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SCHMERZ, LASS NACH


Professor Dietrich Grönemeyer - epaper ⋅ Ausgabe 3/2020 vom 10.07.2020

Eigentlich sind sie mehr Freund als Feind und ein geniales Warnsignal des Körpers. Doch keiner will sie haben. Schmerzen können einem das Leben zur Hölle machen. Vor allem, wenn sie zu ständigen Begleitern werden. Aber sogar gegen die Dauerpein gibt es ein paar wirksame Rezepte


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Bildquelle: Professor Dietrich Grönemeyer, Ausgabe 3/2020

Illustration: offset

Prof. Dr. Hartmut Göbel


Der Neurologe, Psychologe und Schmerztherapeut ist Gründer und ärztlicher Direktor der Schmerzklinik Kiel

Wie schön wäre es, könnten wir doch hin und wieder ein Nacktmull sein. Zugegeben, das nur hamstergroße Säugetier ist außergewöhnlich hässlich: Seine Haut ist rosa-schrumpelig, ...

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... unbehaart und aus seinem Maul ragen zwei furchterregend große Schneidezähne. Aber das afrikanische Tier hat etwas, worum viele Menschen es beneiden: Nacktmulle kennen keinen Schmerz! Nicht das Ziehen in den Gelenken, das Hämmern im Kopf oder das Pochen unter der Haut, das wohl jedem Menschen vertraut ist.

ALARMSIGNAL DES KÖRPERS

Akuter Schmerz ist unverzichtbar, eine geniale Erfindung der Evolution. Wie ein bellender Hund warnt er davor, mit dem verstauchten Knöchel weiterzulaufen und lässt uns die Hand von der heißen Herdplatte ziehen. Was auch immer den Schmerz verursacht, es löst eine Kettenreaktion aus. Noch bevor wir ihn beklagen können, hat die Information darüber schon ein Eigenleben entwickelt. Als feine elektrische Signale wird das Schmerzgeschehen blitzschnell über Nervenbahnen zum Rückenmark ans Gehirn gemorst. In den jeweiligen Schmerzzentren angekommen, wird der Schmerz bewertet. Und erst dann - autsch - tut es uns weh!

Foto: Göbel/schmerzklinik.de; Illustration: mauritius images

Meist ist das Übel schnell behoben - mit Coolpacks oder Tabletten, bei Kindern manchmal sogar mit Mamas Puste. Bei Menschen, die unter chronischen Schmerzen leiden, ist das leider nicht so einfach. Die Deutsche Schmerzgesellschaft geht davon aus, dass allein hierzulande etwa 14 Millionen Menschen davon betroffen sind. Und Gesunde können sich kaum vorstellen, was es bedeutet, mit ständigen Schmerzen den Tag zu bewältigen, nachts nicht schlafen zu können und die Gewissheit zu haben, dass die Tortur am nächsten Tag weitergeht.


Chronische Schmerzen sind komplex. Sie betreffen Körper und Seele gleichermaßen.


Prof. Hartmut Göbel

14 Mio.

leiden hierzulande unter chronischen Schmerzen

Quelle: Deutsche Schmerzgesellschaft

FEHLALARM IM GEHIRN

Oft ist die Ursache klar, etwa bei Rheuma, Arthrose und einigen Neuralgien. Aber nicht immer. Da leiden Betroffene, obwohl der blockierte Wirbel wieder befreit, die Entzündung längst abgeklungen ist. Heute weiß man: Länger anhaltende Schmerzen können „Schmerzspuren“ hinterlassen, die die Nervenzellen immer empfindlicher machen. Ohne erkennbaren Grund senden sie Schmerzsignale zum Gehirn, die dort abgespeichert werden. Die Pein selbst ist dann zur Krankheit geworden. Man hat es mit dem sogenannten Schmerzgedächtnis zu tun, das etwa fünf Millionen Menschen hierzulande krank macht.

Wie aber lässt sich chronischer Schmerz eindämmen, das Schmerzgedächtnis löschen? Nach und nach liefert die Wissenschaft immer detailliertere Antworten auf Fragen, die das Alarmsignal des Körpers aufwirft. „Wir kennen heute viel präziser die genetischen Grundlagen und die Veränderungen im Nervensystem, die die Schmerzen bedingen“, sagt Prof. Hartmut Göbel. Als Gründer und ärztlicher Direktor der Schmerzklinik Kiel kennt er das Problem in all seinen Spielarten und weiß: „Chronische Schmerzen sind komplex. Sie betreffen Körper und Seele gleichermaßen.“ So ist nie nur eine falsche Belastung Ursache etwa für ständige Rückenschmerzen. Auch emotional haben sich die Erkrankten meist zu lange krumm gemacht.

