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Schönheit von innen: Bitte keine Extreme


ÖKO-TEST Spezial Gesund & Fit - epaper ⋅ Ausgabe 12/2014 vom 14.11.2014

Körperpflege ist eine gute Sache. Doch eine schöne Haut kommt nicht nur von außen, sondern auch von innen.


Schon nach der Pubertät ist es mit der schönen, glatten Haut vorbei. Denn ab dieser Zeit wird immer weniger Kollagen produziert. Diese Substanzen sind dafür verantwortlich, dass die Haut elastisch und straff bleibt. Auch die Talgund Schweißdrüsen arbeiten langsamer und die Haut wird schlechter durchblutet. Mit 30 erscheinen die ersten Mimikfältchen auf der Stirn. Die Haut wird dünner und trockener. Schlecht geschlafen, ein hektischer Arbeitstag – das steckt der Teint nicht mehr so einfach weg. Die ...

Artikelbild für den Artikel "Schönheit von innen: Bitte keine Extreme" aus der Ausgabe 12/2014 von ÖKO-TEST Spezial Gesund & Fit. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: ÖKO-TEST Spezial Gesund & Fit, Ausgabe 12/2014

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... Anstrengung steht einem im wahrsten Sinne des Wortes ins Gesicht geschrieben. Vor allem zwei Faktoren sind für die Hautalterung verantwortlich: die biologische Uhr und Umwelteinflüsse.

Foto: R.Iegosyn/Shutterstock

Schöne Haut und eine tolle Ausstrahlung: Wer möchte das nicht? Viel trinken, vernünftig essen, gut schlafen – das sind die wahren Beautyrezepte.


Foto: Hoby Finn/Photodisc/Thinkstock

Richtig essen

Unsere äußere Hülle besteht aus Millionen von Zellen, die regelmäßig mit Nährstoffen versorgt werden müssen. Alle wichtigen Vitamine und Mineralstoffe, die für die Ernährung notwendig sind, zieht der Körper aus der Nahrung. Das gelingt am besten, wenn man die Ernährungspyramide der Deutschen Gesellschaft für Ernährung als Richtschnur für den Speiseplan nimmt: Genuss und Vielfalt lautet das Motto. Wer wahllos in sich hineinstopft oder immer nur lustlos pickt, kann sich nicht wohlfühlen.

Vorfahrt für Brot, Nudeln, Reis und Getreideflocken, am besten aus Vollkorn, sowie Kartoffeln. Sie enthalten kaum Fett, aber reichlich hautschützende Vitamine, sekundäre Pflanzenstoffe, Mineralstoffe, Spurenelemente und Ballaststoffe.

Das gilt auch für Obst und Gemüse. Insgesamt fünf Portionen am Tag sollten verzehrt werden – möglichst frisch, nur kurz gegart oder als Saft.

Täglich Milch und Milchprodukte sowie ein bis zweimal pro Woche Fisch, Fleisch, Wurst und Eier in Maßen liefern wertvolle Nährstoffe. So enthält Milch reichlich Calcium. Es fördert den Aufbau der Hautzellen.

Fleisch ist wegen des hohen Gehalts an Eisen und den Vitaminen B1, B6 und B12 vorteilhaft. Die Vitamine der B-Gruppe sind wichtig für die Hauterneuerung und machen sie geschmeidig. Eisen festigt das Bindegewebe. 300 bis 600 Gramm Fleisch und Wurst pro Woche reichen allerdings aus.

Fett und fettreiche Lebensmittel nur in kleinen Mengen konsumieren. Andernfalls nimmt man zu und muss wieder abspecken. Dieses Hin und Her nimmt die Haut übel. Pflanzliche Öle und Fette wie Raps- und Sojaöl und daraus hergestellte Streichfette haben Priorität. Sie sorgen auch von innen für einen geschmeidigen Teint. Zudem unterstützen pflanzliche Fettsäuren die Zellerneuerung. Insgesamt 60 bis 80 Gramm Fett pro Tag sind ausreichend.

Vitamine gegen Radikale

Die Hauptfeinde der Haut sind freie Radikale, sehr reaktionsfreudige Teilchen, die sich an die Zellen hängen und diese verändern. Werden durch UV-Strahlen, Autoabgase, Zigarettenrauch und Stress zu viele davon gebildet, kann dies zu gesundheitlichen Schäden und vorzeitiger Hautalterung führen.

