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SCHÖN SCHAUEN IM TAL DER LAVANT


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Servus in Stadt & Land - Österreich Ausgabe - epaper ⋅ Ausgabe 11/2022 vom 28.10.2022

AUSFLUG NACH KÄRNTEN

Artikelbild für den Artikel "SCHÖN SCHAUEN IM TAL DER LAVANT" aus der Ausgabe 11/2022 von Servus in Stadt & Land - Österreich Ausgabe. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.
Fernsicht. Um 1111 erbaut und 1137 erstmals urkundlich erwähnt, thront die Burg Stein hoch über dem Ort St. Georgen, der sich unter der Nebeldecke versteckt.

Zah hängt der dichte Nebel früh am Morgen über dem Tal. „Es wird noch dauern, bis das aufreißt“, sagt Gänsezüchter Wolfgang Waldmann am Telefon. Er spricht aus Erfahrung, weil er ja doch schon einige Lavanttaler November erlebt hat mit seinen bald sechzig Jahren. „Vor Mittag tut sich da nichts. Kommt also erst später zu mir, denn die Gänse planschen am liebsten dann im Bach, wenn auch die Sonne scheint.“ Gut, überlege ich, aber was jetzt? Da hat der Wolfgang – offenbar kann er neben dem Wetter auch Gedanken lesen – glücklicherweise einen Rat parat: „Fahrt rauf auf den Berensteiner Ofen, gleich jetzt am besten, da werdet ihr schön schauen.“

Kurz noch fragen wir nach dem Weg, und wir machen uns auch schon auf selbigen. Bei St. Georgen zweigen wir ab, dann geht’s 13 Kilometer hinauf durch den herbstlich bunten Wald, ehe wir plötzlich die weiße Wand durchstoßen, nicht weit neben der ...

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... Straße die imposante, in Privatbesitz befindliche Burg Stein erspähen und sich oberhalb unserer Häupter ein Himmel auftut, der blauer kaum sein könnte.

Und dann stehen wir in 1.447 Meter Höhe auf der Aussichtsplattform Berensteiner Ofen, gelegen an den Westhängen der Koralpe auf der Brandlalm mit den vier bis in den Spätherbst bewirtschafteten Hütten. Am Horizont nehmen die mächtigen Gipfel der Karawanken ihr erstes morgendliches Sonnenbad, während das Tal noch bis weit hinauf in der milchigen Suppe schwimmt. Und ja, denke ich, da hat er recht gehabt, der Wolfgang – das ist wirklich ein überragend schönes Schauen. Eines, das man gesehen haben muss.

EIN MITBRINGSEL AUS ÜBERSEE

Wieder im Tal, genauer gesagt im Unteren Lavanttal, das eingebettet ist zwischen Kor- und Saualpe, während das schmälere, das Obere Lavanttal, zwischen Packalpe und Seetaler Alpen liegt. Die Lavant verbindet die beiden Teile. In Gönitz erwartet uns Martina Köstinger, die Obstbäuerin, mit ihrem dem Nebel trotzenden sonnigen Gemüt. Als wir den Hof der 42-Jährigen erreichen, geht’s schon wieder weiter mit dem staunenden Schauen, denn vor dem Stadl türmen sich Äpfel zu einem Berg, wie man ihn auch nicht alle Tage mit Blicken erklimmt. „Rund 30.000 werden das sein“, sagt Martina. „Heute werden die noch gepresst und gleich morgen in Flaschen gefüllt.“

Das mit dem Abfüllen beginnt anderntags bereits in aller Früh auf dem Zogglhof, dem Zentrum der Lavanttaler Obstverarbeitung. „In dem Gebäude hat der Verein ‚Mostbarkeiten‘ seinen Sitz, dazu gibt’s ein Museum, das die Geschichte unseres Obstbaus vom 18. bis zum frühen 20. Jahrhundert erzählt – weiters eine Essig-, eine Brenn- und eine Abfüllanlage. Außerdem kann man hier die Produkte der meisten Obstbauern aus der Region kaufen“, erzählt Martina. Darunter auch die ihrigen, wozu neben Edelbränden – von A wie Apfel bis Z wie Zwetschke – auch Liköre, Essige, Apfelwein und Apfelschaumwein sowie herrliche naturbelassene Säfte zählen. All das gibt’s freilich auch direkt bei ihr auf dem Hof.