Genau diese Erkenntnis kommt bei der multimodalen Schmerztherapie zum Tragen. Sie entwirrt das Geflecht aus Körper- und Seelenweh mithilfe von psychologischer Betreuung, Körpertherapie und Entspannungsverfahren. Medikamente sind dabei unverzichtbar, etwa um Entzündungen zu stoppen, Schmerzen zu lindern. Prof. Göbel: „Es stehen verschiedene, hochwirksame Arzneimittel zur Verfügung, um die übermäßige Erregbarkeit im Nervensystem zu stabilisieren, die Schmerzempfindlichkeit zu reduzieren.“

So heilen oder wirken Natur- und Schulmedizin

NATURMEDIZIN

B-Vitamine: Per Spritze oder Infusion gelangt eine spezielle B-Vitamin-Kombi über den Blutkreislauf bis ins Gehirn. Dort behebt die Methode gezielt einen Vitaminmangel, der häufig für die Ausbildung eines Schmerzgedächtnisses verantwortlich ist.

HeilpflanzenwieAlpen-Rhododendron und Sumpfporst lindern Rheuma- und Arthroseschmerzen. Auch Arnika als Gel, Brennnesselblätter und Rosmarin als Tee oder Dragee und die Extrakte der Weidenrinde sollen die entzündungsfördernden Botenstoffe in den Gelenkkapseln beeinflussen und so den Schmerz verringern können. Heilpflanzenkombis wie etwa aus Giftsumach, Echtem Mädesüß und Afrikanischer Teufelskralle wird ein ähnlicher Effekt nachgesagt.

Osteopathie , Physiotherapie und Chiropraktik: Dabei werden durch spezielle Druck- und Massagetechniken Blockaden der Gelenke gelöst und so die Beweglichkeit wiederhergestellt.

Akupunktur, Tuina: Diverse Studien zeigen, dass Nadeltherapie und chinesische Massageverfahren Gelenkschmerzen lindern können.

Blutegeltherapie: Der Egel wird auf den betroffenen Bereich gesetzt und gibt beim Saugen Speichel ab, der schmerzstillend und abschwellend wirkt. Die Wirkung hält etwa ein halbes Jahr.

Kältekammer: Bei minus 60 bis 120 Grad wird das Krankheitsgeschehen bei akuten Entzündungen gehemmt.

Entspannungstherapien: Bewährt und durch zahlreiche Studien belegt: Entspannungsübungen wie Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung nach Jacobsen, Meditation und Yoga. Besonders Yoga wirkt laut einer Untersuchung des amerikanischen Group Health Research Institute in Seattle schmerzlindernd.

Illustrationen: offset (2), Shutterstock

SCHULMEDIZIN

Medikamente: Arzneimittel der ersten Wahl bei leichten bis mäßigen Schmerzen sind Acetylsalicylsäure (ASS) und Ibuprofen. Die Wirkstoffe hemmen Entzündungen, lindern Schmerzen und senken Fieber. Aufgrund der blutverdünnenden Eigenschaften sollte ASS nicht vor Operationen oder zahnärztlichen Eingriffen eingenommen werden. Paracetamol ist bei magenempfindlichen Patienten gut verträglich, hemmt allerdings keine Entzündungen. Bei Arthrose und Rheuma zeigt Diclofenac eine sehr gute schmerzlindernde, vor allem entzündungshemmende Wirkung. Auch Naproxen wird aufgrund seiner Wirkdauer von bis zu zwölf Stunden gern eingesetzt.
Flufenaminsäure wirkt entzündungshemmend und schmerzlindernd und ist vor allem in Salben zur äußeren Anwendung geeignet. Bei Neuralgien haben sich je nach Art und Ursache auch anders dosierte Antiepileptika und Antidepressiva bewährt.

Injektionen: Bei Arthrose kann das Einbringen von Hyaluronsäure für eine zusätzliche „Schmierung“ des Gelenks sorgen. Relativ neu sind Injektionen mit dem ebenfalls körpereigenen Chondroitin. Die von den Knorpelzellen gebildete Substanz macht den Puffer widerstandsfähiggegen Druck und Belastung.

