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Schluss mit der Verschwendung!


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Gong - epaper ⋅ Ausgabe 43/2021 vom 22.10.2021

REPORT

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Bildquelle: Gong, Ausgabe 43/2021

Was muss weg, was ist noch gut? Das sollten wir besser unterscheiden

Frisch, schön, fehlerfrei: So lieben wir Obst und Gemüse beim Lebensmitteleinkauf. Was runzlig und nicht mehr knackig ist, wandert aus vielen heimischen Kühlschränken direkt in den Abfall. Und gegen neues, duftendes Brot haben ältere Scheiben oft das Nachsehen. Der Drang zum Wegwerfen wird außerdem immer größer: Erstmals hat die „Driven to Waste“-Studie des World Wide Fund For Nature (WWF) in Zusammenarbeit mit der britischen Supermarktkette Tesco die Gesamtmenge der Lebensmittelverluste analysiert. Das Ausmaß der Vergeudung ist bedeutend schlimmer als gedacht. Laut Schätzungen landen 2,5 Milliarden Tonnen Nahrungsmittel weltweit pro Jahr im Müll – doppelt so viel wie 2011. In Deutschland sind es aktuell rund 18 Millionen Tonnen pro Jahr. Das heißt: Pro Sekunde werden bei uns571 Kilogramm Essen entsorgt – fast 40 Prozent davon in den Privathaushalten (siehe Grafik Seite 8). Die große Frage ...

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... lautet demnach: Wie lernen wir, mit Esswaren wieder bewusster umzugehen? „Mein wichtigster Tipp: Weniger einkaufen!“, rät Köchin und Autorin Sophia Hoffmann, die sich dem Thema Lebensmittelwertschätzung verschrieben hat (siehe Buchtipp Seite 10). Besser sei es, einzelne Stücke zu wählen als die vermeintlich billigeren, aber selten ganz aufgebrauchten Mengenund Großpackungen. „Wir neigen alle dazu, viel zu viele Lebensmittel anzuhäufen, und verlieren den Überblick. Gegen Kühl- und Vorratsschrankchaos helfen regelmäßige Inventur und Listenschreiben.“

Aus Resten etwas neues Leckeres machen

Mit ihrem Buch „Zero Waste Küche“ bringt die 41-Jäh rige wieder in Erinnerung, was die Generation Großmutter noch verinnerlicht hatte: die Kunst des Resteverwertens. „Das Zauberwort lautet ,Konsistenzveränderung‘: Egal ob Pürieren, Raspeln, Trocknen, Einfrieren – so lässt sich aus vielen müden Gemüsen, Kräutern, Käseresten usw. noch etwas herausholen“, weiß Hoffmann. Das beliebteste ihrer Rezepte seien die „Brotlinge“, angelehnt an Bratlinge: eine Art Frikadelle aus altbackenem Brot, aber ohne Fleisch. „Gewürzt werden können sie mit allem, was sich zu Hause findet: Kräuter, Zwiebeln, Kapern, getrocknete Tomaten, Pilzstückchen. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt“, sagt Hoffmann. Zur Verarbeitung benötigt man lediglich Wasser, denn das Gluten im Brot bietet genug Klebstoff, um Laibchen zu formen. 200 Gramm hartes Brot mit aufgekochtem Wasser bedecken, fünf bis zehn Minuten einweichen lassen, mit drei bis vier Esslöffeln Semmelbröseln, Zwiebeln und den anderen Zutaten mischen, mit Salz und Pfeffer abschmecken und in einer geölten Pfanne braten – köstlich.

Deroße LEBENS- MITTEL- REPORT

Helden der Verwertung

Prämierte Ideen zur Rettung von Lebensmitteln

„Zu gut für die Tonne!“: Wer diesen Preis des Bundesministeriums für Ernährung 2021 erhielt

1 DAS „RETTERGUT“ DER DÖRRWERK GMBH Die Berliner Start-up-Firma stellt aus geretteten Lebensmitteln haltbare Produkte her: etwa Aufstriche, Suppen, Nudeln, Schokolade oder Getränke.

