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SCHLANGENBISS


FMT Flugmodell und Technik - epaper ⋅ Ausgabe 8/2019 vom 25.07.2019

Die Mamba 70 CC ist eine Konstruktion von Quique Somenzini und Kevin Kimball. Als Basis diente die originale Pitts Model 12, bei der aber einige Veränderungen – etwa eine schlankere Motorhaube und eine Vergrößerung der Flächentiefe – vorgenommen wurden. Ist die Mamba bissig, packt sie beim 3D-Fliegen richtig zu? Meine Erfahrungen mit ihr schildere ich im Folgenden.

ZUM VORBILD


Die Pitts Model 12 geht auf eine Konstruktion von Curtis Pitts aus dem Jahre 1993 zurück, die von Jim Kimball Enterprises produziert wird. Bekannte Versionen sind die einsitzige Beast, die Pitts Python oder die Viking, die alle auch ...

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... als RC-Modelle von verschiedenen Herstellern erhältlich sind. Der russische Wedenejew-M14P/PF-Sternmotor verleiht der originalen Pitts Model 12 mit seinen 360 PS beeindruckende Flugleistungen

.

Die Anatomie des Reptils

Vom Aufbau her entspricht die Mamba den typischen ARF-Holz/Folie-Modellen, präsentiert sich aber qualitativ auffallend hochwertig. Die Folie ist sauber aufgebügelt, die GFKRadschuhe und die GFK-Motorhaube sind in passenden Farben lackiert. Der Baldachin und das Fahrwerk bestehen aus lackiertem Aluminium, auch die Verklebungen sind tadellos. Eine große Arbeitserleichterung sind die vorgebohrten Löcher und die schon eingesetzten Einschlagmuttern. Die Folie wurde schon an allen Öffnungen und noch zu klebenden Stellen vom Hersteller entfernt. Die gut gemachte Bauanleitung stellt jeden Bauschritt in Wort und Bild dar und lässt keine Fragen offen.

Die Höhenruderklappen werden mit einem massiven Stahldraht verbunden, der vor dem Einkleben der einteiligen Dämpfungsflosse in den Spalt im Rumpf eingesetzt werden muss

UWE GRENDA, FOTOS: GEORG RODENBECK, FLIMAUFNAHMEN: MATTHIAS FÖRSTER


Der zukünftige Schlangenbeschwörer hat die Wahl, ob er ein oder zwei Höhenruderservos einsetzen will. Ebenso kann er das Seitenruder entweder mit Stahlseilen mit einem Servo unter der Kabinenhaube oder mit einer Anlenkstange unter dem Höhenruder ansteuern. Aus Schwerpunktgründen habe ich mich für nur ein Höhenruderservo und die Seitenruderanlenkung per Stahlseil entschieden.

Meine Motorwahl

Vom Hersteller empfohlen wird der Desert- Aircraft-DA70-Boxermotor, der bei mir aber nicht zum Einsatz kommt. Vielmehr habe ich den bei mir schon vorhandenen Great Power Engine GP 61 in Verbindung mit einem 60-mm- Zimmermann-Schalldämpfer an den Holzmotordom geschraubt. Die Bohrlöcher sind identisch zum DA-Motor, ich musste lediglich 10 mm mit Distanzbolzen überbrücken. Als Spinner wählte ich ein 100-mm-Exemplar von aero-naut

Sehr wichtig scheint, dass die 25-mm- Kohlefasersteckungsrohre an der richtigen Stelle eingesetzt werden, denn sie sind für oben und unten jeweils extra gekennzeichnet. Beim Blick mit einer Taschenlampe in die Rohre meine ich zu sehen, dass sie innen etwas anders verstärkt sind, denn äußerlich gleichen sie sich in den Abmessungen und dem Gewicht. Da die neuralgischen Punkte der Rohrhülsenenden im Rumpf und am oberen Flächenmittelstücks verschieden breit sind, würde die innere Verstärkung Sinn machen. Ich halte mich jedenfalls an die Vorgabe und nehme es vorweg: Die Rohre halten jeglicher Belastung stand. Die Bauanleitung sieht vor, in die Nasenleisten sogenannte Shark Teeth einzukleben, die die Strömung im Langsamflug optimieren sollen. Ich habe sie jedoch aus optischen Gründen weggelassen.

