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SCHOTTLANDREPORTAGE: Jagdglück in den Highlands


Halali - epaper ⋅ Ausgabe 1/2020 vom 23.01.2020

Hoch im Norden Schottlands erlebt HALALI-Redakteurin Ilka Dorn eine aufreibende Pirsch. Denn Hirsche gibt es in dem Revier zwar viele, doch sich dem Wild in dem flachen Gelände bis auf Schussweite zu nähern erfordert zähe Ausdauer.


Artikelbild für den Artikel "SCHOTTLANDREPORTAGE: Jagdglück in den Highlands" aus der Ausgabe 1/2020 von Halali. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Halali, Ausgabe 1/2020

Zwei lange Jahre liegen hinter uns, Jahre des Abwartens, der Ungeduld und der Vorfreude. Was damals als erste Idee entstand, ging bald in die Planungsphase über und nahm nach viel Zeitaufwand und Recherche allmählich Gestalt an: Eine Jagdreise für insgesamt 19 Personen zur Hirschbrunft in die schottischen Highlands organisiert sich schließlich nicht von selbst. 19 Personen ...

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... sollten Platz in einer Lodge finden, der Managementplan des Estates sollte ausreichend Kapazitäten für zehn Jäger bieten und die Umgebung sich mit Sehenswürdigkeiten für unsere Nichtjäger empfehlen. Und auch die Kinder sollten auf ihre Kosten kommen.

Hoch im Norden Schottlands, noch eineinhalb Stunden nördlich von Inverness entfernt, wurden wir endlich fündig. Für eine Woche eine weite Anreise aus Deutschland, doch die Abgeschiedenheit, der Komfort der Lodge und die Möglichkeiten, die das Estate jagdlich bot, waren jeden Kilometer wert.

Der erste Jagdtag beginnt früh am Morgen, es stehen die Kontrollschüsse und die Überprüfung der eigenen Waffen nach der langen Anreise auf dem Programm. Nicht weit von der Lodge entfernt ist ein kleiner provisorischer Schießstand eingerichtet worden. Zwei kleine Stahlscheiben auf einer Entfernung von knapp 140 Metern sind das Ziel. Wie hier üblich wird im Liegen geschossen. Für manch einen aus unserer Gruppe eine ungewöhnliche Schießposition, an die er sich erst noch gewöhnen muss. Liegt man jedoch erst einmal bequem, lässt es sich ganz angenehm und vor allem sehr ruhig und stabil aus dieser Position schießen. Erst als auch der letzte Schütze seinen Probeschuss abgegeben hat, werden wir auf mehrere Gruppen verteilt. Es geht in Zweierteams raus, also immer zwei Jäger zusammen mit einem Stalker. So jagt jeder in Begleitung und kann das Erlebte unmittelbar mit einem Freund teilen. Nicht umsonst heißt es ja „geteilte Freude ist doppelte Freude“!

GEMEINSAM AUF DER JAGD

Ich bilde mit meinem Mann ein Team, für uns ganz ungewohnt, da wir doch zu Hause in der Regel getrennt jagen. Doch ich genieße es, dass wir uns mal den seltenen Luxus der Jagd im Duo gönnen, und freue mich schon sehr auf den Tag. Natürlich bietet mir Oliver an, die Büchse zuerst zu führen. Ich möchte jedoch, dass mein Mann beginnt und ich ihn den ersten Tag einfach nur begleite.

Fergus, unser Stalker, öffnet mir die Wagentür, und wir machen es uns in dem geräumigen Toyota Hilux bequem. Zuerst fahren wir an den äußersten Revierrand direkt hinter einer kleinen Ortschaft, um von dort aus die umliegenden Hänge nach Rotwild abzusuchen. Das Verfahren kennen wir schon: Von unten hält man nach Rotwild Ausschau, um sich dann, sollte man ein passendes Stück ins Visier bekommen, diesem in einer Pirsch zu nähern. Doch diesmal scheinen wir Pech zu haben. Wir halten an verschiedenen Stellen an, glasen die Hänge ab und entdecken auch so manches Stück, das aber leider nicht infrage kommt. So dringen wir mit dem Wagen in Richtung der Lodge tiefer ins Revier vor, um von dort aus Ausschau halten zu können.


Vom See aus suchen wir die umliegenden Hänge nach Rotwild ab.


Das Jagdrevier erstreckt sich rund um den See.


