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Schiffbruch


Spiegel Geschichte - epaper ⋅ Ausgabe 5/2019 vom 24.09.2019

Von Geheimdienstoperationen erfährt die Öffentlichkeit meist nur dann, wenn etwas schiefgeht. Anders ist es, wenn den AgentenPannen unter laufen – wie in diesen Fällen.


Artikelbild für den Artikel "Schiffbruch" aus der Ausgabe 5/2019 von Spiegel Geschichte. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Spiegel Geschichte, Ausgabe 5/2019

Opfer
Beim Anschlag des französischen Geheimdienstes auf das Greenpeace- Schiff »Rainbow Warrior« ertrank 1985 ein Fotograf (linke Seite).

Täter
Der verantwortliche Geheimdienstoffizier Alain Mafart wurde wegen Totschlag verurteilt (u.).

1. ANDERS GEPLANT

Ein dumpfer Schlag riss Peter Willcox am 10. Juli 1985 kurz vor Mitternacht aus dem Schlaf. Drei Tage zuvor hatte der Kapitän des Greenpeace- Schiffes »Rainbow Warrior« mit seiner ...

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Ein dumpfer Schlag riss Peter Willcox am 10. Juli 1985 kurz vor Mitternacht aus dem Schlaf. Drei Tage zuvor hatte der Kapitän des Greenpeace- Schiffes »Rainbow Warrior« mit seiner Mannschaft im Hafen des neuseeländischen Auckland festgemacht. Jetzt klaffte ein Loch im Rumpf, groß wie ein Garagentor. Wasser schoss ins Innere des Schiffes. Gerade war die Besatzung an Deck geflüchtet, da erschütterte eine zweite Explosion das Boot. Die Crewmitglieder sprangen auf die Kaimauer und mussten zusehen, wie das 44 Meter lange Flaggschiff der Umweltorganisation Greenpeace sank. Alle hatten sich retten können – bis auf Fernando Pereira. Der portugiesische Fotograf war in seine Kabine geeilt, um seine Ausrüstung zu bergen. Nach der zweiten Detonation hatte er es nicht mehr herausgeschafft und war ertrunken.

Die »Rainbow Warrior« sollte zum Mururoa- Atoll aufbrechen, das zu Französisch-Polynesien in der Südsee gehört. Dort wollten die Umweltschützer von Greenpeace einen Kernwaffentest der Franzosen behindern. Nun ragten nur noch der Bug und ein Transparent mit der Aufschrift »Atomfreier Pazifik« aus dem Wasser. Alles deutete auf ein Attentat mit französischen Auftraggebern hin.

Innerhalb weniger Monate gelang es der neuseeländischen Polizei und europäischen Journalisten, den Hergang zu rekonstruieren: Zwei Taucher hatten demnach zwei Haftminen mit Zeitzündern am Rumpf der »Rainbow Warrior« befestigt. Die erste sollte die Mannschaft vertreiben, die zweite das Schiff versenken. Ein dritter Mann brachte die Taucher per Schlauchboot an Land und schaffte anschließend Materialsäcke in ein gemietetes Wohnmobil. Dabei wurde er von Nachtwächtern eines Bootsklubs beobachtet, die von einem Diebstahl ausgingen und sich die Nummer des Fahrzeugs notierten – die heiße Spur für die Ermittler. Als ein angebliches Schweizer Ehepaar den Camper kurz darauf auch noch bei der Autovermietung zurückgab, statt ihn irgendwo stehenzulassen und unerkannt auszureisen, konnte die Polizei die beiden festnehmen. Später wurden die vermeintlichen Touristen als Offiziere des französischen Auslandsgeheimdienstes DGSE enttarnt.

Die Regierung in Paris musste nach anfänglichem Leugnen zugegeben, dass ihr Dienst in den Anschlag verwickelt war. Präsident François Mitterrand entließ den Verteidigungsminister Charles Hernu sowie den Chef des DGSE, Pierre Lacoste. Dass er selbst das Attentat auf das Schiff veranlasst hatte, stritt er ab. Erst nach seinem Tod wurde bekannt, dass er die Operation angeordnet hatte.

Die beiden Agenten wurden zu je zehn Jahren Haft verurteilt. Doch weil Frankreich Neuseeland mit Wirtschaftssanktionen drohte, verbüßten sie nur zwei beziehungsweise dreieinhalb Jahre davon. Trotz der Pannen wurden sie zu Hause für die Tat mit der zynischen Bezeichnung »Operation Satanic« mit Orden ausgezeichnet und befördert.

Der Umweltschutzorganisation Greenpeace verschaffte der französische Geheimdienst mit dem Attentat ungewollte Popularität: Medien berichteten nun viel häufiger über Aktionen der NGO, die Mitgliederzahlen stiegen rasant.