SEILANLENKUNG CRIMPEN

Bei der Seilanlenkung empfiehlt sich immer, eine zusätzliche Schlaufe einzuarbeiten. Dadurch wird die Quetschhülsen-Crimpung belastbarer

Schritt 1: Die Quetschhülse auffädeln.


Mit einer Zange führt man das überstehende Seilende noch mal durch die Hülse.


Nun vercrimpt man die Hülse.


Das Seilende fädelt man mit etwas Überlänge durch die Quetschhülse.


Das überstehende Ende wird abgeschnitten


Die Vercrimpung kann man mit etwas Schrumpfschlauch überziehen, das schützt das Seil vor Beschädigungen – und auch den Jackenärmel.


Der Great Power Engine GP 61 passt bis auf den Kerzenstecker komplett unter die Motorhaube.


Vor dem Einkleben der Ruderhörner und Flächenverbinder-Halterungen sollten die Ränder mit Klebeband geschützt werden.


Schnell aufgebaut

Der Aufbau des Modells ist durch das fest installierte Höhenruder recht schnell gemacht. Die Tragflächen werden freitragend ohne Verspannung am Rumpf und Baldachin gesteckt und dann jeweils mit einer M4-Schraube befestigt. Die Streben werden mit je zwei Haltebolzen an den Tragflächen fixiert und mit einem Klebestreifen am Verrutschen gesichert.

Die beiliegenden Aufkleber waren allesamt auf einer durchsichtigen Trägerfolie zum Selbstausschneiden. Da ich persönlich ein Fan von adaptiertem Warbirdfinish auf Kunstflugzeugen bin, bestellte ich mir neue Aufkleber mit amerikanischen Hoheits- und Airforce-Emblemen bei JR-Foliendesign. Ein fetziger Schlangenkopf ziert zusätzlich meine Motorhaube. Da auch ein Pilot nicht fehlen durfte, nahm ein 1:3-Acro-Klaus von Graupner in der Kabinenhaube seinen Platz ein.

Choke- und Gasservo sind in einer Wabenplatte im Motordom untergebracht


Die Weiche, der Empfänger und das Cortex Gyro befinden sich unter der Kabinenhaube


Die vordere Rumpfeinheit ist durch die große Rumpföffnung gut erreichbar.


Die große Rumpföffnung der Mamba wird mit zwei Deckeln verschlossen.


Die Anlenkungen sind alle spielfrei mit M3- Kugelköpfen ausgeführt


Erleichtert das Handling am Boden: Das Spornrad wird vom Seitenruder mitgeführt.


Die Luft, die vorn zum Kühlen des Motors herein kommt


muss hinter dem Motor wieder heraus.


Die Flächen kommen mit Haltebolzen an die Streben, am Verrutschen gesichert werden sie über Klebestreifen.


Das Innenleben der Kunstflugschlange

Für die Querruder kommen bei mir je ein Savox SV 1270 TG und für Höhen- und Seitenruder je ein Savox SB 2290 SG zum Einsatz. Die Stromversorgung übernimmt eine Emcotec DPSI-RV-Mini-6-Weiche mit zwei Emcotec LiIo- Akkus mit jeweils 4.250 mAh. Ich habe an der Weiche die Empfängerspannung auf 5,9 und die der Servos auf 8,4 V eingestellt. Für die Zündung benutze ich einen fernsteuerbaren RCV-Zündschalter von Emcotec und einen zweizelligen LiIon-Zündakku mit 3.300 mAh. Die Akkus und Servos werden an den Übergängen mit Emcotec-Click-Connect-Steckern sicher zusammengehalten. Um einer umständlichen Choke-Anlenkung aus dem Weg zu gehen, habe ich die Choke-Klappe mit einem KST BLS 661 WP und die Drossel mit einem KST BLS 662 WP angesteuert. Premier Aircraft empfiehlt sein Gyrosystem Aura 8 AFCS; ich habe – weil vorhanden – einen Cortex Pro von Bavarian Demon eingebaut. Das Aura-Gyro konnte ich mir bei Teampilot Markus Weininger anschauen, es funktioniert tadellos

Sind optional: die Shark Teeth in den Nasenleisten, hier an der Mamba von Werkspilot Markus Weininger


Natürlich gehört ein Pilot in das Cockpit, in diesem Fall der 1:3-Acro-Klaus von Graupner