„Da, zwei Bananen“, sagt Martina und wirft uns lächelnd zwei Äpfel zu. Wir werfen fragende Blicke zurück. „Die Sorte heißt tatsächlich so: Lavanttaler Banane – weil sie bei beginnender Überreife nach Banane schmeckt und auch das Fruchtfleisch gelblich ist. Inzwischen ist sie längst die bekannteste Sorte unserer Gegend, auch wenn sie ursprünglich aus Amerika stammt. So um 1880 kam sie quasi als Mitbringsel aus Massachusetts zu uns. Und sie blieb.“

ZU GAST IM KREUZBÄCKHAUS

Wir hingegen bleiben nicht länger, zumindest nicht auf dem Hof, denn Martina schlägt vor, im nahen St. Paul im Gasthaus Poppmeier zu Mittag zu essen. Auf dem Weg dorthin erzählt sie dann noch von der ersten offiziellen Baumzählung im Jahr 1939, als es noch rund 600.000 Obstbäume gab. „Heute wird der Bestand nur noch auf 60.000 geschätzt. Das entspricht in etwa einem Baum pro Lavanttaler Einwohner. Also auch nicht ganz wenig.“

Inzwischen hat sich der Nebel weitgehend verflüchtigt, doch für den einladenden Gastgarten unter der eindrucksvollen Weinlaube ist es noch ein bisserl zu frisch. Aber egal, denn dieses uralte Wirtshaus am Fuße des berühmten Stifts St. Paul versprüht selbst im Inneren jenen Charme, den man sich von einem altehrwürdigen, echten Landgasthof wünscht. „Und die Gisela und der Richard sind zwei besonders nette Wirtsleut’“, sagt Martina und verspricht damit nicht zu viel.

Nach dem Essen – großartig zubereitet von ihm und schwungvoll serviert von ihr – gesellen sich die beiden mit einem Glas Wein zu uns. „Schriftlich erwähnt wurde dieses Haus erstmals im Jahr 1510“, erzählt der Wirt. „Damals hieß es noch Kreuzbäckhaus. ‚Kreuz‘ wegen des steinernen Kreuzes, das früher zwischen den einst nur drei Häusern stand, ‚Bäck‘ deshalb, weil der Besitz immer wieder zwischen den Stiftsherren und verschiedenen Bäckerfamilien wechselte.“ Gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurde aus dem Kreuzbäck schließlich ein Kreuzwirt, und am 28. Februar 1877 kaufte Richards Ururgroßmutter Maria das stattliche Anwesen mit dem imposanten Gewölbekeller. „Und damit nahm die gastronomische Geschichte der Familie meines Mannes ihren Lauf“, ergänzt Gisela, eine gelernte Bürokauffrau, die früher sehr gern als Gast kam, um ab 1997 als eingeheiratete Wirtin zu bleiben. „Da haben einige schön g’schaut …“, sagt sie und lacht.

RUINE MIT AUSBLICK, SCHUHE NACH MASS

„Man nennt es wegen seiner Kunst- und Gemäldesammlung mit Werken von Peter Paul Rubens oder Albrecht Dürer auch das Schatzhaus Kärntens“, berichtet wenig später Pater Marian, als wir satt und zufrieden das Stift St. Paul bewundern. Im Jahre 1091 wurde diese Benediktinerabtei gegründet, somit ist sie heute Kärntens ältestes aktives Kloster.

„Kommt, schaut euch die Kirche an“, sagt der Pater. „Sie zählt zu den schönsten romanischen Sakralbauten Österreichs, und in der kleinen Gruft hinter dem Hochaltar liegen die Särge von 14 früheren Habsburgern, die zwischen 1267 und 1386 verstorben sind.“

Die Burg Rabenstein, 300 Meter südlich von St. Paul auf einer felsigen Anhöhe von 691 Metern gelegen, gehört gewissermaßen ebenfalls zum Stift, wurde sie doch nach 1100 zum Schutz der Abtei erbaut. Nach einem Brand 1636 verfiel sie zwar zur Ruine, einen Abstecher ist sie dennoch allemal wert – allein schon wegen des Ausblicks.

Ein bedeutender Bestandteil des gesamten Komplexes ist nicht zuletzt auch das katholische Privatgymnasium der Benediktiner, das im Jahr 1777 aus der Lateinschule des Stifts hervorging, wobei das heutige Gebäude am Fuße des Stifts erst 1901 errichtet wurde. „Unter den Schülern waren einige bekannte Namen“, erzählt Pater Marian. „Der Schauspieler Peter Simonischek etwa oder der Komponist Hugo Wolf.“

Inzwischen ist es so richtig strahlend schön geworden. Gänsebadewetter sozusagen. Doch zuvor will noch der Schuster und Säckler Sascha Flössholzer in seiner Werkstatt und seinem Geschäft gegenüber des Gasthauses Poppmeier besucht werden. 2010 hat Sascha, ein 1972er-Jahrgang, in seinem Heimatort die Selbständigkeit gewählt, um mit Maßschuhen und ländlicher Lederbekleidung seinen Weg zu machen. „Das ist recht gut gelungen, obwohl es im ersten Jahr nur drei Paar Schuhe waren, im zweiten sechs und im dritten auch nur acht. Heute produziere ich ein Paar pro Woche und dazu noch zumindest ein Kleidungsstück. Auch nach Maß – Lederhosen zum Beispiel“, erzählt der Mann, der als begeisterter Jäger zuweilen selbst für das nötige Leder sorgt. „Mit einem Jagdstiefel habe ich mich bei einem Schuhmacher-Leistungswettbewerb gegen Kollegen aus aller Welt durchgesetzt und in der Kategorie Maßschuhe gewonnen. Das Leder stammte von einem Wildschwein, das ich im Granitztal erlegt habe, und das Fleisch hat der Richard von gegenüber bekommen.“

WO DIE GLÜCKLICHEN GÄNSE BADEN

Weiter geht’s zu den Gänsen des Biohofs Hafner in Maria Rojach, den Wolfgang Waldmann im Nebenerwerb führt. Und wie schon in der Früh versprochen, watscheln die Tiere nun vergnügt schnatternd auf dem Gelände und im seichten Bach herum.