Mehrere Stunden geht es durch abwechslungsreiches Gelände.



Wir folgen ganz bequem einem kleinen uralten Wanderweg, der quer durch das Revier führt.


Das Revier erstreckt sich an der östlichen Seite eines tief ins Landesinnere gezogenen Lochs und verläuft paral- lel zu der schmalen Straße, die entlang des Sees führt. Nur ein paar Häuser stehen hier links und rechts an der Straße, dahinter befindet sich ein halbhoher lichter Waldsaum, der sich die Hügel hinauf immer mehr öffnet und in eine flache Heidelandschaft übergeht. Das Gelände des Reviers stellt keine besonderen Anforderungen an die Kondition des Jägers, dazu sind die „Highlands“ hier zu flach. Außer Atem gerät man kaum. Herausfordernd wird die Pirsch erst auf den letzten Metern, und die haben es in sich. Die ebene Heidelandschaft bietet weder Schutz noch Deckung, sodass man sich öfter auf allen vieren bzw. kriechend fortbewegen muss, um nah genug ans Wild heranzukommen.

WARTEN AUF WIND

Doch so weit sind wir noch lange nicht. Momentan stehen wir noch unten am Rand des Sees und beobachten ein Kahlwildrudel, das an einer Bergkuppe langsam über den Kamm zieht. Wir warten, dass der Wind einsetzt. Denn ohne Kenntnis der Windrichtung brauchen wir erst gar nicht loszuziehen, erklärt uns Fergus, der sich gelassen mit dem Rücken an die Autotür lehnt. Ein wenig ungeduldig glase ich die anderen Hänge ab, entdecke jede Menge Rotwild in weiter Entfernung und mache Fergus darauf aufmerksam. Da sei heute das andere Team unterwegs, uns gehören heute die Hänge rechts von der kleinen Schlucht, die sich hinter ein paar Häusern nach oben ziehe, sagt er, als mir eine Windböe die Haare ins Gesicht bläst.

Warten, bis der Hirsch endlich aufsteht


Endlich kann es losgehen. Fergus entscheidet sich dafür, unseren Revierteil, den wir heute bejagen wollen, von der Grenze her zu erschließen. Der Wind kommt aus östlicher Richtung, und wir folgen ganz bequem einem kleinen uralten Wanderweg, der quer durch das Revier führt. Jederzeit können wir auf Wild stoßen, und entsprechend vorsichtig gehen wir den schmalen Pfad entlang. Ebenso können wir jedoch auf diesem Weg auch auf Wanderer stoßen, doch das Glück ist uns hold, denn wir begegnen keiner Menschenseele.

Erst nachdem wir eine ganze Zeit lang dem Pfad gefolgt sind, verlässt Fergus den bequemen Weg quer zum Berghang entlang und schlägt den Weg direkt nach oben ein. Sein Ziel ist eine kleine Senke oberhalb einer Hügelgruppe, in der sich das Rotwild immer wieder gerne aufhält. Hier steht noch ein verfallener Schafstall, von dem man einen guten Ausblick hat, doch bis dahin kommen wir erst gar nicht. Vor uns taucht aus einer kleinen Senke Kahlwild auf, dahinter hören wir das Röhren eines Hirsches. Sofort legen wir uns auf den Boden und warten, dass der Hirsch auftaucht. Das Kahlwild hat uns glücklicherweise noch nicht entdeckt und zieht in die nächste Senke hinab. Dann taucht der Hirsch kurz auf, zieht dem Kahlwild nach und verschwindet wieder aus unserem Blickfeld. Ein Kronenzehner, wenn ich auf die Schnelle richtig gezählt habe, doch auf jeden Fall zu jung. Fergus schüttelt den Kopf und schlägt erst einmal eine kleine Pause vor.

Die Mittagspause wird in Schottland von den Stalkern immer penibel eingehalten. Leider hatten wir noch keine Möglichkeit, einkaufen zu gehen, sodass wir mit Schokoriegeln und Lei- tungswasser vorliebnehmen müssen, während Fergus vor unseren Augen ein leckeres Sandwich verspeist. Dafür dürfen wir uns mit Blick auf das Tal und die umliegenden Berge in aller Ruhe an der Schönheit dieses Landstriches sattsehen. Und das bei freundlichem Wetter, was für Schottland um diese Zeit nicht gerade selbstverständlich ist.

