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Schnelle Hilfe bei Rücken SCHMERZEN


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HÖRZU - epaper ⋅ Ausgabe 4/2022 vom 21.01.2022

GESUNDHEIT

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Bildquelle: HÖRZU, Ausgabe 4/2022

WUNDERW ERK mit kleinen Schwachstell en: Bei Fehlbelastung reagiert die Wirbelsäule sensibel

Unser Nacken ist eine Problemzone

Auch Monitore und Handys sind schuld daran. Das digitale Leben überdehnt und strapaziert die Nackenmuskulatur

Schmerzen im Bereich der Brustwirbel

Meist stecken Blockierungen, Verspannungen oder Abnutzungen dahinter. Manchmal kann auch ein Bandscheibenvorfall dafür verantwortlich sein

Lendenwirbel: oft gestresst vom langen Sitzen

Bei einem 75 Kilo schw eren Menschen laste n schon beim norm alen Stehen 100 Kilo auf der Wir belsäule

PLUS SOS-ÜBUNGEN

Rücken ist schlimm, aber Bandscheibe ist die Hölle!“ Dr. Matthias Manke weiß, wie quälend Schmerzen im Kreuz sein können. Nicht nur weil verrutschte Bandscheiben, eingeklemmte Nerven und aufeinanderreibende Wirbel sein tägliches Geschäft sind. Der Orthopäde und Unfallchirurg aus Bochum kennt „Rücken“ aus erster Hand. Vor etwa fünf Jahren katapultierte ihn ein Bandscheibenvorfall mit Nervenwurzelreizung binnen ...

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... Sekunden selbst auf die Behandlungsliege.

Wie die Takelage den Mast eines Segelschiffs, so umspannt ein Gef lecht aus stabilisierenden Bändern, Sehnen und Muskeln das Rückgrat und hält es im Lot. Schlagen die Wellen des Alltags allerdings zu hoch, nehmen die Wirbelsäule und ihre umgebenden Strukturen Schaden. Das sensible Konstrukt, das uns aufrecht stehen, gehen, tanzen lässt und den Kopf gegen Stöße abfedert, zeigt dann seine Schwachstellen. So haben laut einer Statista-Umfrage knapp 80 Prozent der Erwachsenen Probleme mit dem Kreuz, jeder fünfte Befragte sogar mehrfach pro Woche.

Die DAK hat für ihren Gesundheitsreport „Rätsel Rücken“ ermittelt, dass 60 Prozent der Betroffenen eine Physiotherapie erhielten, 42 Prozent Verordnungen für Schmerzmittel. Nie zuvor gab es mehr Langzeitstudien und mehr Publikationen zum Thema Rückenschmerz. Nie zuvor so viele hochwirksame, evidenzbasierte Therapieansätze. Und nie zuvor wurde so viel über Prävention, Rückenschule und Achtsamkeit gesprochen wie heute. Doch allen Anstrengungen zum Trotz ist der Rücken der häufigste „Patient“ in deutschen Arztpraxen – Tendenz sogar steigend.

EXPERTE

Wir sitzen uns krank

Hat die Evolution den Homo sapiens vielleicht irrtümlich auf zwei Beine gestellt und ihm damit eine Menge Ärger eingebracht? „Zugegeben, unser aufrechter Gang ist eine Schwachstelle“, findet Manke. Dennoch bezeichnet der Orthopäde unseren Körper entwicklungsgeschichtlich als ein Erfolgsmodell: „Der Rücken ist ein

Wunderwerk, doch leider vergessen wir Menschen das allzu oft. Statt ihn zu unterstützen, lassen wir ihn allein.“ Allein mit den Bequemlichkeiten, aber auch den Widrigkeiten des modernen Alltags. Wir sitzen unseren Rücken krank! Beim Frühstück, im Auto, im Bus, vor dem Fernseher und in Schildkrötenhaltung vor dem Rechner: mit vorgestrecktem Hals und gesenktem Kopf. Dazu machen noch Verschleiß, Stress, einseitige Belastung und Übergewicht dem Rücken oft zu schaffen.

Um das Rückgrat mit all seinen Wirbelkörpern, Knorpeln und Bändern aufrechtzuerhalten, müssen wir uns mehr bewegen. Gezielt, wohldosiert, kontinuierlich. Und zwar in jedem Alter. Wer aber glaubt, auf Sport verzichten zu können, weil er schon körperlich hart arbeitet, irrt: „Leider ist Bewegung nicht gleich Bewegung. Die vordere und hintere Muskulatur müssen im Gleichgewicht zueinander stehen“, räumt Manke ein. Wird die Muskulatur nur einseitig gefordert oder ist sogar ganz untrainiert, kann sie schon bei einer kleinen falschen Bewegung schlappmachen, verspannen und verhärten. Und das kann äußerst schmerzhaft sein.