Operation: Ein künstliches Implantat ist bei Gelenkerkrankungen die letzte Maßnahme, wenn andere Therapien nicht mehr ausreichen. Bei Kniegelenken hilft oft schon der Ersatz einer Teilprothese für eine Kniehalbseite. Nicht immer bringen die jährlich etwa 200.000 Hüft- und 169.000 Knieoperationen den erhofften Erfolg. Laut Studie der Bertelsmann Stiftung klagen 20 Prozent der am Knie operierten Patienten über fortdauernde Schmerzen und Bewegungseinschränkungen. Auch können nach Einsatz eines künstlichen Implantats Allergien gegen das verwendete Material auftreten. Bei der Trigeminusneuralgie kann in Einzelfällen das Einlegen eines Schwämmchens zwischen Nerv und Blutgefäß die Schmerzen im Gesicht reduzieren.

DER PATIENT MUSS MITHELFEN

Wie die Zahnräder eines Uhrwerks greifen die Therapien ineinander und bringen so das System Mensch wieder zum Laufen. „Chronische Schmerzen muss heute niemand mehr hinnehmen. Aber es gibt keine einzelne Methode, die die Schmerzen geradezu wegzaubert“, erklärt Prof. Göbel. Auch der Patient selbst nimmt aktiv an seiner Behandlung teil, führt Schmerzkalender, lernt mit und nicht gegen seine Krankheit zu leben. Denn: „Niemand kann seine Schmerzen besser verstehen und in den Griff bekommen als der Patient selbst“, sagt der Neurologe.


Zur Anti-Schmerz-Strategie gehört auch eine Umstellung der Ernährung


Gut fürs Gelenk Fisch drängt mit seinen Omega-3-Fettsäuren die Entzündung zurück


Zwei Wochen lang wurde Ingelore B. in einer Schmerzklinik therapiert. Die 62-jährige Altenpflegerin, Mutter von drei Töchtern und Großmutter von vier Enkeln, leidet seit sechs Jahren unter rheumatoider Arthritis, die immer wieder Entzündungen in ihren Fingern verursachte: „Manchmal waren meine Finger so steif und schmerzten so sehr, dass es mir schon die Tränen in die Augen trieb, wenn ich nur die Knöpfe an meiner Bluse schließen wollte. Ingelore B. lernte in den Gesprächen mit der Therapeutin, dass seelische Schieflagen, etwa Angst, Sorgen oder Stress chronische Schmerzen begünstigen. Und dass sie ihrem Körper zu viel zugemutet hatte, mehr Ruhe in ihr Leben bringen muss.

518 Mio.

Euro wird der Umsatz bei Schmerzmitteln 2020 betragen

Quelle: Hochrechnung von „Statista“

VIELE STRATEGIEN - EIN ZIEL

Die psychologische Betreuung der Patienten ist das zentrale Element. Die therapieübergreifende Anti-Schmerz- Strategie beinhaltet aber auch eine Umstellung der Ernährung und, wenn nötig, eine Gewichtsreduzierung. Denn bei starkem Übergewicht schlagen etwa die Arthritis-Medikamente schlechter an, hat eine neue Analyse des Deutschen Rheuma-Forschungszentrums (DRFZ) in Berlin ergeben. Und bei Arthrose üben die überschüssigen Pfunde einen ständigen Druck auf die Gelenke aus. Die Umstellung der Ernährung hingegen basiert auf der Erkenntnis, dass die in tierischen Lebensmitteln enthaltene Arachidonsäure, eine mehrfach ungesättigte Omega-6-Fettsäure, Gelenkentzündungen anfeuert. Gesünder sind dagegen solche Lebensmittel, die über einen sehr hohen Anteil an Omega-3-Fettsäuren verfügen, welche die Entzündungsbotenstoffe hemmen, wie etwa Lachs, Hering oder Leinöl. Und wer Schmerzen hat, sollte sich vorsichtshalber schonen? Das gilt längst nicht mehr! So ist Bewegung ein weiterer wichtiger Baustein in der Behandlung chronisch Schmerzkranker. Sie tut Körper und Psyche gleichermaßen gut, löst Verspannungen, die dauerhaft auf die Schmerzsensoren im Gewebe drücken, und beruhigt große Teile des Nervensystems - das senkt auch das Schmerzlevel.

Illustration: mauritiusimages


Mit der multimodalen Therapie lernen Patienten, den Schmerz zu beherrschen. Manche müssen dafür einiges in ihrem Lebenändern!