Schlangendressur: Programmierung und Einstellung

Die Empfängerakkus musste ich wegen dem leichten Motor innen am Motorspant befestigen, der Zündakku fand seinen Platz seitlich am Motordom. Damit war der angegebene Schwerpunkt (81 mm hinter der Vorderkante der unteren Tragfläche) gut einzuhalten. Ich hatte schon in Forumsbeiträgen gelesen, dass Premier Aircraft beim Abfluggewicht wohl einen Tippfehler in der Beschreibung haben muss, denn die mit einem Boxer ausgestatteten Mambas übersteigen das angegebene Abfluggewicht von 8.600 g um gut 2.000 g. Bei mir war es mit knapp 10 kg auch gut darüber, was mir bei dieser Flugzeuggröße aber als nicht zu viel erscheint.

Die Bauanleitung gibt zwei verschiedene Ruderausschläge mit Expowerten an. Ich bin nur am Höhenruder mit dem großen Ausschlag davon abgewichen und habe hier alles eingestellt, was die Anlenkung her gibt ein. Die Expowerte stellte ich als Daumen/ Handsender-Pilot insgesamt etwas größer ein. Nach einigen Flügen bin ich beim Querruder auf 85%, beim Höhenruder auf 70% und dem Seitenruder auf 55% Expo gekommen. Ein richtig cooles Gimmick ist die Krähenstellung, das Auseinanderfahren der vier Querruder, was ich per Mischer auf einen Taster gelegt habe.

Die Mamba lernt fliegen

Da mein Motor schon zwei Flugsaisons hinter sich hatte und er gerade frisch vom Lagertausch bei JSB-Modellmotoren zurückkam, war Einlaufen kein Thema – und ich konnte mich gleich voll auf die Mamba konzentrieren. Nach dem Reichweiten- und Funktionstest mit laufendem Motor ging es auf die Startbahn. Und die Maschine war nach wenigen Metern in der Luft.

Bis auf eine kleine Querruderkorrektur flog sie sofort, als wär es schon ihr x-ter Flug. Ich habe erstmal Höhe gewonnen, um das Abreißverhalten zu erproben. Mit dem kleinen Ausschlag ist sehr spät ein leichtes Wegkippen zur Seite zu sehen, mit dem großen Ausschlag geht sie nur in einen stabilen Sackflug über. So flog ich gleich ein paar Standard-Kunstflugfiguren und konnte nach den Eingewöhnungsmanövern mit den 3D-Figuren beginnen

Und wie sie es kann!

Die Mamba flog agil wie ein Eindecker und machte sofort alles mit. Im Harrier war ein leichtes Flächenwackeln zu sehen, was aber im Rücken-Harrier nicht vorhanden ist. Im Messerflug zeigt sie eine leichte Tendenz, auf Tiefe abzudriften, jedoch so gering, dass ich es nicht für nötig halte, hier einen Mischer einzustellen. Meine anfänglich eingestellten Expo- Werte waren übrigens etwas hoch: Ich habe sie nach dem Flug auf die oben angegebenen Werte reduziert. Das Zuschalten der Cortex- Pro-Stabilisierung quittiert die Mamba mit einer angenehmen Windunempfindlichkeit. Zur Landung bremst sie doppeldeckertypisch ab und setzt sanft auf.

In den weiteren Flügen zeigte sie ihr volles Potenzial im normalen Kunstflug, aber hauptsächlich im 3D- und Extreme-Aerobatics- Bereich. Festigkeitsmäßig scheint sie alles mitzumachen, Crankshafts und PopTops bei Vollgas steckt sie locker weg. Auch ein Somenzini bei Halbgas senkrecht abwärts bereitet ihr kein Problem. Bei Powerrollen bleibt die Maschine bestens kontrollierbar und dreht mit einer guten Rollgeschwindigkeit. Gegenüber einem Eindecker ist die Fluggeschwindigkeit etwas geringer, aber die Mamba zieht trotzdem flott durch das Programm.

Bei einem Slip lässt sie recht krasse Anstellwinkel zu, wobei sicher der voluminöse Rumpf eine tragenden Rolle spielt. Superstark wirkt es, wenn man zur Landung mit Absicht viel zu hoch anfliegt, um dann senkrecht abwärts die Krähenfunktion einzusetzen. Kurz nach dem Abfangbogen bringe ich die Querruder wieder in die Normalposition und fahre die Krähe noch mal zur Landung voll aus. Natürlich kann man den Landeanflug auch mit einem Slip abkürzen, aber die Krähe ist ein cooles Gimmick.

