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SCHÖPFUNG BEWAHREN: Nacht unterm Sternenhimmel


der pilger - epaper ⋅ Ausgabe 2/2019 vom 23.05.2019

Eine Nacht in der Natur zu verbringen, ist ein Abenteuer. Mit Blick in den Himmel den Geräuschen des Waldes zu lauschen, ist ein intensives Erlebnis, das erdet und Farbe in den Alltag bringt


Artikelbild für den Artikel "SCHÖPFUNG BEWAHREN: Nacht unterm Sternenhimmel" aus der Ausgabe 2/2019 von der pilger. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: der pilger, Ausgabe 2/2019


„Die Sterne sind schön, weil sie an eine Blume erinern, die wir nicht seben …”: aus „Der kleine Prinz“, Antoine de Saint-Exupéry (1900 - 1944)


Leben in der Spur, eingezwängt in immer gleiche Abläufe oder doch ganz anders? Ein bisschen wild sein in der Nicht-Wildnis? Zumindest zeitweise, um das Leben intensiv zu spüren, mit einem Hauch von Abenteuer, unbändiger Lebensfreude und ganz nah dran am Wesentlichen? Geht das ...

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... überhaupt in unserem durchgeplanten Alltag mit den vielen Verpflichtungen? Ja, es geht – zumindest immer mal wieder – und vermittelt ein Gefühl, was Leben wirklich ausmacht. Das sagen Beate und Olaf Hofmann, die regelmäßig Nächte gemeinsam unterm Sternenhimmel verbringen und diese kleinen Auszeiten als besonders erfüllend empfinden. In ihrem Buch „Leben mit tausend Sternen“ beschreiben die Eheleute und Eltern dreier Kinder zwölf Nächte in zwölf Monaten, die sie unter freiem Himmel verbringen. Einfach so, inmitten der Natur, manchmal ist die Stadt zum Greifen nah und trotzdem ganz weit weg. Ohne schützendes Dach, den Sternenhimmel über sich, mal mehr oder weniger erleuchtet durch das viele künstliche Licht um einen herum. Aber draußen, konsequent, bei Wind und Wetter und in jedem Monat mindestens einmal. Der Natur mit ihren „Launen“, vor denen wir uns normalerweise mit unseren Mauern und Dächern regelrecht abschirmen und so tun, als wären Regen, Wind und ein bisschen Kälte wahre Gefahren, ausgesetzt sein.

Die Lust auf das Leben in der Natur hat bei Ehepaar Hofmann mit einem Sabbatical in der kanadischen Wildnis begonnen. 2010 beschlossen sie, die sicheren Jobs zu kündigen und mit ihrer jüngsten Tochter und Hund für eine gewisse Zeit dem deutschen Alltag zu entfliehen. „Die Auszeit unterm Cowboyhut ist zum Gold des Lebens für uns geworden“, schrieben sie in ihrem ersten Buch, in dem sie diese besondere Lebenszeit schildern.

Immer mit von der Partie bei den Nächten unterm Sternenhimmel ist Familienhund Aruna, die die freie Natur sowieso jeder Stadt vorzieht.


Ein Versprechen an Silvester


Nach der Rückkehr aus Kanada war alles anders bei den Hofmanns, wobei diese gewisse Sehnsucht nach dem wirklichen Leben auch vorher schon vorhanden war. Sie gründeten ihre Firma „hope & soul company“, um Menschen zu einem sinnstiftenden Leben zu ermutigen. Wünsche wahr werden zu lassen, im Einklang mit der Schöpfung zu leben, sich auf das Wesentliche zu besinnen und vielleicht auch an der Löffelliste zu arbeiten. Löffelliste? Das ist die Liste, die bestimmt jeder von uns hat, vielleicht auch nur unbewusst, und auf der die Dinge stehen, die wir noch unbedingt erleben möchten, bevor wir den „Löffel abgeben“.

Trotz guter Vorsätze und dem Wissen um die schönen Erlebnisse ist es erstaunlich schwer, im Alltag dem wilden Leben treu zu bleiben. Auch die Hofmanns bemerkten, dass vieles auf der Strecke blieb, was sie sich in Kanadas Wildnis einmal vorgenommen hatten. In einer Silvesternacht am prasselnden Feuer kam die Idee auf, im kommenden Jahr in jedem Monat mindestens eine Nacht draußen zu schlafen. „Eigentlich müsste man öfters so leben: eine Spur wilder, abenteuerlicher, intensiver“, bringt Beate Hofmann es auf den Punkt. Auch das war ein Ziel: das Wort „eigentlich“ aus ihrem künftigen Leben zu verbannen. Ein Versprechen an sich selbst und an die eigene Sehnsucht, auszubrechen aus der alltäglichen Routine, in der wir oft wie Gefangene unterwegs sind.

