Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 5 Min.

schon gesegelt: Rustler 24: Englischer Daysailer vereint traditionelle Linien mit modernem Bootsbau


Segler-Zeitung - epaper ⋅ Ausgabe 100/2019 vom 18.09.2019
Artikelbild für den Artikel "schon gesegelt: Rustler 24: Englischer Daysailer vereint traditionelle Linien mit modernem Bootsbau" aus der Ausgabe 100/2019 von Segler-Zeitung. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Die Rustler 24 liegt am Wind sehr ausgeglichen auf dem Ruder.


Fotos: V. Göbner

H-Boote, Drachen, Kajütboote - das ist die typische Mixtur in einem Bojenfeld vor einem Yachtclub. Dazwischen ist die Rustler 24 ohne Frage ein echter Hingucker. Klassische Linien, elegant vereint mit modernem Bootsbau.

Am auffälligsten ist der positive Deckssprung mit dem hochgezogenen Bug der 7,44 Meter langen Rustler 24. Das Heck verjüngt zu einem minimalistischen Steven. Der Rumpf erinnert an viele charakteristische Bootstypen aus dem vorigen Jahrhundert: Von den Überhängen und dem 7/8-Rigg mit dem einen halben Meter hinter ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 4,49€
NEWS 14 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Segler-Zeitung. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 100/2019 von Ballon-Crew in Nöten. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Ballon-Crew in Nöten
Titelbild der Ausgabe 100/2019 von DGzRS gewinnt zahlreiche neue Spender. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
DGzRS gewinnt zahlreiche neue Spender
Titelbild der Ausgabe 100/2019 von Angebunden und abgefedert. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Angebunden und abgefedert
Titelbild der Ausgabe 100/2019 von Telefonnotruf aus dem Wasser. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Telefonnotruf aus dem Wasser
Titelbild der Ausgabe 100/2019 von Schwerpunktthema Winterlager: Winterschlaf für Rigg und Segel. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Schwerpunktthema Winterlager: Winterschlaf für Rigg und Segel
Titelbild der Ausgabe 100/2019 von Schwerpunktthema Winterlager: Das sagen die Segelmacher: Pflege und Einlagerung der Segel – so wird’s gemacht. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Schwerpunktthema Winterlager: Das sagen die Segelmacher: Pflege und Einlagerung der Segel – so wird’s gemacht
Vorheriger Artikel
SPW: Neuer Drehflügelpropeller
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel Messen und Ausstellungen: KlarSchiff: K.O. nach der zweiten Runde
aus dieser Ausgabe

