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SAUJAGD UNTER MASTBÄUMEN: MAST HAVE!


SAUEN - epaper ⋅ Ausgabe 20/2019 vom 27.09.2019

Sobald Eiche und Buche ihre Früchte fallen lassen – und das ist bei Weitem nicht nur in Mastjahren der Fall –, finden sich hier die Sauen ein. Und damit lässt sich diese BELIEBTE FRASSQUELLE für unser Vorhaben, sprich die Erlegung möglichst vieler Schwarzkittel, nutzen. Pirschen Sie mit einem passionierten Saujäger des Nachts unter Mastbäumen!


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Rotte Sauen: beim Genießen der Bucheckern im Altholzbestand. Dadurch abgelenkt und beschäftigt, gibt sie uns Gelegenheit, sie bis auf Schussentfernung anzupirschen.


FOTO: JÜRGEN GAUSS

Vollmond Anfang Oktober, Waldrand. Die Sauen kamen wie erhofft, aber leider nicht ...

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... in meine Richtung. Der große Schatten voran zog ruhig, aber zielstrebig nach rechts weg über den frisch gedrillten Weizenschlag. Die Rotte verschwand über die nächste Kuppe. Wo wollten die nur so eilig hin? In Gedanken verlängerte ich ihre Zugrichtung: Über den kleinen Weizenschlag, über die Straße, am Dorfrand vorbei, dann ein größerer Rapsschlag, Hecke, Hecke? Ah, die Hecke mit den fünf alten, großen Eichen! Das könnte ihr Ziel sein, also los. Als ich dort ankam, hörte ich schon von Weitem des Nachtjägers Lieblingsmusik: Irgendein vor- witziger Frischling hatte gerade Senge bezogen und quiekte beleidigt. Der Wind war günstig, der bestellte Ackerboden leise, und ich hatte sogar den Schatten der Hecke zu meinen Gunsten als Tarnung, der Rest war also nur eine Frage der Nerven. Jetzt nur nichts überhasten. Auf etwa fünfzig Meter kniete ich mich hin, spreizte leise den Gabelstock, Ohrenstöpsel rein, den Spannschieber vor. Als ein Frischling aus dem Schatten der Eiche herauszog und im Mondlicht klar zu erkennen war, dass hinter ihm keine weitere Wutz stand, durchriss mein Schuss die Nacht. Wenige Minuten später hockte ich hochzufrieden neben meinem erlegten Frischling unter der ausladenden Krone der knorrigen Eiche, genoss die Mondstimmung und sinnierte über diese für mich schönste Form der Nachtjagd – die Pirsch unter Mastbäumen.

DAS BESTE RESTAURANT WEIT UND BREIT

Die Bedeutung von Mastbäumen, ganz gleich ob von Eiche oder Buche, kann im Schwarzwildrevier gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Im waldreichen Hessen zeigte eine Studie sehr eindrucksvoll, wie die Schwarzwildstrecken mit größter Regelmäßigkeit nach Mastjahren nach oben schossen. Dank bester Verfassung der Bachen folgte jedem Buchenmastjahr ein Frischlingssegen im Frühling. Die Menge der Eicheln und Bucheckern an unseren beiden wichtigsten Laubbäumen variieren bekanntlich sehr stark. In Vollmastjahren, wenn nahezu alle älteren Bäume Früchte tragen, kommen schnell ein bis zwei Tonnen allerfeinster Schwarzwildfraß zusammen – pro Hektar. Dagegen fällt jede Kirrgutrechnung niedlich aus. Sauenpapst Lutz Briedermann bezifferte den Anteil von Eicheln sowie Bucheckern am Fraß seiner untersuchten Sauen in Mastjahren von September bis Februar mit 70 bis 80 Prozent! Dies kann je nach Gegend, Baumbestand, Wildbestand und Landwirtschaft auch weniger sein, aber es untermauert die immense Bedeutung der Baummast für unser Schwarzwild. Auch in schwächeren Mastjahren tragen Einzelbäume häufig Frucht, vor allem an Waldrändern und in Hecken.

WO UND WANN IST DIE GELIEBTE MAST?