Zehn Jahre nach dem Anschlag nahm Frankreich die zwischenzeitlich eingestellten Atomtests auf Mururoa wieder auf. Als die »Rainbow Warrior II« Kurs auf das Atoll hielt, enterten französische Soldaten das Greenpeace-Schiff und zerstörten die Navigationsgeräte. Kurz darauf waren die Szenen, die ein Funker gefilmt hatte, in Nachrichtensendungen aus aller Welt zu sehen. In vielen Ländern boykottierten Kunden nun französischen Käse, Wein und Champagner – bis Präsident Jacques Chirac das Ende der Tests verkündete.

Für ukrainische Nationalisten gab es keinen Zweifel: Das musste der KGB gewesen sein.

2. MÖRDER STELLT SICH

Der Mann mit dem merkwürdigen Namen Popel war plötzlich tot. Minuten zuvor hatte er an diesem 15. Oktober 1959 noch im Hausflur in der Münchner Kreittmayrstraße 7 mit einer Nachbarin geplaudert und war die Treppe hochgestiegen, dann brach er im ersten Stock zusammen. Kriminalisten stellten später Spuren von Zyankali an der Leiche fest, und sie fragten sich: War es Mord oder Suizid?

Für ukrainische Nationalisten gab es keinen Zweifel: Das musste der KGB gewesen sein. Der Mann mit dem Namen Popel hieß nämlich in Wirklichkeit Stepan Bandera und hatte als Kontaktmann westlicher Geheimdienste verdeckt in Deutschland gelebt. 15 Jahre lang stand er weit oben auf der Kriegsverbrecherliste der Sowjets.

Bandera hatte sich Ende der Zwanzigerjahre als Student der »Organisation Ukrainischer Nationalisten « (OUN) angeschlossen und war schnell zu einem ihrer Anführer aufgestiegen. Die Aktivisten wollten mit Terror und Gewalt die Unabhängigkeit ihres Landes erzwingen, das zwischen Polen und der UdSSR aufgeteilt war. 1935 wurde Bandera als Beteiligter an der Ermordung des polnischen Innenministers von einem Gericht in Warschau zum Tode verurteilt und später zu lebenslanger Haft begnadigt. Als die Deutschen 1939 Polen überfielen, kam Bandera frei und arbeitete mit ihnen zusammen gegen die Sowjetunion. Er stellte mit seinen Gefolgsleuten zwei Bataillone, die die Wehrmacht beim Überfall auf die Sowjetunion unterstützten. Doch nachdem sein Stellvertreter gegen den Willen Hitlers eine souveräne Ukraine ausgerufen hatte, verhafteten die Nationalsozialisten Bandera 1941 und internierten ihn im KZ Sachsenhausen.

Die ursprünglich von ihm geführte OUN-Miliz agierte unterdessen auch mit verbrecherischen Mitteln für einen ukrainischen Nationalstaat: In der Hoffnung, durch Kooperation die deutsche Unterstützung dafür gewinnen zu können, nahmen OUN-Milizen Juden fest, die später von der deutschen Sicherheitspolizei ermordet wurden. Später brachten ukrainische Milizen, von den Russen nach Bandera als »Banderowzy« betitelt, selbst mindestens 60000 Polen um und erschossen geflüchtete Juden.

Mythos
Im Bandera-Museum im ukrainischen Iwano- Frankiwsk wird der Nationalistenführer noch heute verherrlicht (ganz o.).

Wahrheit
KGB-Chef Alexander Schelepin genehmigte den Anschlag auf Bandera.

1944 wurde Bandera freigelassen und kämpfte gegen die vorrückende Rote Armee. Nach Kriegsende tauchte er unter dem Schutz der amerika - nischen Besatzungsmacht in München unter und versuchte, die ukrainischen Partisanen in der UdSSR zu unterstützen – bis zu seinem Tod im Treppenhaus.

Knapp zwei Jahre nach Banderas Ableben stellte sich heraus, dass seine Anhänger recht hatten: Am 8. August 1961 meldete sich der 30-jährige Bogdan Staschynski bei den US-Dienststellen in West-Berlin und bekundete, den Ukrainer im Auftrag des KGB umgebracht zu haben. Die skeptischen Amerikaner überstellten den Geständigen an die deutschen Behörden, die zahlreiche Beweise für seine Aussagen fanden. Danach hatte Staschynski Bandera im Treppenhaus aufgelauert, ihn angesprochen und dann im Vorbeigehen mit einer Giftpistole einen Zyankalinebel ins Gesicht gespritzt. Dieser habe die Atmung des Opfers bis zum Ersticken gelähmt.

