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Schädlinge im Garten: Natürlicher Pflanzenschutz


LandIDEE Altes Wissen - epaper ⋅ Ausgabe 2/2019 vom 04.06.2019

Die Pflanze gedeiht nicht! Dies ist immer ein Schock für den Gärtner. Tierische oder pilzliche Erreger sind oft die Ursache – die möchte man schnell loswerden, möglichst aber auf die sanfte Art.


Artikelbild für den Artikel "Schädlinge im Garten: Natürlicher Pflanzenschutz" aus der Ausgabe 2/2019 von LandIDEE Altes Wissen. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: LandIDEE Altes Wissen, Ausgabe 2/2019

Eine Pflanze kann auf vielerlei Weise zeigen, dass sie unter Stress steht: Sie wächst nicht, die Blätter verfärben sich, Blüten oder Früchte bleiben aus. Spätestens wenn sich Schädlinge einstellen, wird klar, dass auch andere die Schwäche-Symptome mitbekommen haben und „leichte Beute“ vermuten. In der Vergangenheit neigte man in solchen Situationen dazu, zur chemischen Keule zu greifen. Für viele Gärtner kommt so ...

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... eine Lösung heute nicht mehr in Frage, besonders wenn damit Gemüse oder Obst „behandelt“ werden. Es ist aber auch das Bewusstsein gewachsen, dass mit dem Einsatz von Chemie nicht nur Schädlinge, sondern auch Nützlinge beeinträchtigt werden. Das Bienensterben ist ein deutliches Zeichen, dass in der Vergangenheit manches schiefgelaufen ist. Statt Symptome zu bekämpfen, sollte man besser die Ursachen des pflanzlichen Schwächeanfalls beseitigen – aber wie?

Wehret den Anfängen

Fühlt man sich in seinem Umfeld wohl, wird man nicht krank. Das gilt für Menschen ebenso wie für Pflanzen. Ist die Pflanze gesund, baut sie ein stabiles Immunsystem auf und kann sich gegen Schädlinge wehren. Zum Wohlbefinden der Pflanze kann der Gärtner beitragen, indem er ihr Umfeld nach ihren Bedürfnissen gestaltet. Welche Faktoren dazu beitragen, fasst in Kurzform die unterste Ebene der Pflanzenschutzpyramide zusammen.
Der passende Platz: Ein Sonnenliebhaber möchte in der Sonne wachsen, ein Schattenfreund will sie möglichst selten zu Gesicht bekommen. Wird der jeweils spezifische Standortwunsch nicht berücksichtigt, so leiden die Pflanzen. Deshalb: Prüfen Sie bei allen Pflanzaktionen, ob Sie Staude, Baum, Obst oder Gemüse den passenden Lebensraum hinsichtlich Licht- und auch Bodenverhältnissen geben können.
Die richtige Sorte: Für jedes Klima, für jede Jahreszeit und für jeden Garten gibt es die passende Sorte. Bei der Auswahl helfen das Fachpersonal im Gartencenter, die Websites der Saatguthersteller oder ein erfahrener Gärtner.
Die passende Grundlage: Gute, individuelle Ernährung lässt die Pflanzen gedeihen. Und die wird durch den Boden und bedarfsangepasste Düngung gewährleistet. Keine stauende Nässe soll im Untergrund herrschen – darin sind sich die meisten Pflanzen einig. Den idealen Gartenboden gibt es nicht, aber man kann ihn mit Sand-, Humus- oder Kompostgaben so verbessern, dass die Pflanzen gern darin wachsen. Eine Bodenanalyse kann Aufschluss geben, wie man am besten vorgeht.
Kleine Freunde: Eine schnelle Eingreiftruppe von Igeln, Vögeln und vielen nützlichen Insekten hält die tierischen Schädlinge in Schach. Sie werden gleich aktiv, wenn sie „vor Ort“ im Garten wohnen dürfen. Anspruchsvoll sind sie nicht: Reisig- oder Steinhaufen dienen als Brutplatz und Winterquartier, Blütenpflanzen als Nahrungsquelle.

