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Schnaps und Segel


segeln - epaper ⋅ Ausgabe 120/2021 vom 08.11.2021

Limfjord

Artikelbild für den Artikel "Schnaps und Segel" aus der Ausgabe 120/2021 von segeln. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: segeln, Ausgabe 120/2021

Der Haikutter von 1926 aus Kolding

Ein dichter Wald aus Holzspieren ist schon von weitem zu sehen. Die Party ist in der Stadt! Der Hafen, der Kanal und die Kais des normalerweise verschlafenen Fjorddorfs Løgstør sind vollgepackt mit traditionellen hölzernen Segelbooten und Schiffen aller Art und Größe. Heute wird hier gefeiert, morgen segelt die Flotte weiter zum nächsten Ort, Thisted. 63 Schiffe haben sich zur alljährlichen „Limfjorden Rundt“ versammelt, einer Woche voller Segeln, Rennen und Feiern, die in diesem Jahr zum 33. Mal stattfindet.

Es könnte fast so etwas sein, wie die dänische Antwort auf Antigua. Auch die „Antigua Race Week“ ist ja einst als Partywoche der professionellen Chartercrews und deren Yachten am Ende der karibischen Chartersaison entstanden. Und hier wie dort segeln nun auch etliche private Yachten und Schiffe mit, weil es einfach einen so gigantischen Spaß macht. Und es gibt auf beiden Events die ...

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... Möglichkeit, auch als Chartergast mitten im Geschehen dabei zu sein.

Hier geht es in mehreren Etappen durch den westlichen Teil des Limfjords, der im Norden Dänemarks die Nordsee mit der Ostsee verbindet. Die einwöchige Spaßregatta zieht dabei mehr Boote in die ehemaligen Fischerei- und Handelshäfen entlang der Route, als diese selbst in der Blütezeit der Arbeitsschiffe unter Segeln, also im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert, gesehen haben. Und sie zieht auch die Menschen an Land an. Männer mittleren Alters aus einem 100 oder mehr Kilometer entfernten Biker-Club donnern mit ihren Harleys an den Kai um mitzufeiern, ebenso wie der örtliche Club, der sich der Restaurierung alter Traktoren widmet. Deren beste Exemplare sind, stolz und glänzend, auf einem nahe gelegenen Parkplatz aufgereiht.

Ein kostenloses Skipper‘s Dinner wird an jeden ausgegeben, der sich in das riesige Veranstaltungszelt verirrt und in die Warteschlange einreiht. Abends treten Livebands auf, und eine Flut von Bier und Schnaps wahrhaft biblischen Ausmaßes hält alle über Wasser. Die Dänen lieben ihr „Øl“ und ihren „Snaps“, aber trotz all dieser potenziellen Ablenkungen bleiben die Holzschiffe fest im Zentrum der Veranstaltung und in den Herzen nicht nur ihrer jeweiligen Besatzungen, sondern auch der vielen Schaulustigen, die auf der Pier entlang schlendern und meist sachkundig über alte Schiffe diskutieren.

Die Flotte weist eine interessante Vielfalt von Schiffen auf, die vom kleinen offenen Fischerboot von nur acht Meter Länge bis zum mächtigen Dreimastschoner und ehemaligen Feuerschiff mit dem treffenden Namen (Der große Bär) und allem dazwischen reicht. Die von Colin Archer entworfenen Doppelender, die in Skandinavien so beliebt sind, bilden eine Klasse für sich, und nicht wenige von ihnen sind von Norwegen aus nach Süden gesegelt um teilzunehmen, andere sind von Schweden her über das Kattegat gekommen.

