenn hinterher die Finger Kontakt mit dem Lauf kriegen! Ich starte mit der 8 x 57 IS, spanne im Auffahren, hole die erste von mehreren gleich großen Sauen auf dem Bildschirm ab, leere in rasender Geschwindigkeit drei große Magazine und muss erst einmal durchschnaufen. So etwas habe ich in siebzig Jahren noch nicht erlebt. Auch die Kollegen lassen sich weder bitten noch lumpen. Nach einigen Zeigerumdrehungen wird zur Pause gebeten. Nicht weil sie irgendeine Störung erzwingt, sondern weil der Boden derart mit Hülsen bedeckt ist, dass Rutschgefahr besteht. Dann geht es munter weiter. Zwischendrin schnappe ich mir eine abgekühlte „S 303” im Kaliber .30-06 und schieße sitzend aufgelegt. Einfach nur, um Schießverhalten sowie Rückstoß auszuloten. Denn stehend und in der Bewegung geschossen kriegt man von beidem nichts mit. Um es kurz zu machen: Wie ihre Vorgängerin auch, schießt sich die neue „S 303” butterweich. Angenehmer als jede Repetierbüchse in vergleichbarer Gewichtsklasse und selbem Kaliber. Was das Mündungsfeuer anbetrifft, stellt der Beobachter unschwer fest, dass die .308 Win.den kleinsten Feuerball produziert.

Das Mündungsfeuer der .30-06 Spr.ist beachtlich.


Leider konnte eine Erwartung nicht erfüllt werden: die „S 303” mit Schalldämpfer. Laut Sauer sei die Hürde nicht die Funktion, welche durch ein verändertes Setup in der Gasentnahme erreicht werden könne. Vielmehr würde bei der Verwendung eines Schalldämpfers so viel aggressiver Pulverschmauch aus dem Auswurffenster austreten, dass man nur mit einer Schutzbrille Augenschäden sicher vorbeugen könne. Den Isnyer Waffenbauern ist dieses Thema also schlicht oder fast im wahrsten Sinne des Wortes zu heiß, sodass man derzeit keine Variante anbieten wird, die auf Funktion mit Schalldämpfer ausgelegt ist. Hier gibt es also noch Nachholbedarf, nicht nur für Sauer! Bis zum frühen Nachmittag haben wir über 1 200 Patronen verschossen, bei einer Funktionsstörung. Das ist ohne Übertreibung sensationell und ein Qualitätsprädikat. Am Ende der Veranstaltung lasse ich es mir nicht nehmen, eine der Büchsen im Kaliber . 30-06 mit Geco-Munition, 11 g, auf Präzision zu schießen. Das Ergebnis spricht für sich. Früher hätte man für eine Repetierbüchse mit diesem Streukreis Aufpreis für extra ausgesuchte Schussleistung bezahlt, einem Selbstlader wiederum hätte ihm überhaupt keiner zugetraut. Daher gehört für mich die neue Sauer „303” fraglos der „S”-Klasse an. Sie schießt wie der Teufel, arbeitet störungsfrei und ist mit ihrer Handspannung sicher. Keine Frage, die manchmal zickige Göre von einst ist heiratsfähig geworden und es wert, sich mit ihr zu vermählen. Und sie bleibt bezahlbar: Als „Classic XT” ohne zusätzlich möglichen Zierrat kostet sie 2 995 €, als „Synchro XT” 3 503 € und als „Select” oder „Artemis” 3 831 €.


Fotos: Wolfram Osgyan (2), Hersteller (3)

Fotos: Wolfram Osgyan