AUF UMWEGEN ZUM SCHUSS

Nun wollen wir zu dem kleinen Pfad weiter unten zurückkehren, um dort die Pirsch quer durchs Revier fortzusetzen. Wir sehen den Weg bereits vor uns, als wir auf ca. 800 Meter Entfernung einen Hirsch entdecken, der passen könnte. Fergus will ihn näher in Augenschein nehmen. Also umrunden wir weiträumig eine offene Fläche und nähern uns dem Hirsch erneut von unten. Es beginnt eine anstrengende Pirsch auf allen vieren, tief geduckt, die uns allerdings nicht viel weiterbringt. Wir gelangen einfach nicht nah genug heran. Das Gelände vor uns macht eine Pirsch auch im Kriechen nahezu unmöglich. Wir brechen ab und ziehen uns wieder zurück.

Fergus schlägt vor, es nochmals oben von dem kleinen Weg aus zu probieren. Von hier aus pirschen wir am Weg entlang näher an den Hirsch heran. Und wieder beginnt eine anstrengende Krabbeltour, diesmal jedoch nicht durchs weiche Heidekraut, sondern auf dem steinigen Trampelpfad, der uns jeden Stein in den Knien und Ellbogen spüren lässt. Zum Glück steckt die Waffe in einem strapazierfähigen Futteral, so können wir sie auf dem Boden hinter uns herschleifen. Alles andere wäre in der Situation hinderlich gewesen und würde nur zu Schäden an der Waffe führen.

Moment der Andacht


Ungewohnt, nur das Haupt zu bergen, treten wir den gemeinsamen Rückweg zur Lodge an.


DIE RABEN WISSEN SCHON BESCHEID

Schließlich haben wir uns dem Hirsch bis auf 210 Meter genähert und richten uns ein. Der Hirsch liegt vor uns und scheint uns nicht mitbekommen zu haben. Das sperrige Heidekraut macht es uns nicht gerade einfach, eine geeignete Schussposition zu finden. Doch nachdem Oliver ein paar Zweige abgebrochen hat, ist auch das letzte Hindernis beseitigt. Jetzt heißt es abwarten, denn der Hirsch macht keine Anstalten, aufzustehen. Wir haben Zeit, ihn näher zu betrachten. Die Decke ist struppig und fleckig, auch sonst wirkt der Hirsch abgekommen und mager. Kolkraben kreisen über uns. Und als ob sie bereits ahnten, dass sie heute ein Festessen erwartet, lassen sie sich nicht weit entfernt von dem liegenden Stück auf ein paar Felsen nieder.

Schließlich richtet sich der Hirsch langsam auf. Oliver geht in Anschlag, das Herz schlägt mir bis zum Hals. Fergus gibt den Schuss frei, und die Kugel findet ihren Weg. Wir warten noch ein wenig, bevor wir zum Stück gehen und dem Wild die letzte Ehre erweisen. Ich freue mich sehr für Oliver, denn vor ihm liegt ein alter Sechsender mit krummen Stangen, ein typisch schottischer Abschusshirsch, wie er nicht hätte besser sein können. Schwach im Wildbret und ganz abgekommen, können wir die Rippen des Stücks einzeln zählen.

Wir rätseln ein wenig, warum wohl das Stück so schwach ist. Da bricht Fergus den Hirsch auf und sogleich werden wir fündig. Ein etwa zwölf Zentimeter großer Tumor klebt an der Innenseite der Bauchhöhle, der sich nicht ablösen lässt. Fergus nimmt per Funk Kontakt zu den anderen Stalkern auf. Nach kurzer Rücksprache sind sich alle einig. Das Wildbret möchte keiner mehr essen und darf auf keinen Fall in den Verkauf kommen. Und so verblenden wir den Wildkörper nur ein wenig. Wohl wissend, dass sich um den Rest die bereits wieder über uns kreisenden Kolkraben kümmern werden.

Mit der Trophäe über der Schulter treten wir den Rückweg an. Jetzt können wir ganz bequem dem kleinen Trampelpfad den Berg hinunter folgen und kommen nach einer knappen Stunde wieder am Auto an. Mittlerweile haben wir von den anderen Jägern gehört, dass auch sie bereits erfolgreich waren, und freuen uns auf einen langen, fröhlichen gemeinsamen Abend.


Wir überlegen, wie wir die Pirsch am besten angehen können, denn das Gelände vor uns ist flach und bietet nur wenig Deckung.


VERFLIXT, IST DAS UNBEQUEM!

