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SCHMIEDE-HÄMMER


Auto Bild sportscars - epaper ⋅ Ausgabe 10/2021 vom 09.09.2021

Faszination

DER NEUE SHOWROOM im Hause Abt macht schon Eindruck. „Edel-Schmiede“ nennen sie ihn. Hier werden neue Modelle präsentiert, besondere Kundenfahrzeuge übergeben, und nicht zuletzt wird hier die Firmengeschichte zelebriert. An der Wand ist die Fassade der historischen Schmiede von Gründer Johann Abt abgebildet, Bücher und historische Bilder schmücken den atmosphärisch beleuchteten Raum. Und heute steht für uns das jüngste Modell aus dem Hause Abt Sportsline parat: ein 800 PS starker Power-Kombi – keinem Geringeren als dem Seniorchef höchstpersönlich gewidmet.

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Tuning-Ahnen vereint Nahezu 40 Jahre Tuning- Geschichte stehen hier vereint auf einem Hof. Von Hans- Jürgen Abts Urquattro bis zum jüngsten Jubi-Modell

Aber damit geben wir uns nicht zufrieden. Wenn schon ein solches Jubiläum wie das 125-jährige ansteht, blicken wir doch gleich auf die komplette Tuning-Geschichte zurück. Die reicht zwar keine 125 Jahre in die Vergangenheit, aber knapp 60 Jahre kommen da schon zusammen. Johann Abt, Enkel des gleichnamigen Gründers, war selbst ein ...

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... talentierter Rennfahrer und fingerfertiger Schrauber. Diese Kombination aus Speed und Topmaterial verhalf ihm zu vielen Rennsiegen und dem Abt zu einem Ruf, der bald schon über die Grenzen des Allgäus hinausgehen sollte. 1962 gründete er Abt Tuning und integrierte das Nebengeschäft in das bestehende Autohaus. 1991 wurde der Veredler dann zu Abt Sportsline. Irgendwann dazwischen – genauer gesagt in den frühen 80ern – schickte sich die nächste Generation an, die Familiengeschicke in Richtung Zukunft zu lenken. Hans-Jürgen Abt ist ebenfalls Baujahr 1962, also gerade Anfang 20, als der gelernte Speditionskauf- mann und Automechaniker beginnt, dem Unternehmen seinen Stempel aufzudrücken. Die beiden ältesten Vertreter in diesem Sextett sind von 1982 (Golf I GTI) und 1984 (Ur-quattro). Letzteren hat Abts Vater seinerzeit als jungen Gebrauchten in Zahlung genommen. Der Junior durfte das Coupé damals veredeln. Quasi die Geburtsstunde der heutigen Firma Abt Sportsline. Front und Stoßfänger vom Sport quattro, breite Backen, großer Flügel, fünfspeichige 16-Zöller mit 215er-Reifen – die Optik lässt auch heute noch die Mundwinkel nach oben schnellen. Am meisten aber, dass der Chef uns überhaupt ans Steuer gelassen hat: Das weiße Coupé ist nämlich so was wie sein privates Heiligtum. Das Spaßmobil für die Sonntagsausfahrt – die Zeitmaschine zum Erden für zwischendurch. Zum Rückbesinnen auf die eigenen Wurzeln. Damals, als Tuning noch die Arme bis über den Ellenbogen hinaus eingesaut hat. Die Kunden kamen seinerzeit morgens mit einem 110-PS-GTI auf den Hof und fuhren abends mit 130 PS wieder nach Hause. Chiptuning? Vergiss es. In der Werkstatt stand ein getunter Motor parat, der alte wurde ausgebaut, der stärkere kam ins Auto. In der Zwischenzeit, bis der nächste Kunde auf den Hof fuhr, wurde der nun serienmäßige Motor getunt – und immer weiter so …

Technische Daten

Abt Ur-quattro

Hubraum ca. 2500 cm 3

Leistung 243 kW

(330 PS) bei 6300/min max. Drehmoment

380 Nm bei 2300/min

Leergewicht

1380 kg L/B/H 4404/ 1798/1320 mm 0–100 km/h

5,9 s Spitze

250 km/h

Der quattro hingegen hat eine eigene Geschichte. Er ist es, der sowohl Audi als auch Abt eine Stufe nach oben befördert. Weg vom damals konzernüblichen Vorderradantrieb, hin zu Allrad. Damit waren die Audi perfekt gerüstet, um mit der Mehrleistung umgehen zu können, die die Äbte im Sinn hatten. Der Sport quattro war natürlich schon damals unerreichbar. Auf 200 Autos limitiert, 200 000 D-Mark teuer – das konnte sich bis zu 330 kaum jemand leisten. Vater und Sohn Abt schnappten sich also das Ur-quattro-Coupé und machten daraus eine optisch nahezu ebenbürtige Version für jedermann. Die Umbaumaßnahmen am Exterieur haben wir schon angesprochen, die Technik durfte dem freilich in nichts nachstehen.