2 RE.LICS Die Schwestern Georgiavon le Fort und Louisa Wahler (Foto u., v. l.) entwickelten Gefäße aus recyceltem Porzellan, in denen sich Obst und Gemüse durch einen natürlichen Kühleffekt optimal lagern lassen.

3 VEGGIE SPECIALS Das Start- up aus Köln rettet hochwertige Bioware mit kleinen Produktionsfehlern oder fehlerhaften Etiketten und bietet Sonderposten im Onlineshop zu niedrigeren Preisen an.

Apps und Links

TOO GOOD TO GO Über diese App geben Restaurants und Cafés kurz vor Ladenschluss überproduziertes Essen vergünstigt ab.

FOODSHARING.DE Hier vernetzen und koordinieren sich die Lebensmittelretter, „Foodsharer“ und „Foodsaver“ genannt, in den einzelnen Städten und Regionen.

PLANT JAMMER Diese App schlägt Rezepte vor, die man mit den Resten aus dem eigenen Kühlschrank zubereiten kann.

NO WASTE Mit dieser App kann man Inventarlisten zum Tracken, Organisieren und Verwalten der Lebensmittel in Gefrier- und Kühlschrank anlegen.

SIRPLUS.DE Lebensmittel, die anderswo aussortiert wurden, aber noch bestens genießbar sind, werden im Onlineauftritt des Berliner Supermarkts Sirplus (Foto) bis zu 80 Prozent günstiger verkauft.

ZU GUT FÜR DIE TONNE! Die App des Bundesministeriums für Ernährung bietet leckere Rezepte fürs Resteessen. Dazu gibt es Tipps zu Einkauf, richtiger Lagerung, Haltbarkeit und Verwertung von Lebensmitteln. Der Einkaufsplaner hilft dabei, Mengen richtig einzuschätzen und im Laden Zeit zu sparen.

Die größten Verschwender: Wer wie viel wegwirft

Vom Acker bis zum Teller bleibt viel auf der Strecke

Lebensmittel werden entlang der gesamten Wertschöpfungskette verschwendet. In Privathaushalten werden jedoch die meisten Lebensmittel weggeworfen

Am häufigsten werden in Privathaushalten frisches Obst und Gemüse weggeworfen (siehe Grafik Seite 10). Laut Sophia Hoffmann hilft hier die richtige Lagerung. Für alle Obst- und Gemüsesorten empfiehlt sie: Kunststoffverpackungen und Blätter sofort entfernen! Handelt es sich um Kohlrabi oder Radieschen aus Bioanbau, können die Blätter als wertvolle Nährstoff lieferanten weiterverwendet werden, etwa gedünstet als Zugabe zu Gemüse gerichten. Gelagert werden sie am besten eingeschlagen in ein feuchtes Küchentuch.

Joghurt hält und hält – bis zu 182 Tage

Tomaten halten länger, wenn sie mit dem Stielansatz nach unten gelagert werden. Reife Bananen bleiben ein bis zwei Wochen im Gemüsefach des Kühlschranks fest, auch wenn sie außen braun werden. Bei Äpfeln muss man aufpassen, was man in die Nähe legt: Sie enthalten das Reifegas Ethylen. Bei Beeren sollte man matschige Exemplare gleich nach dem Einkauf aussortieren und im Mixer für Desserts oder Smoothies pürieren. Bei Produkten mit Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) empfiehlt es sich, auf seine eigenen Sinne zu vertrauen: Sehen, Riechen, Schmecken. Viele Kunden handhaben das MHD noch immer fälschlich so wie das Verbrauchsoder Verzehrdatum für leicht verderbliche Ware, etwa Fleisch und Fisch. Dabei wird das MHD vom Hersteller nach eigenem Ermessen festgelegt und soll ihn gegen Reklamationen schützen. Fast immer sind die Lebensmittel nach Ablauf völlig unbedenklich zu genießen. Ein Test von Greenpeace ergab 2018: Käse war noch 42 Tage nach dem MHD verzehrbar, Wurst 56 Tage, Eier 70 Tage, Joghurt sogar 182 Tage.