Am nächsten Tag bin ich diejenige, die die Waffe führt. Diesmal geleitet uns Fergus auf die andere Seite des Reviers. Da wir heute nicht einen Teil des Vormittags für Probeschüsse aufwenden müssen, sind wir bereits früh im Revier. Auf der Fahrt bekommen wir etliches Rotwild zu Gesicht, so parken wir das Auto auf halber Strecke den Hügel hoch am Wegesrand. Nicht weit vom Wagen entdecken wir in einer Senke ein Rotwildrudel, bei dem auch ein Hirsch steht. Doch diese Aufgabe scheint Fergus zu einfach zu sein. Wir steigen weiter den Hügel hinauf und sind bereits eine ganze Weile gelaufen, als Fergus uns auf einen Hirsch unterhalb eines Hügelkamms aufmerk sam macht. Wir überlegen, wie wir die Pirsch am besten angehen können, denn das Gelände vor uns ist flach und bietet nur wenig Deckung. Ein paar Meter hinter uns verläuft eine kleine Senke parallel zum Hang. Hier können wir gebückt etwas näher an den Hirsch herankommen, müssen dann aber doch noch knapp 100 Meter durchs Heidekraut robben.

Auf einer kleinen Bodenwelle richten wir uns ein. Ich messe mit meinem Entfernungsmesser die Distanz zum Wild. 240 Meter sind es, und ich müsste dazu auch noch bergauf schießen. Nicht gerade eine von mir präferierte Schießposition, doch ich werde mich dennoch einrichten und in Anschlag gehen. Sollte es nicht passen, kann ich immer noch abbrechen. Wie gestern liegt auch dieser Hirsch und rührt sich nicht. Er äugt zwar immer wieder in unsere Richtung, doch als Gefahr scheint er uns nicht wahrzunehmen. Ich mache mich fertig, gehe in Anschlag und stelle fest, dass die Position bequemer und komfortabler ist als ursprünglich angenommen. Das kam mir jedenfalls zu diesem Zeitpunkt noch so vor.

Ich berate mich leise mit Fergus; wir überlegen uns, wie sich der Hirsch wohl verhalten wird, wenn er aufsteht. Denn momentan liegt er zwar noch etwas unterhalb des Bergkamms, doch sollte er sich erheben, steht er erst einmal ohne jeglichen Kugelfang auf der Kuppe des Hügels. Allmählich beginne ich zu frieren. Immerhin liegen wir jetzt bereits eine knappe Stunde reglos in dem kalten, nassen Heidekraut. Meine Schulterblätter schmerzen mittlerweile heftig, da ich den Kopf ständig in den Nacken halten muss, um durchs Zielfernrohr blicken zu können. Ich bin mir nicht mehr so sicher, dass die Position die richtige ist, und dankbar dafür, dass Fergus meine Gedanken zu erraten scheint und vorschlägt, den Platz zu wechseln und den Hirsch einfach dort liegen zu lassen, wo er sich jetzt befindet.

Das flache Gelände bietet kaum Deckung, erhöhte Achtsamkeit ist gefragt.


So treten wir gemeinsam den geordneten Rückzug an und kriechen wieder zu der kleinen Senke zurück, in der wir uns endlich erheben und die steifen Glieder strecken können. Ein kleiner Fußmarsch bringt uns wieder auf Trab und wärmt uns auf. Auch Fergus hatte gefroren. Nach einer kleinen Mittagspause umrunden wir eine große Hügelkette knapp unterhalb des Kamms. Weiter unten treffen wir auf Rotwild, das uns jedoch mitbekommt und langsam nach unten zieht. Dadurch wird weiteres Kahlwild hochge macht, und ein junger Hirsch zieht auf uns zu. Keine zehn Meter von uns entfernt überquert er den Hügelkamm. Erst als er in unseren Wind kommt, trabt er mit schnellen Schritten in der Richtung davon, aus der wir gekommen sind.

VIEL WILD, VIELE LICHTER

Dass hier viel Wild zu finden ist, ist mir klar. Allerdings gibt es auch viele Lichter, die den Jäger leicht entdecken können. Immer wieder pirscht sich Fergus vor, um über die nächste Bodenwelle spähen zu können, und bedeutet uns dann, ihm zu folgen. Bis zum Nachmittag haben wir bereits fast den kompletten Revierteil umrundet, als Oliver auf 400 Meter ein großes Rudel entdeckt. Es verschwindet gerade in einer alten Abholzungsfläche, in der die Nadelbaumstümpfe zu großen Haufen zusammengeschoben wurden. Unwirtlich und karg sieht die Fläche aus, doch das Rotwild scheint sich dort wohlzufühlen.