Wieso aber hatte Staschynski sich dem Gegner ausgeliefert? Der junge Agent, einst vom KGB durch Erpressung rekrutiert, hatte seiner Ost-Berliner Frau die Tat gestanden und war von ihr dazu überredet worden, sich den Amerikanern zu stellen – fünf Tage vor dem Bau der Mauer. Er erhielt eine milde Strafe: acht Jahre Gefängnis wegen Beihilfe zum Mord. Als Urheber der Tat bezichtigte der Bundesgerichtshof den KGB-Chef Alexander Schelepin. Der unmittelbare Auftraggeber der Operation jedoch war ein armenischer KGB-General, der als Partisan in der Westukraine gegen Nazis und Bandera-Anhänger gekämpft hatte.

Stepan Bandera wurde für die Anhänger der ukrainischen Unabhängigkeit zum Mythos. Heute stehen in vielen Orten des Landes Denkmäler des umstrittenen Untergrundkämpfers, zahlreiche Straßen sind nach ihm benannt.

3. SCHLECHT FINGIERT

Es war alles vorbereitet , als am 10. August 1994 die Lufthansa-Maschine 3369 aus Moskau auf dem Flughafen München landete. Die Polizei wartete dort auf einen spanischen und einen kolumbianischen Passagier – und auf den Plastikkoffer, den die beiden aus Russland mitgebracht hatten. Darin verpackt: 363,4 Gramm waffenfähiges Plutonium 239.

Die Beamten konnten die hochgiftige Substanz sichern und die beiden Schmuggler am Flughafen sowie einen weiteren Komplizen in einem Münchner Hotel festnehmen. Schnell wurde der brisante Fund bekannt, und Medien auf der ganzen Welt schürten die Angst vor einem neuen Nuklear - terrorismus. Vor allem Russland geriet als angebliche Quelle des Baumaterials für illegale Atombomben unter Druck.

Ein knappes Dreivierteljahr später enthüllte der SPIEGEL, wer das illegale Geschäft angeschoben hatte: V-Leute des Bundesnachrichtendiensts. In Spanien hatten sie Kontakt zu den Schmugglern aufgenommen und offensiv Plutonium verlangt. Nachdem die Händler später in München eine Probe vorgelegt hatten, einigten sie sich dort mit dem vermeintlichen Käufer, einem verdeckt ermittelnden deutschen Polizeibeamten, auf einen Preis von 276 Millionen Dollar für vier Kilogramm. Vor dem Abflug am 10. August 1994 meldete einer der Schmuggler sich telefonisch bei einem Komplizen ab: »Ich steige jetzt ins Flugzeug.« Dann brachten sie den ersten Teil der Lieferung von Moskau nach München.

Die SPIEGEL-Veröffentlichung über die »Operation Hades«, wie die Inszenierung BND-intern in Anspielung auf das Schattenreich in der griechischen Mythologie genannt wurde, brachte den Geheimdienst und die politisch Verantwortlichen in große Bedrängnis. Die Öffentlichkeit wollte wissen, ob der BND mit dem Scheingeschäft womöglich erst einen illegalen Markt für Plutonium geschaffen hatte, den es angeblich zu bekämpfen galt. Und weshalb hatte man das hochgiftige, völlig unzureichend verpackte Material nach Deutschland einfliegen lassen und so die Flugzeuginsassen ebenso wie die Bevölkerung am Boden unnötig gefährdet?

Mehrere Gerichte beschäftigten sich mit der Affäre, im Bundestag wurde ein Untersuchungsausschuss dazu eingerichtet. Bernd Schmidbauer, Geheimdienstkoordinator der Bundesregierung, hatte zuvor bereits eine Inszenierung des BND ausgeschlossen und geleugnet, dass V-Leute als Aufkäu fer von Plutonium aufgetreten seien. Allenthalben hieß es, man sei davon ausgegangen, dass die Ware bereits in Deutschland sei, und man nichts von dem Transport im Flugzeug gewusst habe. Doch Abhör protokolle der Verhandlungen mit den Schmugglern belegten das Gegenteil. Deshalb wurden zwei V-Leute später wegen uneidlicher Falschaussage zu Geldstrafen verurteilt.

Schmuggler
Der Spanier Julio Oroz Eguia (kleines Foto u., r.) musste sich 1994 in München wegen Plutonium - schmuggel verantworten.

Ware
Das Landeskriminalamt München präsentierte der Presse den auf gebrochenen Plastikkoffer (ganz u., r.) der Täter.


Erst einen Tag nach der Tat bemerkten die Mossad-Agenten ihren Fehler.


1995 kam der Vorsitzende Richter am Münchner Landgericht im Prozess gegen die drei Plutoniumhändler zu dem Schluss, dass die Anbahnung des Kaufs durch den falschen Geschäftsmann in München eine klassische polizeiliche Tatprovokation gewesen sei – an »einer gefährlichen Grenze«, aber »gerade noch zulässig«. Die drei Schmuggler wurden hingegen zu Haftstrafen von drei bis zu vier Jahren und zehn Monaten verurteilt.

