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SCHLEIEN MIT FESTBLEI: KEIN SPIELRAUM!


Blinker - epaper ⋅ Ausgabe 40/2019 vom 08.03.2019

Die Schleie ist ein kleines Mysterium. Wunderschön und schwer zu fangen – vor allem im zeitigen Frühjahr.Arnulf Ehrchen überlistet die Fische mit zwei Selbsthakmontagen im wachsenden Kraut.


Artikelbild für den Artikel "SCHLEIEN MIT FESTBLEI: KEIN SPIELRAUM!" aus der Ausgabe 40/2019 von Blinker. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Blinker, Ausgabe 40/2019

FOTO : A. EHRCHEN

Jedes Jahr das Gleiche! Ich weiß, dass es noch zu früh ist für die erste Schleie. Aber ans Wasser muss ich trotzdem. Schon mal „warm laufen“ für die kommenden Wochen. Ja, es soll noch Nachtfröste geben, aber ich will ja auch nicht über Nacht bleiben und tagsüber in der Sonne ist doch schon Frühling. „Schatz komm, wir versuchen es einfach.“ Meine Liebste begleitet mich gerne und so ist es eher ein ...

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... Ausflug als ernsthaftes Angeln. Das fühlt sich besser an, wenn es erwartungsgemäß nichts wird mit einer ersten Märzschleie.

KEINERLEI AKTION

Am See schlenze ich den Fühler des Thermometers ins Flachwasser – und nehme mir vor, erst später aufs Display zu schauen. Der Probelauf beginnt und ich beginne zu füttern. In rund eineinhalb Meter Wassertiefe bringe ich ein paar Futterkorbladungen Grundfutter mit Maden, etwas Hanf und Mais aus. Ist das Wasser noch kalt, gibt es nur wenig Futter. Später in der Saison hat der Eimer mit Leckereien für die Tincas dann eine ganz andere Füllhöhe. Nach 45 Minuten sind alle drei Ruten ausgelegt. Das Thermometer zeigt 11,8 Grad: Die Zahl ist ernüchternd, aber nicht überraschend. Das Wasser beim Futtermischen fühlte sich kühl an.

Die Bissanzeiger unter meinen Ruten schweigen lange. Mit einsetzender Dämmerung kommt die Kälte und erst mit Kapuze über der Wollmütze fühlt man sich richtig gut. „Wie lange wollen wir bleiben?“, frage ich meine Liebste. Die ist von den ersten aktiven Fledermäusen des Jahres fasziniert und plädiert für eine weitere Stunde.

Tatsächlich beleuchtet eine halbe Stunde später der Bissanzeiger der linken Rute – die meiner Freundin – unseren Angelplatz. Ein Rotauge mit fast einem Kilogramm Gewicht hat die Maden entdeckt und sich am ultrakurzen Vorfach perfekt selbst gehakt. Petri, Annika! Die Dame fängt sogar noch einen drei Kilogramm schweren Brassen. Keine Zielfische heute, aber wer will da als Friedfisch-Fan schon motzen? Ist einfach noch zu kalt für Schleien, denke ich. Denkste, widerspricht der Bissanzeiger der flachen Rute mit ordentlich Dezibel. Der Dauerton lässt mich an einen Satzkarpfen denken, aber die charakteristischen Schläge in der Rutenspitze geben mir Gewissheit,

wer da kämpft. Nach kurzer Gegenwehr keschere ich tatsächlich die erste Schleie des Jahres. Yes! Ein schönes Männchen mit 48 Zentimetern.

In milden Frühjahren sind die Schleien auch schon bei kaltem Wasser aktiv. Die Bisse sind zwar nicht zahlreich, aber mit etwas Glück und Können sind auch 50er Fische drin.


DIE TOP 4 SCHLEIENKÖDER IM ZEITIGEN FRÜHJAHR

TECHNIK & TAKTIK

Kommen wir zu den Fakten, also meinen Erfahrungwerten. Der wichtigste: Erst ab 15 Grad Wassertemperatur beginnt die Schleiensaison so richtig. Wer nicht warten möchte, ist bei kühleren Bedingungen auf jeden Fall gut beraten, wenn er neben der aktuellen Wassertemperatur auch die Wetterentwicklung im Auge behält. Steigt das Quecksilber kontinuierlich, können Sie ja mal einen Versuch wagen. Das Schöne am frühen Frühling: Man muss nicht in aller Herrgottsfrühe aus den Federn. Die Zeit von Mittag bis in die Dunkelheit hinein halte ich für die beste im März und frühen April. Lange Nachtsitzungen können wir uns noch sparen.

