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SCHLÖSSER & BURGEN: Ein Wintermärchen


daheim - epaper ⋅ Ausgabe 6/2019 vom 11.10.2019

Schloss Marienburg bei Hannover ist Drehort für das diesjährige ARD-Weihnachtsmärchen


Artikelbild für den Artikel "SCHLÖSSER & BURGEN: Ein Wintermärchen" aus der Ausgabe 6/2019 von daheim. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: daheim, Ausgabe 6/2019

Die Hauptdarstellerin Marie Rönnebeck darf sich acht Tage lang wie eine Königin fühlen


1. Fürstenhaus: Das eindrucksvolle Schloss am Südwesthang des Marienbergs war einst Sommerresidenz der Welfen.


SCHLOSS MARIENBURG

Marienburg wurde 1857 bis 1869 im neugotischen Stil erbaut – allerdings zu nah an einen ehemaligen Steinbruch. Deshalb droht es nun, einen Bergrutsch zu verursachen. Die teuren Sanierungsarbeiten und das Abfangen des Hügels überstiegen den Etat des Welfenhauses. 2005 initiierte es deswegen eine Auktion und ...

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... versteigerte wertvolle Kunstgegenstände aus dem Schloss für 44 Millionen Euro. Das Geld war schnell für Altschulden aufgebraucht. 2018 verkaufte Prinz Ernst August junior den Bau für einen Euro, woraufhin ein Streit mit dem Vater um die Rechtmäßigkeit des Verkaufs entflammte.AL

www.schloss-marienburg.de

2. Details: Bei genauem Hinsehen gibt es Einblicke in den höfischen Alltag.


3. Innenansichten: 140 Räume hat das Schloss. Da kann man sich schon mal verlaufen



Ein prächtiges Schloss zum Geburtstag


Japanische Hochzeitspaare lieben diese Kulisse: Zinnen und Türmchen und in der Mitte ein mächtiger Bergfried – so stellt man sich ein typisch deutsches Schloss vor. Marienburg zwischen Hannover und Hildesheim bleibt aber das Dornröschen unter den Märchenschlössern, denn es ist weder so bekannt wie Schloss Neuschwanstein noch so gut ausgestattet wie Burg Hohenzollern. Und es stand 80 Jahre lang leer.

An diesem Morgen, an dem die Sonne erste Strahlen auf die Schneeglöckchen im Burggarten wirft, wird Marienburg für einige Tage wieder zum Märchenschloss. Schritte klackern über das Kopfsteinpflaster. Trippeln in zarten Schuhen zum prächtigen runden Portal und hallen im langen Schlosshof wider. Der Wind zieht eisig über das Land, über dessen Weite der Blick vom Schlossberg reicht. Filmschauspielerin Marie Rönnebeck eilt fröstelnd zum großen Rittersaal. Als Hauptdarstellerin des ARDWeihnachtsfilms „Das Märchen von den 12 Monaten“ stehen acht Drehtage auf Marienburg auf dem Terminkalender der Schauspielerin.

Im Märchenfilm fungiert das Schloss als Kulisse und Wohnsitz von Königin Klara, die die Fähigkeit besitzt, die Monate einzustellen und den Lauf der Jahreszeiten anzutreiben. Doch plötzlich schwinden ihre Zauberkräfte und sie hat einen eiskalten Gegenspieler: Der frostige Fürst will die Zeit anhalten und für immer Februar walten lassen. Schafft es die schwächelnde Königin, die Jahreszeiten zu befreien?

Im echten Leben spielen sich um Marienburg wirkliche Dramen ab: Eigentlich sollte mit diesem Bau ein lang gehegter Traum in Erfüllung gehen. Georg V. von Hannover schenkte seiner Frau 1857 zu deren 39. Geburtstag das Grundstück. Eifrig plante und baute sie ein neugotisches Schloss und ließ ihrem blinden Ehemann sogar ein Modell aus Kork anfertigen, damit er das Bauvorhaben ertasten konnte. Das blieb auch sein einziger Eindruck, denn gewohnt hat der König nie im Schloss. Bevor es fertiggestellt war, hatte Georg sich mit den Preußen überworfen, stattdessen mit den Österreichern verbündet und musste nach Wien ins Exil flüchten.

365 Kuchenformen – für jeden Tag des Jahres eine
Seine Frau blieb, denn der Bau war als Privatvermögen der Regentin vom Besitz des Königreichs Hannover ausgenommen. Also ließ Königin Marie Türme, Säle und Schlafräume errichten und stattete die Küche aus, unter anderem mit Kuchenformen. Marie aß gerne Süßes und wünschte sich jeden Tag Gebäck aus einer anderen Form. So glänzen heute in der Küche des Schlosses viele kleine kupferne Backförmchen, genau abgezählt: „365, für jeden Tag des Jahres eine“, erklärt MarienburgMitarbeiterin Katrina Bläsig bei einer Führung, die auch ins Zentrum des Schlosses, den Rittersaal, führt.

Wo sonst ehrwürdige Eichenmöbel stehen, knarzen an diesem Tag Dreibeine von Kameras über das alte Parkett. Das Sonnenlicht dringt schwach durch die zartgetönten Bleiglasfenster in den großen Rittersaal, und es scheint, als habe der Wind drinnen alles mit einer eisigen Frostschicht belegt. So wie im Film, der gerade gedreht wird, hat die Kälte das Regiment übernommen.