Ausbrechen aus dem Gewohnten, zu neuen Ufern, sei es nur für eine Nacht und auch ganz nah an der eigenen Haustür, lässt uns das Leben intensiv und achtsam spüren.


Fotos: S.54–55: ; S.56 bis 58: adeo / Stefan Weigand


Dem Wetter und inneren Schweinehund trotzen


Der Januar stellt gleich eine große Herausforderung dar. Beate und Olaf Hofmann hoff en den ganzen Monat auf stabiles Wetter, um ihre erste Sternennacht nicht bei Regen und Sturm verbringen zu müssen. Sie verfügen zwar über warme Schlafsäcke und eine wasserdichte Plane, auf die sie noch jeweils eine Isomatte legen. Aber der erste Monat des Jahres ist in unseren Breitengraden nicht gerade für warmes, gemütliches Wetter bekannt. Am letzten Januarwochenende gibt es kein Zurück mehr, und fester Vorsatz ist schließlich fester Vorsatz. Man will ja nicht gleich zu Beginn der Unternehmung selbige abblasen.

In den zwölf Kapiteln über die jeweilige Draußen-Nacht schildert Beate Hofmann humorvoll und sehr detailliert die Erlebnisse unterm Sternenhimmel. Mal suchen die beiden zusammen mit Hund Aruna eine Höhle auf, die sie bei einem ihrer Spaziergänge entdeckt haben, und finden so etwas Schutz vor dem prasselnden Regen. Oder sie nächtigen in einem Baumhaus, das ihnen unverhoff t auf einer Party angeboten wurde. Doch auch dicht stehende Bäume bieten Schutz und Geborgenheit, und je milder die Temperaturen, desto off ener darf das natürliche Dach sein, bis hin zum freien Sternenhimmel. Eines ist immer gleich, egal wie das Wetter und welcher Monat gerade ist: sich dem Unvermeidlichen stellen, feste Vorstellungen loslassen und sich einlassen auf das, was kommt. Bei jeder Sternenhimmel- Nacht zeigt es sich, dass alles seine Richtigkeit hat, und am nächsten Morgen überwiegen Stolz und Dankbarkeit, das Abenteuer gewagt zu haben. Die einfachen Dinge des Lebens, ein Stück Brot mit etwas Käse, der lauwarme Tee aus der Th ermoskanne, das sind Geschenke, die man schätzt, wenn nichts anderes da ist. Und die einfache Wahl, was man denn nach einer Sternennacht anzieht, ohne mit Stirnrunzeln vor dem Kleiderschrank zu stehen: das, was man gestern Abend ausgezogen hat!


Jeder Morgen birgt einen besonderen Zauber


Jeder Morgen, an dem die Hofmanns in der Natur aufwachen, birgt einen Zauber in sich, der innerhalb geschlossener Wände nicht erlebbar ist. Mal sind es Nebelwolken, die das Tal verhüllen und das Gefühl geben, selbst ganz klein zu sein, aber verbunden mit der Natur. Oder die ersten wärmenden Sonnenstrahlen, die die Welt in ein goldenes Licht tauchen und die eigene Seele erhellen. Diese Geschenke nehmen die Hofmanns mit in ihren Alltag. Geschenke, die bei all der Arbeit und dem Stress um einen herum kurze Momente der Achtsamkeit und des Erinnerns aufkommen lassen, dass es noch etwas anderes gibt als eine durchgetaktete moderne Welt: Das ist das Bild von Tautropfen auf den Gräsern, die in der aufgehenden Sonne schöner als Diamanten funkeln, oder die Vögel und Insekten, die aufgeregt den neuen Tag begrüßen.

Wer jetzt denkt, das schaff e ich nie im Leben, alleine die unheimlichen Geräusche und die vielen Gefahren da draußen in der Natur machen mir Angst, kann auch einfach ganz klein anfangen. Der heimische Balkon oder der eigene Garten bieten eine sichere Möglichkeit, sich langsam heranzutasten an den Sternenhimmel. Also einfach tun!

Draußen nächtigen

Das Schlafen im Freien ist in Deutschland, österreich und der Schweiz erlaubt, solange kein Zelt oder ähnliches aufgebaut wird. naturschutzgebiete und Privatgelände sind zu meiden. Feuer kann nur an genehmigten Plätzen gemacht werden. Keinen müll zu hinterlassen, leise zu sein und nur eine nacht zu bleiben, gehören zum Draußenschlafen dazu. Am besten ist es, spät anzukommen und früh aufzubrechen.

Buchtipp: „Leben mit tausend Sternen“ von Beate und Olaf Hofmann, Verlag adeo,18 Euro