Soviel ist sicher, die Keiler und Bachen im Revier kennen diese Bäume genau! Fallen dann ab September die ersten Eicheln, sind diese Bäume absolute Hotspots für das Schwarzwild und bleiben es auch über den ganzen Winter, wie man an Fährten und Gebräch leicht erkennen kann. Doch auch bei der Jagd unter Mastbäumen fällt einem die Beute nicht in den Schoß. Vor den Erfolg setzt Diana erstmal die Arbeit, in diesem Fall das Auskundschaften. Gesucht werden die alten Bäume – Buchen müssen mindestens 60, besser über 100 Jahre alt sein, bei Eichen ist es ähnlich. Stiel- und Traubeneichen werden der amerikanischen Roteiche bevorzugt. Wenn aber nur deren Eicheln im Angebot sind, zum Beispiel in Wäldern mit ansonsten viel Nadelholz, sind aber auch sie ein Sauenmagnet. Generell tragen freistehende Einzelbäume und Randbäume häufiger Früchte und auch schon etwas früher. Die Eicheln fallen je nach Witterung ab September/ Oktober. Wir bewaffnen uns also mit einem Fernglas und glasen die Kronen der Bäume ab. Bereits im August leuchten die noch kleinen Eicheln hellgrün zwischen den dunkelgrünen Blättern auf. Auch den Buchenbehang kann man schon früh im Fernglas erkennen. In dicken Jahren hängen die Äste am Ende richtig hinunter unter der schweren Masse. In den letzten Jahrzehnten kam es vor allem bei den Buchen fast jedes zweite Jahr flächig zumindest zu einer Halbmast. Bei der Eiche ist das Bild leider deutlich uneinheitlicher, hier gibt es häufig kleinräumige Unterschiede. Deshalb ist hier die Vorarbeit wichtig, denn alte Eichen bedeuten mitnichten immer Eicheln. In großen Waldrevieren sind Eicheln und Bucheckern für die Sauen natürlich der feinste Fraß, den sie finden können, und somit ein echter Sauengarant. In Feld- und Mischrevieren wächst die Bedeutung dieser Baumfrüchte mit dem Wegfall der begehrten Feldfrüchte durch die Ernte. Spätestens wenn der letzte Mais abgefahren ist, steht dieser Fraß auch für die verwöhnteste Agrarwutz ganz oben auf dem Speisezettel. In Jahren, in denen es keine große Mast gibt, können einzeln stehende und Randbäume aber sehr wohl Früchte produzieren, und diese sind dann, weil knapp, noch begehrter bei den Sauen!

Pirschjäger: Am Baum anstreichend, nimmt er einen der unter den Eichen im Gebräch stehenden Frischlinge ins Visier.


EIN ZU SPÄT GIBT ES BEI DER MAST NICHT

Dank unserer Vorarbeit wissen wir also, ab wann und wo in unserem Revier der Segen von den Bäumen fällt, und haben durch gelegentliches Fährten auch die Besuche unserer Schwarzkittel bestätigt. Nun naht der Vollmond, und wir wollen ernten. Natürlich können Sie besonders aussichtsreiche Stellen im Eichen- oder Buchenaltholz mit einem mobilen Scherensitz oder Bodensitz bestücken, um hier anzusitzen. Im Feld kann der Bau einer Ansitzleiter an besonders prägnanten Einzelbäumen Erfolg versprechen. Aber am Ende lebt die Jagd unter den Mastbäumen gerade davon, dass man sich nicht festlegt und somit einschränkt, sondern flexibel ist und je nach Lage der Tageseinstände und Hauptwechsel zur Windrichtung, dem Wetter und dem Licht vorgeht. Der erste Schritt ist für mich immer der Blick ins Internet: Wie wird das Wetter heute Nacht, welche Mondhelligkeit herrscht wann und vor allem, welche Hauptwindrichtung werden wir haben? Als nächstes nehme ich die Revierkarte und plane meine Nachtpirsch. Das Schöne an Mastbäumen ist, dass wir eigentlich nie zu spät kommen können. Im Unterschied zu unserer Kirrung können diese ja nicht abgeräumt werden. Vor allem im Altholz können sich Sauen dank der weiträumigen Verteilung des Fraßes die ganze Nacht beschäftigen, und sie tun dies auch. Ist das Licht eher mau, bevorzuge ich die Feldflur und versuche, mit gutem Wind die einzelnen großen Eichen in den Hecken anzupirschen. Der Wind muss immer passen bei Sauen, aber man darf draußen das Äugen der Sauen nicht unterschätzen! Auf dem homogenen Untergrund des Ackers fallen wir ziemlich schnell auf, schlimmstenfalls geben wir sogar eine Silhouette gegen den Himmel ab. Dann kommt es schnell zu einem spannenden Erlebnis: Eine Einzelsau zieht von der Rotte weg zügig auf uns zu und dicht um uns herum, um Wind zu holen. Keinesfalls schießen, es ist die Bache, die nach dem Rechten schaut! Sofern die Frischlinge noch zu weit für einen sicheren Schuss sind, werden wir in derartigen Fällen stets den Kürzeren ziehen. Ein empörtes Blasen, gefolgt vom warnenden „Wuff“, und die Bühne ist leer.