Die traditionellen Schiffe und ihre Besatzungen werden in Dänemark sehr geschätzt und aktiv unterstützt

Die wird von einer gemischten Dreiercrew gesegelt, zwei Männern und einer Frau, und der Skipper besitzt und segelt normalerweise auch einen Colin Archer. Unglücklicherweise brach dessen Mast jedoch vor dem Start dieser Veranstaltung, die natürlich trotzdem nicht verpasst werden sollte. Also wandte er sich an das örtliche „Limfjordens Museum“ und lieh sich eines der dortigen, segeltauglichen Exponate. Diese Art von doppelendigen, geklinkerten, offenen Fischerbooten mit einer einfachen Sprietsegel-Takelung war hier früher sehr verbreitet. Diese Boote sind unkompliziert und dennoch robust genug für die zuweilen recht ruppigen Gewässer des Limfjords und haben dabei nur wenig Tiefgang. Dies war nicht nur nützlich, um kleinere Buchten zum Fischen zu erreichen, sondern auch, um den Fischereikontrollschiffen zu entgehen, die viel größer waren und den kleinen Booten nicht durch enge Fahrwasser oder in flache Gewässer folgen konnten.

„Limfjorden Rundt“ wird größtenteils im Alleingang von Niels Sohn organisiert, einem Techniker auf einer Schiffswerft in Skive, einer der teilnehmenden Häfen. Niels jedenfalls weiß, was er will und zieht es vor, die Dinge auf seine Art und Weise zu regeln. Damit verzichtet er auf ein großes Team, dennoch ist er mit diesem Ansatz offensichtlich erfolgreich. „Ich liebe es einfach“, sagt er. „Ich habe mein ganzes Leben lang mit traditionellen Segelbooten und Schiffen herumgespielt. Vor etwa hundert Jahren fuhren rund tausend Segelschiffe auf dem Limfjord. Wir müssen zumindest einen kleinen Teil dieser Tradition am Leben erhalten!“ Bei der ersten Veranstaltung vor 33 Jahren war er Steuermann auf dem Schoner , der immer noch teilnimmt. In der Tat gibt es mehrere Schiffe, die in all den Jahren keine einzige „Limfjorden Rundt“ ausgelassen haben.

Der prächtige Dreimastschoner ist ein beeindruckendes Schiff. Sie lief 1915 in der damals berühmten Skipperstadt Marstal vom Stapel, zu dieser Zeit Heimathafen von bis zu 170 weltweit segelnden Handelsschonern. Wie viele von ihnen beförderte die ursprünglich gesalzenen Kabeljau von Neufundland bis tief ins Mittelmeer und nahm später Ladung auf, wohin auch immer in der Welt sie unterwegs war. Diese Schoner konkurrierten schon bald mit den neuen Dampfschiffen und wurden hart und schnell gesegelt. Dies war die goldene Zeit der dänischen Segelkapitäne und Mannschaften und ihrer hervorragenden Seemannschaft. Heute gehört die dem Dänischen Schifffahrtsmuseum und wird von diesem betrieben.

Rund 35 dieser großen Schoner sind wieder in Fahrt. Viele von ihnen sehen äußerlich noch originalgetreu aus, sind aber mit moderner Technik und Sicherheitsausrüstung ausgestattet und nehmen zwischen sechs und 60 Gäste an Bord, für private Feiern ebenso wie Firmenevents oder Schülerfahrten. Die Dänen sind zu Recht stolz auf dieses besondere Kapitel ihres maritimen Erbes, und dies ist der Weg, es am Leben zu erhalten. Diese Art des traditionellen Segelns ist professionell organisiert und bietet echte Karriereperspektiven für die Kapitäne und Besatzungen.

Zum Beispiel auf der , einem 34 Meter langen Frachtschoner, der 1914 für die Ostsee gebaut wurde. Nach einem wechselvollen Leben wurde sie Mitte der Neunzigerjahre von vier Privatleuten gekauft, restauriert und wird seitdem als Charterschiff eingesetzt. An Bord gibt es zwei ständige Kapitäne, die sich regelmäßig abwechseln. Einer von ihnen ist Jesper Frederiksen. Er begann seine Karriere als Seemann auf einem dänischen Ausbildungsschiff, fuhr dann auf einem Handelsschiff und anschließend auf verschiedenen traditionellen Segelschiffen. Jetzt hat er ein Kapitänspatent für kommerzielle Segelschiffe bis zu 500 Tonnen. Aber er sagt: „Es ist nicht leicht, eine Stelle auf einem traditionellen Segelschiff zu bekommen. Es gibt nicht so viele Stellen, weil die meisten Kapitäne selbst Eigner sind. Aber die Patente sind international anerkannt, man kann also auch anderswo anheuern.“

