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Schmerz, LASS NACH


Hörzu Gesundheit - epaper ⋅ Ausgabe 2/2019 vom 07.06.2019

Millionen Menschen tut täglich ein Teil ihres Körpers weh. Manchmal ist der Schmerz dabei nicht nur Symptom – sondern die Krankheit selbst. Einganzheitlicher Therapieansatz gibt nun Hoffnung für Betroffene


Artikelbild für den Artikel "Schmerz, LASS NACH" aus der Ausgabe 2/2019 von Hörzu Gesundheit. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Hörzu Gesundheit, Ausgabe 2/2019

Überbeansprucht Tennisarm, Golferarm, Mausarm, Entzündung oder Arthrose: Es gibt zahlreiche Gründe für Schmerzen im Ellenbogen


Rücken Verspannungen in der Muskulatur und in den Faszien sowie Bandscheibenprobleme führen bei Millionen Deutschen zu Kreuzweh


Knie Verschleißerkrankungen wie Arthrose sowie Sportverletzungen sind die häufigsten Ursachen für Knieschmerzen und andere Gelenkbeschwerden ...

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Knie Verschleißerkrankungen wie Arthrose sowie Sportverletzungen sind die häufigsten Ursachen für Knieschmerzen und andere Gelenkbeschwerden


Jeder hatte schon einmal Kopf-, Rückenoder Bauchschmerzen und war dankbar, wenn sie sich wieder verflüchtigten. Doch was, wenn sie nicht mehr verschwinden? Wenn Schmerzen immer präsent sind? Jeden Tag und jede Nacht? Für die Erkrankten bedeutet dies einen Albtraum, eine enorme Einschränkung ihrer Lebensqualität. Allein in Deutschland leiden zwölf Millionen Menschen unter chronischen Schmerzen. Mit zunehmendem Alter steigt die Zahl der Betroffenen. Dennoch ist wissenschaftlich noch nicht ganz geklärt, wann es zur Chronifizierung kommt. Fest steht: „Ein Schmerz wird laut einer Definition nach drei Monaten als chronisch bezeichnet“, sagt Dr. Jansen, Ärztlicher Leiter des Schmerzzentrums Berlin.

Ausgangspunkt für chronische Schmerzen sind häufig Erkrankungen wie Arthrose, Osteoporose und Rückenprobleme, aber auch Muskelverspannungen aufgrund von Fehlhaltungen und Überbelastung des Körpers. Und auch Nervenschmerzen – sogenannte neuropathische Schmerzen – infolge von Verletzungen, Stoffwechselerkrankungen oder Operationen können einem das Leben zur Qual machen. Zu den chronischen Schmerzerkrankungen zählen etwa das Fibromyalgie-Syndrom sowie das komplexe regionale Schmerzsyndrom (CRPS).

Dr. Jan-Peter Jansen

Der Arzt für Anästhesie, Intensivmedizin und Spezielle Schmerztherapie ist Ärztlicher Leiter desSchmerzzentrums Berlin und hat die Einrichtung vor mehr als zehn Jahren gegründet

Umgang mit dem Empfinden

Viele Patienten stehen ihrer Situation hilflos gegenüber und resignieren. „Egal was ich mache, das nützt sowieso nichts“, ist oft die Auffassung der Betroffenen. Sie ertragen lange einfach heldenhaft den Schmerz, statt endlich dagegen anzugehen. Doch das ist gefährlich. Denn schon nach drei bis sechs Monaten kann unser Körper ein sogenanntes Schmerzgedächtnis entwickeln. Im Gehirn bildet sich dann eine Art Schmerzspur auf den Nervenbahnen, auf der Nervenzellen ständig Alarm schlagen. Die Beschwerden haben häufig keinen klar erkennbaren Auslöser mehr. „Der Schmerz hat seine Warnfunktion verloren – er hat sich verselbstständigt und bildet dann eine eigene Krankheit“, sagt Dr. Jansen. Bis Schmerzpatienten adäquate Hilfe bekommen, vergehen oft einige Jahre. Doch es gibt neue Hoffnung: In Fällen einer starken Chronifizierung kann es sinnvoll sein, es mit einer stationären Schmerztherapie, wie etwa in der Schmerzklinik Berlin, zu versuchen. „In den vergangenen Jahren hat die Forschung gezeigt, dass ein zeitlich und inhaltlich aufeinander abgestimmtes therapeutisches Programm für Schmerzpatienten in einer Gruppe von bis zu acht Patienten die effektivste Behandlung darstellt“, sagt Dr. Jansen. „Die Therapie dauert meist 14 Tage, in Einzelfällen auch länger.“