Radikalenfänger wie Vitamin E, Vitamin C und Betacarotin können diese aggressiven Moleküle unschädlich machen. In vielen Pflanzen kommt jede Menge Vitamin E vor – schon ein Esslöffel Weizenkeimöl deckt den Tagesbedarf. Vitamin-C-Bomben sind Zitrusfrüchte, grüner Paprika oder Kiwi. Betacarotin ist vor allem in gelb-grünen, orangen und roten Gemüsesorten und Früchten enthalten.

Trockene, faltige Haut und stumpfes Haar können auch Folgen von Wassermangel sein. Die Haut ist der größte Flüssigkeitsspeicher des Körpers. So lange diese Depots gefüllt sind, wirkt sie glatt und elastisch. Bei Leerstand sackt sie zusammen, wird faltig und rau. Rund 40 Prozent der benötigten Flüssigkeit bekommt der Körper über die Nahrung. Besonders Obst, Gemüse und Salate spenden reichlich Wasser – bis zu 90 Prozent, Früchte wie Melonen, Orangen und Weintrauben sogar bis zu 98 Prozent. „Wasser essen“ so oft es geht, lautet deshalb der Tipp. Der Organismus erhält dann nicht nur die benötigte Flüssigkeit, sondern auch wichtige Mineralien und Vitamine.

Zusätzlich sollte man täglich zwei bis drei Liter trinken, am besten Kräuter- und Früchtetees, Mineralwasser oder Fruchtsaftschorlen. Dabei ist es sinnvoll, die Menge gut über den Tag verteilt zu sich zu nehmen, damit die Flüssigkeit auch genügend Zeit hat, aus den Blutgefäßen in die Zwischenzellräume und von dort in die Zellen zu sickern. Wird zu viel auf einmal getrunken, rauscht das kostbare Nass einfach durch.

Pillen? Nein danke!

1964 brachte die Firma Merz ihre Merz Spezial Dragees auf den Markt – ein bunter Strauß verschiedener Vitamine und Mineralstoffe. Seit sich das Produkt etabliert hatte, sei klar, dass man Schönheitspflege essen könne, schreibt das Unternehmen in seiner Firmengeschichte.

Heutzutage gibt es auf dem Markt eine ganze Reihe von Nahrungsergänzungsmitteln, aber auch traditionellen Arzneimitteln, von denen die Hersteller behaupten, sie seien gut für Haut, Haare und Nägel, gelegentlich fürs Bindegewebe oder die Knochen gleich mit. So schwadroniert die Firma Queisser über ihre Doppelherz Aktiv Kieselerde + Biotin + Zink, Tabletten: „Dicke, glänzende Haare, eine gesunde Haut und ein festes Bindegewebe prägen das Schönheitsideal unserer Gesellschaft.“ Anbieter Abtei-Pharma sieht in seinem Produkt Abtei Kieselerde Plus Zink, Kupfer und Biotin einen wertvollen Beitrag für natürliche und gesunde Schönheit.

Ob der Vielzahl derartiger Informationen auf Lebensmitteln und Nahrungsergänzungsmitteln ist der Verbraucher überfordert. Um des Wildwuchses Herr zu werden, hat die EU im Dezember 2006 die Verordnung zu nährwertund gesundheitsbezogenen Aussagen über Lebensmittel erlassen, die Health-Claims-Verordnung. Demnach ist eine gesundheitsbezogene Aussage eine solche, „mit der erklärt, suggeriert oder auch nur mittelbar zum Ausdruck gebracht wird, dass ein Zusammenhang zwischen einem Lebensmittel oder einem seiner Bestandteile und der Gesundheit besteht“.

Lebensmittelhersteller dürfen solche Behauptungen nur noch verwenden, wenn sie auf der EU-Positivliste stehen.

Zugelassen werden gesundheitsbezogene Aussagen (Health-Claims) von der Europäischen Kommission, und zwar auf der Grundlage von Gutachten, die die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) erstellt hat und in denen sie die Annahme oder die Ablehnung des Claims vorschlägt. Nach mehreren zeitlichen Verzögerungen hat die Kommission im Mai 2012 eine Liste mit 222 bisher genehmigten „health claims“ veröffentlicht.

Nahrungsgergänzungsmittel sind schlicht und einfach unnötig.


Foto: Foto::grThirteen/iStock/Thinkstock

Die Angst vor Falten macht sich auch die Pharmabranche zu nutze. Mit Nahrungsergänzungsmitteln werden Milliarden verdient.