Wenig Anfüttern kam schon als Stichwort. Das können nur drei mandarinengroße Futterballen statt zehn „Apfelsinen“ pro Rute bedeuten. Worauf ich im März und April komplett verzichte, sind „Notköder“ wie kleinere Boilies oder Kichererbsen. Beide bringen meiner Erfahrung nach gegenüber Lebendködern wie Maden oder Würmern wesentlich weniger Schleienbisse. Doch spätestens, wenn die Rotfedern oder kleinen Aale erst wach sind, gehe ich nicht ohne Boilies aus dem Haus. Wo Maden eine Rotfeder nach der anderen beißen lassen, haben wir mit einer Mini-Kugel am Haar Ruhe – bis hoffentlich eine Schleie ihren kurzen Rüssel ausstülpt.

Noch mehr als zu späteren Zeiten dürfen Köder und Futter im zeitigen Frühjahr auffällig sein. Ein knallroter Grundfuttermix passt jetzt, genau wie eine grelle Gummimade zwischen den echten blassen. Und wenn es zur Angeltechnik passt, geht kaum etwas über Kombiköder wie Maiskorn plus quirligem Wurm.

AUF FRISCHEM GRÜN

Kommen wir zu einer Besonderheit des Saisonbeginns: die Stellenwahl. So früh im Jahr haben wir die Chance, dort zu angeln, wo später nichts mehr geht: in den Seerosen. Noch genauer auf den Seerosenblättern. Auf? Ja, aber nicht an der Wasseroberfläche, sondern auf den Grundblättern, die zuerst wachsen, noch bevor sich überhaupt Stengel Richtung Oberfläche schieben. Ich meine diese etwas „salatblattartigen“ grünen Gebilde, die Sie vielleicht schon mal im Flachwasser bemerkt haben. Hier tobt schon das Leben, wenn noch kein Schwimmblatt an der Oberfläche zu sehen ist. Schnecken grasen Algen von den Grundblättern, Insektenlarven und anderes beliebtes Schleienfutter findet hier ebenfalls Nahrung und lockt unsere Zielfische automa tisch herbei. Außerdem wachsen Seerosen immer in sehr flachem Wasser, dieses erwärmt sich am schnellsten. Mit einem flachen und 30 bis 50 Gramm schweren Grundblei an der Selbsthakmontage, welches nicht von den Blättern in den

Checken Sie unbedingt die Temperatur des Wassers! Das ist fangentscheidend. Oft sind einige Ecken des Gewässers wärmer als andere.


ERST AB15 GRAD WASSERTEMPERATUR BEGINNT DIE SCHLEIENSAISON RICHTIG!“


HÄNGERFREI DANK PVA

Um den Haken nicht gleich in einem der Blätter zu „parken“ habe ich mir bei den Karpfenanglern etwas abgeguckt. Das Hilfsmittel fürs Fischen auf Seerosen-Grundblättern ist PVA, wie es auch die Boilie-Fans einsetzen. Mit recht trocken angemixtem Grundfutter – damit es das PVA nicht gleich auflöst – stopfe ich über das mitgelieferte Befüllrohr einen Netzschlauch aus PVA. Durch diese „Wurst“ ziehe ich dann mein Vorfach und versenke die Hakenspitze darin. Auf dem Blatt löst sich die Wurst auf und gibt den Haken samt Köder inmitten eines kleinen Grundfutterhaufens frei – genial und fängig.

Zwei Methoden fürs Angeln im Gemüse sind der Method Feeder (links) und eine Festbleimontage mit PVA-Sack als Hakenschutz (rechts).


„SO FRÜH IM JAHR ANGLE ICH AUF DEN SEEROSENBLÄTTERN.“

Kleine Kombi-Köder, wie eine Made und ein Maiskorn, sind super für fressfaule Frühjahrsfische.


FOTOS: A. EHRCHEN

Schlamm rollen kann, habe ich hier Erfolg. Den Haken verstecke ich dabei in einem Netzschlauch aus PVA, welchen ich mit Futter befülle.

Gemüse-Montage Nummer zwei ist der Method Feeder. Hier sitzt der Haken oben auf dem Futter und wartet auf die nächste Schleie. Da Method Feeder nur auf ihrer Unterseite beschwert sind, landen sie immer mit Futter samt Köder nach oben – auch mitten auf einem Grundblatt. Sowohl am Method Feeder als auch an der Grundbleimontage setze ich auf Selbsthakmontagen. Die Schleie bekommt von mir kaum eine Chance, mit dem Köder zu spielen. Nimmt sie ihn auf, setzt ein Festblei oder eben der Method Feeder den Haken sofort.

Trotz aller Tricks bleibt der frühe Start in die Schleiensaison eine tückische Sache, Touren ohne Fisch gehören einfach dazu. Doch die Zeit spielt für uns. Irgendwie ist jede frühe Tinca etwas Besonderes. Das dürfen wir feiern – egal, wie groß sie ist, die erste Schleie des Jahres!


FOTOS: A. EHRCHEN, N. BREMER, ARCHIV