Schmerzbekämpfung im Team

Bei der sogenannten multimodalen Schmerztherapie sitzen Neurologen, Orthopäden, Internisten und Schmerzmediziner gemeinsam am Tisch, flankiert von Psychologen, Physio- und Sporttherapeuten. „Ihr Ziel ist nicht – wie manche denken – die Schmerzfreiheit“, so der Arzt. „Diese ist in der Regel nicht herzustellen.“ Das Ziel ist aber: Eine deutliche Reduktion der Schmerzen – und Betroffenen ein weitgehend normales Leben zu ermöglichen. Das erfordert allerdings die aktive Mitarbeit des Patienten: Niemand kann seine Schmerzen besser beschreiben und verstehen als er selbst.


Das Ziel ist: Der Patient dominiert den Schmerz und nicht der Schmerz den Patienten.


Therapievielfalt als Erfolgsfaktor

Damit Patienten wieder in Bewegung kommen, gehört Physiotherapie zur ersten Maßnahme im Anti-Schmerz-Programm. Sie mobilisiert nicht nur die Muskeln, sondern sorgt auch für ein wesentlich besseres Körper-und Bewegungsgefühl, stärkt die Psyche und mindert das Gefühl der Hilflosigkeit. Daneben sind auch Medikamente ein wichtiger Baustein für die Therapie – allerdings nur als Zwischenlösung: Sie senken das Schmerzniveau und ermöglichen so oft erst die Physiotherapie. Damit ist es aber nicht getan: Das wichtigste Element bei der multimodalen Therapie ist die psycho logische Betreuung. In Einzel- oder Gruppengesprächen sollen sich die Betroffenen über ihr Krankheitsbild informieren, sich motivieren und wieder aktiv werden. „Ständiger Schmerz macht einsam – wer will denn schon mit jemandem zusammen sein, der immer über Schmerzen klagt“, sagt Dr. Jansen. Meist führt er auch zur Aufgabe von Hobbys und einem sozialen Rückzug, denn man kann mit Freunden nicht mehr so viel unternehmen.

Nacken Fehlhaltungen können über Jahre hinweg zu Folgeschäden wie Veränderungen der Wirbelkörper oder Bandscheibenvorfällen führen


„So entsteht eine ‚Persönlichkeitsveränderung bei chronischen Schmerzen‘ – das ist eine eigene mit dem Schmerz verbundene Krankheit“, bemerkt der Arzt. Darüber hinaus können Ärger, Stress, Angst und Depression eine Schmerzverstärkung zur Folge haben. Entspannungsmethoden wie etwa progressive Muskelentspannung, autogenes Training und Meditation können dagegen die Schmerzwahrnehmung senken und sind daher bei der multimodalen Schmerztherapie wichtig. Des Weiteren bieten alternative Heilmethoden eine Möglichkeit, die Standardtherapie individuell zu ergänzen. So lernen etwa Patienten in der Schmerzklinik Berlin auch, mit Senf- und Quarkwickeln umzugehen.

Erleichterung auf Rezept

Eine stationäre multimodale Schmerztherapie wird von den Krankenkassen bei chronischen Schmerzen bezahlt, wenn alle zur Verfügung stehenden ambulanten Maßnahmen nicht ausreichend geholfen haben oder eine besonders komplexe Erkrankung vorliegt, die eine Behandlung durch verschiedene Fachärzte voraussetzt. Sie kann durch einen niedergelassenen Arzt verordnet werden, zum Beispiel in einer hausärztlichen, orthopädischen oder schmerzmedizinischen Praxis. Einen Behandlungsplatz bekommt man im Durchschnitt nach drei Monaten.


FOTOS: SHUTTERSTOCK

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