Technische Daten

Abt Golf I GTI Breitbau

Hubraum 1588 cm 3

Leistung 120 kW (163 PS) max. Drehmoment 230 Nm Leergewicht ca. 850 kg 0–100 km/h 6,8 s Spitze 201 km/h

Der 2,1-Liter-Fünfzylinder bekam einen Tick mehr Lungenvolumen auf nun 2,5 Liter, der Turbolader wurde massiv überarbeitet und presst nur mit bis zu 1,6 Bar 330 PS aus dem Motor. Schon bei 2300 Umdrehungen drücken die vollen 380 Newtonmeter. Heute natürlich nicht mehr – heute muss er niemandem mehr etwas beweisen. Also haben sie die Leistung über den Ladedruck auf rund 280 PS zurückgedreht. Das gute Stück soll ja noch ein bisschen länger für die Wochenendausfahrten herhalten. Einst ging es in unter sechs Sekunden auf Tempo 100 und bis hinauf zu 250 km/h. Ein zeitgenössischer Porsche Turbo war da durchaus in Reichweite.

Zwei Turbo- Helden

Die 90er und die 2000er haben vor allem eines im Überfluss zu bieten: mit Nach druck erzeugte Leistung

Der Breitbau-Golf kann da natürlich nicht mithalten, doch was damals aus der 110-PS-Basis gezaubert wurde, ist dennoch aller Ehren wert. Der 1,6-Liter bekam einen KKK-Lader aufgeschnallt, Kolben und Kurbelwelle wurden grundsaniert, heraus kamen 163 PS und 230 Newtonmeter. In einem Golf I die 200-km/h-Schallmauer knacken? Läuft.

Außen gab es den üblichen Breitbau der 80er-Jahre, das Fahrwerk wurde grundlegend überarbeitet: breitere Spur, deutlich härter. Der Golf fährt sich fast wie ein Kart. Allerdings gilt es, auf der Hut zu sein: Die Reifen haben DOT 4/98. Trotz dankenswerter Vorwarnung seitens Abt hat uns auf der Fotoproduktion einmal fast der Gegenpendler erwischt. Keine Fahrhilfen, unvermittelter Punch, Holzreifen – blöde Kombination.

So war das eben damals. Eine schöne Zeitreise.

Und die geht gleich weiter, denn der nächste Kandidat nennt sich B5 – hat aber mit der späteren A4-Baureihe nichts zu tun. Wir sitzen in einem Audi 90 von 1991. Vielleicht erinnern Sie sich: Hierzulande gewann Frank Biela mit dem Boll(er)werk Audi V8 die DTM, während bei den Fans nach wie vor die Faszination von 88/89 allgegenwärtig war, als man über dem großen Teich mit Audi 200 und Audi 90 zunächst in der TramsAm-Serie und dann in der IMSA GTO alles in Grund und Boden fuhr.

Technische Daten

Abt B5 Breitbau

Hubraum 2133 cm 3

Leistung 279 kW (380 PS) bei 6300/min max. Drehmoment 450 Nm Leergewicht 1170 kg L/B/H 4403/ 1695/1371 mm 0–100 km/h k. A.

Spitze k. A.

Technische Daten

Abt AS4-R Hubraum 2671 cm 3 Leistung 353 kW (480 PS) max. Drehmoment 565 Nm 0–100 km/h 4,6 s Spitze 300 km/h

Ein Rennwagen auf Audi-90- Basis? Klingt gut, dachte man sich bei Abt – aber wenn schon, dann richtig. Daher wanderte nichts Geringeres als der 2,1-Liter-Motor aus dem Sport quattro in den 90er. Vierventiltechnik, zwei oben liegende Nockenwellen – der Motor war ohnehin so konstruiert, dass leistungsseitig noch gehörig Luft nach oben war. Daher machte Abt aus den ursprünglichen 306 PS kurzerhand deren 380. Turbo und Zylinderkopf wurden nachbearbeitet, größere Ladeluftkühler hielten die Temperaturen im Zaum. Der doppelstöckige Heckflügel erinnert an den IMSA-Rennwagen, die Haube mit ihren Lufteinlässen ist eine Einzelanfertigung.

Das Ganze fährt sich auch heute noch so erstaunlich agil, dass wir uns fragen, warum Audi selbst nie einen richtig sportlichen 90er aufgelegt hat. Die Antwort gibt die Historie, denn nach einem Jahr war das Abenteuer USA für den 90 GTO schon wieder vorbei, und für den milden Sport war ab Ende 1988 das Coupé zuständig – als S2 sogar mit bis zu 230 PS. Kein Vergleich natürlich zu diesem Boliden, aber hey – zumindest was.

Der Sprung ins neue Jahrtausend gelang Abt ganz unauffällig – zumindest optisch. Als Audi und die gesamte Branche auf Hochdrehzahlsauger und möglichst viele Zylinder setzten (das waren noch Zeiten), schlugen die Kemptener einen anderen Weg ein. Anstelle des 4,2-Liter-V8 schiebt im AS4-R ein doppelt aufgeladener 2,7-Liter-V6 an – und mit welch einer Vehemenz!!!