Pflanzenschutzpyramide: Grundlage sind ein gesundes Umfeld und vorbeugende Schädlingsbekämpfung. Pflanzenschutzmittel sind die letzte Lösung


Gezielt eingreifen

In manchen Jahren ist es trotzdem wie verhext: Schädlinge und Krankheiten vermehren sich prächtig. Jetzt sind Methoden gefragt, die gezielt fernhalten oder anlocken, um die Angreifer unschädlich zu machen. „Physikalische, biologische und biotechnische Maßnahmen“ – so werden diese Methoden in der zweiten Ebene der Pflanzenschutzyramide bezeichnet. Am leichtesten zu verstehen ist der physikalische Pflanzenschutz: Dünnmaschige Netze, die zur Abwehr von Gemüsefliegen über die Saat gelegt werden, gehören ebenso dazu wie Leimringe am Obstbaum, um die Frostspannerweibchen am Aufstieg in die Baumkrone zu hindern. Auch das Absammeln von Kartoffelkäfern und das Abschneiden von blattlausbefallenen Trieben schützen die Pflanze physikalisch.
Wer biologischen und biotechnischen Pflanzenschutz betreibt, setzt gezielt Nützlinge oder Mikroorganismen ein, die die Schädlinge auffressen oder krank machen. So kann man Marienkäferlarven kaufen, die Blattläuse vertilgen, oder sich von der SchlupfwespeEncarsia formosa beim Kampf gegen die Weiße Fliege helfen lassen. Wahre Guerillakämpfer sind winzige Fadenwürmer, die in Tonmehl angeliefert werden. In warmes Wasser eingerührt, werden sie mit der Gießkanne verteilt. GegenSteinernema carpocapsae haben beispielsweise Dickmaulrüssler, Haarmücken und Maulwurfsgrillen keine Chance.

Guter Rat: Sauber arbeiten!

Laub mit Blattflecken ist krank – es soll nicht auf den Kompost, sondern in den Hausmüll. Gleiches gilt für Obst, das mit Maden befallen ist. Vorsicht: Zwischendrin Schneidwerkzeuge säubern, damit Krankheiten nicht von Pflanze zu Pflanze übertragen werden. Beim Bewässern die Blätter trocken halten, nur den Boden gießen.

Schädlinge, die besonders ärgern

Blattläuse

Es gibt nicht „die“ Blattlaus, sondern 800 Arten. Alle saugen an weichen, jungen Pflanzengeweben. Bei starkem Befall kann die Pflanze absterben, denn Photosynthese ist nicht mehr möglich. TIPP: Oft sind Ameisen Hinweise auf Blattlausbefall, weil sie die Läuse „melken“, um an den süßen Pflanzensaft zu kommen.

Das kann man tun:

Florfliegen, Schwebfliegen und Marienkäfer fördern, zum Beispiel mit Insektenhotels. Nächstes Mal blattlausresistente Sorten anbauen.

Nistplätze für Vögel anbieten.

Leimringe um die Stämme von Obstbäumen verhindern die Zuwanderung der Ameisen.

Pflanzen mit Brennnesseljauche stärken, Boden lockern. In früher Phase mit Wasserstrahl abspritzen, zerdrücken. Triebe abschneiden.

Mehltau

Echter Mehltau breitet sich bei Wärme und Trockenheit aus. Die Pflanzen sehen überpudert aus.

Das kann man tun:

Bei Anfangsbefall milde Pflanzenstärkungsmittel ausbringen. Bei Obstgehölzen und Rosen überwintert der Pilz auf jungen Trieben und gerne an den Triebspitzen. Vorbeugend können mit einem Schnitt der Triebspitzen vor dem Austrieb die Befallsherde entfernt werden.

Mehltau ist nicht immer ein Drama: Zucchini kann noch eine gute Ernte bringen. Die befallenen Blätter in der Restmülltonne entsorgen.

Mikroorganismen in der Milch bekämpfen den Pilz. Dazu zweimal wöchentlich Milch und Wasser im Verhältnis 1:8 mischen und die Pflanzen einsprühen. Frische Milch oder Rohmilch vom Bauern verwenden.

Gemüsefliegen

Winzig klein sind sie – trotzdem verderben sie die Ernte bei Bohnen, Möhren, Kohl, Rettich und Zwiebeln. Besonders ärgerlich: Erst bei der Ernte stellt man den Befall fest.

Das kann man tun:

Mischkultur hilft zum Teil. Besser ist es, die Pflanzen mit einem feinen Schutznetz abzudecken oder resistente Sorten anzubauen. Netz unmittelbar nach der Saat auflegen, erst vor der Ernte abnehmen. Kohlkragen: Filzscheiben, die den Bereich um den Wurzelhals abdecken.

Rezept für Pflanzenjauche

Zum Ansetzen kein Gefäß aus Metall verwenden (außer emaillierte Eimer und Wannen). Gut eignen sich Brennnessel, Beinwell oder Wermut.