15 % der Speisekartoffeln gelangen hierzulande wegen optischer Mängel nicht in den Handel

Jeder DRITTE

Salatkopf wird bei uns untergepflügt, weil er zu klein oder zu groß ist

25% der Erdbeeren werden wegen unschöner Stellen vernichtet

Eine Chance für Schönheitsfehler

Unvorstellbar große Mengen an Lebensmittel landen im Müll, bevor sie überhaupt die Supermärkte erreichen. Es geht etwa um Äpfel mit Dellen, krumme Karotten oder Kohl- und Salat köpfe, die nicht der Einheitsgröße entsprechen. Obst und Gemüse, deren Geschmack einwandfrei ist, wird massenhaft von landwirtschaftlichen Betrieben entsorgt (siehe Grafik Seite 8), weil Handelsketten die Abnahme verweigern. Nicht wegen gesetzlicher Auflagen, sondern aufgrund von Standards, die die Konzerne selbst festlegen. Das berichten Erzeugerbetriebe in einer Studie des Umweltbundesamts aus dem September 2020.

BUCHTIPP

Sophia Hoffmann Zero Waste Küche ZS Verlag 248 S., 24,99 €

„Alle, die keinen eigenen Garten haben, sind Gemüse mit Mängeln überhaupt nicht mehr gewohnt“, sagt Hoffmann. „Wir müssen unsere Sehgewohnheiten ändern, etwa bei Gurken, bei denen die meisten nicht gerade, sondern wild gebogen sind.“ Beim derart rigiden Auswahlprozess wird nicht nur das Produkt vernichtet, sondern ebenso aller Aufwand zu dessen Aufzucht. „Da wird ja auch irrsinnig viel Energie verschwendet, ein absolutes Klimathema“, meint Sophia Hoffmann, die für 2022 plant, ein eigenes Restaurant zu eröffnen. Wer auch krummem Gemüse eine Chance geben will, findet online Anbieter für Biokisten mit solcher Ware, etwa Etepetete oder Rübenretter. Vereinzelt gibt es auch Angebote bei Discountern, etwa „Wetteräpfel“ bei Aldi Nord oder „Naturgut Bio-Helden“ bei Penny. Reichweite und Relevanz dieser Ansätze seien jedoch noch als marginal zu bewerten, so das Umweltbundesamt.

Ein Blick nach Großbritannien zeigt, wie Firmen aktiver zur Reduzierung der Lebensmittelverschwendung beitragen können. 120 der größten Unternehmen der Branche haben sich Reduktionsziele gesetzt und überprüfen regelmäßig das Erreichte. „95 Prozent der dortigen Lebensmittelhändler sind dazu übergegangen, ihre Daten zu veröffentlichen, wie viele Abfälle sie noch haben und was sie wo entlang der Wertschöpfungskette, etwa mit Kartoffelerzeugern, zur Vermeidung tun“, berichtet WWF-Expertin Tanja Dräger de Teran. „Solch eine Transparenz ist hierzulande überhaupt noch nicht vorstellbar.“ Dabei hat sich auch Deutschland im Rahmen einer Agenda der Vereinten Nationen dazu verpf lichtet, bis 2030 die weltweite Nahrungsmittelverschwendung pro Kopf zu halbieren. Es gibt noch viel zu tun.

DIRK OETJEN

WAS WIR AM H ÄUFIGSTEN WEGWERFEN

Studie zur Lebensmittelverschwendung Fast 7000 Haushalte führten 14 Tage Buch über ihre Essensabfälle. Fazit: Nur 56,2 Prozent sind unvermeidbar (z. B. Knochen, Schalen, Kaffeesatz). 43,8 Prozent könnten wir vermeiden