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SCHAUMSTOFF & JIGS: KRAGEN MIT KNIFF


Blinker - epaper ⋅ Ausgabe 90/2019 vom 09.08.2019

Eigentlich ging esJohannes Radtke nur darum, dass seine Gummifische am Jigkopf dauerhaft nach Lockstoff stinken sollten. Aber nach vielen Angelstunden war klar, dass ein Schaumstoffkragen noch ganz andere Vorteile mit sich bringt!


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Brücken sind gute Stellen und werden deshalb viel befischt. Ein stinkender, langsam sinkender Gummi wird trotzdem von den Fischen gefressen.


FOTOS: F. PIPPARDT

Drei schnelle Kurbeldreher, der Jig sinkt – Tock! Der Biss ist eher zart als hart, der sofortige Anhieb bleibt ohne Folge. Die Fische sind wieder mal zickig, saugen den Gummifisch nur halbherzig an und scheinen ...

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... irgendwie sehr vorsichtig, geradezu überlegend. Beim Zanderangeln kennen wir das Spielchen, und auch Barsche sind launisch.

Was hilft in dieser Situation? Der Gummifisch muss langsamer absinken. Beim Saugbiss des Zanders oder Barsches muss unser Köder möglichst schwerelos im Wasser sein. Diese Eigenschaft erzielen oder verstärken wir normalerweise durch leichtere Bleiköpfe. Außerdem wäre es wünschenswert, wenn der Fisch unseren Köder möglichst lange im Maul behält, damit wir den Anhieb sicher setzen können. Viele moderne Gummifische sind daher mit Aromen versehen, durch die der Fisch den Schwindel erst später bemerkt.

Kvalvik, Pro-Cure Butt Juice, Mega Strike und der Klassiker Beissfix: All diese Lockstoffe trugen bei unserem Testfischen in Holland zum Erfolg bei.


Der Köder ist zerkaut, aber dem Schaumstoff geht es gut: Der Kragen hält etliche Fische aus!


Dieser Zander zweifelte keine Sekunde: Der stinkende Fisch, der gerade zum Grund trudelt, muss echt sein! Szenen wie diese wiederholten sich öfter.


Ohne „Extrem-Kragen“ und dadurch verlängerte Absinkphase in Kombination mit Lockstoff wäre dieser Zander wohl nie gehakt worden.


Ein gutes Mittel bei vorsichtigen Fischen ist also ein aromatisierter Gummifisch am leichteren Bleikopf als üblich. Viele meiner Lieblingsgummis sind allerdings nicht von Haus aus mit Lockstoffen versehen, eine Bearbeitung im Nachhinein ist schwierig. Und die Köder, die von sich aus einen Geruch haben, riechen alle mehr oder weniger gleich. Außerdem möchte ich selbst entscheiden, wie mein Köder riecht! Es gibt einige gute Lockstoffe am Markt. Ich bin überzeugt, dass sie in schwierigen Situationen einen Unterschied machen – aber natürlich muss man auch ein wenig daran glauben.

DER KRAGEN MACHT’S

Das Spiel mit den leichten Bleiköpfen hat seine Limits im Bezug auf Wurfweite, Rückmeldung bei der Köderführung und Absinken bei Strömung. Die Wahl des Bleikopfes ist immer ein Spagat zwischen ausreichend langer Absinkphase und guter Köderkontrolle.

Ich gehe einen anderen Weg: Ich verpasse meinen Gummifischen am Jigkopf einen Kragen aus Schaumstoff! Ursprünglich hatte ich diese Kragen nur gebastelt, weil ich etwas brauchte, das den Lockstoff gut speichert – und das erledigen sie natürlich auch. Es zeigte sich aber recht schnell, dass ein etwas größerer Schaumstoffkranz das Absinkverhalten ganz entscheidend beeinflusst. Zum einen bremst ein weit ausladender, runder Schaumstoff das Absinken wie ein Fallschirm, zum anderen sorgt er für Auftrieb, wirkt dem Blei also etwas entgegen. Beide Eigenschaften verlängern die Absinkphase und machen es dem Fisch leichter, den Köder einzusaugen. Dank des Kragens erhalten wir also eine etwas verlängerte Absinkphase und eine gute Ansaugbarkeit. Gleichzeitig können wir gewohnte Bleikopfgewichte verwenden – dadurch haben wir keine Einschnitte bei der Wurfweite!

Schneiden Sie ein Stück Schaumstoff mindestens in Jigkopf-Größe ab.


Das Stück wird nun einfach auf den Hakenschenkel gezogen.


Modelle ohne Bleischaft eignen sich etwas besser. Ziehen Sie nun den Gummi auf.


Lockstoff drauf und ab ins Wasser! Sie können das auch gut zu Hause vorbereiten.


Der hintere Gummi hat trotz des schwereren Kopfes dieselbe Sinkphase wie der vordere.


