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Schatzsucher


Münzen Revue - epaper ⋅ Ausgabe 10/2019 vom 25.09.2019

Auf den Spuren von Robinson Crusoe


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Bildquelle: Münzen Revue, Ausgabe 10/2019

Die Cumberland Bay auf der Vulkaninsel. Bildquelle: Wikimedia, Sanchez


Historischer Stich der Isla Robinson Crusoe (früher: Juan Fernández). Bildquelle: Wikimedia, Bellin


Vor genau 300 Jahren erschien die Erstausgabe des RomansRobinson Crusoe von Daniel Defoe. Die Erlebnisse des Einsiedlers kennt jedes Kind. Er baute sich eine Hutte, jagte Ziegen, lernte einen Eingeborenen kennen. Im Schiffswrack vor den Klippen der Insel entdeckte Robinson alles Mogliche: „Als ich auch an die Schiebladen in den Kisten kam, fand ich darin drei grose Beutel mit ungefahr elfhundert ...

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Vor genau 300 Jahren erschien die Erstausgabe des RomansRobinson Crusoe von Daniel Defoe. Die Erlebnisse des Einsiedlers kennt jedes Kind. Er baute sich eine Hutte, jagte Ziegen, lernte einen Eingeborenen kennen. Im Schiffswrack vor den Klippen der Insel entdeckte Robinson alles Mogliche: „Als ich auch an die Schiebladen in den Kisten kam, fand ich darin drei grose Beutel mit ungefahr elfhundert spanischen Talern in allem, und in einem derselben sechs goldene Dublonen und etliche kleine Goldklumpen, in ein Papier eingewickelt, die zusammen ein Pfund wiegen mochten.“ Wesentlich wichtiger waren ihm jedoch Gebrauchsgegenstande, die er entdeckte. Sie sicherten ihm das Uberleben. Ein Messer zum Schlachten der Wildziegen war unentbehrlich, ebenso Kleidungsstucke: „Denn Geld brauchte ich nicht, es galt bei mir ebenso viel als der Staub unter meinen Fusen.“1 Dennoch schleppte Robinson die Munzen zu seiner Hutte. Fur seinen Roman lies sich Defoe von Alexander Selkirk (1676–1721) inspirieren. Jener war tatsachlich auf einer einsamen Insel ausgesetzt worden. Die wahre Geschichte des Robinson Crusoe alias Selkirk soll hier erzahlt werden. Sie ist mindestens ebenso spannend wie jene von Defoe.

Dampiers Piraten

Im Jahre 1703 sasen in einem Haus am Londoner Saint James Square der Freibeuter William Dampier (1651–1715) und der 22-jahrige Thomas Estcourt zusammen. Der junge Edelmann war von dem Seemann beeindruckt. Wenn Estcourt ihm ein Schiff besorge, so Dampier, werde er ihm das Gold der Spanier beschaffen. Er werde die reichen Hafenstadte in La - teinamerika angreifen und jene Galeonen uberfallen, die im Hafen von Callao (Peru) liegen. Auch das grose spanische Handelsschiff, das jedes Jahr im Juni von Manila (Philippinen) nach Acapulco (Mexiko) unterwegs sei, wolle er entern.

Statue für Alexander Selkirk in seinem Geburtsort Lower Largo. Bildquelle: Wikimedia, Stanley


1.000 Francs (Burkina Faso, 2014, Silber, 31,1 Gramm). Bildquelle: Catawiki


25 Cents (Barbados, 2019, Kupfer, 28 Gramm). Bildquelle: Amazon


TV-Doku über Selkirk und die geheimnisvollen Schätze. Bildquelle: Magellan TV


Erstausgabe von Robinson Crusoe (London 1719). Bildquelle: British Library


Der unerfahrene Estcourt glaubt den Versprechungen. Am 11. September 1703 verliesen dieSaint George unter dem Kommando von William Dampier und dieCinque Ports unter Kapitan Thomas Stradling den Hafen von Kinsale (Irland). An Bord des zuletzt genannten Schiffes war Alexander Selkirk, ein junger Steuermann aus Schottland. Nach einem halben Jahr ohne Beute war die Stimmung an Bord der Schiffe schlecht. An der Isla Mas a Tierra (heute: Robinson Crusoe Island) angekommen, drohte auf derCinque Ports eine Meuterei gegen Kapitan Stradling auszubrechen: „DieCinque Ports erreichte Juan Fernandez am 4. Februar mit einer Besatzung, deren Kopfzahl sich von 90 auf 42 Mann reduziert hatte. Sie waren nur mehr in Lumpen gekleidet, und sie waren ausgehungert und krank. Sie wandten sich gegen Stradling und beschuldigten ihn der Unfahigkeit als Kommandant, der Ungerechtigkeit und des Betrugs. Selkirk schurte die Unzufriedenheit noch weiter.“2 Der Steuermann forderte einen Austausch von Planken: Das Schiff sei restlos von Bohrmuscheln durchfressen! Stradling bezichtigte ihn daraufhin der Meuterei und setzte ihn auf der Insel aus.

