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Schon gesegelt: Melges 14: Großer Spaß mit kleiner Jolle


Segler-Zeitung - epaper ⋅ Ausgabe 70/2019 vom 12.06.2019

Segeln ist ein traditionsbehafteter Sport – schon und auch der Geräte wegen. Doch keine Tradition hat Bestand, wenn sie sich nicht gegen Innovation behaupten muss. Die Innovation in Sachen Einhandjolle heißt Melges 14 und kommt aus dem Konstruktionsbüro Reichel/Pugh.


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Deutlich erkennbar: Der Niederholer hat großen Einfluss auf die Achterliekskurve.


Fotos: vg

Die Amerikaner haben die Jolle 2016 nach reiflicher Überlegung gezeichnet, seit 2017 wird sie gebaut und war als eine von vier Einhandjollen in die engere Wahl des Weltseglerverbands für die künftigen olympischen Bootsklassen gekommen. Eine Entscheidung ...

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... darüber war noch nicht getroffen, als wir Gelegenheit hatten, die Melges 14 Mitte April am Attersee zu segeln, dem Vetriebsstützpunkt für den deutschsprachigen Raum.

Rumpf und Rigg

Im vorderen Bereich ist der 4,27 Meter lange Rumpf keilförmig mit geradem Bug, ab der Mastposition dominieren die Skiff-ähnlichen Überhänge an den Seiten. Die Jolle ist 1,58 Meter breit. Damit ist die Melges 14 etwa 20 Zentimeter breiter als der Laser, bei nahezu gleicher Länge. Mit 54,4 Kilogramm Gewicht ist sie aber rund zehn Kilogramm leichter als der alte Klassiker.
Zur Auswahl stehen drei Riggs und drei Folien-Segel in den Größen 5,5 oder 7,8 und 9,1 Quadratmeter. Als passende Gewichtsklassen für den Segler werden 35 bis 55 und 55 bis 80 Kilogramm für die beiden kleineren Segel angegeben.
Beim großen Rigg (9,1 qm) sind die Folienbahnen schwarz gesäumt, auch wenn die Version „Gold“ heißt. Bei den kleineren Riggs passen die Farben blau und rot auch mit den Bezeichnungen „Blue“ und „Red“ zusammen. Die einheitlichen Foliensegel mit durchgehenden Latten kommen von North Sails. Im Kopf sind die Segel weit ausgestellt.

Aufbau der Jolle

Der Probeschlag mit der Melges 14 war der Jungfernschlag dieses Exemplars. Die Baunummer 720 war gerade erst am Vormittag aus der Verpackung geholt worden. Die Verarbeitung des Rumpfes macht einen guten Eindruck: Nichts muss nachgerüstet, nachgezogen oder gefeilt werden. Die beiden Hälften des Carbon-Mastes werden zusammengesteckt – das kann etwas streng gehen und muss bei Übernahme des Riggs auf Passgenauigkeit geprüft werden (eine Dose Graphit-Spray im persönlichen Werkzeug könnte nicht schaden) – und in die Vorliektasche des Foliensegels eingeführt. Den unverstagten Mast stellt man in das Führungsrohr im Rumpf, steckt den Baum in den Bolzen des Lümmelbeschlags und knotet den Vorliekstrecker fest. Am Schothorn gibt es entweder eine Art Patenthaken, mit dem der Unterliekstrecker eingehängt wird, oder das Schothorn wird direkt an der Rolle festgebändselt. Der Niederholer wird einfach in einem Beschlag am Baum (ebenfalls Carbon) eingehängt. Schon ist das Rigg segelklar. Zerlegt passen die beiden Mast-Hälften und der Baum in eine Transporttasche.
Um ins Wasser zu gehen, fehlen noch das Ruderblatt, das in einem aus dem sonst offenen Heck herausragenden Block eingehängt und gesichert wird, und das Schwert, das man erst im Wasser einsteckt. Noch ruht der Rumpf mit dem seitlichen Überhang auf den Verlängerungen der Stützen des Slipwagens („Dolly“ genannt). Mit einem Knopfdruck werden die Verlängerungen im Rohr versenkt, der Rumpf liegt dann nur noch flexibel auf einem breiten Gurtband. Der Aufbau (inzwischen gibt es auch eine umfassende Aufbauanleitung im Internet unter melges14.com) ist in ein paar Minuten erledigt. Es kann losgehen.