Prof. HartmutGöbel

SCHMERZ GEHT AUF DIE NERVEN

Große Erfolge erzielt die Komplextherapie auch bei chronischen Schmerzen durch Neuralgien. Bei den sogenannten neuropathischen Schmerzen entsteht die Qual direkt im Nerv, mal messerscharf, mal brennend. Sie können bei Multipler Sklerose, Schlaganfall, Diabetes und Krebs auftreten, etwa weil ein Tumor auf eine Nervenbahn drückt. Nervenfasern können aber auch durch einen Unfall oder eine Operation verletzt und gereizt worden sein oder durch eine besonders hartnäckige Infektion, etwa mit von Zecken übertragenen Borrelien.

Was auch immer Schmerzen verursacht, „mit der multimodalen Therapie lernen die Patienten, ihn zu beherrschen“, so Prof. Göbel. Und weiter: „Manche müssen dafür einiges in ihrem Leben ändern!“ Zum Beispiel im sozialen Umfeld: Habe ich etwa Ärger mit dem Chef oder den Kollegen, steigt das Risiko für chronischen Schmerz um das 13- fache.

RAUS AUS DER QUALVOLLEN SPIRALE

Ingelore B. hält mit Yoga und einer konsequenten Rheuma-Diät den Schmerz in Schach. Außerdem hat sie gelernt, auch einmal „Nein“ zu sagen, wenn zu viel von ihr erwartet wird. „Ich schlucke auch heute noch Tabletten, wenn eine Entzündung meine Finger malträtiert“, sagt sie, aber die Schübe kämen jetzt viel seltener. „Die zwei Wochen in der Klinik haben alles verändert“, freut sie sich. Vergangenes Jahr konnte sie die Finger kaum krümmen, und gestern habe sie ihrer Enkeltochter gezeigt, wie man einen Schal strickt. „Das hat sich einfach nur gut angefühlt.“

ERSTE HILFE AUS DER APOTHEKE

REZEPTFREI

Wirkstoff: Acetylsalicylsäure (ASS)

BESCHWERDEN: leichte bis mäßige Kopf-, Zahn-, Rückenschmerzen, Entzündungen, Fieber. Aufgrund der blutverdünnenden Eigenschaften auch zur Vorbeugung vor Herzinfarkt geeignet.

BESONDERHEITEN: Weil der Wirkstoff die Blutgerinnung hemmt, nicht vor einer Operation oder Zahnbehandlung einnehmen.

Wirkstoff: Ibuprofen

BESCHWERDEN: Leichte bis mäßige Kopf-, Zahn-, Regelund Gelenkschmerzen, Erkältungskrankheiten.

BESONDERHEITEN: Wirkt stark entzündungshemmend, bei längerer Anwendung können Magenprobleme auftreten. Bis 400 Milligrammrezeptfrei.

Wirkstoff: Naproxen

BESCHWERDEN: Mäßige Schmerzen, Entzündungen, Fieber. Sehr gut geeignet bei chronischen Schmerzen, die auch über Nacht anhalten, weil es eine lange Wirkungsdauer hat. Naproxen kann Schmerzen bis zu zwölf Stunden lindern, während es bei den anderen Substanzen nur vier bis acht Stunden sind.

BESONDERHEITEN: Häufige Nebenwirkungen sind Magen- Darm-Erkrankungen. Bis zu 250 Milligramm rezeptfrei.

Wirkstoff: Paracetamol

BESCHWERDEN: Leichte bis mittelstarke Schmerzen (Kopf, Zahn) und Fieber. Paracetamol ist ungeeignet bei Rheuma, weil es keine entzündungshemmende Wirkung hat.

BESONDERHEITEN: Magenverträglicher als viele andere Schmerzmittel. Es ist das Mittel der ersten Wahl bei Schmerzen in der Schwangerschaft. Der Wirkstoff ist nur in Mengen unter zehn Gramm Wirkstoff pro Packung rezeptfrei.

DER FEINE UNTERSCHIED: WENN DIE GELENKE SCHMERZEN: ARTHROSE ODER ARTHRITIS?

Rheumatoide Arthritis und Arthrose - diese beiden Gelenkerkrankungen sind sich zum Verwechseln ähnlich. Ihre Ursachen aber sind grundverschieden.