Am auffälligsten ist der positive Deckssprung mit dem hochgezogenen Bug der 7,44 Meter langen Rustler 24. Das Heck verjüngt zu einem minimalistischen Steven. Der Rumpf erinnert an viele charakteristische Bootstypen aus dem vorigen Jahrhundert: Von den Überhängen und dem 7/8-Rigg mit dem einen halben Meter hinter dem Bug ansetzenden Vorstag ein wenig an den Drachen, das Cockpit mit hochgezogenem und spitz auf den Mast zulaufenden Süllrand (ohne Kajütaufbau) ein wenig an die alte Sonderklasse, das breite Cockpit auch an die Trias. Wäre da nicht ein moderner Mast aus Alu und eine Rollfock, man könnte meinen, zu einem gut hundert Jahre alten Boot zu rudern, das da an der Boje auf dem Ammersee in den Wellen schaukelt.
Ein Daysailer ist zum Segeln da: Die Rutscher des Großsegelvorlieks werden über eine Wippe beim Aufheißen in die Mastnut eingeführt, das Großfall ist doppelt geschoren. So ist nur die halbe Kraft erforderlich, um das 16 Quadratmeter große, durchgelattete Tuch (Dacron von einem englischen Segelmacher) zu setzen. Die Fock (10 qm) wird ausgerollt, die Boje losgeworfen – und schon ist man unterwegs. Das komplette Rigg (der Mast steht auf dem Kiel) ist von Selden, alle Blöcke serienmäßig von Harken. Im Großsegel ist eine Reihe Reffkauschen. Ob man für einen Daysailer das Schnellreff einfädelt, ist eine Frage der Revierkenntnis und des Sicherheitsbedürfnisses. Die Rustler 24 liegt perfekt auf dem Ruder. Da zieht nichts, da ist kein Druck zu spüren. Das Boot behält seine Geradeausfahrt, auch wenn die Pinne losgelassen wird. Etwas anderes würde man von einem modernen Langkieler aber auch kaum erwarten. Die Fock reicht nur wenig bis hinter Mast und Wanten, so dass sie schnell und dank der auch hier doppelt geschorenen Fockschot ohne großen Kraftaufwand und ohne Winsch dichtgeholt wird. Ein Am- Wind-Winkel von weniger als 40 Grad wurde beim Probeschlag auf dem Ammersee bei acht bis zehn Knoten Ostwind mühelos unterboten. Die Fockschotklemmen sind zwar ganz vorne am Cockpit, wären aber problemlos zu erreichen, wenn man das Boot alleine segelt. Der Holepunkt der Fockschot kann auf einer etwa 30 Zentimeter langen Schiene vor oder zurück getrimmt werden. Von Lee aus hat der Steuermann einen guten Blick in die Fock. Sitzt er in Luv, ist der durch das Vorsegel verdeckte Seeraum doch relativ groß. Wer lieber in Luv steuert, sollte daher überlegen, ob er sich nicht ein Fenster in die Fock schneidern lässt, auch wenn das die klassische Optik beeinträchtigt. Für den Großschot-Block ist kein Traveller vorgesehen. Statt dem im Cockpit immer störenden Großbaumniederholer ist ein Kicker nach oben eingebaut, der in der oberen Nut des Großbaumes vor und zurück rutschen kann. So muss man beim Wenden nicht den Kopf einziehen, nirgendwo drunter durchtauchen.

Die Rustler 24 unter Spinnaker. Das Paket ist optional.


Im Vorschiff findet Ausrüstung und Kleinkram Platz.


Stauraum ist vorne unter dem Bug, der für den Spinnakersack (der Spi wird aus dem Cockpit gesetzt), Paddel, Spibaum und Bootshaken ausreicht. Drei kleinere Taschen mit den Segelklamotten passen auch noch rein – mehr aber nicht. In einem Schapp verschwinden Anker und -leine. Unter dem Achterdeck ist noch ein wenig Stauraum, der mit einer Klappe verschlossen ist. Die seitlichen Fächer unter Deck sind offen und nur durch eine kleine Leiste gesichert - also eher nichts für empfindliche Sachen, die beim Wenden umherrollen – aber was will man auf einem Daysailer auch groß mitnehmen?
Im Cockpit sind drei einfache, quer eingebaute Sitzbretter; das für den Steuermann ist in der Mitte nach oben gewölbt, so dass er (oder sie) auch bei Lage nicht nach unten rutscht. Der Winkel des Süllrands ist gut gewählt, man lehnt immer bequem daran. Ausreiten oder gar Gurte dafür sind nicht vorgesehen. Bei 940 Kilogramm Ballast kommt das Wasser auch beim Waschbord- Segeln in Lee nur schwerlich an den Cockpit-Rand. Auftriebskörper vorne, achtern und seitlich sorgen für Sicherheit im Fall der Fälle.
Theoretisch wäre eine kleine Einbaumaschine möglich. Wer auf einen Flautenschieber nicht verzichten will oder für Hafenmanöver braucht, kann auch eine Halterung für einen Außenborder ordern. Die besteht aus einem Teak-Brett und einem Beschlag aus poliertem Nirosta, das mit drei dicken Schraubbolzen auf der Backbordseite befestigt wird. Verstaut wird die Halterung steuerbords unter dem hinteren Cockpitsüllrand, wiederum fixiert mit den drei Bolzen. Auf der Backbordseite ist da der Pumpenhebel der Lenzpumpe.
Am Cockpitboden – Teak-Bretter in sinnvoller Dimension fluchten da mit dem GFK-Rumpf, im traditionellen Handauflege- Verfahren mit hochwertigen Materialien laminiert – sind drei Augbolzen, an denen die Heißstropps fürs Kranen befestigt werden.
Die Standardfarbe des Rumpfes – auch alle GFK-Teile innenbords – ist ein Cre- me-Weiss, das mit dem Teakdeck gut harmoniert. Die Verarbeitung ist rundherum einwandfrei, kein Fleckchen ließ sich entdecken, über das man hätte meckern können. Die deutschsprachige Beschriftung der Fallen im Mastfuß bringt Importeur Thomas Kohler selber an. „Ich besteche durch Leistung, nicht durch billige Preise“, ist Kohlers klare Ansage. In der Frachtpauschale von 2.500 Euro ist die Anlieferung im Vertriebsgebiet Deutschland, Österreich und Ostschweiz nebst Aufbau und Einweisung sowie ein Segelschlag inbegriffen. Kohlers Schiff am Ammersee hat übrigens die Baunummer 52.