WER SICH ZUERST BEWEGT, VERLIERT

Im Buchen- oder Eichenaltholz ist die nächtliche Pirschjagd noch viel spannender. Allerdings brauchen wir hier helle Mondnächte, und das Laub sollte schon gefallen sein. Selbst dann ist das Spiel von Licht und Schatten auf dem Waldboden verwirrend. In ruhigen Nächten arbeiten wir hier mehr mit den Ohren als mit den Augen. Die kommen hier allerdings auch nicht zu kurz: Ausdauerndes Glasen ist im Bestand unerlässlich, auch wenn es mit der Zeit für Auge und Arme sehr anstrengend ist. Eine Nachtpirsch im Altholz ist eine Art Meditationsübung. Wir treten in eine andere Welt ein, und in eine andere Zeitzone. Zeit spielt jetzt keine Rolle mehr. Wir und das Wild haben eine ganze Nacht! Schalten wir also drei Gänge runter und alle Sinne ein. Man könnte sagen: Wer sich zuerst bewegt, hat verloren. Nehmen Sie ruhig ein Sitzkissen und einen kleinen Stuhl mit. Manchmal muss man auch einmal eine halbe Stunde warten und nur hören und die Umgebung beobachten. Es gilt: Wer den anderen zuerst sieht, riecht oder hört, gewinnt. Dabei können wir uns nur bezüglich des Lärms so einiges erlauben. Sauen sind selbst laut im Laub und nachts (abseits der Kirrungen) auch oft recht entspannt. Je lauter der Untergrund ist, desto langsamer gehen wir vor. Da vergehen für 300 Meter schon mal zwei bis drei Stunden. Ich habe selbst bei gefrorenem Laub erfolgreich auf Sauen gepirscht. Die Kameraden machen ja selbst genauso viel Krach. Haben wir eine Rotte entdeckt, bleiben wir cool. Nachts geht viel, aber keine Hektik. Das Ansprechen ist im Gewirr aus Licht und Schatten zwischen den Stämmen schwer, also müssen wir nah ran. Gleichzeitig übersieht man im Bestand schnell mal einzelne Stücke oder auch nur ein Reh, das uns am Ende verrät. Aber so lange der Wind passt, wissen die Sauen nie ganz sicher, womit sie es zu tun haben. Sollten sie auch anscheinend verschwinden – abwarten. Einholen können wir sie sowieso nicht. Ich habe es sogar schon mal erlebt, dass das Blasen der Bache nicht mir galt, sondern einer weiteren Rotte. Die beiden Bachen gingen aufeinander los, bedrohten sich über Minuten mit bösem Brummen, und am Ende räumte die eine Rotte das Feld. Dankenswerterweise im Gänsemarsch auf 15 Schritt an mir vorbei, der ich in dem Schlagschatten einer großen Buche stand. Vertraut, zum Greifen nah, im gleißend silbrigen Mondlicht. Fast hätte ich vor glücklichem Schauen das Schießen vergessen, aber nur fast. Pirschen Sie unter den Mastbäumen – jede der dort erlegten Sauen ist eine jägerische Leistung und ein unvergessliches Erlebnis.

Eiche: Randbäume bescheren unserem Wild fast jedes Jahr einen nahrhaften Segen. Zudem brauchen die Sauen ihren geliebten Wald nicht verlassen. Zwei Aspekte, die Erfolg versprechen.


Eiche: Bereits Anfang August ist erkennbar, wo die Sauen in den Herbstnächten stecken werden.


Eicheln: Von allen heimischen pflanzlichen Früchten sind sie Sauenmagnet Nummer eins.


Bucheckern: Wo sie fallen, sind die Sauen nicht weit. Außer, es gibt noch irgendwo Eicheln.


FOTO: BILDAGENTUR SCHILLING (EICHELN), REINER BERNHARDT (BUCHECKERN)

AUSRÜSTUNG FÜR DIE NÄCHTLICHE PIRSCH

FOTOS: DR. CHRISTIAN HOLM