Beschläge

Doch nehmen wir uns noch etwas Zeit, um die Ausrüstung der Jolle näher zu betrachten.
Das Rigg ist simpel, auch wenn der Kombi-Block nahe dem Mastfuß kompliziert aussieht: Vorliekstrecker, Unterliekstrecker und Niederholer. Die ersten beiden werden ins Cockpit umgelenkt und beidseitig gefahren. Der Niederholer wird zentral auf dem Block hinter dem Mast eingeklemmt. Alle Beschläge sind von Harken.
An der Pinne gibt es einen Strecker zur Arretierung des Ruderblatts in der Segelstellung. Das Schwert wird mit einem Gummizug gehalten, wenn es auf Vorwindkursen etwas aufgeholt wird – wie im Opti.
Der Cockpitboden ist durchgehend mit einem weichen, gummiähnlichen Decksbelag beklebt, rutschfest und komfortabel.

Mastfuß mit dem Beschlag für Niederholer (rot) mit Klemme sowie die Umlenkung für Vor- und Unterliekstrecker (gelb und schwarz).


Höhenverstellbare Stütze am Slipwagen


Testbedingungen und Segelverhalten

Eine seltene Wetterlage sorgte Ende April auf dem Attersee für 12 bis 14 Knoten Südwind mit einer relativ kurzen, steilen Welle. Während das Wasser nur auf knapp zehn Grad kam, sorgte der Sahara-Wind kurz nach Ostern für 24 Grad Lufttemperatur. Kaum hat das Segel Wind gefasst, schießt die Melges 14 auch schon los. Ein bequemes Sitzen an der Außenkante der Wings reicht meist schon aus, um die Melges 14 am Wind aufrecht zu segeln. Unter die Ausreitgurte kommt man mit der Fußspitze problemlos, da sie am hinteren Ende mit einer Schaumgummirolle unterlegt sind und daher nicht am Cockpitboden aufliegen. Der gerade Bug und die breite Rumpfform sorgen dafür, dass nur relativ wenig Spritzwasser über die Luvseite des Decks kommt.

Übersichtliches und großes Cockpit, in dem auch eine zweite Person Platz hätte. Gut zu erkennen ist die Streckerführung vorne sowie der „Traveller“.


Die Melges 14 kommt auf raumen Kursen erwartungsgemäß schnell ins Gleiten. Wenn der Wind gerade so reicht, ist der Gleitzustand auch mit aktiver Arbeit an der Schot, also Pumpen, und viel Ruderarbeit (je nach Welle) zu erreichen. Es ist förmlich zu spüren, wie sich jede Bewegung auf die Geschwindigkeit auswirkt.
Fiert man die Schot auf, lässt sich die Jolle gut auf der Stelle halten, um etwa irgendetwas zu klarieren. Der breite Rumpf sorgt für eine hohe Formstabilität – da gehen auch unerfahrene Kleinjollensegler nicht gleich bei den ersten Ausflügen baden.
Der Baum ist relativ weit oben angeschlagen, die Bewegungsfreiheit darunter also vergleichsweise groß. Man muss sich für eine Wende nicht kleinmachen.
Der Pinnenausleger ist so lang, dass man in dem geräumigen Cockpit auch ganz vorne am Mast sitzen könnte. Sitzt man jedoch eher mittig, so muss man in der Wende erst den Bewegungsablauf finden, wie man den langen Ausleger hinter dem Rücken in die andere Hand bekommt. Der Ausleger ist mit einem Click-Verschluss abnehmbar und kann auch gegen einen kürzeren ausgewechselt werden.
Der untere Block der Großschot-Talje läuft störungsfrei an einer quer oberhalb der Pinne gespannten Leine. Mit einem Knoten links und rechts kann man den maximalen Auslauf des unteren Blocks nach Lee begrenzen. Mit der Position der Knoten erreicht man eine gewisse Traveller-Funktion. Verändern kann man diese Einstellung auf dem Wasser kaum. Wesentlich für den Trimm ist daher der Niederholer, der nicht umsonst 12-fach übersetzt ist.
Da die Großschot bei dieser Führung nicht wie beim Laser an einer Ecke des Hecks hängen bleiben kann, entfallen die Anfänger-Kenterungen beim Halsen.

