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SCHLEIEN-ANGELN: EINFACH MODERN


Blinker - epaper ⋅ Ausgabe 70/2018 vom 15.06.2018

Wie man Schleien auf die moderne Tour fängt, das weiß Friedfisch-Experte Robin Illner. Er legt die grünen Schönheiten mit Boilies und Mais an der Festblei-Montage auf die Abhakmatte.


„ SCHLEIEN SIND SCHÖNE FISCHE – IM GRÜNEN SCHUPPEN-KLEID MIT ROTEN AUGEN EINZIGARTIG UNTER DEN HEIMISCHEN FRIE DFISCHEN.“


Artikelbild für den Artikel "SCHLEIEN-ANGELN: EINFACH MODERN" aus der Ausgabe 70/2018 von Blinker. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Blinker, Ausgabe 70/2018

Einfach und effektiv: Robin Illner fängt solche dicken Schleien mit einer recht simplen Methode.


Heiße Stelle: Zwischen solchen Seerosenbeeten verlaufen die Schleien-Straßen. Zielgenaues Werfen ist hier ein Muss.


Der Schleien-Angler ist möglicherweise dafür verantwortlich, wie das Bild des Anglers in der ...

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... Öffentlichkeit geprägt wurde: Ein Mann sitzt im Morgengrauen alleine im hohen Gras an einem kleinen See. Er trägt dabei einen Schlapphut aus Stroh auf seinem Kopf. Die Sonne durchbricht die grau-grünen Tannen am Rand des kleinen Weihers. Zarter Bodennebel liegt auf dem Grün. Nur wenige Meter vom Ufer entfernt steht eine orangefarbene Stachelschweinpose vor einem Seerosenfeld. Auf dem Haken zappelt ein Wurm. Die Vögel singen, ansonsten ist es still. Die Realität eines modernen Großschleien Anglers sieht anders aus – und die Illusion, die sich in den Köpfen vieler Angler festgebrannt hat, muss ich Ihnen im Folgenden leider nehmen.

Schleien-Angeln muss nicht hochkompliziert sein. Ich befische gerne kleine Seen und Kanälen direkt vom Ufer. Kein Boot, kein Echolot, kein Schnickschnack – ich habe nur einfaches Angelgerät dabei. Meine Spots wähle ich so, dass ich sie problemlos anwerfen kann. Weil es mir wichtig ist, möglichst genau zu werfen, halte ich die Entfernung entsprechend kurz. Je kürzer die Wurfdistanz, desto eher kann ich den Futterplatz optimal treffen. Dafür nutze ich 3,60 Meter lange Grundruten mit einer weichen Aktion und einer Testkurve von 1,75 lb, wie die „Old School Light“ von Radical. An meinen Ruten befinden sich kleine Stationärrollen, die mit 0,25er-Monofil bespult sind.

TÄUSCHEN UND TARNEN

Schleien sind schöne Fische – im grünen Schuppenkleid mit roten Augen einzigartig unter den heimischen Friedfischen. Aber warum sind Schleien eigentlich Grün?

Mutter Natur hat es wieder einmal perfekt eingerichtet. Die scheuen Fische halten sich bevorzugt inmitten von Wasserpflanzen auf. Das hat mehrere Vorteile, mit denen sie ihr Überleben im kleinen See sichern. Zum einen bieten Wasserpflanzen Schutz, zum anderen ist der Tisch im Grünen reich gedeckt. Große Räuber wie Hechte oder Welse haben es schwer, im dichtesten Kraut zu jagen. Außerdem finden Schleien im Unterwasser-Dschungel reichlich Nahrung. Ganz so friedlich wie der Name besagt, sind diese Friedfische nämlich nicht. Auch Süßwassergarnelen, Muscheln, Schnecken und allerlei Larven stehen auf ihrem Speisezettel. Der dritte und vielleicht wichtigste Grund: Schleien brauchen Wasserpflanzen, um an diesen ihren Laich abzulegen.


„GANZ SO FRIEDLICH WIE DER NAME BESAGT, SIND DIE FRIEDFISCHE NÄMLICH NICHT!“


Das Gerät umfasst kleine 8er-bis 12er-Haken. Die Schnüre sollten 0,25er-Monofil nicht überschreiten.


Ködervielfalt: Eine Kombination aus künstlichem und natürlichem Maiskorn hat sich bewährt. Gute Alternativen sind Boilies und Partikel.


Neon-Köder: Je greller, desto besser. Boilies und Kunstmais in leuchtenden Farben bringen die Schleien in Fahrt.