Foto: Ollyy/Shutterstock

Sie wird laufend erweitert. Seit dem 14. Dezember 2012 sind alle nicht zugelassenen gesundheitsbezogenen Angaben auf Lebensmittelverpackungen verboten. Weiterhin genutzt werden dürfen aber beantragte, bisher noch nicht geprüfte Claims. „Ein Health-Claim besagt nicht, dass es sich um ein generell ernährungsphysiologisch wert- und sinnvolles Lebensmittel handelt“, betont deshalb Professor Leane Lehmann, Lebensmittelchemikerin an der Universität Würzburg. Hier gehe es ausschließlich um den Zusammenhang zwischen einem bestimmten Inhaltsstoff und einer konkreten Gesundheitswirkung. Zudem sei gerade bei Nahrungsergänzungsmitteln immer wieder darauf hinzuweisen, dass sie vor der Markteinführung keinem Zulassungsverfahren unterliegen.

Kieselerde, die vor allem aus Kieselschalen abgestorbener Algen gewonnen wird, besteht hauptsächlich aus Kieselsäure und enthält damit Silicium. Allerdings ist bis heute nicht bestätigt, ob das Spurenelement für den Menschen überhaupt essenziell ist und welche funktionelle Rolle es spielt. Obgleich Siliciummangel immer wieder mit Wachstumsstörungen, Haarausfall, Nagelbrüchigkeit und Bänderbeschwerden in Verbindung gebracht wird, stammen entsprechende Zusammenhänge bislang nur aus tierexperimentellen Untersuchungen.

Nur bei Mangel sinnvoll

Nicht nur auf Kieselerde wird in Nahrungsergänzungsmitteln gesetzt, sondern auch auf Biotin, Zink oder Bierhefe, häufig in Kombination miteinander oder mit weiteren Vitaminen, Mineralstoffen und Pflanzenauszügen. Nur: All diese Inhaltsstoffe haben in Form von Nahrungsergänzungsmitteln keine gesicherten Effekte bei Haut-, Haar- und Nagelveränderungen.

Ihr Einsatz ist jedoch sinnvoll – und dann auch effektiv – bei krankhaften Veränderungen der Haut, deren Ursache vom Arzt abzuklären ist.

Liegt tatsächlich ein Biotin- oder Zinkmangel vor, kann mit entsprechend hoch dosierten Arzneimitteln therapiert werden.

Biotin ist ein wasserlösliches Vitamin der B-Gruppe und wird im Darm gebildet. Neben dem Vorkommen in Mikroorganismen wie Hefe ist Biotin in tierischem Gewebe sowie in Pflanzen enthalten, zum Beispiel in Nüssen, Sojabohnen, Reis und Getreide. Für Arzneimittel mit Biotin ist eine Wirkung belegt: Die meist mit 2,5 Milligramm (mg) oder 5 mg dosierten Pillen wirken bei nachgewiesenem klinischen Biotin- oder Carboxylasemangel.

Nahrungsergänzungsmittel hingegen dürfen schon allein per Definition keine pharmakologische Wirkung entfalten.

Das BfR empfiehlt, dass Nahrungsergänzungsmittel nicht mehr als 180 Mikrogramm (µg) Biotin in einer Tagesdosis enthalten sollten.

Das Spurenelement Zink ist an Dutzenden von Körperfunktionen beteiligt.

Entzündliche Hautveränderungen können auf einen schweren Zinkmangel hinweisen. Weitere Symptome sind Haarausfall, vermindertes Geschmacksempfinden und verzögerte Wundheilung.

Allerdings ist auch Zinkmangel hierzulande selten. Austern, Linsen, Erbsen, Rindfleisch, Geflügel, Milch, Käse und Getreide sind gute Zinklieferanten. Wegen des geringen Abstands zwischen der tatsächlichen Zufuhr und der noch sicheren Aufnahmemenge für Zink sollten Kinder und Jugendliche überhaupt keine zinkhaltigen Präparate erhalten.

Im Hinblick auf den Erhalt einer normalen Haut und normalen Haares sieht die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA einen ursächlichen Zusammenhang mit der Aufnahme von Biotin.

Demgegenüber hat sie keine Wirkung auf Haut, Haare und Nägel festgestellt. Sie weist jedoch zugleich darauf hin, dass eine unzureichende Biotinaufnahme in der Allgemeinbevölkerung der EU nicht vorkommt.