„Der Großteil aller Rückenschmerzen, man geht von 80 Prozent aus, ist unspezifisch“, sagt Dr. Matthias Manke. Das heißt, dass es keine eindeutige Erklärung dafür gibt und dass sich die Ursache nicht mit den gängigen radiologischen Verfahren identifizieren lässt. Statistiken zeigen, dass Tumoren, Bandscheibenvorfälle, Entzündungen oder andere ernsthafte Erkrankungen nur für einen Bruchteil aller Rückenprobleme verantwortlich sind.

„Jeder Rückenschmerz reduziert die Lebensqualität, darum muss Ziel sein, dieses schmerzhafte und weitverbreitete Phänomen auszurotten“, meint Manke. Sein Buch „Wenn der Orthopäde Rücken hat“ (Buchtipp S. 12) ist ein Plädoyer: „Aufraffen und Rücken retten!“ Dass der Weg dahin oft beschwerlich und langwierig ist, weiß Manke aus eigener Erfahrung: „Man darf kein Wunder erwarten“, meint er trocken, vielmehr müsse man sich sein Wunder erarbeiten. Rückenschmerz zu bekämpfen, das heißt für Betroffene, selbst aktiv zu werden, immer in enger Zusammenarbeit mit dem Arzt natürlich. Beide müssen hoch motiviert und am Therapieerfolg interessiert sein. Dranbleiben und nicht nachlassen, sonst halten anfängliche Erfolge erfahrungsgemäß nicht sehr lange an. „Und dann setzen sich unzählige Menschen überf lüssigerweise riskanten Rückenoperationen aus“, bemängelt der Mediziner.

Das Skalpell kann warten

Tatsächlich wird in Deutschland am Rücken mehr gefräst, verschraubt und abgeschliffen als in jedem anderen europäischen Land. Die Zahl der Operationen am Rücken stieg laut dem „Faktencheck Gesundheit“ der Bertelsmann-Stiftung allein zwischen 2007 und 2015 von 425.000 auf 772.000 Operationen pro Jahr. Dabei bezeichnet die Techniker Krankenkasse acht von zehn Rücken-OPs als unnötig. Heißt: Der Schmerz könnte auch ohne Skalpell besiegt werden. Die orthopädische Erfahrung der letzten Jahrzehnte hat gelehrt, dass die konservative Therapie bisweilen etwas länger dauert, aber langfristig erfolgreich ist. Eine Operation sollte deshalb immer nur das letzte Mittel sein, wenn zum Beispiel Lähmungen auftreten, man seinen Fuß nicht mehr allein hochheben oder senken oder nicht mehr auf einem Bein stehen kann. Dann müsse schnell gehandelt werden. „Wartet man zu lange und überschreitet eine Zeitgrenze von 24 Stunden, kann man davon ausgehen, dass die Lähmung bleibt, da der Nerv irreparabel geschädigt ist“, warnt Matthias Manke.

Verrutschende Stoßdämpfer

Derartige Notfälle können vor allem bei Patienten mit einem Bandscheibenvorfall auftreten. Diese 23 elastischen Knorpel liegen wie Puffer zwischen den Wirbelkörpern des Rückgrats, federn Stöße ab und ermöglichen die Bewegung der Wirbelsäule in verschiedene Richtungen. Wie Gelkissen verteilt diese Zauberschicht den auf der Wirbelsäule lastenden Druck gleichmäßig auf die Wirbelkörper und sorgt so für die enorme Belastbarkeit des menschlichen Rückgrats. Dabei vollbringen die Bandscheiben Spitzenleistungen. „Bei einer 75 Kilo schweren Person lasten im Stehen 100 Kilo auf der unteren Wirbelsäule. 90 fallen im Sitzen an, 220 sogar, wenn wir uns bücken“, sagt Dr. Manke. Ein Faserring mit einem Gallertkern hält die Bandscheiben dabei in Position.

Im Lauf des Lebens nutzen die Bandscheiben jedoch ab. Der Faserring kann brüchig werden, ähnlich wie bei einem strapazierten Fahrradschlauch. Reißt er, tritt sein gallertiger Kern in das umgebende Gewebe: Die Bandscheibe „fällt vor“, drückt auf den Nerv oder klemmt ihn sogar ein. Das Leben wird zur Qual!

