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Schönheit aus den Bergen


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Vital - epaper ⋅ Ausgabe 11/2022 vom 05.10.2022

regionalität

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„Willst du immer weiter schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah“

Johann Wolfgang von Goethe

Der Trend zur Regionalität wächst zusehends, ein neues Hoch erreichte er durch die Corona-Pandemie und den Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine. Die Folgen beider Ereignisse zeigen, wie sehr wir von der globalen Waren- und Rohstoffproduktion abhängen. Nicht nur bei Medikamenten, Lebensmitteln oder Halbleitern – auch in der Kosmetik, die z. B. auf die zwischenzeitlich rar gewordenen Weizenextrakte setzt.

Während bei Wellnesshotels in den Alpen vor einiger Zeit noch Produkte mit Inhaltsstoffen aus den entferntesten Winkeln der Welt quasi zum guten Ton gehörten, setzen daher jetzt viele auf Pflege mit Kräutern und Pflanzen aus den Bergen. Die Umwelt freut’s, doch die Motivation der lokalen Hersteller liegt auch darin, das jahrhundertealte Wissen ihrer Vorfahren weiterzugeben: „Sie wussten, wie sie ...

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... die Beschwerden ihrer Zeit lindern konnten mit den Pflanzen in ihrer Umgebung, die durch Wind und Wetter eine hohe Beständigkeit gegen alles Unwirtliche entwickelten“, erklärt Reinhard Schuler, der mit dem Imker Martin Gundolf schon 1998 in Obertirol den Verein zur Förderung und Erhaltung alpiner Naturprodukte gründete und erste Rezepturen erstellte.

Bis heute beziehen beide einen Großteil der Inhaltsstoffe aus einem Umkreis von nicht mehr als 40 Kilometern Distanz zum Firmensitz in Arzl im Pitztal. Eine zukunftsträchtige Herangehensweise, die sich glücklicherweise bei immer mehr Kosmetikherstellern durchsetzt: Den Rohstoffeinkauf erleichtert es in vielerlei Hinsicht – und die nächsten Generationen freut es allemal.

Bergquellwasser: flüssiges Gold

Es versickert zunächst als Regenwasser oder geschmolzener Schnee: Bei lockerem Sandboden geht das besonders schnell – aber auch festes Geröll wie etwa Sandstein, der viele winzige Poren besitzt, lässt das flüssige Element im Laufe der Zeit durchfließen. Auf dem Weg nach unten kommt das Wasser durch unterschiedliche Gesteinsschichten, in denen es sich mit zahlreichen Mineralien und Spurenelemente anreichert. Trifft es schließlich auf eine undurchlässige Schicht wie Fels, Ton oder Lehm, staut es sich, breitet sich aus und dringt an die Oberfläche.

In der Kosmetik: Das alpine Quellwasser zeichnet sich vielerorts durch einen hohen Kalzium- und Magnesiumanteil aus, den viele Kosmetikhersteller bei Produkten für empfindsame Haut nutzen: Kalzium fördert die Zellproduktion, verhindert, dass sich abgestorbene Zellen ansammeln und unterstützt so die Barrierefunktion der Epidermis. Magnesium wirkt hingegen entzündungshemmend, reduziert Rötungen und lindert Hauterkrankungen wie Rosazea oder Akne.

In der Natur: Die Erderwärmung lässt auch die Wasserressourcen in den Alpen knapper werden. Pro Grad Celsius verschieben sich die Schneegrenzen bereits um durchschnittlich 170 Meter – zudem wird im Winter künftig mehr Schmelzwasser entstehen, das eigentlich erst während der folgenden Vegetationsperiode im Frühling und Sommer benötigt würde.

Edelweiß: seltene Schönheit

Ursprünglich war es die österreichische Kaiserin Sisi, die der Alpenblume zu ihrem Ruhm verhalf, indem sie sich 1865 für ein Porträt neun Edelweiß-Sterne ins lange Haar flechten ließ. Da die Pflanze nur in hohen Lagen und oft an schwer zugänglichen Stellen wächst, galt sie zudem lange als Mut- und Liebesbeweis junger Männer gegenüber ihren Angebeteten. Auch im Dritten Reich sollte sie Tapferkeit symbolisieren: So verbargen sich hinter dem Namen „Unternehmen Edelweiß“ gleich mehrere Militäroperationen, zudem nannte sich eine jugendliche Oppositionsgruppe „Edelweißpiraten“.

In der Kosmetik: Der zarte Flaum weißer Härchen auf den Edelweißblättern absorbiert die starke UV-Strahlung an den hoch gelegenen Standorten fast komplett – lässt zugleich aber anderes, zur Fotosynthese nötiges Licht durch. Wie das der Pflanze gelingt, stellte Wissenschaftler lange Zeit vor ein Rätsel. Belgische Physiker entdeckten schließlich, dass die einzelnen Haare aus parallelen Fasern mit nur 0,18 Mikrometern Durchmesser bestehen: Sie entsprechen damit der Wellenlängen-Größenordnung von UV-Licht, sodass sie dieses gezielt herausfiltern können.

Ein Forschungsteam der Universität Innsbruck machte zudem insgesamt 60 unterschiedliche Inhaltsstoffe im Edelweiß aus, von denen viele in Cremes für trockene, sensible Haut stecken: Dazu zählt etwa antibakterielle Leontopodinsäure, die die Haut fünfmal effektiver als Vitamin-E-Acetat vor schädlichen Umwelteinflüssen schützt. Bisabolanderivat sowie Beta-Sitosterol beruhigen, während die Chlorogensäure eine reinigende und antioxidative Wirkung aufweist. Und schließlich fördert das Zitrusflavonoid Luteolin den natürlichen Heilungsprozess der Haut.