Zwei trotzen dem Wetter

Selbst heftige Regenfälle am Ende des Fototages können den Fahrspaß nicht trüben. Diese beiden V8-Äbte heben die Laune

420 PS leistete der zeitgenössische RS4, der Abt sattelt da gleich noch weitere 60 drauf. Die Fahrleistungen sprechen eine deutliche Sprache: In 4,6 Sekunden geht es auf 100, Tempo 300 ist machbar. Auf das Werk waren das drei Zehntel Spurtvorteil und natürlich viel Vmax-Prestige, denn der RS4 regelte bei 250 km/h ab.

Und jetzt würde mich interessieren, wie viele langjährige SPORTSCARS-Leser noch dabei sind, denn wenn Ihnen dieses Auto bekannt vorkommt – kein Wunder. Bei mir stellte sich auch sofort eine wohlige Vertrautheit ein. Ein bisschen im Archiv blättern, ein paar Nachfragen: Ja, das ist dasselbe Auto, welches wir Ende 2011 zum 10-jährigen SPORTSCARS- Jubiläum am Contidrom dabeihatten. Und ich war damals als 28-jähriger Volontärs-Frischling Fahrer und Betreuer für dieses Geschoss. Mit Gewindefahrwerk liegt er brettleben auf der Straße, viel kompromissloser als ein RS4, der ab Werk noch deutlich spürbare Komfortreserven hatte. Der Sound: dumpf und satt klingend. Die Achtkolben-Bremsanlage: bissig.

Das genaue Gegenteil: der RS5-R. Wild bespoilert, Käfig innen, brachial laute und sauber integrierte Sidepipes außen, Flics an den vorderen Ecken, Vierpunktgurt und Renn-Vollschalen schnallen den Fahrer unnachgiebig in Position. Dabei hat man am Motor selbst gar nicht so viel gemacht. Mit 470 PS nur deren 20 mehr als die Serie, doch es klingt nach 800. Zu denen kommen wir gleich …

Mit dem RS5-R hat Abt einfach mal gezeigt, was geht. Gedankliche Grenzen gab es kaum, nur das Gewicht sollte runter. Dafür wurde unter anderem die Rückbank rausgeworfen, die Haube ist aus Vollcarbon. Rund 90 Kilo soll das gebracht haben – und einen Pokal für die Firmenvitrine, denn der RS5-R wurde 2013 zum „AUTO BILD Sportscar des Jahres“ gewählt. Das können Sie auch 2021 wieder: Einfach mal auf Seite 66/67 vorbeischauen und abstimmen.

Chancen, das diesjährige Sportscar des Jahres zu werden, hat unter anderem der – und jetzt gaaanz tief Luft holen: Abt RS6-R 125 Jahre Johann Abt Signature Edition. Kurz gesagt: das Sondermodell zum 125. Firmenjubiläum. Streng limitiert auf 64 Exemplare und jedes einzelne exakt so konfiguriert wie hier auf den Bildern zu sehen. Schwarz mit rot durchwebten Kohlefaser-Anbauteilen – und davon gibt es tatsächlich reichlich; innen wie außen.

Technische Daten

Abt RS5-R

Hubraum 4163 cm 3

Leistung 346 kW (470 PS) max. Drehmoment 440 Nm Leergewicht ca. 1700 kg 0–100 km/h 4,3 s Spitze 303 km/h Preis ca. 180 000

Euro (2013)

Technische Daten

Abt RS6-R Johann Abt Signature Edition

Hubraum 3996 cm 3 Leistung 589 kW (800 PS) max. Drehmoment 980 Nm bei 2750-5000/min 0–100 km/h 2,9 s Spitze 330 km/h Preis ab 274 000 Euro

Leistungsseitig steigert Abt die werksseitigen 600 PS um ein Drittel, 980 Newtonmeter liegen konstant zwischen 2750 und 5000 Umdrehungen an – vierstellige Spitzenwerte nicht ausgeschlossen.

Zeitreise

Fast 40 Jahre in fünf Jahrzehnten: Bei Abt hat sich viel geändert, der Anspruch bleibt jedoch

Die 22-Zoll-Felgen gibt es (vorerst) exklusiv für den Johann, die Nabendeckel mit dem Firmenlogo sind wie bei Rolls-Royce schwebend aufgehängt und bleiben stets in der Waage. Wie sich das fährt?

Völlig irrwitzig, wenn gewünscht, sonst wie ein Werks-Audi mit dem besonderen Kick. Aber genau das ist ja der Anspruch, den sämtliche Abt-Generationen seit jeher an sich und ihre Produkte haben. Etwas Besonderes erschaffen, aber bloß keine Bastelbude zu sein. Die Qualität muss immer stimmen. Werksniveau oder im Optimalfall sogar besser. Und das als etablierter Tuner seit fast 60 Jahren.

Fazit

Alexander Bernt

Wahnsinn, was Abt in den letzten 40 Jahren auf die Räder gestellt hat. Von den Anfängen bis zum 800-PS-Monster faszinieren sie alle. Selbst der unscheinbare AS4-R hat so einige Überraschungen parat.