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Schiffsschreck


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Flugzeug Classic - epaper ⋅ Ausgabe 11/2022 vom 10.10.2022

Ju 88 und Do 217

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Bildquelle: Flugzeug Classic, Ausgabe 11/2022

Gelenkte Gleitbomben waren ab 1943 eine tödliche Gefahr für die alliierten Schiffe und sorgten für teils verheerende Zerstörungen. Hier die Do 217 E-5, W.Nr 5554. Unter ihren Flügelflächen ?

G leitbomben revolutionierten die Militärtechnik in der Luft: Dank ihnen mussten Flugzeugbesatzungen nicht mehr den risikoreichen und oft todbringenden Weg bis über das Ziel hinter sich bringen, sondern konnten ihre explosive Fracht aus »sicherer« Distanz in Richtung ihrer Destination lenken. Obwohl es Lufttorpedos bereits im Ersten Weltkrieg gab, sollte es noch einige Zeit dauern, bis sich diese vom Cockpit aus lenken ließen.

Einer der ersten ihrer Art war die Henschel Hs 293, deren Fertigung im Januar 1942 begann. Die auch Kehl 3 genannte Gleitbombe hatte einen 300-kg-Sprengkopf und besaß einen kleinen Raketenmotor, der sie auf zirka 600 km/h beschleunigen konnte. Nach zwölf Sekunden schaltete der Antrieb ab und die Bombe flog aerodynamisch in einem flachen Gleitwinkel weiter, wobei der Beobachter sie mithilfe einer Funkfernsteuerung und kleinen Leuchtkörpern im Leitwerk des ...

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... Flugkörpers steuerte.

Die Produktion der Do 217 E-5 kam schon nach 34 Stück zum Erliegen.

Auf die Hs 293 folgte die PC1400X, allgemein bekannt unter dem Namen Fritz X. Im Mai 1942 wurde sie erstmals erprobt. Die von der Ruhrstahl AG entwickelte Durchschlagwaffe besaß einen Sprengkopf von 320 Kilogramm, der speziell für den Einsatz gegen gepanzerte Ziele wie Kampfschiffe konstruiert war. Die »Mutterflugzeuge« für diese Lenkwaffen waren die He 177, die allerdings mit Konstruktions- und Fertigungsproblemen zu kämpfen hatten, und die Do 217 E. Im April 1942 kamen die ersten Do 217 E-5 (im Prinzip für Hs 293 Einsätze modifizierte Do 217 E-4) nach Peenemünde, um sie mit unterschiedlichen Waffenkonfigurationen zu testen. Die Luftwaffe hoffte, die ersten Einsätze über dem Atlantik im Frühling 1943 fliegen zu können.

Das Projekt hatte jedoch politische und militärische Widersacher. Zudem litt es unter zu wenigen einsatzbereiten Bomben und Flugzeugen sowie mangelhaft ausgebildeten Besatzungen. Außerdem kam die Produktion der Do 217 E-5 schon nach 34 Stück zum Erliegen, da weitere 107 Exemplare für konventionelle Bombeneinsätze vorgesehen waren. Das hatte zur Folge, dass der Termin Frühling 1943 unmöglich einzuhalten war. Die Hoffnungen lagen nun auf der He 177 als Haupt-Einsatzplattform, aber auch dieses Programm verzögerte sich, sodass im Februar 1943 diese Rolle wieder der Do 217 zufiel. Die Do 217 K-2 besaß ohnehin eine größere Flügelfläche, konnte so zwei Hs 293 oder Fritz X tragen und war bereits seit Dezember 1942 einsatzfähig.

Frisch an der Front

Die erste Einheit, die mit den neuen Waffen üben konnte, war die II./KG 100 in Garz auf Usedom unter Hauptmann Franz Hollweck. Daraufhin folgte die III./KG 100 in Schwäbisch-Hall und später Giebelstadt, geführt von Hauptmann Ernst Hetzel. Hollweck hatte im November 1941 die Versuchsstaffel 293 geleitet, die dann zum Lehr- und Erprobungskommando 15 wurde und für die Einsatzschulung der Hs 293 verantwortlich war.

Die Staffel erhielt ihre ersten Do 217 im November 1942 und ging daraufhin in der II./KG 100 auf. Hetzels III./KG 100 war aus der Kampfgruppe zur besonderen Verwendung 21 (danach Lehr- und Erprobungskommando 21) entstanden und war mit der Entwicklung der Fritz X beauftragt.