„Mir geht’s um Nachhaltigkeit und artgerechte Haltung“, sagt der hauptberufliche Polizist. „Von der Früh bis zur abendlichen Einstallung sind die Tiere draußen, werden hauptsächlich mit eigenem Getreide gefüttert. Sie haben extrem viel Auslauf und zu ihrer großen Freude auch einen Bach. Geschlachtet wird auch an Ort und Stelle, für die Tiere fällt also der Transportstress weg.“ Pro Saison sind es rund 900 Gänse, der Großteil geht in die Gastronomie. „Und eines kann ich versprechen“, sagt Wolfgang, „man schmeckt den Unterschied.“

Ein Bummel durch die bald tausend Jahre alte und überaus reizvolle Bezirkshauptstadt Wolfsberg läutet schön langsam das Ende dieses Ausflugs ein. Durch die Fenster ihres direkt an der Lavant bei der sogenannten Fleischbrücke gelegenen Ateliers beobachten wir den Glaskünstler Thomas Silberberger und seine Partnerin Gabriele Rogner beim kreativen Schaffen, schlendern vorbei an der Pestsäule, an Kirchen und Kapellen, bewundern das 1178 erstmals urkundlich erwähnte Schloss und besuchen das Haus der Region, ein buntes Sammelsurium zum Erwerb kulinarischer und handwerklicher Produkte lokaler Hersteller.

„Es ist ein sehr lebens- und liebenswertes Städtchen, wie überhaupt das ganze Lavanttal einen besonderen Reiz ausübt. Und das sage ich als g’standener Tiroler“, so Glaskünstler Thomas, als wir später bei ihm und Gabriele im Atelier sitzen. Dann nimmt er zwei Wassergläser zur Hand und graviert sie kunstvoll mit unseren Vornamen. „Zum Abschied! Aber kommts wieder.“ Das werden wir, entgegnen wir, versprochen. Denn eines lässt es sich im Lavanttal tatsächlich vortrefflich: nämlich schön schauen.

Darum schauen wir jetzt auch noch im Oberen Lavanttal vorbei. Der Weg von Wolfsberg nach Bad St. Leonhard führt entlang der Lavant durch den engen, teilweise regelrecht schluchtartigen Twimberger Graben, in dem auf Höhe der Marktgemeinde Frantschach-St. Gertraud ein mächtiger Felsblock aus dem Fluss ragt – ein geschütztes Naturdenkmal.

Entenschnabel heißt das steinerne Ungetüm, wobei es durchaus ein wenig Fantasie braucht, um einen Entenschnabel auch tatsächlich erkennen zu können. Aber egal, die Sage jedenfalls berichtet, dass dem Teufel die Frömmigkeit der Menschen gegen den Strich ging, und so holte er aus den Bergen diesen mächtigen Brocken, um den Eingang der Kirche von St. Gertraud zu verrammeln und die Menschen vom Besuch der Messe abzuhalten. Als der Teufel dann plötzlich den Klang der Kirchenglocken vernahm, wusste er, dass er zu spät war und der Gottesdienst schon angefangen hatte – und aus Wut schleuderte er das Monstrum kurzerhand in die Lavant, wo es heute noch liegt.

In Bad St. Leonhard angekommen, geht auch der Tag schön langsam zur Neige. Zeit also für ein Abendessen, da trifft es sich auch nur allzu gut, ausgerechnet in Bad St. Leonhard gestrandet zu sein. Denn hier, direkt auf dem Hauptplatz, erwartet einen das Restaurant Zum Bären der Familie Trippolt. Und das ist eines, in dem man überragend gut isst. Quasi ein letztes Mal schön schauen, diesmal kulinarisch.

Empfehlenswerte Adressen

Obstbau Köstinger Gönitz 1 9470 St. Paul Tel.: 0664/500 64 04

Gasthaus Poppmeier Hauptstraße 4 9470 St. Paul Tel.: 04357/20 87

Stift St. Paul Hauptstraße 1 9470 St. Paul Tel.: 04357/20 19-54

Maßschuhe Flössholzer Hauptstraße 6 9470 St. Paul Tel.: 0664/509 61 17

Atelier Silberberger Bamberger Straße 2 9400 Wolfsberg Tel.: 0699/12 13 14 70

Restaurant Zum Bären Hauptplatz 7 9462 Bad St. Leonhard Tel.: 04350/22 57