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Schleppfischen: Die grosse Übersicht


Petri-Heil - epaper ⋅ Ausgabe 11/2020 vom 30.10.2020

Das Schleppfischen ist hierzulande die effektivste Methode, um zuverlässig grosse Fische zu fangen. Daniel Ducret erklärt alle wichtigen Punkte, auf die es beim Schleppen ankommt.


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Bildquelle: Petri-Heil, Ausgabe 11/2020

Eine Seeforelle kurz vor dem Feumer. Sie ist die begehrteste Beute der Schweizer Schleppfischer.


Eigentlich ist das Schleppfischen ja ganz einfach. Man nimmt ein Boot, zieht ein paar Köder hinterher und kreuzt wahllos auf dem See herum, während man das Wetter und das Panorama geniesst. Und tatsächlich laufen die Köder selbstständig neben, hinter oder unter dem Boot her, doch das Schleppfischen ist eine komplexe, spannende und ...

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... mit beachtlichem Aufwand verbundene Art des Fischens. Als Belohnung winken dafür die grossen und besonders begehrten Fische. Es sind dies die Seeforellen und kapitale Freiwasser-Hechte, die für Uferfischer zumeist unerreichbar in den blauen Weiten unserer Voralpenseen ihre Runden ziehen.

Ein gewichtiger Vorteil des Schleppfischens liegt in der Anzahl der Köder, welche gleichzeitig gefischt werden können. Je nach Kanton dürfen pro Patent bis zu zehn Köder aufs Mal gefischt werden. Damit kann ein grosser Gewässerabschnitt systematisch in verschiedenen Wassertiefen bis zu 50 Meter Tiefe befischt werden - also überall dort, wo sich unsere Zielfische aufhalten. Trotzdem ist damit der Fangerfolg noch lange nicht garan- tiert. Nur eine ständige Auseinandersetzung mit der Natur, mit den Fischen, deren Nahrung und momentanen Aufenthaltsbereichen bringt die gewünschten Erfolge.

Dazu gehören auch gute Wetter- und Gewässerkenntnisse und ein systematisches Vorgehen. Durch die Erfahrung mit jeder einzelnen Schlepptour steigen die Erfolgschancen und es kommt der Moment, an dem der Schleppfischer diese Art der Fischerei nicht mehr missen will. Dazu gehört auch der Austausch mit Gleichgesinnten: Gute Ausfahrten bleiben unvergesslich und das angeregte Gespräch über fängige Köder, Gewässerstellen, Beobachtungen und Fanggebiete ist auch beim Schleppfischen nicht wegzudenken.

Skandinavier revolutionierten die Schleppfischerei

Das Schleppfischen hat eine lange Geschichte und wird in alten Angelbüchern als ehrwürdige Angeltechnik dargestellt. Die Fischer unter unseren Vorfahren hatten schon vor vielen tausend Jahren das Bedürfnis, ihre Fänge und Methoden den Mitmenschen auf Höhlenmalereien und in Form von geschnitzten Kunstwerken mitzuteilen. In der vorchristlichen Kunst der Ägypter und Griechen findet man die ersten dokumentierten Schleppangler oder Meerfischer mit Ruten. Münzprägungen vor über 2000 Jahren und später Bilder in Büchern haben viele Fischereierlebnisse für die heutige Zeit erhalten. Auch bei den Ureinwohnern Nordamerikas war das Schleppfischen seit jeher bekannt. Ihr Zielfisch war in erster Linie der Lachs. Sie knoteten aus Haaren geflochtene Schnüre an ihre Paddel. Ihre Köder waren kunstvoll aus Knochen bearbeitet und gerieten durch die Ruderbewegung in reizvolle Bewegungen. Seit Mitte des 19.

Jahrhunderts wird die Fischerei mit Rute und Rolle und künstlichen Ködern auf Raubfische ausgeübt. Es waren vor allem Skandinavier, welche sich der Spezialisierung, Erweiterung und Entwicklung der Ausrüstung annahmen. Erste Köder, vergleichbar mit den heutigen Wobblern, stammten aus Finnland. Die Finnen schnitzten diese aus Holz, bemalten sie und versahen sie mit einer Tauchschaufel. Durch ihre typischen, einen kranken Beutefisch imitierenden Bewegungen verleiten sie viele Raubfische zum Anbiss und wurden schnell auch zu einem kommerziellen Erfolg. Noch heute findet man viele Marken skan- dinavischen Ursprungs. Die Erfindung des Downriggers, Planerboards, der Tiefseerolle usw. haben dann die Schleppangelei in den letzten Jahrzenten revolutioniert.