VOLL IM LIEBESRAUSCH

Das Laichgeschäft der Schleien kann sich lange hinziehen, sehr lange. Es gibt keine andere heimische Fischart, die so lange in den Liebesrausch verfällt. Die Schleie laicht dabei in Intervallen. In die krautreichen Gewässerbereiche, die zudem flach und schnell erwärmt sind, kommen zunächst die männlichen Fische, die sich als erstes fangen lassen. Die Damen lassen die Herren dort lange warten und gesellen sich erst Tage oder Wochen später dazu. Schleien laichen an einem Tag und unterbrechen das Liebesspiel dann wieder für einen weiteren Tag. In der liebesfreien Zeit fressen sie viel, um Kraft zu tanken. Das Hin und Her zwischen Fressen und Laichen kann mehrere Wochen dauern. Mein kleiner See ist bereits zum Ende des Frühjahrs und im frühen Sommer ziemlich stark verkrautet. Zwischen den Pflanzenfeldern ziehen breite und lange krautfreie Straßen entlang. Die Fische patrouillieren durch diese Bereiche – zumindest die Weibchen. Die Männchen haben sich bereits an zwei unterschiedlichen Bereichen im See versammelt und sind dort recht zuverlässig zu fangen. Ich habe zwei Tage an einem dieser Bereiche gefischt und konnte neun Schleien fangen – allesamt waren es Männchen. Diese lassen sich eindeutig an ihren deutlich größeren Brustflossen erkennen. Die Weibchen hingegen sind im See aktiv, ziehen durch die Krautfelder und schlagen sich kräftig den Bauch voll – schließlich benötigen sie viel Energie, um den Laich zu produzieren.

Das Anfutter ist eine Mischung aus Kichererbsen, Mais, Weizen und Hanf. Ausgebracht wird es mit einer Futterkelle.


Das Futter sollte aus möglichst vielen kleinen Partikeln bestehen. Mais und Maden gehen immer. Aber auch ein spezielles Schleien-Futter lockt die Fische auf den Platz.


SPRINGENDE SCHLEIEN

Der See ist flach, hat keinen extrem großen Schleien-Bestand, aber dafür kapitalere Fische. An sonnigen Tagen rollen die Schleien an der Oberfläche, wahrscheinlich um Parasiten loszuwerden. So verraten sie sich. Ich habe bemerkt, dass springende Schleien-Weibchen in diesen Bereichen auch häufig fressen. Ich beobachte den See oft stundenlang und suche mir meinen Angelplatz danach aus, wo die meisten Fische rollen und springen – und das mit großem Erfolg. Immer wenn ich die Weibchen an der Oberfläche beobachten konnte, habe ich sie auch gefangen.

Die Ruten sind ausgelegt, nun heißt es warten. Wann wird der elektronische Bissanzeiger das erste Mal piepen?


Beute mit Boilies: Murmeln mit Ananas-und Erdbeergeschmack in 16 Millimeter Durchmesser brachten dieses Schleien-Duo auf die Abhakmatte.


FRUCHTIGE AROMEN

Meine Köder und das Futter sind recht einfach gehalten. Das Futter werfe ich mit einer Futterkelle in den See ein. Bis zu 30 Meter weit – je nach Gewicht der Köder – kann ich mit einer gefüllten Kelle werfen. Das Futter streut beim Einwerfen zwar extrem, aber das ist genau richtig so. Die Fische sollen auf dem Futterplatz suchen und sich lange dort aufhalten, bis mindestens eine dicke Schleie meine Köder findet. Mein Futter besteht aus einem Partikelmix, aus Tigernüssen und kleinen Boilies. Bei den Boilies setze ich vor allem auf süße Kugeln in einem Durchmesser von 16 Millimetern. Mit dem „Yellow Zombie“ mit kräftigem Ananas-Geschmack und dem „Punky Monkey“ mit Erdbeer-Bananen-Aroma habe ich sehr gute Fänge beim gezielten Angeln auf Schleien gemacht. Meine Partikel koche ich vor dem Einsatz und habe diese in einem Eimer mit Wasser bedeckt stets griffbereit. Weizen, Mais und Hanf koche ich bis zu 30 Minuten, damit diese wirklich butterweich sind – Schleien lieben weiche Köder. Sie reagieren außerdem hervorragend auf Farben. Vor allem Rot, Orange und Gelb scheinen bei den Fischen gut anzukommen. Aus diesem Grund garniere ich meinen Hakenköder öfter mit einem bunten Gummi-Maiskorn oder einem kleinen Pop Up-Boilie.

Zum Schleien-Angeln verwende ich Selbsthak-Montagen. Oft dauert es mehrere Stunden, bis ein Fisch den Köder findet. Diese Zeit verbringe ich auf einem bequemen Stuhl mit einer Tasse Kaffee und warte, bis sich eine dicke Schleie gegen das Blei am Safety Clip hakt. Ich fische mit Safety Clips, die es erlauben, dass sich der Wirbel aus dem Clip zieht, wenn die Schleie in das dichte Kraut flüchtet und abreißt.

SCHWERE KÖRBE

Bei meinen Ansitzen auf Schleien verwende ich zwar häufig, aber nicht immer Bleie zwischen 80 und 120 Gramm, sondern teilweise auch Futterkörbe mit einem Eigengewicht von 100 Gramm. In diese gebe ich einen Mix aus Partikeln und dem gut bindenden Futter „Tench“, das ich vor einigen Jahren entwickelt habe. Der Lockeffekt wird mit einem Futterkorb noch größer als mit einem Festblei. Als Haken verwende ich kleine 12er-Modelle an einem monofilen Vorfach der Stärke 0,22 bis 0,24 Millimeter. Abschließend muss ich Sie desillusionieren. Weder habe ich beim Angeln auf Schleien einen Schlapphut aus Stroh auf, noch sitze ich mit einem Wurm und einer Pose am Wasser. Einzig die atemberaubende Stimmung am Morgen und Abend darf auch ich erleben. Meine Montage werfe ich jetzt zielgenau in die Krautlücken und warte auf den Biss.

Im Pflanzendickicht tarnt Robin Illner die Hauptschnur und das Blei mit Hilfe von Kraut-Imitationen.