Die Verzögerungen bei den Flugzeugen und den Bomben setzten sich fort, und es dauerte bis zum 5. Juli 1943, bis die ersten Do 217 E-5 von der II./KG 100 nach Istres in Südfrankreich verlegten, gefolgt von Do 217 K-2 von der III./KG 100. Gruppenkommandeur der III./KG 100 war nunmehr der äußerst erfahrene frühere Fw-200-Pilot Hauptmann Bernhard Jope. Der erste scharfe Einsatz sollte nicht lange auf sich warten lassen. Einen ersten Eindruck der Fritz X erhielten die Alliierten am 10. August, als Leutnant Hans-Joachim Zantopp vom Stab III./KG 100 abgeschossen und gefangen genommen wurde. Seine Befragung ergab, dass seine Do 217 K eine »Spe- zialausrüstung« getragen hatte, nämlich eine ferngesteuerte 1400-kg-Bombe, und dass die III./KG 100 vor seinem Abschuss schon drei solcher Einsätze geflogen hatte, namentlich auf Schiffe in Augusta, Bizerta und Palermo.

Wichtige Informationen

Die Verhöre waren für die Alliierten auch in anderer Hinsicht äußerst ertragreich. So erzählte Zantopp: »Nach dem Auslösen der Bombe geht der Pilot mit der Geschwindigkeit herunter und zieht die Nase der Maschine etwas hoch. Sobald die Bombe ins Sichtfeld kommt, beginnt der Beobachter über den Kurzwellensender mit der Steuerung. Dabei kann er den Flugweg mit einem kleinen Knüppel seitlich und in der Höhe beeinflussen. Mit dem Lotte-Visier visiert er das Ziel an, farbige Leuchten im Heck der Bombe helfen, sie im Blickfeld zu behalten. Zunächst wurde dafür Rot verwendet, was aber dazu führte, dass die Beobachter die Bombe mit Flak-Granaten verwechselten. Grün schied aus dem gleichen Grund aus. Also kam man auf Blau.

Das Trägerflugzeug hat verlängerte Tragflächen, um mit der schweren Last auf 7000 Meter steigen zu können. Wir haben aber nicht genug von diesen Spezialmaschinen, weil die RAF die Fabrik in Lübeck, wo sie gebaut werden, zerbombt hat. Wenn die Bomben aus 7000 Metern abgeworfen werden, beträgt die Fallzeit 42 Sekunden, aus 6000 Metern noch 38 Sekunden. In beiden Fällen ist die Aufprallgeschwindigkeit 750 km/h.«

Eine letzte, aber sehr wichtige Information war die, dass es für Angriffe auf Handelsschiffe Aufprallzünder gab, bei schwer gepanzerten Schiffen allerdings Verzögerungszünder. Nur rund einen Monat später mussten die Alliierten bitter erfahren, was das bedeutete.

Einschneidender Angriff

Am 3. September 1943 landeten die Alliierten in Salerno bei Neapel und schon fünf Tage später kapitulierten die Italiener. Dies kam für die Alliierten genau zur richtigen Zeit, da sie besorgt waren, dass die italienische Flotte in die Geschehnisse eingreifen könnte. Stattdessen stach diese mit den Schlachtschiffen Roma, Vittoria Veneto und Italia von La Spezia aus in See, um zu verhindern, dass 17 Schiffe in deutsche Hände fielen. Als sich die italienischen Absichten abzeichneten, entsandte die Luftwaffe unverzüglich die III./KG 100 für Angriffe mit der Fritz X.

Der Kesselraum wurde geflutet und eine große Zahl von Bränden brach aus.

Die III./KG 100 beschattete die Flotte, bis sie die Straße von Bonifacio erreichte, wo elf Maschinen zu einem Angriff starteten. Major Bernhard Jope verfehlte sein Ziel nur knapp, aber das Ruder der Roma war dadurch zeitweise blockiert. Bei einem weiteren Angriff unter Oberleutnant Heinrich Schmetz konnte Leutnant Klaus Deumling von der 7./KG 100 (bei seinem ersten Einsatz) einen Treffer auf der Steuerbordseite der Roma landen. Dann erwischte Oberfeldwebel Kurt Steinborn, ebenfalls von der 7./KG 100, erneut die rechte Rumpfseite. Die Bombe stürzte durch den Schiffsboden und explodierte unter dem Kiel.

