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SCHöN UND GEFÄHRLICH


caridina - epaper ⋅ Ausgabe 1/2020 vom 26.02.2020

Über erste Erfahrungen mit blauen Großarmgarnelen aus westafrika


Während junge Großarmgarnelen mit anderen Aquarienbewohnern vergesellschaftet werden können, sollten heranwachsende und adulte Macrobrachium besser im Artenbecken gepfl egt werden.

Vor zwei Jahren erhielten wir von Oliver Thielmann (Interaquaristi k.de) fünf Exemplare einer hellblau gefärbten Großarmgarnele aus Westafrika - ein bisher einmaliger Import, die Tiere waren bislang vom Exporteur leider nicht mehr zu beziehen. Macrobrachium sp. ‘River Akio‘ wurden sie genannt. Akio scheint ein Dorf nahe der nigerianischen Lagunenstadt Lagos zu ...

Artikelbild für den Artikel "SCHöN UND GEFÄHRLICH" aus der Ausgabe 1/2020 von caridina. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: caridina, Ausgabe 1/2020

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... sein, ein Fluss oder Bach dieses Namens war für uns jedoch nicht auffi ndbar. Dementsprechend ist über die Haltungsbedingungen wenig bekannt. Erste Erfahrungen wollen wir darum hier weitergeben.

Die Gruppe bestand aus zwei eher fi ligranen, farblosen Tieren und drei wuchti - ger gebauten mit jeweils einem sichtbar größeren Scherenarm. Eines dieser drei war kräft ig blau gefärbt, eines hellblau und das dritt e farblos. Seinerzeit wuchs daraus die Überlegung, dass es sich möglicherweise um drei männliche und zwei weibliche Garnelen handeln könne, wobei wir da noch nicht wussten, ob sie sich im Süßwasser vermehren können. Die blaue Färbung scheint unter Stress zu verblassen, gewinnt später aber wieder an Intensität.

So kamen die Tiere bei uns an.

Vom Akio-River sollen die Blauen Großarm garnelen stammen.


Foto: Frank Teigler

FRIEDLICHES ZUSAMME NLEBEN

1 Die Färbungen der Tiere sind unterschiedlich ausgeprägt.


2 Das am weitesten entwickelte Männchen zeigt die dickste Schere.


3 Der große Scherenarm wird fast so lang wie die Garnelen.


Zunächst einmal vergesellschafteten wir diese Großarmgarnelen mit unseren Zwergkrallenfröschen (Hymenochirus boettgeri), da wir trotz ihrer Scheren bei Tieren dieser Größe keine Gefahr für die Frösche vermuteten - zwei Jahre lang sollte diese Vermutung auch Bestand haben, beide Arten lebten recht friedlich nebeneinander.

Zwar hielt sich bisweilen schon mal eine Garnele einen vorwitzigen Frosch vom Leib, indem sie mit ihrer Schere nach ihm griff und andersrum zerrten Frösche und Garnelen um die gleichen Futterstücke, aber all das, ohne dass es zu Problemen oder gar Verletzungen bei der einen oder anderen Spezies geführt hätte.

Zwergkrallenfrosch (Hymenochirus boettgeri).


Diverse Strukturelemente im Aquarium ermöglichten sowohl den Krustentieren als auch den Amphibien, sich voreinander zu verbergen. Interessanterweise konnten wir aber immer wieder beobachten, dass Frösche und Garnelen gemeinsam in denselben Verstecken hockten. Die Garnelen zeigten ein ausgeprägtes Buddelverhalten, sodass sie sich unterhalb von Wurzelausläufern und anderen Einrichtungsgegenständen im Becken Kuhlen aushoben. In diesen hockten sie dann wiederum häufig zusammen mit einzelnen Fröschen.

PLÖTZLICH BEUTE

Mehrfach häuteten sich die Garnelen und legten nach und nach sichtbar an Größe zu. Nach zwei Jahren friedlicher Koexistenz veränderte sich recht plötzlich etwas. In der Vergangenheit sah es an den Fütterungstagen so aus, dass alle Beckenbe- wohner sofort aus ihren Verstecken zum Fressen eilten, sobald Futter ins Wasser kam. Auffällig: Jetzt kam nur noch ein Teil der Frösche zum Futter - zwei ließen sich nicht sehen. Da sich aber auch Frösche regelmäßig häuten, vermutete ich zunächst, dass die abwesenden Tiere in ihrer Häutungsvorbereitung steckten und daher die Nahrungsaufnahme aussetzten.

4 Plötzlich wurden die Zwergkrallenfrösche doch zur Beute.


5 Unter Gegenständen wie der Schneckenschale unten buddeln sich die Garnelen ihre Bauten.


6 Das intensive Blau vom Beginn verblasste zunächst.


Nach und nach sichteten wir jedoch immer weniger der Amphibien, bis wir schließlich eines Abends zwei Scherenträger dabei beobachteten, wie sie an einem Froschkadaver zerrten. Mit zunehmendem Wachstum passten die Zwergfröschchen nun wohl ins Beuteschema der Garnelen, sodass wir diese Wohngemeinschaft auflösen mussten.

Innerartlich konnten wir bisher kaum aggressives Verhalten beobachten, nur wenn es ums Futter geht, kennen die Tiere untereinander keine Freunde. Trotzdem wirkt es so, als würden diese Macrobrachium eher solitär leben. Alle Garnelen legen ihre Verstecke in separaten Bereichen des Beckens an und es fällt auf, dass sich weder mehrere Tiere als Gruppe oder Paar im Aquarium aufhalten, noch dass sie Mitbewohner in ihren Verstecken dulden.

Bedingt durch die Wohngemeinschaft mit den karnivoren Zwergkrallenfröschen bestand die bisherige Ernährung überwiegend aus tierischem Protein, was den Tieren offensichtlich gut bekam. Derzeit probieren wir aus, wie sie mit einer Mischung aus tierischer und pflanzlicher Nahrung zurechtkommen, angenommen wird beides bisher gut.

EINORDNUNG SCHWIERIG

caridina-Fachbeirat Werner Klotz erklärt, dass die exakte Einordnung verschiedener Macrobrachium-Arten schwierig ist und vermutet, dass es sich hier um Macrobrachium chevalieri (Roux, 1935) handeln könnte, die afrikanische Geschwisterart zu Macrobrachium heterochirus aus Mittelamerika. Da es sich bei unseren Tieren um noch nicht voll entwickelte Männchen handele, sei eine sichere Bestimmung jedoch nicht möglich.

Ebenso weiß der Garnelenkenner: „Alle diese Arten tragen kleine Eier und entwickeln sich im Brack- oder Meerwasser“. Einen Eiansatz konnten wir in den vergangenen zwei Jahren bei unseren Tieren noch nicht beobachten, daher warten wir jetzt mit Spannung, wie sich das im Artenbecken weiterentwickelt.


Fotos: Oliver Mengedoht