In der Natur: Das wilde Edelweiß steht seit 1886 – als erste Pflanze überhaupt – unter strengem Naturschutz. Daher gilt: Wer die weißen Blüten in den Bergen sieht, kann sie gerne fotografieren, aber sollte sie auf keinen Fall pflücken. Mittlerweile werden die Blumen auch auf speziellen Plantagen kultiviert – wer also gerne ein Edelweiß im heimischen Beet pflanzen möchte, kann in einem Gartencenter danach fragen.

Lesen Sie, wie Bergarnika, Zirbelkiefer und Alpenrose Haut und Sinne verwöhnen

Alpenrose: pink Lady

Trotz seines Namens gehört das Gewächs mit den tiefrosa leuchtenden Blüten zur Gattung der Rhododendren, ist also mit der Rose nicht verwandt. Seine immergrünen Blätter zeigen sich besonders widerstandsfähig gegen extreme Trockenheit und Kälte – selbst wenn der Schnee im Frühling schmilzt, wirken sie frisch wie eh und je. Diese hilfreiche Eigenschaft verdankt die Alpenrose einem Protein namens Dehydrin, mit dessen Unterstützung sie große Mengen Flüssigkeit speichern kann.

In der Kosmetik: Durch dieses Wasserrückhaltesystem gelingt es den Phytostammzellen der Alpenrose auch die Haut mit Feuchtigkeit zu versorgen. Zugleich wappnen sie sie vor zahlreichen Umwelteinflüssen und schützen selbst irritierte Partien vor klimabedingtem Stress.

In der Natur: Die Alpenrose wächst in Tirol mittlerweile bis auf 2200 Meter Höhe und wird trotz des rauen Alpenklimas und der intensiven UV-Bestrahlung bis zu 100 Jahre alt.

Als Pionierpflanze bereitet sie eine geschlossene Vegetationsdecke vor: Sie ist in der Lage, den Boden für anspruchsvollere Pflanzen vorzubereiten, steile, rutschige Hänge zu befestigen und wirtschaftlich nutzlose Schutthalden zu überwuchern – ihr dichtes Gestrüpp gewährt Tieren Unterschlupf, die Alpenrosenknospen tragen den größten Anteil zur Winternahrung des Schneehuhns bei.

Bergarnika: die Glücksbringerin

Früher steckten Bauern am Vorabend des Johannistags Arnikasträuße an die Ecken ihrer Getreidefelder – so wollten sie verhindern, dass der Korndämon „Bilmesschnitter“ ihr Getreide vernichtete. Der Aberglaube brachte ihnen tatsächlich oft eine bessere Ernte ein. Heute wissen Agrarforscher jedoch, dass das an der sogenannten Arnikafliege lag – ein Getreidenützling, der seine Eier auf der gleichnamigen Pflanze ablegt.

In der Kosmetik: Die in den Blüten enthaltene Substanz Helenalin unterdrückte in Laborversuchen die Bildung entzündungsfördernder Stoffe – äußerlich angewendet, kann Arnika deshalb den Hautstoffwechsel unterstützen, Unreinheiten entgegenwirken sowie Schmerzen bei unkomplizierten Schwellungen oder Prellungen stillen.

In der Natur: Vor 1950 fand sich die gelb leuchtende Pflanze noch deutschlandweit – heute gilt sie in den Alpen als „gefährdet“, im Alpenvorland als „vom Aussterben bedroht“. Glücklicherweise gelang es Forschern mittlerweile, die für den Feldanbau geeignete Sorte Arbo zu züchten, sodass die Wildvorkommen bei der Sammlung für kosmetische oder medizinische Zwecke verschont bleiben. Die Hauptgefährdungsursache für Arnica montana stellt aber weniger die Ernte dar, sondern der Verlust geeigneter Lebensräume sowie Überdüngung.

Zirbelkiefer: Königin der Alpen

Der imposante Baum, der eine Größe von bis zu 25 Metern und ein Alter von bis zu 1000 Jahren erreicht, stammt ursprünglich aus Sibirien. Während der letzten Eiszeit gelangte er über die Karpaten in die Alpen. Dort nutzen die Einheimischen seine Zapfen heute zum Beispiel, um daraus Zirbenschnaps herzustellen. Die essbaren Samen erinnern optisch an Pinienkerne, schmecken aber eher nach Walnüssen. Zudem kommen verschiedenste Zirbel-Extrakte aufgrund ihrer antibakteriellen und entzündungshemmenden Wirkung als Heilmittel zum Einsatz.

In der Kosmetik: Im Laufe der Zeit entwickelten sich daraus Wellnessbehandlungen, die auf dem ätherischen Öl der Zirbelkiefer basieren. So sollen z. B. mit Zirbenholzspänen gefüllte Kissen für einen besonders tiefen Schlaf sorgen – das würzig-blumig duftende Elixier findet sich aber auch in beruhigenden Raumsprays, Badezusätzen oder Handcremes.

In der Natur: Die Nutzung von Zirbenholz gilt als besonders nachhaltig, weil der natürliche Vorrat an nachwachsendem Zirbenholz in den letzten Jahrzehnten zunahm. Grund dafür ist, dass sich der Tannenhäher von den Samen der Kiefer ernährt. Jedoch lagert der Vogel deutlich mehr als er tatsächlich verzehrt – so wachsen ohne menschliches Zutun immer neue Bäume.