Rheumatoide Arthritis

Die Gelenkerkrankung ist eine der häufigsten Erscheinungsformen rund ums Rheuma. Laut Deutscher Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) leiden mehr als 500.000 Menschen in Deutschland darunter. Meist beginnt die Erkrankung zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr. Rheumatoide Arthritis ist eine Fehlfunktion des Immunsystems, eine sogenannte Autoimmunerkrankung. Dabei greift der Körper irrtümlich eigenes Gewebe an, zum Beispiel den Gelenkknorpel, und löst eine Entzündung aus. Kann diese nicht durch einen frühen Therapiebeginn gebremst werden, nehmen die Gelenkstrukturen immer mehr Schaden - bis zu ihrer vollständigen Zerstörung. Typisch für Arthritis ist der symmetrische Befall, das heißt, dass auf beiden Körperseiten die gleichen Gelenke betroffen sind, meist die kleinen Gelenke der Finger und Zehen. Erste unspezifische Anzeichen können grippeähnliche Symptome sein. Weitere Beschwerden sind vor allem aber eine mehr als 30 Minuten andauernde Steifigkeit der Gelenke am Morgen. Als Ursache wird bei der Arthritis eine genetische Veranlagung angenommen.

Illustration: iStock

Arthrose

Mindestens fünf Millionen Deutsche leiden unter Knorpelschwund, der zumeist in der Generation 50 plus auftritt. Arthrose entsteht durch die Abnutzung der Knorpelmasse. Die befindet sich wie eine Art Oberflächenversiegelung an den beiden Knochenenden und sorgt für einen reibungslosen Bewegungsablauf. Weichen diese Puffer immer weiter zurück, reibt Knochen auf Knochen. Grundsätzlich kann Arthrose jedes Gelenk befallen, meist sind es aber die tragenden Teile des Körpers - Knie, Hüften und Füße. Typisch für Arthrose ist der sogenannte Startschmerz. Da fühlen sich nach einer längeren Ruhephase die Gelenke an, als wären sie eingerostet. Ist die Arthrose bereits fortgeschritten, schmerzen die Gelenke dauerhaft, ganz ohne Belastung. Genetische Vorbelastung, Hormonumstellung, Spätfolgen eines Unfalls - laut Deutscher Arthrose-Hilfe gibt es viele Gesundheitsprobleme, die zu einer Arthrose führen können. Zu mindestens 50 Prozent entsteht sie durch eine Überlastung der Gelenke.

ERSTE HILFE AUS DER APOTHEKE

Bei akuten Schmerzattacken kommen wir nur selten ohne Medikamente aus. Laut „Statista“, eine der wichtigsten Statistikdatenbanken der Welt, wird der Umsatz bei Schmerzmitteln 2020 etwa 518 Mio. Euro betragen. Ob Tabletten gegen Kopf-, Rücken-, Nerven- oder Gelenkschmerzen - für den Laien ist es häufig schwer, in dem riesigen Angebot der Wirkstoffe und Produkte den Überblick zu behalten. Hier ist ein kleines Arznei-ABC.

REZEPTPFLICHTIG

Illustration: offset

Wirkstoff: Diclofenac

BESCHWERDEN: Leichte bis mäßig starke Schmerzen, etwa bei rheumatischen Erkrankungen, Arthrose, Hexenschuss.

BESONDERHEITEN: Wirkt stark entzündungshemmend. Häufige Nebenwirkungen im Magen-Darm-Bereich. Für Dosierungen ab 600 Milligramm Wirkstoff pro Tablette ist ein ärztliches Rezept nötig. Auch als Salbe erhältlich.

Wirkstoff: Metamizol

BESCHWERDEN: Starke bis sehr starke, oft kolikartige Schmerzen, bei denen andere Medikamente nicht wirken. Wird auch bei sehr hohem Fieber verschrieben, wenn nichts anderes hilft.

BESONDERHEITEN: Kann starke Nebenwirkungen hervorrufen, bis zur Störung der Blutbildung. Für Allergiker und Asthmatiker ungeeignet.

Wirkstoff: Triptane

BESCHWERDEN: Starke Migräneattacken und seltener Clusterkopfschmerz. Triptane sollen auch die Begleiterscheinungen, wie etwa Übelkeit, lindern.

BESONDERHEITEN: Typische Nebenwirkungen sind ein allgemeines Schwächegefühl, Schwindel, Missempfindungen. Triptane gibt es als Spritze, Nasenspray oder Tablette.

Wirkstoff: Tramadol

BESCHWERDEN: Mäßig bis starke Schmerzzustände verschiedenster Ursachen. Tramadol ist ein zentral wirksames Opioidanalgetikum.

BESONDERHEITEN: Häufig kommt es zu vermehrtem Schwitzen. Aber auch Schwindel, Übelkeit und Benommenheit können auftreten.

DIE HÄUFIGSTEN REZEPTFREIEN MEDIKAMENTESEITE 59