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SCHLÖSSER & BURGEN: Das Rosenschlösschen


daheim - epaper ⋅ Ausgabe 3/2019 vom 12.04.2019

Die Kurfürstliche Burg in der Weinstadt Eltville ist vor allem wegen ihrer Rosengärten eine Attraktion


Artikelbild für den Artikel "SCHLÖSSER & BURGEN: Das Rosenschlösschen" aus der Ausgabe 3/2019 von daheim. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: daheim, Ausgabe 3/2019

Kurfürstliche Burg: ein Leuchtturm für Eltville am Rhein


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1. Inspiration. Beim Spaziergang durch die Rosenbeete in Burggraben, Amtsgarten und auf der Zwingerterrasse holen sich viele Besucher Anregungen für den eigenen Garten.2. Sommertraum. Bereits ab Ende Mai öffnen die Rosen in Eltville ihre Blüten und duften mit dem Lavendel um die Wette

KURFÜRSTLICHE BURG ELTVILLE

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Kein schlechter Arbeitsplatz: Gärtner Andreas Hilleberg kümmert sich um die anspruchsvollen Pflanzen


„Rosen sind wie eine selbstbewusste Frau: wehrhaft und anmutig“


Er ist eine Landmarke – und ein Bauklotz von einem Eigenheim: vier Etagen, die Mauern mehr als zwei Meter dick. Quadratisch, wehrhaft, gut. Der Wohnturm der Kurfürstlichen Burg im hessischen Eltville (man spricht das „e“ am Wortende mit) ist das einzig erhaltene Gebäude der Anlage aus dem 14. Jahrhundert und nicht nur symbolisch ein Leuchtturm für die Stadt am Rhein. Seine weiß getünchten Mauern strahlen selbst an grauen Tagen, und das Obergeschoss mit rotem Zinnenkranz und Ecktürmchen sitzt wie eine schmucke Krone auf dem Quadratschädel eines Königs.

Allerdings hat sich kein König, sondern ein Mainzer Erzbischof und Kurfürst diese Wohnlage direkt am Rhein wohlüberlegt ausgesucht: den Rheingau, wo der nordwärts strebende Fluss einen eleganten Hüftschwung hinlegt. Dieser Schlenker nach Westen, die schützenden Taunushügel und der Fluss selbst, der hier bis zu einem Kilometer breit wird, schaffen ein besonders mildes Mikroklima, von dem seit Jahrhunderten viele profitieren: der Wein an den Sonnenhängen wie die Menschen – auch die Fürstbischöfe, die 150 Jahre lang in den zugigen Gemäuern residierten.

Burg mit Rosen aus dem Dornröschenschlaf geweckt

Vieles war anders in jenen Zeiten. Dazu gehören sicher auch die Gerüche, die um die Burg zogen. So betörend wie in diesen Tagen, wenn ab Ende Mai aus dem Burggraben und von der Zwingerterrasse Duftwolken von vielen Tausend Rosenstöcken aufsteigen, werden sie kaum gewesen sein.

Die Königin der Blumen ist die Hauptattraktion des „Rosenschlösschens“ und der Rosenstadt Eltville. In dieser blühenden Parfümerie befindet sich der Arbeitsplatz von Andreas Hilleberg, der hier vor 35 Jahren das Erbe des Eltviller Rosenvaters Reinhard Pusch übernahm.

„Die Rosen sind das Beste, was der Burg passieren konnte“, sagt der Gärtner. Ihre Geschichte ist relativ jung. Zwar gab es hier bereits 1871 eine Rosenschule, die ihre Eltviller Schönheiten sogar an den Hof der Zaren in St. Petersburg lieferte. Doch nach den Weltkriegen wurde es ruhig um die Rosenstadt, und die Burganlage war bis 1979 völlig verwildert. Im Burggraben, wo früher Wölfe und Bären zur Belustigung gehalten wurden und später Rehe grasten, wuchsen Disteln, Brennnesseln und Gestrüpp. Bis Reinhard Pusch die Burg aus ihrem Dornröschenschlaf weckte – mit Rosen.

Duftende Fülle und Farben von Reinweiß bis Violett

Jetzt kümmert sich Andreas Hilleberg mit seinem Team um die arbeitsintensiven Preziosen. Der 61-Jährige kennt jeden einzelnen seiner Zöglinge: Gloire de Dijon und Maria Lisa, die an den Zwingermauern emporklettern, die Rosenkaskade Bobby James, die zartfliederfarbene Ives Piaget, die so „sagenhaft riecht“. Er kann über duftende, aber sehr krankheitsanfällige Sorten dozieren und über moderne Züchtungen, die robust und wohlriechend zugleich und daher ein Glücksfall sind, denn „spritzen, das geht heute gar nicht mehr“. Mehr noch: Der Fokus liege nun auf bienenfreundlichen Blüten. Kein Wunder, der Gärtner ist auch Imker.