Sie macht nicht nur den Schauspielern beim Dreh zu schaffen, sondern gehört zu den Grundproblemen des Schlosses, wie Katrina Bläsig vom Marienburg-Team bestätigt: „Wenn wir draußen null Grad messen, herrschen hier drinnen mitunter Minusgrade. Es ist einfach unmöglich, alle 140 Räume unseres Schlosses zu heizen.“


Ein Märchenschloss mit 140 Zimmern


Ein unbekanntes Schloss ist der perfekte Drehort
Auch die echte Königin Marie hat unter der Kälte in der Burg gelitten. Deswegen ließ sie innovative Technik einbauen: Eine Fußbodenheizung für den großen Rittersaal und die Kapelle und sogar fließend warmes Wasser gab es. Was vor 170 Jahren eine technische Sensation war, ist heute nicht mehr in Gang zu kriegen, da moderne Sicherheitsbestimmungen es verbieten, mit echtem Feuer große Feldsteine in den Öfen zu erhitzen.

Aus insgesamt 30 Schlössern hat das Filmteam Schloss Marienburg in Nordstemmen ausgesucht. Für Regisseurin Frauke Thielecke musste es passen, denn: „Es ist Herzstück des Films“, sagt sie. Überzeugt hat die Regisseurin letztendlich, dass Marienburg noch ein relativ unbekanntes Schloss ist und sich somit als Drehort frisch und unverbraucht zeigt. Dafür leider im Februar auch sehr kalt. Thielecke mummelt sich dicker in die Winterjacke ein, da es trotz des auf Hochtouren laufenden Wärmegebläses eisig bleibt.

Dick in Winterjacken und Schals sind neben den 14 Schauspielern auch die fünf Kamera-und Tonleute eingepackt. Nur Schauspielerin Marie Rönnebeck sitzt königlich im leichten Seidenkleidchen auf ihrem Thron. Die Tasse Tee in ihren Händen produziert Kondenswölkchen, genauso wie der Atem der Märchenkönigin Klara. Es hilft nichts, die Szene muss in den Kasten, selbst wenn die Kälte unter die dicke Wollunterwäsche gekrochen ist. Doch Marie Rönnebeck strahlt: „Dieses Schloss besitzt eine ganz besondere Atmosphäre, und das macht etwas mit einem“, sagt sie. „Wenn ich hier auf meinem Thron sitze, fühle ich mich auch wie eine Königin. Es ist ein unglaublich tolles Setting.“

1. Kamera ab: Acht Tage lang dreht das ARD-Team das Märchen in den historischen Gemäuern.


2. Frostige Bedingungen: Wer nicht vor der Kamera steht, packt sich warm in Schal und Jacke ein, denn im Schloss herrschen eisige Temperaturen


1. Auch für die Schauspieler ist es etwas Besonderes, in einem riesigen Schloss zu arbeiten.


Obwohl der Rittersaal als größter Raum mit seinem prächtigen Erker und den hohen, gotisch-schlanken Fenstern fast wie eine Kirche anmutet, stiehlt ihm ein anderes Zimmer mächtig die Schau: die kuppelartige Bibliothek. Wie ein riesiger Sonnenschirm ragt in ihrer Mitte ein Gewölbe auf und lässt die Decke in hellem Türkis strahlen, verziert mit feinen Zeichnungen von Blumen, Sagengestalten und Horoskopmotiven. Darunter edle Eichenholzmöbel und mit Blattgold verzierte Kanten.

Für diese Pracht hat das Filmteam keine Augen, denn für die Schauspieler geht es in die unteren Gewölbe und damit in die Schlossküche. Während in den übrigen Räumen die derzeitige finanzielle Not des Schlosses zu spüren ist, hat sich in der Schlossküche ein ganz eigenes Flair erhalten.

Das Weihnachtsmärchen bringt Leben in die Küche
Originalausstattung wie Kupferpfannen hängen an den Wänden, Schüsseln stehen auf der großen Holzarbeitsplatte, Kräutersträußchen aus der Filmrequisite trocknen vor dem Fenster – es wirkt, als wäre die Küche gerade eben verlassen worden. Gackernde Hühner und ein vorwitziger Koch bringen bei den Dreharbeiten zum Weihnachtsmärchen Leben in die Küche, die sonst, wie die meisten Repräsentativräume des Schlosses, in einem musealen Schlaf dämmert.

Die Küche bleibt einer der lebendigsten Räume des Schlosses. Hier lässt sich nachempfinden, wie das Leben von Marie ausgesehen hat, als sie ein Jahr auf Marienburg gelebt hat. Danach stand das Schloss 80 Jahre leer. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg, 1945, bezog der Enkel von Georg und Marie, Herzog Ernst August zu Braunschweig Lüneburg, mit seiner Frau Viktoria Luise Schloss Marienburg. Nur zwölf Jahre blieb die Familie auf dem Stammsitz der Welfen, der seitdem wieder unbewohnt ist und nur hin und wieder Hochzeiten, Gartenfesten oder eben Filmen als Kulisse dient.

Während die Gäste feiern oder filmen, streiten sich heute ihre Besitzer, die Erbprinzen von Hannover, um die kostspielige Sanierung des Schlosses. Und so wartet Marienburg jetzt auch im echten Leben darauf, wieder wachgeküsst zu werden.

„Das Märchen von den 12 Monaten“ wird in der Reihe „Sechs auf einen Streich“ an den Weihnachtsfeiertagen im Ersten ausgestrahlt.

2. Die Sommerresidenz der Welfen zählt zu den bedeutendsten neugotischen Baudenkmälern Deutschlands