Unsinkbarer Lastesel

Die Melges 14 ist für zwei Personen „zugelassen“ - oder für maximal 163 Kilogramm Nutzlast ausgelegt. Platz für eine zweite Person ist im Cockpit problemlos vorhanden. Besetzt mit zwei Kindern könnte eines die Schot fahren, das andere den Lenker halten. Für den Familienspaß ist das sicher förderlich, für den Urlaub mit Kindern super, aber im Regattabereich belanglos.
Im Rumpf befindet sich ein luftgefüllter Auftriebskörper, damit die Schale auch bei einem strukturellen Schaden, etwa nach einem Crash, nicht untergeht. Inspizieren kann man diesen durch einen Schraubdeckel. Hier wäre auch die einzige Möglichkeit, in einem kleinen Beutel etwa Wertsachen (Autoschlüssel, Handy) sicher „unter Deck“ zu verstauen.

Zubehör und Preise

Der Grundpreis für die Melges 14 mit dem großen Rigg beträgt 8.865 Euro. Ein schon erwähntes Extra ist die Riggtasche (152 Euro), sinnvoll ist auch eine gepolsterte Tasche für Schwert und Ruderblatt (117 Euro). Eine Oberpersenning wird man auch brauchen (232 Euro) und ohne den Slipwagen (genannt „Dolly“, 583 Euro) kommt man nicht aus. Das war’s dann aber schon. Für dieses Paket kommen wir auf 9.949 Euro (alle Preisangaben inklusive 19 Prozent MWSt., Stand April 2019).
Den kürzeren oberen Mastteil und das kleinere Segel bekommt man für 809 Euro, Mast-Top und das mittelgroße Segel für 982 Euro. Umgekehrt könnte man mit dem Kinder-Rigg („Red“) anfangen, zahlt für die Grundversion 8.568 Euro. Will man später das große Rigg dazu, sind 1.309 Euro (mit Segel) dafür zu veranschlagen.

Transport

Mit nur 54 Kilogramm Gewicht, 4,27 Meter Länge und 1,58 Meter Breite ist die Melges 14 prädestiniert für den Transport auf dem Autodach. Der Rumpf ist fast genauso lang wie ein Golf. Der Alu-Slipwagen passt obendrauf, die drei Teile des leichten Carbon-Riggs ebenso, mit oder ohne Riggtasche. Sollte sich die Jolle durchsetzen, wäre der Transport auf Mehrfach-Trailern aufgrund des geringen Gewichts schon fast ein Kinderspiel.

Vertrieb

Für den europäischen Markt wird die Melges 14 bei Nelo in Portugal gebaut. Die Werft ist auf kleine GfK-Boote spezialisiert: Kanus und Kajaks von Nelo waren oft bei Olympischen Spielen erfolgreich (27 von 36 Medaillen in Rio). 2017 expandierte die Werft und bietet beste Konditionen für High-Quality-Produkte. Anders als für Melges-Yachten, die über Italien vertrieben werden, soll es für die Melges 14 eine separate Vertriebsschiene geben. Der Yachtservice Gebetsroither am Attersee beliefert neben Österreich und der Schweiz auch den deutschen Raum.

Fazit

Die Melges 14 macht einen soliden Eindruck, ist leicht zu segeln und bereitet von Anfang an großen Spaß auch bei leichten bis mittleren Winden.
Die Fummelei beim Zusammenstecken des Mastes dürfte ein Einzelfall („Vorführeffekt“) gewesen sein. Mit Sicherheit werden künftig alle Masten vor der Auslieferung auf Passgenauigkeit geprüft. Sonst gab es an der Jolle und ihrer Verarbeitung nichts zu mäkeln. Eine einfache, unkomplizierte und schnelle Jolle, mit der man viel Freude am segeln haben wird.