Claus ist Seemann, ebenfalls auf der beschäftigt, und im Gegensatz zu seinem Kapitän eher optimistisch. Im Winter wird er die Seefahrtschule besuchen, um sein Patent zu machen, was etwa sechs Monate dauert. Und dann einen Job finden? „Ja, ich bin sicher, das wird kein Problem sein!“

Erwähnenswert ist auch die , die 1919 in Marstal für die Neufundlandfahrt gebaut wurde. Von 1939 bis 1958 war sie als in Nordeuropa unterwegs, danach verdiente sie ihren Lebensunterhalt als Zementfrachter. Im Jahr 1968 wurde sie von einem Amerikaner gekauft, der sie vollständig restaurieren wollte. Obwohl er das Projekt nie abschloss, gab er ihr den neuen Namen . 1979 kaufte schließlich die Gemeinde Struer das Schiff. Seitdem werden an Bord alternative Unterrichtskonzepte für örtliche Schulen angeboten, hauptsächlich für Schüler der neunten und zehnten Klassen. Die Jugendlichen leben eine Zeit lang an Bord und lernen dabei viel über Seemannschaft, dänische Seefahrertradition und das maritime Leben im Allgemeinen.

Einige kleinere Schiffe sind im Besitz von privat organisierten Vereinen und werden von diesen betrieben. Ein gutes Beispiel dafür ist das elegante Aalschiff . Es wurde 1904 in Kolding vom Stapel gelassen und nach der Frau des ersten Eigners benannt. wird durch eine Gruppe begeisterter Schiffsliebhaber betrieben, deren Ziel es ist, das Schiff so nah wie möglich am Original von 1904 zu erhalten und es zu nutzen, um die Freude am Segeln mit so vielen Menschen wie möglich zu teilen und dabei auch die Ideale der guten Seemannschaft zu vermitteln. Da es sich um ein hölzernes Schiff der dänischen Kulturgeschichte handelt, hat der nationale Schiffserhaltungsfonds das Schiff 1997 für erhaltenswert erklärt.

Die Akzeptanz der traditionellen Segelschiffe und ihrer Besatzungen, egal ob Profis oder Amateure, ist in der dänischen Bevölkerung hoch. Niels Sohn ärgert sich nur über das Fernsehen: „Die zeigen immer nur Fußball, aber keine Sekunde von uns!“ Was vielleicht nicht ganz so stimmt, denn immerhin war in diesem Jahr auch ein Team vom dänischen Fernsehen dabei. Denn die jährliche „Limfjorden Rundt“ ist mittlerweile ein Spektakel, das wirklich Zuschauer anlockt, wie die vielen Schaulustigen an den Starts und in den Häfen beweisen. Auch die Städte unterstützen die Veranstaltung, und das vielleicht nicht nur, weil die Touristensaison zu dieser Zeit zu Ende geht. In Løgstør ist die Hafenkneipe am Abend vor dem Start gut besucht – normalerweise sitzt dort vielleicht nur ein einsamer Fischer vor seinem Bier. Und die Gemeinde sponsert das hervorragend organisierte Frühstück für die 500 Teilnehmer im Zelt am Hafen am nächsten Morgen, damit alle gut gestärkt in einen weiteren Tag des Festes der traditionellen Holzschiffe starten können.

Mitsegeln

Als Chartergast kann man an der „Limfjorden Rundt“ auf einem von mehreren Schiffen teilnehmen. Weitere Informationen stehen auf der Website der Veranstaltung www.limfjordenrundt.dk (auf Dänisch). „Limfjorden Rundt“ wird jedes Jahr im September veranstaltet und beginnt immer in Løgstør. Die anderen Häfen der fünf Etappen rund um den Limfjord sind: Thisted, Struer, Nykøbing Mors, Fur und Skive.