ERSTE HILFE gegen Rückenschmerzen

Nur nicht gleich zur Schonung ins Bett verkriechen. Dr. Matthias Manke zeigt, welche Übungen uns schnell wieder auf die Beine bringen

5. STUFENLAGERUNG

Diese Übung entlastet sofort. Einfach in Rückenlage die Beine auf einen Getränkekasten oder einen flachen Stuhl legen (eventuell mit Kissen), sodass die Hüftund Kniegelenke um 90 Grad gebeugt sind. Fünf Minuten entspannt liegen

4. DEHNUNG DER GESÄSSMUSKELN

Diese Übung hilft gegen verspannte Gesäßmuskeln, wenn die Schmerzen nicht zu heftig sind. Auf dem Rücken liegend ein Bein anwinkeln und am Oberschenkel des anderen Beins ziehen. 15 Sekunden halten, dann Seitenwechsel

1. RÜCKEN- MUSKELN FLEXEN

Entspannung für den unteren Rücken: Mit ausgebreiteten Armen hinlegen und die Beine angewinkelt aufstellen. Anschließend beide Beine locker nach links kippen lassen und kurz neben dem Körper ablegen. Danach die gleiche Bewegung nach rechts machen. Die Übung auf jeder Seite etwa zehnmal wiederholen

2. BRUST- WIRBELSÄULE MOBILISIEREN

Im Vierfüßlerstand, die Hände unter den Schultern, die Beine unter dem Becken (jeweils 90 Grad). Dann einen Arm anheben und hinter den Kopf legen. Den Körper aufdrehen und den Ellenbogen in Richtung Decke strecken, um ihn dann unter dem Bauch diagonal in Richtung Knie zu führen. Pro Seite 10- bis 15-mal wiederholen

3. DIE KATZE

Eine Übung aus dem Yoga: Im Vierfüßlerstand den Rücken wie eine Katze bewegen. Zunächst den Rücken rund nach oben aufwölben (Katzenbuckel), dann in der Gegenbewegung die Wirbelsäule nach unten durchhängen lassen. Abwechselnd etwa 10- bis 15-mal

Häufigster Auslöser ist eine Fehlbelastung. Nach dem 30. Geburtstag beginnt meist die Zeit, in der es für die Bandscheibe kritisch wird. Sie endet erst im Rentenalter. „Danach wandeln sich unsere einst saftigen Bandscheiben in trockenes Fasergewebe um, und wir können die ‚wohltuende‘ Versteifung der Wirbelsäule spüren“, erklärt Manke. Die Kehrseite: Wir sind nicht mehr so beweglich wie mit 20. Außerdem verlieren die Bandscheiben bei diesem Alterungsprozess an Höhe, was wiederum dazu führt, dass die Facettengelenke, die die einzelnen Wirbel der Wirbelsäule miteinander verbinden, nicht mehr optimal arbeiten und die stabilisierenden Bänder sich lockern. Die Wirbelkörper können sich gegeneinander verschieben oder abkippen – dann haben wir wieder mit vielfältigen Schmerzen zu kämpfen.

„Doch glücklicherweise ist eine gut trainierte Muskulatur in der Lage, den wichtigen Stabilisierungsjob zu übernehmen“, sagt Matthias Manke. Sein Vorschlag: „Wir können uns zwischen zwei Dingen entscheiden: ein Sparkonto für aufwendige und kostspielige Therapien anlegen oder ab sofort kostenlos vorbeugen, womit wir wieder beim Thema Bewegung sind.“ Ein Wechselspiel aus Be- und Entlastung ist für die Bandscheiben lebensnotwendig, denn: Unter Druck werden die Bandscheiben ausgepresst wie ein nasser Schwamm, Stoffwechselabfälle werden ausgespült. Bei Entlastung saugen sie sich dann wieder mit Nährstoffen voll.

BUCHTIPP

Dr. Matthias Manke Wenn der Orthopäde Rücken hat

ZS Verlag 220 Seiten 19,99 Euro

Früher raus aus dem Bett

Eine solche Volumenänderung der Bandscheiben kann aber auch Beschwerden auslösen, da sie einen direkten Einfluss auf die Stellung der benachbarten Facettengelenke und der umgebenden Muskulatur hat. Manke erklärt: „So wie Bandscheiben bei Belastung im Stehen Flüssigkeit abgeben, so nehmen sie im Liegen Flüssigkeit auf. Wenn wir morgens lange ausschlafen, nimmt die Bandscheibe bei entsprechender Veranlagung übermäßig viel Flüssigkeit auf und wölbt sich gegen das hintere Längsband!“ Resultat: dumpfe Schmerzen, ausgelöst durch erhöhte Spannung auf die kleinen Wirbelkörpergelenke. Langschläfern mit morgendlichen Rückenschmerzen empfiehlt er daher Bewegung. Und: früher aufstehen!