Die Dampfmaschine und der Kesselraum wurden geflutet und eine große Zahl von elektrischen Bränden brach aus. Die Roma verlor an Fahrt und begann den Anschluss an den Konvoi zu verlieren – ein leichtes Ziel für eine weitere Fritz X aus einer Welle von sieben Do 217. Die Bombe detonierte im vorderen Maschinenraum, was zu mehr Bränden und Wassereinbrüchen führte, bevor ein Magazin in einem der Geschützstände explodierte. Die Roma kenterte und brach auseinander. Mindestens 1253 Männer, darunter der Kommandeur der italienischen Flotte, gingen mit ihr unter und nur 593 Seeleute überlebten.

Die Italia hatte mehr Glück. Eine Fritz X brach durch das Schiff und explodierte unter ihr, doch trotz eines großen Lecks konnte sich das Schiff noch nach Malta retten.

Kampf gegen die Landung

Die II./KG 100, nun unter Hauptmann Heinz Molinnus, stieß jetzt zur III./KG 100, die mit ihren Hs 293 bereits Einsätze gegen Schiffe vor Salerno flog. Der nächste Schlag folgte am 11. September 1943, als eine Fritz X durch das Dach eines Geschützstandes des Leichten Kreuzers USS Savannah brach, wobei die Geschützbesatzung sofort den Tod fand. Als die Bombe im unteren Munitionslager explodierte, starben weitere Männer, die gerade versuchten, den Schaden zu bekämpfen. Die Explosion riss ein großes Loch in die Schiffshülle, was die Savannah manövrierunfähig machte. Erst nach acht Stunden konnte die Mannschaft die Öfen wieder an-heizen und Kurs auf Malta nehmen. 197 Seeleute hatten ihr Leben gelassen, 15 waren schwer verwundet.

Am 13. September wurde der Leichte Kreuzer HMS Uganda getroffen. Die Fritz X passierte sieben Decks und detonierte unter dem Kiel. 16 Männer fielen ihr zum Opfer und man musste das Schiff zur Reparatur nach Malta schleppen.

Mindestens zwei Handelsschiffe könnten am 14. September 1943 entweder Hs 293 oder Fritz-X-Bomben zum Opfer gefallen sein. Am folgenden Tag reklamierte die III./KG 100, einen 8000-Tonnen-Frachter mit einer einzigen Fritz X versenkt zu haben. Zwei Tage später kam es zu einem spektakulären Treffer, als eine Fritz X sechs Decks des britischen Kriegsschiffs HMS Warspite durchbrach und ein Loch an der Wasserlinie verursachte. Die erste Bombe löste Oberleutnant Heinrich Schmelz von der 9./KG 100 aus. Obwohl der Schaden beachtlich war, starben »nur« neun Besat-zungsmitglieder und 14 trugen Wunden davon. Auch dieses Schiff musste zunächst nach Malta und dann über Gibraltar nach England. Es blieb für fast neun Monate außer Gefecht.

Ziel: England

Der letzte Fritz-X-Angriff auf Salerno resultierte am 17. September 1943 lediglich in schwachen Schäden an einem weiteren Leichten Kreuzer, der USS Philadelphia. Die Verluste der Deutschen im Zeitraum zwischen dem 13. und dem 17. September 1943 beliefen sich auf zehn Do 217 von der II. und III./KG 100 – sieben E-5 und drei K-2.

Im Oktober 1943 verlegte die III./KG 100 von Foggia nach Toulouse-Blagnac in Südfrankreich, doch nach mehreren Wochen ohne Einsatz ging es heimwärts nach Eggebeck. Nur die 8. und 9./KG 100 verlegten Mitte Februar 1944 für Übungen zurück nach Toulouse-Francazal. Der Angriff auf Plymouth in der Nacht des 29. April 1944 war ihr erster Kampfeinsatz nach fast sieben Monaten. Neueste Aufklärungsfotos hatten ergeben, dass ein Schlachtschiff der King-George-V-Klasse in einem Hafenbecken östlich des Devonport Naval Dockyard lag, ein weiteres Schlachtschiff und ein Kreuzer befanden sich in der Nähe.

Vor Sonnenaufgang des 29. April 1944 hoben 15 Do 217 K-2 und K-3 mit jeweils einer einzelnen Fritz X von Toulouse-Francazal mit Kurs auf Orleans ab, wo sie ihren Kommandeur Hauptmann Herbert Pfeffer trafen, der von einer Dienstreise zurückgekehrt war. Im Dezember 1943 hatte er die III./KG 100 von Hauptmann Gerhard Döhler erhalten. Letzterer war ab September 1943 Kommandeur, als Jope das KG 100 übernommen hatte.