SCHAUMSTOFFTYPEN

Ein Küchenschwamm eignet sich super, um einen „Aromakranz“ herzustellen. Härterer, besser aufschwimmender Schaumstoff beeinflusst das Sinkverhalten durch den Auftrieb relativ stark.

LOCKSTOFFE

Die getränkten Köder sollten Sie in kleinen Zipper-Beuteln transportieren – manche Lockstoffe haben es in sich. Außerdem besitzen Lockstoffe für Raubfische unterschiedliche Konsistenzen. Die flüssigen Varianten eignen sich für jeden Schaumstoff, Pasten werden eigentlich nur von besonders saugfähigem, weichem Material gut aufgenommen.

Da der Gummifisch in der Regel tief eingesaugt wird, ist ein Stinger nicht notwendig.


Der Kranz erlaubt schwere Jigköpfe, da er die Absinkgeschwindigkeit stark bremst. Dadurch können Sie gleichzeitig weiter werfen und viel mehr Fische ansprechen!


„DIE ZANDER KÖNNEN DEN JIG BESSER ANSAUGEN, WENN DIE ABSINKPHASE MÖGLICHST LANG AUSFÄLLT!“


AUF DEN KÖDERLAUF ACHTEN

Gerade an kleinen Gummis beim Barschangeln spüren Sie den zusätzlichen Wasserdruck beim Einholen des mit Kragen versehenen Jigs. Ich persönlich finde ein wenig Gegengewicht bei der Köderführung da ganz angenehm; in jedem Fall spürt man so besser, was unten passiert. Bei sehr viel Strömung kann der Kragen mit seiner Fallschirm-Funktion natürlich auch stören, dann müssen Sie mit der Schere ein wenig nacharbeiten. Besonders ausladende Schaumstoffplatten verändern auch die Köderbewegung beim schnellen Anjiggen. Im klaren Wasser eines Barschsees konnte ich beobachten, dass ein Sieben-Zentimeter-Gummifisch am Fünf-Gramm-Kopf bei jeder schnellen Jigbewegung eine Drehung um die eigene Achse vollführte – das war so natürlich nicht geplant. Prüfen Sie also bei den ersten Versuchen mit Schaumstoffkragen im Flachwasser, ob der Köderlauf zu stark beeinflusst wird.

AUCH AM DROPSHOT

Die Auftriebskraft des Schaumstoffs macht ihn zu einem interessanten Bauteil am Dropshot-Rig. Der Köder wird so insgesamt auftreibend und steht zuverlässig aufrecht über dem Dropshotblei. Durch Lockstoff wird der Köder nochmals interessanter. Einen so präparierten Dropshotköder können wir beliebig lange am vermuteten Zanderstandplatz stehen lassen, wo er eine attraktive Duftfahne verteilt. Irgendwann reicht es dem kritischsten Zander – und er packt zu!

Beim Dropshot-Rig wird der Gummi einfach etwas gekürzt, der Schaumstoff bildet sozusagen den Kopf des Köders.


Dieser Zander biss an einer Stelle auf das Dropshot, die wir vorher schon gründlich mit Jigs bearbeitet hatten.


SCHAUMSTOFF IST NICHT GLEICH SCHAUMSTOFF!

Je nach verwendetem Schaumstoff-Typen erhält unser Köder unterschiedliche Eigenschaften. Je weicher und offenporiger das Material, desto mehr Wasser nimmt es auf und desto weniger Auftrieb bietet es. Will ich bloß einen Lockstoff-Speicher am Gummifisch, der die Aktion des Köders nur wenig beeinflusst, ist weiches Material am besten geeignet – und davon wenig. Es braucht nicht viel Schaum- und Lockstoff, damit ein Köder seinen intensiven Duft für eine Stunde Angelzeit behält.


DER GUMMI VOLLFÜHRTE EINE DREHUNG UM DIE EIGENE ACHSE. PRÜFEN SIE DEN LAUF JEDES KÖDERS!“


Für ein stärker verändertes Absinkverhalten (und bessere Ansaugbarkeit) sollten Sie festeren Schaumstoff wählen, der sich kaum mit Wasser vollsaugt. Wenn Sie dann noch etwas mehr Material einsetzen, können Sie Ihren Jig recht stark beeinflussen. Eine runde Form verhindert beim schnellen Anjiggen, dass der Köder sich dreht oder ausbricht.

FISHING IN HOLLAND

Die meisten Fotos für diese Geschichte entstanden bei einem Besuch bei unseren Kollegen von Sportvisserij Nederland. Gemeinsam mit Pieter Beelen haben wir den unglaublich zanderreichen Fluss Eem in der Nähe der Stadt Amersfoort befischt. Auch dieses Gewässer ist einfach mit dem VISpas zu beangeln. Infos finden Sie unterwww.vispas.nl

Die Spots an der Eem sind leicht per Fahrrad erreichbar.


FOTOS: J. RADTKE, F. PIPPARDT

FOTOS: F. PIPPARDT

FOTOS: J. RADKTE, F. PIPPARDT