So geht’s:

Pflanzen zerkleinern, Gefäß mit Regenwasser füllen, an sonnigen Platz stellen. Der Gärprozess beginnt nach 1–2 Tagen. Regelmäßig umrühren! Wenn es nicht mehr schäumt, ist die Umsetzung fertig.

Schädlingsabwehr: Nach 3–4 Tagen die gärende Jauche abseihen und im Verhältnis 1:50 spritzen.

Stärkung: Nach 2–3 Wochen vergorene Jauche im Verhältnis 1:20 gießen.

Gezielt stärken

Pflanzenstärkungsmittel gehen das Problem von der anderen Seite an: Sie sind eine Nahrungsergänzung, die Pflanzen mit Mineralstoffen, Spurenelementen, Pflanzenenzymen und -vitaminen so versorgen, dass Schadorganismen keinen Angriffspunkt finden bzw. Schädlingen der Appetit vergeht. In der Natur findet man oft Sammelplätze für Rainfarn oder Brennnessel. Beinwell oder Eberraute kann man auch im eigenen Garten anbauen. Einige Pflanzen kann man auch als Pulver im Handel kaufen.Christa Klus-Neufanger

BUCHTIPP

Viele weitere nützliche Tipps finden Sie in „Erfolgreich gärtnern ohne Gift“ von Brigitte Goss (LV Buch, 18 Euro)


Kleine Gartenapotheke

In vielen Fällen schaffen Mittel, die auf alten Hausmitteln beruhen, Abhilfe: Mit der Spritze verteilte Alaunlösung soll gegen Blattläuse und Schnecken helfen. Kaliumsalze, die in Schmierseife enthalten sind, trocknen Insektenlarven aus und schädigen ihre Atmungsorgane. Alle Mittel sollten mit Sorgfalt angewendet werden und keinesfalls in die Hände von Kindern gelangen.

So baut man ein Ohrwurmhotel

Geben Sie den Blattlaus-Vertilgern einen Lebensraum in einem mit Stroh gefüllten Blumentopf.

So geht’s:

Ziehen Sie eine Schnur mit eingeknotetem Querholz von unten durch das Loch des umgedrehten Blumentopfs.

Topf mit Stroh füllen. An geeignetem Platz aufhängen. Achtung: Die Ohrwürmer müssen über einen Ast hineinkrabbeln können.

Tipps gegen Schnecken

Kaffeesatz

Getrocknet im Ring oder flächig um gefährdete Pflanzen streuen. Die enthaltenen Bitterstoffe mögen Schnecken nicht.

Köderpflanzen

Tagetes ziehen Schnecken magisch an. Ein Randstreifen rund ums Gemüsebeet hält die Kriechtiere von den Nutzpflanzen fern.

Rindenmulch

Spitzes, scharfkantiges und trockenes Material wie Rindenmulch oder Sägespäne überwandern Schnecken nur ungern.

Kupfereinfassung

Der Schneckenschleim führt mit Kupfer zu einer chemischen Reaktion, die die Tiere vor dem Band zurückschrecken lässt.

Schneckenzaun

Er ragt etwa 10 cm aus der Erde. Die Oberkante ist nach außen gebogen. Der Überhang ist unüberwindlich.

Laufenten

Zu den Lieblingsspeisen der Indischen Laufente gehört die orangefarbene Nacktschnecke. Man kann sich die Tiere auch ausleihen.

Pflanzen, die Schnecken nicht mögen

Königskerze


Gemüse:

Tomaten, Sellerie, Lauch, Spinat

Blumen und Stauden:

Schmuckkörbchen (Cosmea), Dufttagetes (Tagetes tenuifolia), Jungfer im Grünen, Sterndolden (Astrantia), Lenzrosen (Helleborus orientalis)

Kräuter:

stark aromatisch duftende wie Ysop, Lavendel, Thymian, „haarige“ wie Borretsch, Beinwell oder Königskerze

Guter Rat:

Schnecken ziehen sich tagsüber in Schlupfwinkel zurück. Bieten Sie ihnen Verstecke an, von denen sie sich morgens oder abends absammeln lassen – große Salat-, Rhabarber- oder Kohlblätter funktionieren ebenso wie auf der Unterseite angefeuchtete Wellpappestreifen oder kopfüber gestellte Tontöpfe.


Fotos: Alamy (2), dpa(2)/Picture-Alliance, Flora Press (1), Brigitte Goss (1), Mauritius Images (1), Shutterstock (7). Illustrationen: Shutterstock