Am Nachmittag des 29. April 1944 bekamen die Besatzungen ihr Ziel- und Taktikbriefing. Das größte Problem bestand darin, dass sie keine Erfahrung in Nacht-Zielanflügen mit der Fritz X hatten, schon gar nicht unter Frontbedingungen. Für viele Piloten, darunter auch Hauptmann Pfeffer, war es der erste Einsatz mit einer Fritz X. Zwölf Maschinen unter Führung von Pfeffer starteten in der Nacht und nahmen Kurs auf Morlaix in der Bretagne, wo sie den Knickebein-Kursleitstrahl nach Plymouth aufnahmen. Das Ziel sollte von Ju 88 von der I./KG 66 beleuchtet werden; wie sich herausstellte, kamen diese aber zu spät oder die III./KG 100 zu früh. Wie dem auch sei: Als die ersten Flugzeuge über Plymouth eintrafen, waren keine Fackeln am Himmel zu sehen. Dazu kam, dass ein Nebelund Rauchschleier die Stadt abschirmte.

Die Piloten konnten bei ihrem Angriff folglich nur einen minimalen Schaden in der Stadt und an den Schiffen hinterlassen. Dafür gingen allerdings eine Ju 88 von der 5./KG 6, eine weitere von der 9./KG 54 und eine Fw 190 von der 3./SKG 10 über dem Kanal verloren, während eine zweite Fw 190 von der 3./SKG 10 nahe Saint Brieuc in der Bretagne abstürzte. Die 68 Squadron beanspruchte zwei Ju-88-Abschüsse, eine davon wahrscheinlich vor Mor-laix, eine weitere fiel südlich von Start Point der 406 Squadron zum Opfer.

Die III./KG 100 versenkte mit einer einzigen Fritz X einen 8000-Tonnen-Tanker.

Herbe Einbußen

In derselben Nacht mussten die Deutschen zwei weitere schwerwiegende Verluste verschmerzen. Die Do 217 K-3 von Leutnant Herbert Palme von der 9./KG 100 befand sich im Anflug auf Plymouth, als offensichtlich die Querruder blockierten. Palme schätzte die Ziellage und löste die Bombe aus, aber kurz darauf befand er sich im Kreuz von Suchscheinwerfern. Er verlor die Kontrolle über das Flugzeug, das ins Trudeln kam und bei Totnes in Devon abstürzte.

Der zweite Verlust war die Do 217 K-2 des Kommandeurs. Nachdem sie das Zielgebiet erreichten, hatte die Besatzung ebenfalls keine Zielsicht. Der Pilot flog vier Kreise, als Such-scheinwerfer ihn blendeten und der rechte Motor plötzlich Feuer fing. Der Bombenschütze löste die Gleitbombe aus und die Besatzung versuchte auszusteigen. Pfeffer und sein Beobachter kamen um, als der Bomber südlich von Plymouth abstürzte, zwei der Besatzungsmitglieder überlebten. Obwohl letztere glaubten, dass sie Opfer von Flak oder Steuerfehlern der Piloten waren, erhielt Squadron Leader David Williams von der 406 Squadron die Lorbeeren für zwei abgeschossene Do 217.

Er berichtete: »Wir flogen freie Jagd auf ein gut beleuchtetes Objekt genau im Süden und hatten bald Kontakt mit einem wild manövrierenden Ziel in fünf Meilen Entfernung, dass sich als Do 217 herausstellte. Bei bester Beleuchtung flogen wir einen Angriff aus geringer Entfernung und konnten mit Treffern im rechten Motor ein Feuer auslösen. Flammen schlugen aus dem Flügel und Teile lösten sich. Das Flugzeug begann zu trudeln und schlug am Boden auf. Die Bodensuchmannschaft meldete später ein totes Besatzungsmitglied.