Abgenutzte Bandscheiben können auch eine weitere Erkrankung der Wirbelsäule auf den Plan rufen: die Spinalkanalstenose, umgangssprachlich auch Schaufensterkrankheit genannt.

Dahinter steckt häufig eine Veränderung des Wirbelkanals. Auch Verknöcherungen an den Wirbelkörpern und den Gelenken zwischen den Wirbeln, Verdickungen der Bänder und Gelenkkapseln können den Wirbelkanal so einengen, dass die Nerven zusammengedrückt oder sogar eingeklemmt werden. Dabei kommt es dann schon nach kurzen Gehstrecken zu Schmerzen in Rücken und Beinen. „Die sind oft so stark, dass die Betroffenen auf der Stelle stehen bleiben müssen, es eben nur von Schaufenster zu Schaufenster schaffen. Etappengänger – so nennt Dr. Matthias Manke diese Patienten, die meist an den Folgen von körperlicher Überlastung, langjährigen Fehlhaltungen und verstärktem Verschleiß leiden.

Muskeln gegen die Hexe

Sind die Beschwerden extrem heftig, kann tatsächlich eine Operation helfen. Vorbeugend gilt: möglichst alle Bewegungen vermeiden, die den Rücken ins Hohlkreuz zwingen. Denn dabei stehen die Facettengelenke unter Druck. Um das zu kompensieren, bilden sie mehr Knochenwulst. Ein Hohlkreuz zu vermeiden sei aber oft gar nicht so leicht. Matthias Manke: „Viele Alltagsbewegungen erfordern die überstreckte Wirbelsäule. Wer zum Beispiel einen großen Busen oder einen ausladenden Bauch hat, muss seinen Oberkörper automatisch nach hinten verlagern, um nicht nach vorn umzufallen.“ In solchen Fällen sei es wichtig, den Körper mit einem guten Muskelkorsett zu stützen.

Starke Muskeln können auch beim berüchtigten Hexenschuss hilfreich sein. Jährlich schießt „die Hexe“ Hunderttausenden in den Rücken. Ein Treffer aus dem Nichts, bei dem sich in einem Bruchteil von Sekunden die Muskulatur reflexartig zusammenzieht, verhärtet und auf die Nerven drückt. „Niemand braucht bei einem Hexenschuss den Helden zu geben“, rät Orthopäde Manke. Medikamente seien wichtig, um den Teufelskreis der Pein zu unterbrechen. Denn der geht so: Der Schmerz führt zur Verspannung der Muskulatur. Man nimmt automatisch eine Fehlhaltung ein, um den Schmerzen zu entkommen. Doch die wiederum kann zu noch stärkeren Schmerzen führen.

Fast jeder Deutsche, so heißt es in verschiedenen Statistiken, wird in seinem Leben mindestens einmal von der Hexe heimgesucht. Mit regelmäßiger Bewegung und gut trainierten Muskeln lassen sich die Einschläge minimieren. Außerdem ist tröstlich: Ein Hexenschuss ist in der Regel ungefährlich, und die Beschwerden lassen typischerweise innerhalb von einer Woche nach.

SUSAN JUNGHANS-KNOLL

TOP-ÜBUNGEN für den Nacken

Ein häufiges Leiden aus der Welt der Schreibtischsitzer und Handyvielnutzer: Wenn die Halswirbelsäule zickt, können sanfte Bewegungen schnelle Linderung bringen

1. NACKENMASSAGE

Akute Probleme im Nacken? Eine Massage bringt Entlastung. Dazu die Finger über die verspannte Muskulatur am Hals (unteres Bild r.) und am Nacken (oberes Bild) gleiten lassen und den Druck verstärken, wenn verhärtetes Gewebe zu spüren ist

3. MUSKELN FLEXEN

In alle Richtungen lässt sich der Nacken am besten mit den Händen dehnen. Dazu jeweils mit Unterstützung einer Hand seitwärts nach links und rechts ziehen. Für die Bewegung nach vorn und hinten beide Hände benutzen. Jede Dehnung etwa 15 Sekunden halten

2. STARKE DEHNUNG

Zunächst den Kopf so weit wie möglich zu einer Seite neigen. Dann die Hand als Widerstand dagegenhalten und etwa 15 Sekunden lang gegendrücken. Anschließend die Hand über den Kopf legen und in dieselbe Richtung ziehen. Dann die Seite wechseln