Selkirks Schicksal

Die felsige Insel vor der Kuste Chiles verfugte uber Trinkwasser, das von den Hohenzugen kam. Auserdem gab es Wildziegen, die einst von dem spanischen Seefahrer Juan Fernandez ausgesetzt wurden, dem Namensgeber der Inselgruppe. Selkirk wurde in der Nahe der Bucht, an der er ausgesetzt worden war, eine Weile uberleben konnen: „Er beschloss sich eine Behausung zu bauen und Vorrate anzulegen. Er entschied sich fur eine schwer zugangliche Lichtung in den Bergen, anderthalb Kilometer von der Bucht entfernt. Dahinter ragten hohe, bis zum Gipfel bewaldete Berge auf. Diese Lichtung bot den Schatten und den Duft der nahen Walder, einen klaren, schnell fliesenden Bach, hohe uberhangende Felswande.“3 Vom Fleisch der Ziegel ernahrte er sich. In seinem Tagebuch notierte er, wie viele er von ihnen totete und sogar, wann er mit ihnen kopulierte. Nach vier Jahren und vier Monaten kam die ersehnte Rettung – ein Schiff. An Bord war auch ein alter Bekannter: William Dampier! Die Retter waren wieder als Freibeuter unterwegs. Sie nahmen Selkirk in die Mannschaft auf. Nach einigen Attacken auf spanische Schiffe und Siedlungen tauchte am Horizont dieNuestra Señora de la Encarnación y Desengaño auf, eine der reich beladenen Manila-Galeonen. Das Gefecht dauerte drei Stunden. Dann war das Schiff in den Handen der Freibeuter: „Die Ladung derDesengaño bestand aus Goldstaub, geschmiedetem und gemunztem Gold, Gewurzen, Moschus, Bienenwachs und Textilien.“4 Hinzu kamen Porzellan fur die Konigin Maria Luisa von Spanien, Ballen von Kaliko, Chintz und Seide sowie Mobiliar fur den neuen Erzbischof von Lima. Nach der Heimkehr im Herbst 1711 wurden die Schatze versteigert. Der Erlos lag bei 147.975 Pfund, 12 Shilling und 4 Pence. Zwei Drittel erhielten die Eigner des Schiffes, ein Drittel die Besatzung. Alexander Selkirk standen 2,5 Prozent zu: „Selkirk konnte mit seinen zweieinhalb Anteilen zufrieden sein. Er bekam 800 Pfund, vier Goldringe, eine silberne Tabaksdose, einen Stock mit Goldknauf, zwei goldene Kerzenstander und einen Degen mit Silberheft.“5

Defoes Korrekturen

Als die ersten Berichte uber Selkirk veroffentlicht wurden, war aus dem Freibeuter, der Notzucht mit Ziegen trieb, bereits ein frommelnder Mann geworden. In Woodes RogersEine Kreuzfahrt um die Welt aus dem Jahr 1712 heist es: „Er beschaftigte sich mit Lesen, Psalmengesang und Gebet.“ Als der Autor Daniel Defoe (1660– 1731) die Geschichte aufgriff, anderte sie sich noch einmal. Der Einsiedler war schiffbruchig, hies Robinson und lebte 28 Jahre auf der Insel. Zudem erzog er einen Wilden: Freitag. Die Erstausgabe steckte voller Kuriositaten und Fehler. So schrieb Defoe, dass der Sturm das Wrack des gescheiterten Schiffes auser Sichtweite trug. Einige Seiten weiter war es plotzlich wieder da. Crusoe habe sich ausgezogen, um zum Wrack zu schwimmen. Dort angekommen, fullte er sich jedoch beide Taschen mit Zwieback. Dennoch wurde aus dem Buch ein Welterfolg. Viele Leser fragten sich: Was wurde ich in einer solchen Lage tun? Defoe schrieb nach dem grosen Erfolg zwei Fortsetzungen. Zahllose „Robinsonaden“ folgten seither.

QUELLENANGABEN

1 Daniel Defoe: Robinson Crusoe. Leipzig 1912, S. 217f. 2 Diana Souhami: Selkirks Insel - Die wahre Geschichte von Robinson Crusoe. München 2004, S. 65. 3 Ebenda, S. 98. 4 Ebenda, S. 163. 5 Ebenda, S. 192. 6 Piratenschatz auf Robinsons Insel entdeckt; auf: welt.de, 29. September 2005.

Robinson und „Freitag“ im Spielfilm Die blaue Lagune (USA 1980). Bildquelle: Pinterest, Rosengrant


Der Schatzsucher Bernard Keiser

Bildquelle: Pinterest, Abelius


Seit dem Jahr 1996 sucht der USMillionar Bernard Keiser aufRobinson Crusoe Island nach einem verschollenen Schatz. Es waren Hinweise auf im Jahr 1714 versteckte Reichtumer, die ihn auf die Insel brachten. Seinen Erkenntnissen zufolge hatte der spanische Flottenfuhrer Juan Esteban de Ubilla das Eiland wahrend einer Uberfahrt in die Heimat angesteuert. Einen nicht in den Ladelisten verzeichnete Teil der Fracht aus Gold, Silber und Edelsteinen im Wert von acht Millionen Pesos versteckte er auf der Insel. Jahrzehnte spater bekam George Anson, ein britischer Admiral, eine Information uber das Versteck. In geheimer Mission entsandte er Cornelius Webb nach Chile, einen seiner Kapitane. Der fand den Schatz angeblich und berichtete seinem Auftraggeber daruber in zwei Briefen. Unglucklicherweise kamen sowohl Webb als auch Anson kurz nacheinander ums Leben. Nachdem Bernard Keiser einige Zeit erfolglos gegraben hatte, geisterte eine sensationelle Meldung durch die Weltpresse: „Piratenschatz auf Robinsons Insel entdeckt!“6 Mit modernen Metalldetektoren habe eine Spezialfirma im Nordwesten der Insel mehrere Tonnen Gold und Juwelen im Wert von 8,3 Milliarden Euro aufgespurt. Der Schatz in 50 Meter Tiefe wurde aber nie gehoben. Bei einem Vortrag an der Technischen Universitat Valparaiso konnte der Chefingenieur noch nicht einmal seinen Detektor erklaren!