Eine grosse Auswahl an fängigen und etwas weniger fängigen Schleppködern sammelt sich oft quasi von alleine an.


Heute wird das Schleppfischen auf Salz- und Süsswasser betrieben, zu kommerziellen Zwecken und als Freizeitbeschäftigung - und das auf der ganzen Welt.

Multirolle

Die Multirolle ist immer im Vorteil, wenn es um das Schleppfischen geht. Für das Fischen in z. T. grossen Tiefen und beim Drill kampfstarker Fische bietet sie diverse Vorteile gegenüber der Stationärrolle. Die Multirolle kann den stetigen Belastungen entgegenwirken und verfügt über ein robustes Getriebe sowie eine zuverlässige Bremse.

Schleppfischer müssen konzentriert bei der Sache sein; mit zwei Seehunden draussen hat man schnell mal eine Breite von 60 Metern.


Vertrauen in die Köderwahl

Endlose Ködervarianten mit verschiedenen Lauftiefen, Farben, Grössen usw. machen unsere Freizeitbeschäftigung nicht unbedingt einfacher. Ein allgemeingültiges Erfolgsrezept sucht man entsprechend vergebens. Ein Nachteil des Schleppfischens gegenüber dem aktiven Fischen mit der Rute ist die kleinere Flexibilität. Wer seinen Köder wirft und aktiv führt, kann bei jedem Wurf seine Geschwindigkeit, Tiefe, Köderführung und das Ködermodell anpassen. Beim Schleppfischen nimmt das Ausprobieren verschiedener Modelle, Schnurlängen, Bleie usw. viel mehr Zeit in Anspruch. Hat man an seinem Gewässer endlich mal den Dreh raus, heisst dies noch lange nicht, dass dieselbe Abstimmung an einem anderen Gewässer ebenso funktioniert. Kommt hinzu, dass Wassertemperatur, Sichtigkeit, Jahreszeit, Sprungschicht, Futterangebot und vieles mehr einen wesentlichen Einfluss darauf haben, welche Modelle gerade fangen oder eben nicht. Dabei ist es so, dass eigentlich jeder Köder seine Fische fängt. Die Kunst ist es, diese zur richtigen Zeit, am richtigen Ort, bei richtigen Bedingungen mit der richtigen Schleppgeschwindigkeit anzubieten. Das Finden «seiner» Lieblingsschleppmethode(n) und deren Köder kann viele Stunden, Tage, Wochen, Monate, ja sogar Jahre dauern - doch es lohnt sich, diese Zeit zu investieren. Und hier kommt einer der Hauptvorteile des Schleppangelns zum Zug:

Freiewasser-Hecht: Nach der Seeforelle Zielfisch Nummer 2 auf dem See.


Echolot

Ein gutes Echolot mit Markierungsfunktion hilft beim Abfahren fängiger Routen.

Schleppsignal

Bei sämtlichen Schleppmethoden ist eine gut sichtbare Markierung, in Form einer weissen Kugel (Durchmesser mind. 30 cm), am Boot anzubringen. Dies verhindert unangenehme Bekanntschaften mit weiteren Seenutzern und hilft, Materialverlust zu reduzieren.

Wer mit mehreren Anbiss-Stellen unterwegs ist, kann eine grosse Palette unterschiedlicher Köder in unterschiedlichen Wassertiefen anbieten.

Es gilt, die Köderwahl auf das vorhandene Futterangebot anzupassen. Raubfische lassen sich oft überlisten, indem wir unsere Fischimitate der Grösse und Farbe den aktuell vorhandenen Futterfischen anpassen und entsprechend anbieten - und das in der Tiefe, wo diese sich gerade aufhalten. Das Schöne daran? Auch das funktioniert regelmässig nicht. Darum können an solchen Tagen gerade leuchtende Köderfarben die Räuber zu einem Biss verleiten. Wer eine Statistik führt und die nötige Geduld aufbringt, wird sich seine erfolgreiche Variante erarbeiten. Spätestens wenn der erste Meterhecht oder die erste 10-pfündige Seeforelle gefeumert ist, wird man sich daran erinnern.