Ein zweiter Kontakt in zwei Meilen rechts konnte aufs Meer hinaus verfolgt werden. Das Ziel flog heftige Ausweichmanöver und konnte ebenfalls als Do 217 identifiziert werden. Aus 100 Yards (rund 90 Meter) konnte ich einen kurzen Feuerstoß in den rechten Motor setzen; der Gegner legte sich auf den Rücken und stürzte ins Meer.«

Übertriebene Zahlen

Nach Angaben der Luftwaffe nahmen ganze 400 Flugzeuge am Angriff auf Plymouth teil, in Wirklichkeit und nach britischen Aufzeichnungen waren es wohl 30 bis 35, während erhaltene deutsche Dokumente von 101 Flugzeugen sprechen. Der Alarm brach um 3:15 Uhr los und dauerte 70 Minuten.

Hier ein Auszug aus dem Schadensbericht: »Der Angriff konzentrierte sich auf die Küstenlinie, mit einem tragischen Vorfall in der Nähe von Oreston. Das Dorf wurde von mehreren Bomben getroffen, insgesamt verloren 18 Menschen ihr Leben. Ein Anderson-Luftschutzbunker erhielt einen Volltreffer mit weiteren Toten. In Plymouth selbst gab es neun Tote und 16 Verletzte. Ein weiterer Volltreffer landete im Busdepot. Der zweitschwerste Vorfall ereignete sich, als Bomben auf die Browning Road, Fisher Road und Beaumont Street fielen, Menschen zu Tode kamen und weitläufige Zerstörungen angerichtet wurden.«

Schiffe kamen nicht zu Schaden, aber offensichtlich fiel eine Fritz X »direkt in die Mitte des Erholungsbereichs des Gasversorgers, ohne Schaden an den vielen dort am Rande abgestellten Fahrzeugen und Kriegsmaterialien anzurichten.«

Der Angriff auf Plymouth war der einzige Einsatz gegen die britischen Inseln mit deut-schen Fritz-X-Bomben. Die Invasion der Normandie stand weniger als einen Monat bevor und die III./KG sah sich bald gezwungen, in den Kampf um die Region einzugreifen und gleichzeitig die neuen Do 217 M-11 einzusetzen, die eine Fritz X unter ihrem modifizierten Rumpf trugen.

Gleitbomben in der Normandie

Insgesamt griff die Luftwaffe allerdings mehr auf Hs 293 als auf Fritz X für die Angriffe auf Schiffe vor der Küste der Normandie oder Brest zurück. Im August 1944 wurden die Einsätze auf See zugunsten von Angriffen auf Landziele reduziert, um den Vormarsch der Alliierten zu verzögern – erstmals nahm man Abstandswaffen gegen solche Ziele her. Insbesondere die strategisch wichtigen Brücken bei Pontaubault und Pontorson an der Basis der Cherbourg-Halbinsel waren im Visier der Deutschen, da hier die nachgeführten amerikanischen Truppen durchmussten.

Nach der alliierten Invasion der Provence in Südfrankreich (Operation Dragoon) am Abend des 15. August 1944, erhielt die III./ KG 100 den Auftrag, Schiffsziele vor Saint Raphael anzugreifen. Es gelang, drei Landungsboote und einen Zerstörer zu beschädigen oder zu versenken, eines der Boote ging auf das Konto eines Oberfeldwebel Kube. Drei Flugzeuge gingen durch Flakbeschuss verloren. Der Verlust der Landungsboote LST 282 und LST 384 wurde HS 203 Gleitbomben zugeschrieben, der Zerstörer war vermutlich das Kommandoboot USS Bayfield (zu dem Zeitpunkt gingen keine Schlacht- oder Handelsschiffe verloren). LST 282 erlitt einen Volltreffer, die Bombe durchschlug das Hauptdeck und explodierte unter Wasser, wobei mindestens 40 Soldaten ums Leben kamen und das Boot Feuer fing. An den folgenden zwei Abenden flog die III./100 erneute Angriffe, hatte jedoch keinen Erfolg, da die Alliierten die Steuersignale der HS 203 störten und die Bomben so ihre Ziele verfehlten.

Auf Befehl verlegte die III./KG am 18. und 19. August 1944 zurück nach Garz und wurde bald darauf aufgelöst. In der verbliebenen Zeit bis zum Kriegsende hatte das Erprobungskommando 36 wohl einige Flugzeuge und Besatzungen der Einheit übernommen, das Ende 1944 den Namen Versuchskommando/KG 200 erhielt. Dieses flog weiterhin Übungsangriffe gegen Schiffe, sowohl mit drahtgesteuerten wie auch kamerageführten HS 203. Der fehlgeschlagene Fritz-X-Angriff auf Plymouth war da schon fast vergessen.