Fergus macht aber keine Anstalten, dem Rudel, das jetzt hinter einer Kup- pe verschwunden ist, zu folgen, sondern pirscht sich am Rand der Fläche weiter um den Hügel herum. Keine Minute zu früh, denn das Rudel scheint in einem Bogen gelaufen zu sein und taucht jetzt wieder weiter vorn vor uns auf.

Vor uns geht es jetzt den Hügel hinunter. Die Heide und das Gras sind hier so niedrig, dass es unmöglich erscheint, näher heranzukommen. Wir lassen Oliver etwas weiter hinten zurück und legen uns flach auf den Boden. Da wir bergab robben, ist die Fortbewegung nicht so anstrengend, allerdings dürfen wir uns keinen Fehler erlauben, da das Wild auf uns einen anderen Blickwinkel hat. Wir kommen nur langsam voran, unser Ziel ist eine kleine Mulde im Boden und ein kleiner Hügel, auf dem ich die Waffe gut auflegen könnte. Schließlich haben wir es geschafft, nun kann ich mich einrichten. In der flachen Mulde liege ich ein wenig bequemer als beim vorigen Mal. Und da ich nicht ständig nach oben schauen muss, habe ich es eigentlich ganz komfortabel. Doch was macht das Wild vor uns? Ein paar junge Hirsche ziehen aus der Abholzungsfläche heraus auf die Grasebene zurück. Da sehe ich aus dem Gras vor uns die Stangen zweier Hirsche ragen. Die beiden starken Hirsche liegen keine 180 Meter entfernt im Gras und lassen sich durch das Rudel weiter unten nicht aus der Ruhe bringen.

Ein Büschel Heidekraut und die Jagdtasche müssen als Schießauflage reichen.


Höhepunkt eines langen Jagdtages – ein alter Highland-Hirsch liegt



Und so warten wir, wie die Hirsche im Gras liegend, darauf, dass sich einer von ihnen erhebt.


ERHEBT EUCH!

Der eine Hirsch sei passend, flüstert mir Fergus zu, doch erst ein Blick aufs Gebäude werde ihm Gewissheit bringen. Und so warten wir wieder, wie die Hirsche im Gras liegend, darauf, dass sich zumindest einer von ihnen erhebt. Doch die denken gar nicht daran. Ich mag es nicht, wenn man Wild dazu bewegen muss, aufzustehen. Meist ist die Störung zu heftig, sodass das Wild prompt abspringt. Außerdem läuft man Gefahr, sich selbst unnötig unter Druck zu setzen. Als auch nach einer knappen Stunde immer noch nichts passiert, wird Fergus ungeduldig. Doch weder verhaltenes Klopfen mit seinem Stock auf eine Wurzel noch leise Pfiffe bringen die beiden Hirsche auf die Läufe. Achselzuckend blicken wir uns an. Wir müssen hier wohl noch länger ausharren.

Kurze Zeit später taucht hinter einer Kuppe ein weiterer junger Hirsch auf und zieht in Richtung der liegenden Hirsche. Ich mache mich fertig, als endlich der erste Hirsch – nicht der, den ich schießen sollte – aufsteht und hinter den toten Baumstümpfen verschwindet. Jetzt liegt nur noch der andere Hirsch im Gras und neigt das Haupt leicht nach vorn – ein untrügliches Zeichen. Zuerst erhebt sich das Hinterteil, dann in Zeitlupe das Vorderteil. Nun vernehme ich nur noch leise, wie Fergus mir „Shoot!“ zuraunt. Da bricht der Schuss und bannt den Hirsch an seinen Platz.

Überglücklich kommt Oliver zu uns herunter und nimmt mich in den Arm. Er konnte alles von weiter oben verfolgen und sehen, dass der Hirsch liegt. Wir gehen gemeinsam zum Stück. Herzensfroh und ganz erfüllt vom Erlebnis des heutigen Tages erweisen wir dem majestätischen Stück die letzte Ehre.

Jagdreiseveranstalter:
West Highland Hunting
www.westhighland-hunting.co.uk

Hier geht’s zum Video der Schottland-Reportage:

www.youtube.halali-magazin.de