Fische suchen und finden

Ist das gewünschte Schlepptempo erreicht, können die Köder ins Wasser gelassen werden. Dabei kann ihr Laufverhalten in der gewählten Geschwindigkeit kurz neben dem Boot getestet und allenfalls korrigiert oder ausgewechselt werden. Sind alle Köder draussen, werden die vielversprechenden Stellen angesteuert.

In jedem Gewässer gibt es Bereiche, in denen sich wenig bis keine Fische aufhalten. Studien zeigen, dass sich 90 Prozent der Fische in 10 Prozent des Gewässers befinden - und dies unabhängig davon, ob es sich um ein überschaubares, pflanzenreiches Biotop oder um einen glasklaren, grossflächigen Voralpensee handelt. Mit der Verwendung einer Gewässerkarte können vielversprechende Stellen gezielt angesteuert und mehrmals befahren werden. Markierungspunkte an Land wie Bergspitzen, Schiffländen, markante Bäume und Gebäude, dienen dabei als Navigationshilfen. Mit einer modernen Navigations-Ausrüstung lassen sich die Tiefe des Gewässers sowie die Standorte der Beuteund Raubfische ermitteln. Mit dem Echolot werden Untiefen, Kanten, Krautbänke, Unterwasserberge, Felsvorsprünge und Flachwasserbereiche ausfindig gemacht.

Mit den Angaben über die genaue Wassertiefe unter dem Boot können wir entlang der Kanten, oberhalb von Krautbänken oder in der Sprungschicht fischen. Auf GPS-Karten lassen sich Routen aufzeichnen und können Fischkontakte markiert werden. Es lohnt sich, fängige Stellen erneut anzusteuern, dies auch im Freiwasser, wo es keine direkten Anhaltspunkte wie Kanten oder Untiefen für Fische hat. Das Fahren im leichten Zickzack-Kurs ist in jedem Fall empfehlenswert. Oftmals folgt in einer Kurve der erhoffte Biss. Dies hängt damit zusammen, dass unsere Köder von den Räubern beobachtet oder sogar verfolgt werden. Sobald sich eine Unregelmässigkeit im Laufverhalten ergibt - der Köder kurz sinkt, anhält, verlangsamt oder beschleunigt - entschliesst sich der Raubfisch zur Attacke.

Fisch!

Bei einem Biss ist kein Anhieb nötig, zumal das je nach Gerätschaft auch gar nicht möglich ist. Durch die Schleppgeschwindigkeit hakt sich der Fisch von selbst.

Das Schlepptempo behält man bei oder drosselt es nur wenig. Damit wird ein Gewirr der anderen Köder vermieden. Während des Drills versuchen grosse Fische oft, in Hindernisse zu flüchten (Holzstämme, Schilf, Uferzonenbereiche usw.). Erfolgt also ein Biss in Ufernähe, ist es ratsam, tiefere Wasserstellen bzw. die Seemitte anzusteuern.

Hat man den Fisch endlich in Bootsnähe, kommt die gefährlichste Phase. Kurz vor dem Feumern starten die Räuber nochmals letzte Fluchtversuche. Beim Feumern liegt auch eine der grössten Fehlerquellen. Der Fisch sollte ruhig neben dem Boot mitschwimmen, bevor das Netz langsam und deutlich hinter dem Fisch ins Wasser eingetaucht wird. Die Rute oder der Drillstock wird jetzt langsam gegen hinten, also entgegen der Fahrtrichtung bewegt, und mit dem Netz gleichzeitig nach vorne geschöpft - dann ist der Fisch im Netz!

Rutenhalter

Ein sehr wichtiges Zubehör ist der Rutenhalter. Er muss fest, sicher und dauerhaft angebracht sein. Die Ruten müssen stabil stationiert sein und bei einem Biss sofort ergriffen werden können. Die Auswahl im Fachhandel ist riesig und oftmals unbrauchbar. Es empfiehlt sich, stabile Rutenhalter aus Metall herstellen zu lassen. Ein Vorteil bei der Eigenkreation ist die flexible Wahl der Montage bzw. des Standorts. Die Vorrichtungen werden vorteilshalber seitlich und im hinteren Drittel des Boots montiert. Kabinenboote bieten auch auf dem Dach eine gute Platziermöglichkeit.

Günstige Modelle wie das hier abgebildete sind auf Dauer nicht empfehlenswert.


Drillstock

Bei grossen Fischen wird der Zügel nicht etwa von Hand eingeholt, sondern von der Seehund-Schnur auf den Drillstock umgehängt.


Fotos: Nils Anderson & Ronny Camenisch