Im Bundestagsausschuss erklärte einer der VLeute, das Geschäft sei vom BND fingiert gewesen. Dennoch zogen die Mitglieder der Regierung von Union und FDP, die im Ausschuss die Mehrheit stellten, das gegenteilige Fazit: Den Behörden sei kein Vorwurf zu machen.

Auch das Verfahren gegen Staatsminister Schmidbauer, BND-Chef Konrad Porzner, den Münchner Oberstaatsanwalt Dieter Emrich und den bayerischen Innenminister Günther Beckstein, das unter anderem der Flugkapitän der Lufthansa- Maschine mit einer Strafanzeige angeschoben hatte, stellte die Staatsanwaltschaft Augsburg 1999 ein. Ihrer Ansicht nach hatten diese erst vom Gefahrguttransport erfahren, als es zum Eingreifen zu spät war.

4. FALSCHES OPFER

Sein dunkler Teint und sein voller, lockiger Haarschopf wurden Ahmed Bouchiki zum Verhängnis. Seit Jahren arbeitete der Marokkaner als Kellner im beschaulichen norwegischen Skiort Lillehammer. Er war am Abend des 21. Juli 1973 mit seiner hochschwangeren Frau nach einem Kinobesuch auf dem Weg von der Bushaltestelle nach Hause, als plötzlich zwei Personen vor ihnen auftauchten und Bouchiki mit 14 Kugeln erschossen. Seine Frau, die alles mit ansehen musste, blieb unverletzt. Die Attentäter flüchteten in dem Glauben, ihren Job erledigt zu haben. Doch sie hatten den falschen Mann er mordet.

Die Täter, Agenten des israelischen Geheimdienstes Mossad, waren hinter Ali Hassan Salameh, auch Roter Prinz genannt, her gewesen. Der Palästinenser galt als Kopf der Gruppe »Schwarzer September«, die im Jahr zuvor bei den Olympischen Spielen in München elf israelische Sportler getötet hatte. Seither jagte die extra dafür gegründete Sondereinheit »Caesarea« die Attentäter.

Die Agenten hatten den Roten Prinzen in Lillehammer gewähnt und dort Bouchiki mit ihm verwechselt; offenbar weil der Kellner dem Terroristen auf dem Foto ähnlich sah, das die Killer zum Abgleich erhalten hatten. Bislang hatte der Mossad als gründlich und unfehlbar gegolten – jetzt legte sich ein Schatten auf die Legende.

Erst einen Tag nach der Tat, als der Mord bekannt geworden war, bemerkten die Agenten ihren Fehler. Die beiden Attentäter waren da schon außer Landes, doch sechs ihrer Helfer konnte die norwegische Polizei fassen. Fünf davon wurden in einem Schnellverfahren vor Gericht gestellt. Sie erhielten relativ milde Strafen und durften spätestens zwei Jahre darauf nach Israel ausreisen. Offenbar wollte Norwegen nicht die gute Zusammenarbeit mit dem Mossad gefährden, der wichtige Informationen über die Sowjetunion hatte.

Sieben führende Mitglieder der palästinensischen Terrororganisation PLO hatte die Sondereinheit »Caesarea« bis zur Panne in Norwegen getötet, danach wurde die »Zorn Gottes« genannte Operation ausgesetzt. Erst fünf Jahre später ordnete der israelische Premierminister Menachem Begin die Fortsetzung an. Nun töteten die Agenten als Erstes im Januar 1979 Salameh mit einer ferngezündeten Autobombe in Beirut. Mit Salameh kamen auch vier seiner Leibwächter ums Leben sowie vier unbeteiligte Passanten.

22 Jahre lang lag Stille über dem Fall Bouchiki. Dann gelangte der Anschlag durch ein Buch wieder ins Bewusstsein der norwegischen Öffentlichkeit. Presse und Diplomaten des Landes übten Druck auf die Regierung in Tel Aviv aus, und die zahlte schließlich der Witwe des Opfers, dessen Sohn und dessen nach dem Tod des Vaters geborenen Tochter eine Entschädigung von 2,5 Millionen Kronen, umgerechnet rund 300000 Euro – 17 Monate vor Verjährung des Falles. Eine offizielle Entschuldigung gab es bis heute nicht.

Unschuldig
Israelische Killer erschossen 1973 Ahmed Bouchiki im norwegischen Lillehammer auf dem Weg zu seiner Wohnung (rechte Seite und u.).

Verfolgt
Eigentlich abge - sehen hatte es der Mossad auf den Terroristen Ali Hassan Salameh (ganz u.).