Der Alltag im Leben einer Schlange

Ich benutze die Mamba fürs Training, habe sie aber auch schon auf einige Flugtage als Displaymaschine mitgenommen. Bei alledem beweist sie eine hervorragende Alltagstauglichkeit. Neben der üblichen Wartung musste ich nach 15 Flügen die Seitenruderseile nachspannen, was danach aber nicht noch mal notwendig war. In der Sonne stehend bekommt die Folie natürlich immer wieder ein paar Falten, die sich aber schnell wegbügeln lassen. Die Baldachinschrauben habe ich zwischendurch auch mal eine halbe Umdrehung nachgezogen, was den Vibrationen des Einzylinders zu schulden ist. Ich setze auf Schnorrscheiben an den Schrauben und verwende mit Absicht keinen Schraubensicherungslack, da das Holz immer am Anfang in den Einschlagmuttern etwas nachgibt. Ansonsten gibt es nach nun über 50 Flügen keine Auffälligkeiten.

Kein Serum nötig

Die Mamba macht aus ihrem Besitzer einen dauerhaften Schlangenbeschwörer. Sie bedankt sich mit tollen Flugeigenschaften und dem Charme eines starken Doppeldeckers. Für den Start und die Landung benötigt sie nur eine kurze gepflegte Rasenpiste, auf dem Flugplatz ist sie schnell auf- und abgebaut. Im 3D-Kunstflug muss man sich durch ihre Agilität und Festigkeit nirgends einschränken. Kurzum: Die Mamba ist eine gelungene Kunstflug-Konstruktion, sie ist unkompliziert und macht ausnahmslos Spaß

Mamba 70CC

Verwendungszweck: (3D-)KunstflugModelltyp: ARF-ModellHersteller/Vertrieb: Premier Aircraft/LindingerBezug und Info: direkt bei www.lindinger.at, Tel.: +43 (0) 7582 813130UVP: 999,99 €Lieferumfang: fertig aufgebauter Rumpf, Flächen und Leitwerke, lackierte GFK-Radverkleidungen und Motorhaube, ohne ElektronikErforderl. Zubehör: Motor, Schalldämpfer, Luftschraube, RC-KomponentenBau- u. Betriebsanleitung: 30 Seiten, deutsch mit vielen Bildern, mit Angabe zu Ruderausschlägen und Schwerpunkt, SicherheitshinweiseAufbau Rumpf: folienbespannte Holzkonstruktion mit FinishTragfläche: folienbespannte Holzkonstruktion mit FinishLeitwerk: folienbespannte Holzkonstruktion mit FinishMotorhaube: GFK, lackiertKabinenhaube: Klarsichthaube, abnehmbar, Holz/Kunststoff, lackiertMotoreinbau: am HolzmotordomTechnische Daten Spannweite oben/ unten: 1.951 mmLänge: 2.010 mm mit 100-mm-Spinner (aero-naut)Spannweite HLW: 840 mmFlächentiefe an der Wurzel: oben 350, unten 347 mmFlächentiefe am Randbogen: oben und unten 340 mmTragflächeninhalt: 134,6 dm²Flächenbelastung: 74,1 g/dm²Tragflächenprofil Wurzel: vollsymmetrisch, 12%Tragflächenprofil Rand: vollsymmetrisch, 12%Profil des HLW: ebene Platte, 13 mmGewicht/Herstellerangabe: 8.610 gFluggewicht Testmodell ohne Sprit: 9.600 gFluggewicht vollgetankt: 9.975 gAntrieb vom Hersteller empfohlen/verwendet Motor: DA70 bzw. 50- bis 70-cm³- Benzinmotor empfohlen, GP-61 mit Zimmermann- Schalldämpfer verwendetPropeller: Falcon 24×9“RC-Funktionen und Komponenten Höhenruder: Savox SB-2290 SGSeitenruder: Savox SB-2290 SGQuerruder: 4 × Savox SV-1270 TGVerwendete Mischer: Krähenfunktion bei QuerrudernEmpfänger: Graupner HoTT GR-24Empf.-Akku: 2 × LiIon 4.250 mAh