Die Rustler 24 macht an der Boje eine gute Figur.


Preise und Zubehör

Das segelfertige Boot kommt auf 60.834 Euro (Preisangaben inklusive 19 Prozent MwSt., gerundet). Das Zubehör-Sortiment ist eher britisch zurückhaltend: Das Spinnaker- Set mit Spibaum, Schoten und dem Spi selbst liegt bei 3.270 Euro, die Außenborder- Halterung bei 952 Euro. Für 785 Euro werden die Teakholz-Teile im Cockpit mit Klarlack lackiert, der Unterwasseranstrich schlägt mit 1.090 Euro zu Buche. Eine andere Rumpffarbe (RAL) kommt auf 800 Euro. KohlerempfiehltalsTrailereinenZwei-Achser von Kufer, der 7.122 Euro kostet. Der Preis der Persenning, die man dem Boot auf alle Fälle gönnen sollte, ist stark vom Material und dem Hersteller abhängig. Ein Flaggstock ist das I-Tüpfelchen des klassischen Designs, er betont die traditionellen Werte des Eigners: Flagge zeigen ist ja auf Binnen-Revieren ein vergessener Aspekt der Seemannschaft. Er kostet mit der Halterung auf dem Achterdeck 167 Euro.
Mehr braucht man eigentlich nicht für einen gemütlichen Segeltag – weder umfassenden Stauraum, noch Kompass, Sumlog oder sonstigen Schnickschnack. Ein Boot, zwei Segel, ein wenig Wind und der Tag kann kommen.

Rustler Yachts

Die Rustler-Werft ist seit Jahrzehnten im südenglischen Falmouth angesiedelt. Der 24 Fuß lange Daysailer ist die kleinste Yacht im Portfolio, das aktuell bis zum 57-Fuß-Modell reicht. Moderne Technologie und traditionelle Werte passen gut zusammen, ist man bei Rustler überzeugt: „Attraktive und individuelle Yachten werden nie aus der Mode kommen“, heißt es dort. Für den Daysailer hat man daher ganz bewusst Anleihen bei klassischen Modellen genommen, um sich vom „Crash Bang-Design“ der Neuzeit abzuheben.
Auf die Frage nach den Folgen eines No-Deal- Brexits habe ihm der Zoll „Im Worst-Case zwei bis drei Prozent“ geantwortet, so Kohler. Welche Richtung der Kurs des britischen Pfunds dabei nehmen würde kann kein Finanzexperte vorhersagen.

Die Beschlagsausstattung ist hochwertig.


Die Außenborder-Halterung wird an der Backbordseite montiert.


Der Kicker schafft Platz im Cockpit.


Fazit

Schon der Anblick der Rustler 24 macht neugierig und das Boot hält, was es verspricht: Klassischer Segelgenuss, traditionelle Linien mit modernem Material, hohe Qualität und einfaches, unkompliziertes Handling. Da kann man auch mal eine Begleitung mitnehmen, die wenig Ahnung vom Segelsport hat.

Händler

move-on-water
Handelsvertretung Thomas Kohler Isarstraße 19 D-86179 Augsburg
Telefon +49 160 5554 554
E-Mail: sales@move-on-water.de
www.move-on-water.de