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Andreas Hilleberg kann aber auch anders. Dann schwärmt er von der Wehrhaftigkeit und Anmut der Rosen, die wie eine selbstbewusste Frau seien. „Man muss sich mit Respekt nähern“, sagt er. Vor zwei Jahren hat er hier geheiratet, inmitten dieser duftigen Fülle und Farben, die von Reinweiß bis Violett reichen. Ein Brautpaar von vielen. Im Kurfürsten saal des Ostflügels – der einzige Teil der von den Schweden zerstörten Burg, der im 17. Jahrhundert wiederaufgebaut wurde – im Sommer finden oft drei bis vier Trauungen am Tag statt. Danach füllen sich Zwinger, Graben und Amtsgarten mit Gesellschaften, so prachtvoll und feierlich wie in alten Zeiten. Die frisch Vermählten lassen sich zwischen Rosenbeeten, Pergolen, Blütenkaskaden und Kletterkünstlerinnen fotografieren.

Der Gärtner hat in all den Jahren viel erlebt: Eine Gruppe japanischer Rosenliebhaber aus Hiroshima, für die der Rhein, die Rosen und die Burg der Inbegriff von Deutschland waren. Daraus ist eine Freundschaft entstanden sowie eine Züchtung namens „Friedenspark von Hiroshima“, die wie jeder Neuling mit Rosensekt getauft wurde. Er sah Besucher, die in der jederzeit zugänglichen Anlage ungeniert Rosensträuße schnitten oder Blütenblätter abrupften, um Marmelade daraus zu kochen. Anständiger wäre es, an den kulinarischen Spaziergängen durch die Rosengärten und Altstadtgassen zwischen April und September teilzunehmen, auf denen man Rosensenf, Riesling mit Rosenlikör, Rosenkäse oder Roseneis verkosten kann.

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Einzige Ehrung Gutenbergs zu Lebzeiten in der Burg

In diesen Altstadtgassen lebten, in heute wunderschön renovierten Fachwerkhäusern, die Gensfleischs – Verwandte jenes Mannes, der als Johannes Gutenberg in die Geschichte einging. Der Mainzer Erfinder des Buchdrucks mit beweglichen Lettern, der die Welt veränderte, brachte die schwarze Kunst auch nach Eltville. Dort erhielt er seine einzige Ehrung zu Lebzeiten. Kurfürst Adolf von Nassau ernannte Gutenberg 1465 zum Hofmann. Damit verbunden war die Befreiung von allen Steuern und Lasten sowie unter anderem eine Naturalrente von jährlich 2000 Litern Wein.

Die Ehrung fand in der Grafenkammer statt, dem vornehmsten Raum im ersten Stock des Burgturms mit Wandmalereien aus dem 14. Jahrhundert.

Eine Etage darüber ist Gutenberg eine Ausstellung gewidmet, die den Anspruch der Eltviller auf das Genie unterstreicht, das auch in ihrer Stadt Spuren hinterließ. Zu sehen sind Setzkästen, Drucke und die Immatrikulationsbescheinigung der Universität Erfurt für einen Johannes de Alta Villa (lateinisch für „hoher Hof“, woraus sich der Ortsname Eltville entwickelte). Auf der historischen Druckpresse führt der Burgenverein Besuchern mehrmals im Jahr vor, wie zu Gutenbergs Zeiten gedruckt wurde.

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1. Burgstraße. In dieser Eltviller Gasse lebten Verwandte von Johannes Gensfleisch alias Gutenberg. Die Gensfleisch-Häuser gibt es noch heute.2. Burgturm. In der Ausstellung zu Ehren des Erfinders ist unter anderem eine historische Druckpresse zu sehen.3. Zeitreise. Historische Ansichtskarte aus den 1930er-Jahren mit Burgturm, Rheinpromenade und Dampfschiff

Der Weinbau prägt die Kultur des Rheingaus

Wer sich alle 123 Stufen im Turm nach oben gewendelt hat, erreicht die Wehrplatte. Der Blick reicht hinab in die zerstörte Burganlage: auf die Gärten, die Mauerreste des Palas und des unteren Zwingers, der direkt an die autofreie Rheinpromenade grenzt, auf die die Eltviller so stolz sind. Dort steht auch der Weinprobier-Pavillon, in dem Winzer von März bis Oktober ihre Rieslinge und Spätburgunder ausschenken – ein schöner Ort, um den Tag zwischen Rheinufer und Rosen ausklingen zu lassen. 22 000 Stöcke sind es insgesamt, die Burganlage und Stadt schmücken.

Man schaut über den Rhein, auf dem reger Verkehr herrscht, auf die waldigen Hügel des Taunus und die Weingärten des Rheingaus. Im September öffnen sie an Tagen der offenen Weinkeller ihre Tore, und im Sommer werden in den Weinbergen Feste gefeiert. Bei der Steinberger Tafelrunde im Juli, einem Lindwurm aus Schirmen und Tischen, genießen die Gäste das Ambiente, essen und trinken, während Musiker und Kleinkünstler vorbeiziehen.

Das erste Juni-Wochenende gehört in Eltville aber der Königin der Blumen. Die Rosentage sind ein Stadtfest mit Rosenspezialitäten, Musik, Führungen und einem großen Pflanzenmarkt im historischen Burghof (1./2. Juni 2019).

KONTAKT: Tourist-Info Eltville Burgstr. 1, 65343 Eltville am Rheinwww.eltville.de

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